Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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€>eiie 108 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr. 7 Synagogues den Standpunkt einnehmen, daß die einzelnen Synagogen und Synagogenverbände nach der Höhe ihres Beitrages zum Gehalt des Chief-Rabbi (dem sog. Chief-Rabbi's-Fund) in der Wahlversammlung vertreten sein sollten, stellt die Federation of Synagogues die Forderung auf, daß die Mitgliederzahl allein maßgebend fei für die den einzelnen Körperschaften einzuräumenden Wahlstimmen. Da die Federation den „Vereinigten Synagogen" numerisch überlegen ist — sie umfaßt 51 Synagogen Mit insgesamt 6500 Mitgliedern — erklärt sie, sich mit den ihr angebotenen 20 Wahlstimmen, gegenüber den 340, die die United Synagogues für sich in Anspruch nimmt, nicht begnügen zu können. Unter diesen Umständen zieht es die Federation vor, an der Wahl des Chief-Rabbi überhaupt nicht teilzunehmen, hat aber in einem Schreiben an die United Synagogues die Hoffnung und den Wunsch ausgesprochen, diese möchten einen Großrabbiner wählen, der allen Richtungen genehm ist und den auch die Federation anzuerkennen in der Lage wäre. Die Heimkehr König Eduards aus Indien. Auf seiner Rückreise aus Indien empfing König Eduard in Gibraltar eine Deputation der dortigen Judenschaft. Der Führer der Abordnung, Gemeindepräsident Vergeh begrüßte den König in einer Huldigungsansprache, in welcher er namens der Judenschaft von Gibraltar der Freude darüber Ausdruck gab, daß der König von dieser historisch denkwürdigen Reise glücklich heimkehre. König Eduard, der die Deputation huldvollst empfangen hatte, antwortete wie folgt: „Während Unserer Reise durch die Kolonien jenseits der Seen konnten wir ständig die befriedigende Wahrnehmung machen, daß unsere jüdischen Untertanen dem Reiche und Unserem Hause in Trjeue ergeben sind Und 'die großen Dienste beobachten, welche sie dem Reiche geleistet haben. Ihre Glückwünsche haben uns sehr erfreut und ich danke Ihnen herzlichst für die Aufrichtigkeit derselben." — Am Tage der Ankunft König Eduards in London wurde in der Hauptsynagoge eKi Danksagungsgottesdienst veranstaltet. bei welchem Dajan Hyamson die Festrede hielt. Er sagte unter anderem: „Die Gebete, die wir heute emporsenden, verrichten wir nicht nur als englische Bürger, sondern auch als Juden. Loyalität war stets die Ureigenschaft unserer Glaubensgenossen in allen Ländern, in denen sie lebten, selbst in jenen, wo die Judenverfolgung in Blüte steht. Umsomehr sei es für die Juden in England ein Herzensbedürfnis, Treue zu halten zu dem Staate und dem königlichen Hause. Diese Gefühle seien aber nicht ein Monopol bloß der in England geborenen Juden, sondern werden auch von den Einwanderern geteilt, die in diesem Lande einen neuen Himmel und eine neue Erde gefunden haben. Auch diese hegen den aufrichtigen Wunsch, daß Ihre Majestäten ihre hohen Ziele mit Erfolg gekrönt sehen mögen, und daß dieses Land ein Muster werde für andere Länder durch den höchsten Grad des Fortschrittes." Die Teilnahme der bulgarischen Juden an den Festlichkeiten in Sofia. Aus Sofia wird uns unter dem 4. Februar geschrieben: In der spaniolischen Zentralsynagoge und im deutsch-israelitischen Tempel fanden gestern nachmittag in Anwesenheit zahlreicher Gäste, darunter Vertreter des Zarenhauses und der Regierung, feierliche Dankgottesdienste statt. Die schwungvollen Reden des Landesrabbiners Dr. Ehrenpreis und des Rabbiners der deutschisraelitischen Kultusgemeinde, Dr. Rosenwasser, hinterlietzen einen tiefen Eindruck. Dr. Rosenwasser sagte unter anderm: Die Juden deutscher Zunge haben eine ganz besondere Veranlassung, den künftigen König zu feiern. Als vor 20 Jahren die hiesigen Juden eine Andachtsstätte begründen wollten, war es die in Gott ruhende Fürstin Marie Luise, die die erste größere Summe für diesen heiligen Zweck stiftete. Vor unseren Augen wuchs der junge Prinz heran und unsere Segenswünsche begleiteten ihn stets. Möge der kommende König die Traditionen seines großen Geschlechts fortsetzen. Unter den Deputationen, die der Kronprinz gestern nachmittag empfangen hat, befand sich eine Deputation der hiesigen deutsch-israelitischen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Rosenwasser als Führer der Deputation, Herrn Advokaten Dr. Josef Feuerstein und Herrn Vizepräsidenten M. Adler. In den königlichen Gemächern wurde die Deputation zuerst Sr. Exzellenz dem Ministerpräsidenten Herrn Eeschow vorgestellt. Und nachdem die armenische Geistlichkeit empfangen worden war, wurde die Deputation vorgelassen. Herr Rabbiner Dr. Rosenwasser richtete folgende Ansprache an den Kronprinzen: „Die deutsch-israelitische Kultusgemeinde in unserer Stadt entbietet Ew. Königlichen Hoheit die ehrfurchtsvollsten Wünsche zu höchstderselben Geburtstag. Die aus verschiedenen europäischen Ländern hier eingewanderten Juden bilden ein eigenes Gemeinwesen, sie geloben heute, an dem herzerhebenden bulgarischen Festtage, dem künftigen König Treue und Ergebenheit." — In prachtvollem Deutsch erwiderte der Kronprinz, daß. es für ihn erquickend sei, zu sehen, wie all die vielen Völker und Stämme Bulgariens sich vereinigt haben, der königlichen Familie und damit dem bulgarischen Zarenreiche Glück und Segen zu wünschen. Dom ganzen Herzen danke er für diese patriotischen Empfindungen. Hierauf reichte Se. Königl. Hoheit jedem Mitgliede der Deputation huldvollst die Hand. Dem Empfang wohnte auch der ungewöhnlich sympathische Prinz Kyrill bei, der gleichfalls jedem Mitgliede die Hand reichte. Zur Knabenmordaffäre in Kiew. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhält folgendes Telegramm : Kiew, 10. Februar 1912. Die Mordaffäre Iustschinski in Kiew zieht nach den Enthüllungen des Korrespondenten Brasul Bruschkowski immer weitere Kreise. Jetzt ist auch die ehemalige Geliebte des mutmaßlichen Mörders Mifle, welche als Hauptzeugin gegen ihn auftrat, als Beteiligte am Morde bloßgestellt. Eine gewisse Frau Malitzkaja, die zur Mordzeit unterhalb der Wohnung der Tschebyrjakowa wohnte, hörte durch die dünne Zimmerdecke am Tage des Verbrechens ein sehr verdächtiges Geräusch mehrerer geschäftig hin und hergehender Personen und das erschütternde Schreien eines Kindes. Es wurde weiter festgestellt, daß in der Wohnung der Tschebyrjakowa nach dem Mordtage blutgetränkte Lappen gefunden wurden, die man in die Müllgrube warf und mit Sand bedeckte. Außer den durch die ersten Enthüllungen bloßgestellten Personen sind jetzt noch die Personen Monzejewski und Ladischew dringend des Mordes verdächtig. Der russische Börsenkongreß gegen die Einschränkung der Rechte der Juden. Aus Petersburg wird uns unter dem 8. d. M. berichtet: Der hier tagende Kongreß von Vertretern aller russischen Börsen und der russischen Landwirtschaft sprach sich einstimmig gegen die Beschränkung der Rechte der Juden in Rußland aus. Die Resolution des aus rein rechtgläubigen Russen bestehenden Kongresses erregt in allen Kreisen großes Aufsehen.