Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift Gerte IS» heimatlos die eben erst überstandene Seereise noch einmal antreten. Die im Hafen anwesenden Vertreter jüdischer Organisationen nahmen sich des Armen an und wollten für ihn eine Appellation nach Washington einreichen. Es war gerade Samstag Mittag. Das Schiff stand bereit zur Rückfahrt. Da entwickelte sich zwischen dem Einwanderungsbeamten und dem Juden folgendes Gespräch: Beamter: „Unterschreiben Sie diese Appellation, dann sollen Sie bis zum Eintreffen der Antwort noch hier zurückbehalten werden." Emigrant: „Ich schreibe heute nicht, da wir heute Sabbat haben." Beamter: „Dann müssen Sie eben das Schiff besteigen und gleich die Rückreise antreten." Emigrant: „So zie>he ich es vor, lieber zurück ins heimätlofe Elend zu gehen, als den heiligen Sabbat zu entweihen." Sprachs und schickte sich an, das Schiff zu besteigen. Die Beamten, ergrfffen von diesem Heroismus des armen, bedrückten Mannes, riefen ihn aber zurück und brachten ihn vor den allgefürchteten, unerbittlichen Oberkommissar Williams, dem sie die Begebenheit erzählten. „Eine solche Heldentat," sagte der Kommissar, „verdient die höchste Achtung. Wir wollen den Mann, der so tief in seinem Glauben wurzelt und diesem so große Opfer zu bringen vermag, noch nicht zurückschicken. sondern uns unsererseits noch einmal in seinem Interesse bemühen." Als die Sache in Newyork bekannt wurde, legte sich auch der „Sabbatverein" ins "Mittel, und es fand sich bald ein Beiverein, der den Emigranten als Kultusbeamten anstellte. Daraufhin wurde ihm nach einigen Tagen der Eintritt ins Land gestaltet. Auszeichnungen in Frankreich. Zum Kommandeur der Legion d'honneur befördert wurde der Ingenieur Weiller, Lazare, für Dienste, die er der militärischen Aeronautik geleistet: zu Offizieren die HH. Leon, Lucien und Tuck, Edward: zu Rittern der Ehrenlegion ernannt wurden die HH. Weill, Bataillonschef, Bernherm, Lucien, Minenbesitzer in Neu- Kaledonien, Strauß, Rene-Raoul, Ber, Iac., Iournalist, Ernst, Armand, Mathematiklehrer, Suaros, Felir- Andrs, Schriftsteller, Schwöb, M., Industrieller in Moislains. — Die Akademie der Wissenschaften hat ihren derzeitigen Präsidenten, H. H. Lippmann zur Vertretung bei der Feier des 250jährigen Jubiläums der Königlichen Gesellschaft in London delegiert. Von den Juden in Neuseeland. Vorigen Monat fanden in Neuseeland die Parlamentswahlen statt, bei welchen der bisherige Vertreter für Auckland City East, Arthur M. Myers, mit erdrückender Majorität wiedergewählt wurde. Mr. Myers ist das einzige jüdische Mitglied dieser gesetzgebenden Körperschaft. Das Amtsblatt für Neuseeland veröffentlicht das Ergebnis der im April vorigen Iahres vorgenommenen Zählungen der einzelnen Konfessionen im Lande. Hiernach gab es damals 2128 jüdische Seelen, und zwar 1130 männliche und 999 weibliche. Im Iahre 1871 gab es in Neuseeland bloß 1262 Iuden. Da die Gesamtbevölkerung von Neuseeland 1,008.468 Seelen beträgt, so ergibt sich im ganzen 0,22 Prozent Iuden. Ein getaufter Jude, Gehilfs minister in Rußland. Vor einigen Tagen starb in Wilna ein gewisser Iakob Gaßmann, Besitzer einer Kistenfabrik. Wie die russischen Blätter berichten, war der Verstorbene ein Bruder des. gegenwärtigen Gehilfen des russischen Iustizministers Schtfcheglovitof, N. Gaßmann. Dieser Gehilfsminister, der bei der russischen Regierung großen Einfluß hat. wurde in Wilna geboren und erzogen. In seiner Iugend lernte er in mehreren Ieschibahs. wo er unter großen Entbehrungen dem Studium der talmudischen Wissenschaften oblag. Erst später begann er sich auch weltlichen Studien zu widmen. Um seine juristischen Studien in Rußland absolvieren zu können, tat er, was leider so viele vor ihm und nach ihm taten, er trat zur herrschenden Kirche über. Von da an konnte er infolge seiner Fähigkeiten auch Karriere machen und brachte es schließlich bis zum Vize-Iustizminister. Trotzdem er in allen maßgebenden Kreisen die höchste Anerkennung findet, hindert ihn seine jüdische Abstammung daran, jemals Minister in Rußland zu werden. So oft das Justizministerium in den Dumakommissionen eine schwierige Position zu verteidigen hat, wird Vizeminister Gaßmann ins Treffen geschickt, dessen große Sachkenntnis selbst die heftigsten Gegner entwaffnet. Die Kamsdarstellung. Wir erhalten folgende Zuschrift: „In der „Oesterreichischen Wochenschrift", Nr. 5 l. I., findet sich eine der „Vossischen Zeitung" entnommene Notiz, die den Tod Kains durch den blinden Lamech in der plastischen Kunst behandelt und dabei eine in der christlichen Kirche bekannte Legende in Erinnerung ruft, welche seit dem 16. Iahrhundert aus der Volksüberlieferung verschwunden ist. Die Sage, heißt es daselbst. erwähnt zuerst den Kirchenvater Hieronymus?) Rabbiner Dr. Rosenzweig in Berlin bezeichnet als Quelle dieser Legende nicht Hieronymus, sondern Ialkut Genesis 38 und Raschi zur Stelle. Dazu wäre zu bemerken. daß als erste jüdische Quelle dieser Legende nicht Raschi oder Ialkut anzusehen sind, welche ca. 8—9 Iahrhunderte später als Hieronymus lebten, sondern vielmehr ein Zeitgenosse des erwähnten Kirchenvaters, und zwar Midrasch Tanchuma bar Abba (Genesis), welcher ebenfalls im vierten Iahrhundert in Palästina blühte und lehrte. Allein auch arabische Historiker, wie Tabari IUt ckgest. 325 d. U.), Taälalu (gest. 427 der Flucht) p. 28. ben Atir (4. Ihd.) (L.-) berichten. Lamech. der erblindete Sohn des Kain, sei einmal von fernem Sohne geführt worden. Da erblickte letzterer seinen Großvater Kain, hielt ihn für ein Tier und sprach zu Lamech, er solle einen Schuß abgeben. Lamech tat es, und der Schuß traf Kain, welcher tot zu Boden sank. Als Lamech dessen rnne wurde, wen er getötet hatte, versetzte er seinem Sohne einen Hieb und erschlug ihn. Interessant ist, daß die arabischen Autoren den biblischen Vers (Gen. 4, 25) fast wörtlich übersetzt anführen und also deuten: „Wehe mir, ich tötete meinen Vater mit einem Bogenpfeil und meinen Sohn mit einem Fausthieb'" D o b r i s ch. 'Dr. Eisejnb <r g. Ikorrespondenzen. Generalversammlung des Temvelbauvereines des 8. Bezirkes der Stadt Wien. Am Sonntaa den 11. d. M. fand im Temvelgebäude VIII., Neudeggergasse 12. die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder statt und gab Zeugnis von der stets fortschreitenden Entwicklung des Vereines unter der zielbewußten Leitung seines Vorstandes. Der Präsident Herr Hermann Beck eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Rabbiner des Tem- *) Vgl. das christliche Adambuch.