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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 134 Dr. Blojchs WochMchrift Nr. S fühlen sich berufen, sehr wenige werden auserkoren. Man wir uns den Lurus gestatten dürften, sie in Reibereien muß die Dilettanten zu Paaren treiben und Platz schaffen im eigenen Lager zu verzetteln. Doch halte ich mich für Kenntnisse und Energie. Die Zeichen der Zeit sind an den Wahlspruch.: „Reden soll er, wenn er muh, wenn Warnungssignale. Die Berufung des Prinzen Alois ihn treibt der Genius." Und der Eenius/der mich treibt, Liechtenstein, der Kapazität vom Blauen Luchsen, dieses . der sitzt in seiner ^ültuÄsWe^unÄ,in keiner Redaktion. Mechaniker Schneider unter den Aristokraten, des Ver- Was mich diesmal zum Reden trieb, dasgoar^mein trelers des Judenhasses ins Herrenhaus, es sagt genug einfaches, gerades, jüdischest Ehrgefühl, Meine Empörung über den Willen oder über die Macht der Regierung, über den Hohn, den Somöart uns bot, über sein Jong- Der Statthalter von Niederösterreich, die Appellinstanz lieren mit dem Antisemitismus in der 'einen und der für die Wahlen, ist der Baron Vienerth, der mit den Judenschmeichelei in der anderen Hand. Christlich-Sozialen stets auf bestem Fuße gestanden ist. Da mir jedoch eine Diskussion vor acht Tagen im Das christlichsoziale Parteiorgan Reichspost ist noch immer Sofiensaal nicht zu ermöglichen war, ergreife ich heute ein sehr beachtetes Organ und man kennt ihre mächtigen mit Freuden die Gelegenheit, hier das auszuführen, Hintermänner. Da heißt es Einigkeit, Größe, Freiwas an Ort und Stelle unmittelbar nach seinem Vorgebigkeit und Klugheit zeigen, um gegen alle diese Faktrage Sombart entgegenzuhalten meine Absicht war. - toren aufzukommen. Wenn man die Bevölkerung in Sombart verwahrte sich und die Christenheit gegen ihrer Gänze dem Fortschritt wieder zurückgewinnen will, die Einmischung der liberalen Presse in interne kirchso muß man jetzt den Sieg gut vorbereiten und dann liche Fragen und behandelte diese Presse als Sprachrohr erringen oder man wird statt eines Triumphes sich des Judentums. stets mit mäßigen Erfolgen begnügen müssen. Bereits Denselben Vorwurf unberechtigter Einmengung in der Anfang der Wahlvorbereitung, die Kandidaten- Angelegenheiten der Christenheit hat im vorigen Jahre frage, muß das Ende der Christlich-Sozialen bedeuten, das Parteiorgan der Katholisch-Klerikalen in Deutsche» _ land, die „Germania", gleichfalls nicht nur gegen ein einzelnes Blatt erhoben, sondern für die Haltung dieses Grrmmalds DorLrag rm Keettlovenfaa einen Blattes hat sie, genau so wie Sombart, die Juden im Ganzen und Großen verantwortlich machen Zu dem für Sonntag, den 25. Febr., 7 Uhr, angewollen. Ein jüdischer Lehrer aus Bocholt in kündigten Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. Grün- Westfalen hatte aber den Mut, in einer Erwiderung wald fand ein derartiger Andrang des Publikums statt, an die „Germania" entschieden dagegen Stellung zu daß bereits um V»7 Uhr der Zugang zu dem Saale genehmen, daß man jene sogenannte, judenliberale Presse sperrt wurde und zahlreiche Besucher umkehren mußten, mit dem Judentum in irgend welchen Zusammenhang Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, bringe. Die „Germania" hat diese Erklärung abgedruckt Herr Dr. Alfred Stern, neben dem der Vizepräsident und beifällig kommentiert. Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kohn Platz genommen Professor Sombart wollte ich nun auch darüber hatte, eröffnete die Versammlung und erteilte dem Voraufklären, daß es nur ein e jüdische Presse gibt, nämlich tragenden das Wort zu dem Vortrage, aus dem hier die, die sich selbst als solche bekennt. Wenn aber ein ein Auszug folgt: Jude ein anderes Blatt redigiert, selbst wenn Besitzer, Professor Sombart hat seine Ansichten über Juden Herausgeber und sämtliche Redakteure Juden sind, so und Judentum in zwei besonderen Schriften niedergehat doch niemand das Recht, darum das Blatt als legt. In dem Werke „Die Juden und Wirt- Judenblatt zu bezeichnen und für seine Artikel die Juden schaftsleben", er selbst nennt es mit Vorliebe „mein zur Verantwortung zu ziehen. Wir Juden leisten diedickes Judenbuch", ferner in einer Broschüre „Die Zuselben Pflichten wie jeder andere Staatsbürger, wir haben kunft der Juden", die in erweiterter Form den Vorsomit auch das gleiche Recht, uns unsere politische Partei trag enthält, den er hier und vorher in Berlin und zu wählen, und die Freiheit, unsere politische Meinung Köln gehalten hat. Außer diesen beiden Büchern liegen zu äußern. Natürlich verabscheuen wir den Juden, der noch kleinere Aufsätze über die Judenfrage aus seiner sich einer Partei anschließt, die den Antisemitismus ver- Feder vor. Aus allen diesen Kundgebungen gewinnt tritt oder begünstigt. Das wirft aber ein schlechtes Licht man den folgenden Eindruck: Sombart bemüht sich um nur auf seinen persönlichen Charakter, vielleicht auch auf den Nachweis, daß die Juden die Entwicklung der maseinen Intellekt, doch ■ niemals auf das Judentum. Ob teriellen Kultur ausschlaggebend beeinflußt haben. Dieses z. B. ein Blatt in der Tripolisfrage für Italien oder für Verdienst Sombarts, über das ich mir kein Urteil andie Türkei Stellung nimmt, das hat mit dem Judentüm matze, nachdem Fachmänner es bestritten haben, wird aber nichts zu tun. Wir müssen aber auch konsequenter Weise bei weitem überwogen von der Einseitigkeit, die er zugeben, daß wenn ein Redakteur, der zufällig Jude übrigens selbst zugibt, und der WillLr seiner Darist, im Falle Jatho gegen das preußische Muckertum stellung der jüdischen Volksseele, die nicht ollem in ihrem sich wendet, er dies nicht als Jude tut, sondern als Inhalt, sondern noch weit mehr in ihrem Ton mit dem Vertreter des politischen Fortschritts, genau so, wie übereinstimmt, was wir von offen erklärten Judenfeinden iSombart inner-jüdische Fragen behandelt, nicht als dogzu hören längst gewohnt sind. malisch befangener Christ, sondern als Mann der Wissen- Diese Verletzungen des jüdischen Selbstbewußtseins schaft. tragen aber bei Sombart das Gewand indifferenter Daß das Motiv zu Sombarts Judenschriften, und Wissenschaftlichkeit und sind so dicht verschleiert, daß -reden von Haus aus ein wissenschaftliches ist, ergibt ihm selbst Juden lauten Beifall zollen. Diesen Schleier sich wohl schon daraus, daß er dieses Wort „wissenzu lüften, habe ich jüngst bei dem Vortrage Sombarts schaftlich" nicht in Anführungszeichen setzt, die er dort in Wien kein Mittel unversucht gelassen. gebraucht, wo er nicht ernstgenommen.sein will, so'. Ich strebte durchaus nicht nach dem Ruhme eines wenn er von dem „Verdienen" eines Juden spricht. " Herostrat, der ein berühmtes Heiligtum des Götzen dien Uns hat dieses Ironisieren, dieses versteckte Witzeln stes in Brand gesteckt hat, um sich dadurch einen Namen stutzig gemacht in einem Buche, von dem wir wissenzu machen. Auch meide ich grundsätzlich bis zum Aeußerschaftlichen Ernst erwarten sollten, sten jeden Konflikt mit meinen Stammes- und Glaubens- Diese Anführungszeichen stehen aber in Sombarts genossen, da ich meine, daß die Abwehr nach außen Judenbuch nicht vereinsamt. Allenthalben findet man in unsere gesammelten Kräfte zu dringend braucht, als daß Klammern Ausrufungszeichen, neckische Randbemerkungen,

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