Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 231 Wien. Samstag den 6. April findet im Tempel in der Schopenhauerstraße 39 die Barmizwah-Feier des Knaben Wilhelm Gottfried Feuchtwan g, Sohn Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Feuchtwan g, statt. Oesterreichisches Seehospitz. Anschließend an die Generalversammlung des Vereines „Ferienheim", über welche wir unter Anführung der Präsenzliste in unserer letzten Nummer ausführlich berichtet haben, hat am 21. März d. I. unter dem Vorsitz der geschäftsführenden Vizepräsidentin Frau Sofie Grünfeld, die ordentliche Generalversammlung des österr. Seehospizes stattgefunden. Aus dem vom Schriftführer phil. Dr. Julius Graf, erstatteten Rechenschaftsberichte war das erfreuliche Gedeihen dieser Institution, die int abgelaufenen Jahre 50 arme, skrophulose Kinder im Seebade Grado mit den schönsten Kurerfolgen untergebracht hatte, zu entnehmen. Ein Bauplatz für die Errichtung eines eigenen Hermes ist bereits angekauft, die behördliche Bewilligung auf Grund der Baupläne erwirkt und ein großer Teil des Baufonds aufgebracht. Nach Erstattung des Kassen- und Revisionsberichtes durch den Kassier Herrn Richard Wiener, würdigte Herr Hofrat Dr. Benno Rappaport, als Delegierter der Kultusgemeinde im Kuratorium des Seehospizes, die außerordentlichen Verdienste der Damen, insbesondere aber der Frau Sofie Grünfeld. Er wies darauf hin, daß es ihrer großen Tatkraft gelungen ist, nicht nur in kurzer Zeit die ansehnlichen Mittel zur Bestreitung der Betriebskosten und den Grundstock zur Errichtung eines eigenen Heimes zu beschaffen, sondern auch die vielen Schwierigkeiten, welche sich dem Projekte einer Niederlassung in Grado entgegenstellten, zu beseitigen. Unter lebhaften Beifallskundgebungen wurde hierauf die Wiederwahl der Leitung beschlossen und die Kooptierung der Vorstandsmitglieder Frau Marie D e n e s und Herrn Leo Stein genehmigt. Nach wie vor gehören als Delegierte des Unterrichtsministeriums Herr Hofrat Polak, der niederösterr. Statthalterei Herr Hofrat Dr. August Notolitzky, und der Polizeidirektion Herr Polizeirat Viktor Pichler dem Kuratorium an. 50 Jahre Religionslehrer. Am 9. April begeht der Amtsleiter und Religionslehrer der israel. Kultusgemeinde Herr Ignaz L ö w seinen 70. Geburtstag und sein 50jährifes Lehrerjubiläum. Der Jubilar, der im Jahre 1862 als Lehrer an die deutsch-jüdische Schule in Göding engagiert wurde, blieb bis 1866 in Göding, von wo er dann als Religionslehrer für sämtliche Schulen der Stadt Krems berufen wurde. Im Jahre 1878 erfolgte seine Berufung zu der ehemaligen Kultusgemeinde Floridsdorf, wo er nun durch nahezu 35 Jahre zum Wohle der Gemeinde wirkt. Der Jubilar, der noch in voller Rüstigkeit sein Amt verficht, erfreut fich in den Kreisen der Floridsdorfer Bevölkerung allgemeiner Beliebtheit. Wien. (Leichenbegängnis.) Unter zahlreicher Beteiligung fand Mittwoch den 27. März das Leichenbegängnis der Gattin des Kantors der Wiener isr. KuUusgemeinde in Ottakring, Frau Charlotte Smotritzky statt. Die große Sympathie, deren sich die Heimgegangene erfreute, fand Ausdruck an der großen Beteiligung sowie an den zahlreichen Beweisen herzlicher Teilnahme, welche man dem schwergeprüften Gatten entgegenbrachte. Es waren u. a. zum Leichenbegängnisse erschienen: Der Bethausvorstand von Ottakring unter Führung seines Obmannes Ed. Pollitzer die Herren Sam. Fischer, Sal. Kohn, Alois Wintersteiu, Ottomar Katz. Sal. Weitzmanu und Wilh. Mandl, ferner der Obmann der Cbewra-Kadischa Herr Sigm. Weiler mit den Vorstehern Sam. Fischer, Mor. Pick, Sig. Kornmehl, Sigm. Schickler. Phil. Blau, Ed. Leihen, Art. Unterberg und Sams. Schreiber. Weiters bemerkte man die Beamtenschaft der Wiener ffr. Kultusaemeinde unter Führung des Sekretärs Herrn Dr. Adler. Inspektor Braun, den Amtsleiter Freistadt und Fuchsgelb u. v. A. Die kantorale Funktion versah der Erste Kantor M. B. Kaufmann in glänzendster Weise und hielt Rabbiner Dr. Bach der Henngegangenen einen alle Zuhörer ergreifenden, warmempfundenen Nachruf. Wien. (Sederabend im allgemeinen Krankenhause.) Der Verein „Krankenbesuch" (Bikur Chaulim) veranstaltete wie alljährlich im kleinen Tempel des allgemeinen Krankenhauses eine Sederfeier. Dieser Verein, deffen überaus rühriger Vorstand mit kleinen Mitteln so große Wohltaten ausübt, findet leider noch immer zu wenig Würdigung. Die nachfolgende Schilderung möge als ein Appell an alle im Wohlsiand lebende Juden ausklingen, diesen Wohltätigkeits- Verein nach Kräften zu fördern. Den Seder gab Herr A. D. Karpfen. Sie waren olle gekommen, alle, die ihr Bett verlassen konnten. Es war eine trauri, e Gemeinde, welche das schlichte fteire Bethaus füllte. Tie langen, bleichen, schleichenden G stalten, in ihre Spitalskittel wie in Schicksalsaewändern gehüllt, mit bedeckten Häuptern. Neben alten, kranken, von der Not des Lebens gebrochenen Männern Jünglinge mit heißerregten Herzen, welche mit Demut Schmerzen ertragen; neben einem schwerkranken Familienvater, dessen treuer Begleiter schon seit einiger Zeit der Mann in der Narrnkappe ist. Knaben aus dem fernsten Galizien, verlassene Kinder, unschuldig Leidende — mit großen fragenden Augen -. . . Aussätzige, die das Leben wie eine Pfütze nachschleift, und — hie und da ein helles, glücklicheres Gesicht, in dem sich wiederkehrende Gesundheit, neu erweckter Lebensmut verkündet. Hinter einem Vorhang die Frauen. Sie waren alle gekommen, die Wunder jener Nacht noch einmal zu vernehmen — und in ihren Gesichtern, diesen starren, bleichen, zerklüfteten Gesichtern lebt der alte Judenglaube, der unausrottbare, durch Jahrtausende eingebrannte Wunderglaube. O. Ihr lieben armen Menschen; o, Ihr Heimatlosen, Schmachtenden, Dürstenden — Ihr Kranken, Genesenden, Sterbenden — mögen sich immer mehr gute Menschen finden, die mit der Fackel der Menschenliebe in Euere Dunkelheit hineinleuchtend ein wenig Sonne, ein wenig Freude bringen — damit endlich — endlich auf die Frage ma nistani — warum ist ausgezeichnet -Antwort werde! ElseFeldmann. Kranken-Unterstützurrgs-Berein „Liwias Chen". Mit der am 17. März a c. stattgehabten Generalversammlung ist dieser überaus segensreich wirkende Verein in das 25. Jahr seines Bestandes getreten. An seiner Spitze stehen tüchtige und umsichtige Männer von selbstloser Hingabe für die humanitäre jüdische Sache. Dem letzten Jahresberichte entnehmen wir einen Mitgliederstand von 285 Prsonen und die mit Genu. tuung *u verzeichnende Tatsache, daß der Verein „Liwias Chen" Zeit seines Bestandes folgende Leistungen aufweist: an Krankenunterstützungen K 22.121.36, an Witwenunterstützungen K 3815.42, an Unterst! tznngen in Schiwahfällen K 2(35.22, an Beistellung in Mrnjanfällen K 883 10. an Gräbst. in-Errichtungen K 1058.20, an Begräbniskosten (Wagenbeistellung) K 534.72, an Dürftige und Bedrängte K 854.65, an zinsenfreie Darlehensgewährungen K 50.720.—. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf K 23.253.46. Der Verein erhält ein Bethaus, in welchem täglich morgens und abends d?r Gottesdienst verrichtet wird und in welchem allsabbatl:ch ein berühmter Talmudist Vorträge hält. — Gegen eine monatliche Einzahlung von K 1.20 gewährt der Verein .Liwias Eben" seinen Mitgliedern folgende Benefizien: 1. Unentgeltliche Beistcllung eines Arztes für die Mitglieder des Vereines, 2. Beistellung eines Arztes gegen ermäßigtes Honorar für die Familienangehörigen der Mitglieder, 3. K 14.— Krankengeld pro Woche, 4. K 10.— Unterstützung in Trauerfällen (Schiwah), 5. Beistellung einer Nacht-Krankenwache (Schmirah), 6. Teilnahme an dem Begräbnisse eines Milgliedes, 7. Pietätsakte durch Verrichtung von Kadisch und Maskir-Neschomoh» 8. Ausbezahlung von dermalen L 150.— an die Witwe eines verstorbenen Mitgliedes, 9. Kostenfreie Aufstellung eines Grabdenkmales, 10. Zinsenfreie Darlehensgewährung. Saisonschluß in der Toynbee-Halle. Samstag den 30. v. M. hat die Toynbeehalle mit einem von der bekannten Gesangspadagogin Frl. Freistädt verdienstvoll arrangierten Konzertabend die Vortragssaison 1911/12, die am 4. November 1911 begonnen und 147 Abende umfaßt hatte, beschlossen. Der Obmann Dr. I. Samuely dankte in seinen Abschiedsworten an die Besucher den Dozenten und Kunstkräften, die sich stets bereitwillig in den Dienst der guten Sache stellten, würdigte die hingebungsvolle Tätigkeit des Obmann-Stellvertreters Karl Freund und dessen Gattin Marie, die Mitarbeiterschaft des Sekretärs Guido Fuchsgelb und das Verdienst des „I u g e n d b u n d e s", besonders des Herrn zur. cand. Paul Eifinger um die Organisation der unentgeltlichen Unterrichtskurse der Toynbeehalle, welche glänzend prosperieren. Er brachte den jungen Helferinnen, die allabendlich die Verabreichung des Tbees besorgten, den Freunden und Förderern der Institution und deren Mitglieder herzlichen Dank zum Ausdruck und schloß mit dem Wunsche, daß die Absicht des Vereinsvorstandes, im XX. Bezirke ein eigenes, dem Bedürfniffe voll entsprechendes Volksbildungshaus zu errichten, alsbald verwirklicht werden möge. In rührenden Worten sprach nun der Senior unter de-> Besuchern, Herr M. Palleuberg, und namens der Jugend Herr Welles, dem Vereinsvorstande und den Vortragenden herzliche Dankesworte widmend. Wehmutsvoll war der Abschied der Besucher von der Halle, die ihnen besonders in den letzten Wochen nebst einer Reihe ausgezeichneter Vorträge mannigfache belehrende Unterhaltung geboten hat. So sei des von Frau Dozent Dr. Grimfeld M't einer Schar bekannter Künstler arrangierten Konzert-