Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Dki Vkochs Wochenschrift Lette-143 Nr. 9 Unter den vielen Trauergasten sah man: Die Beamtenschaft der Fürst Johann. Lichtenstein'schen Gutsverwaltung aus Ung.-Ostra, die Beamtenschaft der gräflich MagnisMen Güterdirektion Straßnitz, die Beamtenschaft der. vereinigten Rotiatetz—Bisenzer Zuckerfabriken, dann Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden mit ihren Kultusvorstehern aus Sträßnitz, Wessely und Ung.-Ostra. Herr Rabbiner Dr Reach ans Gaya hielt an der Bahre der Verblichenen, sowohl im Trauerbause als.an der Grabstätte, tiefempfundene Nachrufe, welche auf alle Leidtragenden einen ergreifenden Eindruck machten. Linz. (Todesfall.) Am 19. Februar d. I. starb daselbst eines der ältesten und. würdigsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Elias Pol.lak, Kaufmann, im 89. Lebensjahre. Durch seinen wahrhaft biederen und streng'rechtlichen Charakter, durch seine edle Herzensgüte und durch sein tiefempfundenes' religiöses Gemüt verstand er es, sich die Sympathien, Wertschätzung und Achtung Aller, die ihn kannten, zu - verschaffen. Einer frommen würdigen Familie in Butschowitz, Mähren,, entstammend, übersiedelte er ich Jahre 1876 von Abbs nach Linz und. hatte gleich in den ersten Jahren seines Hierseins derartig regen Anteil an den Interessen der Kultusgemeinde genommen, daß ihn dieselbe schon im Jahre 1834 in den Vorstand berief und nicht lange nachher als Tempelvorsteher erwählte, welches Amt er bis zum Jahre 1909 . ohne Unterbrechung mit vollstem Pflichteifer versah. Als die Last der Jahre es ihm nicht mehr gestattete, sich mit Gemeinde- Angelegenheiten zu befassen, hatte ihn der Vorstand in Anerkennung und Würdigung seines verdienstvollen Wirkens zum Wohle der Gemeinde zu seinem 25jährigen Jubiläum nebst Ueberreichung eines prachtvollen Silberpokals und einer Anerkennungsadresse zn ihrem Ehren? mitgliede ernannt. Welch großer Beliebtheit sich der Verblichene in Linz erfreute,'gab 'sich bei seinem am 21.-d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse kund. Ein fchier endloser Zug bewegte sich vom Trauer- Hause zum Israel. Friedhofe, darunter der Gesamtvorstand-der israel. Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa. In der Zeremonienhalle rezitierte in ergreifender Weise Herr Oberkantor Löwensohn das »Uarur tomim«, worauf Se. Ehrwurden Herr' Rabbiner Friedmann in äußerst beredten Worten die trefflichen und edlen Eigenschaften des Verblichenen schilderte und an dessen Bahre im Namen des Vorstandes den Dank für dessen nncigennütziges, rastloses Wirken zum Ausdrucke brachte. . Olnmtz. (Todesfall.) Vorige Woche starb im hiesigen k. u. k- Garnisonsspital Herr Moritz Freund, k. u. k. Major im Infanterieregiment Nr. 39. Im Vestibül, WO1 die Leiche aufgebahrt war, hielt Herr Rabbiner Dr: Oppenheim in Gegenwart des Offizierskorps unter Führung der Generalität eine ergreifende. den Verstorbenen ehrende, von patriotischem Geiste erfüllte Ansprache, die auf die Anwesenden einen sichtlich nachhaltigen Eindruck machte. Unter den üblichen militärischen Ehren wurde die Leiche zur Ueberführung und Beisetzung auf dem isr. Friedhof in M.-Aussee begleitet. Gr.-Meseritsch. Am 20. Februar verschied H.rr Jakob G. M ii 11 c r, Präses der hiesigen israel. Kultusgemeinde, Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und-' des k. k. Bezirksschulrates, Obmannstellvertreter des Ortsschulrates, Delegierter des mährisch-jüdischen Landesmassasonds2C, Die allgemeine Sympathie, Hochachtung und Wertschätzung, deren sich der selig Entschlafene nicht nur hierorts, sondern auch in weitesten Kreisen erfreute, manifestierte sich in der ungemein zahlreichen Beteiligung bei dem am 22. v. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse. Es hatten sich im Trauerhause eingefunden: Eine Abordnung . der k, k. Bezirkshauptmannschaft mtt dem k. k. Amtsleiter Dr. Makovic, die. Stadtbehörde und der Gemeinderat unter Führung des Bürgermeisters kais. Rat Czermak, die Vertreter des k. k. Steueramtes, der Ortsschulrat mit dem Obmann Emil Kallab, die Direk- Kren der Landes-Oberreal-, Bürger-, Ackerbau- und Volksschule, die Repräsentanz der Kultusgemeinde Trebitsch mit Präses Taussig, in Vertretung der Kultusgemeinden Jglau k. k. Oberlandesgerichtsrat Treber und Fabrikant Feldmann und Holleschau Gemeinderat Lampl; Direktor Plachetka der gräflich Harrach'schen Domänen- und Schloßverwaltung, Direktor Fojrik der Baron Baratta'schem Güter aus Budischau, das Gremium der Kaufmannschaft mtt dem Präsidenten Major, der Gewerbeverein und die Gastwirtegenoffenschaft mit Obmann Pavelka, in Vertretung der Freiwilligen Feuerwehr Hauptmann Placketka 2c.. rc. Vollzählig: erschienen waren der Kultusvorständ und die Gemeindemitglieder, die Mitglieder der Chewra-Kadischa, die Gemeindeangestellten und die Schüler der deutschen Volksschule unter Führung des Oberlehrers Haban. Im Trauerhaufe stimmte zunächst unser- Oberkantor Steiner in ergreifender Weise den Sulzer'ichen «Joschew Beseffer" an, der vom verstärkten Tempelchor und unter Mitwirkung des Obe-kantors Fuchs aus Trebitsch gesungen wurde. Nach einem kürzen deutschen Gebet, gesprochen von Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Stößler, Rabbiner in Trebitsch, wurde der Sarg von Mitglieder des Kültüsvorstandes gehoben und in den schwarzdrapierten Tempel getragen, woselbst Rabbiner Dr. Stößler aus Trebitsch dem teueren Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf hielt; sowohl dieser als auch das vom Chor unter der Leitung des Oberkalitors Steiner gesungene deutsche Lied „Seele, was betrübst Du Dich" übte auf die Trauernden einen mächtigen Eindruck aus. Wieder wurde der Sarg von Gemeindemitgliedern gehoben, in den Leichenwagen gebracht und der Trauerzug, nach vielen hunderten Menschen zählend, bewegte sich (über Wunsch der Stadtverwaltung) über den ganzen Ringplatz zum Friedhofe. In der Friedhofshalle hielt, nach der Rezitation des D'Bn -flän, Oberkantor Steiner einen Nachruf namens des Vorstandes der Kultusgemeinde, Chewra-Kadischa, sowie sämtlicher Vereine und dankte dem teueren Verblichenen für sein bingebeudes und verdienstvolles Wirken während seiner. 40jährigen Tätigkeit als Präsident der Gemeinde. Nach Absingen des „Schiwiffi* wurde der Sarg von den Söhnen des Verklärten zum Grabe getragen. J. St. Groß-Meseritsch Am 25. v. M. wurde hier Frau Charlotte Blum, Witwe nach dem sel. Herrn Joachim Blum, der durch viele Jahre Kultusvorstandsmitglied unserer Gemeinde war, unter außerordentlicher Beteiligung zu Grabe getragen. Herr Oberkantor Steiner hielt der Verstorbenen den wohlverdienten Nachruf. I. St. Effegg-Nnterstadt. (Todesfall.) Am 21. v. M. starb im hohen Aller, im 78. Lebensjahre, Herr Alexander Obersohn, der Begründer der Essegg-Unterstädter KultuSgemeinde. Oberrabbiner Dr. Simon Ungar widmete dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf. Prerau. Der 70. Geburtstag des Herrn Profeffors Dr. Jakob Tauber, Oberrabbiner iu Plerau, den er öffentlich zu begehen nicht beabsichtigte, gestaltete sich zu einer Feier voll Anerkennung der ausgezeichneten Leistungen für den pfl chteifrigen Seelsorger. ReligionZlehrer, hervorragenden Prediger und jüdischen Gelehrten. Die politische Gemeinde Eibenschitz. in der er durch mehr als zehn Jahre rühmlich wirkte, überraschte ihn durch ihre Ernennung zum Ehrenbürger derselben. Der Kultusausschuß zu Prerau, geführt vom Herrn Kultusvorst-cher Mcx Mayer, überbrachle nach dem staltgehabten Festgottesdienst die herzlichen Wünsche. der Gemeindemitglieder für ihren Seelsorger, der durch 27 Jahre den innigsten Anteil nahm an den Jnstilutionen der Gemeinde und vermöge seiner Herzensgute sie hegte und pflegte. Der Ortsschukrat gratulierte inniglich und dessen Obmaun Herr Tschiaßny führte auch in rührender Weise die Deputationen der Schuljugend an, die unter Ueberreichung von Blumengewinden, ihren geliebten Lehrer beglückwünschte«. Die Borstandsdamen des Frauenvereines überreichten dem Jubilar ein wertvolles Ehrengeschenk. Das Präsidium des mähr.-schlefischeu Rabbiner-Verbandes, die Herren Rabbiner Dr. Freimann-Holleschau, Dr. Oppenheim-Olmütz und Professor Dr. Steiner-Bielitz, überbrachte eine Adresse 'und "feierte seinen hingebungsvollen Kassier in anerkennungsvoller Weise. Dankesadressen übersandten auch diMultusgemeinden Eibenschitz, Kojetein und Tobitschau, ebenso auch der Herr Direktor des k. k. Staatsgymnasiums zu Prerau, Regierungsrat Vävra, und der Professorenkörper. Der k. k. Bezirkshauptmann Herr Karl Ritter v. Bleileben beglückwünschte von Brünn aus den Rabbiner telegraphisch und schloß mit den Wortenr „Gott beschütze Sie noch fange in ungetrübter Frische zum Woble Aller". Allerbeste Glückwünsche übermittelten unter anderen der Herr k. k. Statthaltereirat Dr. Spitzer, die kaiserl. Räte Med. Dr. Kohn-Teschen und Leopold Sachs-Wien, Dozent Dr. S. Jellinek-Wien, Handelskammerpräsident Lazar Bloch-Brody. Regierungsrat Dr. Franksurler- Wien, Dr. Feuchtwaug-Wien, Overlandesgerichtsrat Dr. Spitzkops, Professor Dr. W. Neumann, Schriftsteller Dr. Sigmund Münz und Dr. Arnold Ascher-Wien, die Malzfabrikanten Jg. Brieß, Berthold Haas und Th. Neumann-Olmütz. die meisten Herren Nabbiner Mährens und Schlesiens, die Herren Inspektoren Jos. Schiller und Fr. Weiß, Kurator und Bezirksschulrat Karl Löw und dessen Sohn Dr. Alfred Löw, Dr. Oskar Ezeczowiczka, die Advokaten Dr. Robicek. Dr. Rud. Katz, Dr. Jos. Rosenzweig, Tr. Fritz Mayr, Frau Hofrätin Emilie v. Pfeiffer, Frau Kultusvorsteher Sofie Mayer. Junge Herren als Deputation einstiger Schüler rmd eine große Zahl von Freunden und Bekannten aus Prerau und Mähr.-Ostrau und anderen Gemeinden. Feuilleton. Gin Purim Kind. Berl Goldlust war in T. vor 19 Iahren am Purim- Abend zur Welt gekommen und ein im Rufe großer Weisheit stehender frommer Mann hatte den Eltern geweissagt, daß dem Neugeborenen ein anderer Purim-Abend großes Glück bringen werde. Er war armer Leute Kind, aber er zeigte schon früh ungewöhnliche Anlagen. Er faßte rasch und gut auf, und der Vater entschloß sich daher, ihn, gleich den Kindern der „Intelligenz", die öffentliche Volks- und Bürgerschule besuchen zu lassen. Bei den Gesangsstunden zeigte es sich, daß der kleine Berl