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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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»eite 76 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 8 dekorierte ihn mit der ihm von der k. k. Statthalterei verliehenen Auszeichnung und überreichte ihm die von der Kultusgemeinde gewidmete Edrengabe, bestehend auö einem prachtvollen silbernen Teeservice. Sodann hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich an den Jubilar eine Ansprache, in welcher er die Verdienste des-elben pries und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Hierauf überreichten die Schülerin Elisabeth Raab dem gefeierten Lehrer ein Blumenbougiet, die ehemaligen Schülerinnen, geführt von Fräulein Berta Geschirr, einen Stock mit Silbergriff, der von Blumen umrankt war. Nachdem der Jubilar in kurzen Worten seinen Dank ausgesprochen, wurde von den Schülern und Schülerinnen, dirigiert vom Herrn Kantor Leo Zoldau. die Volksbvmne gesungen. Zuschriften trafen ein vom Bürgermeister Dr. Frauz Trenner. Schuldirekior Franz Martin usw. Als Vertreter der, Volks- und Bürgerschule für Mädchen erschien Herr Direktor Hermann Wolf, der dem Jubilar die Gratulation sämtlicher Lehrer Lvervrachte. Beim Bankett im R,staurations-Saale des Herrn Sigmund Rausuitz. wurden zahlreiche Toaste ausgebracht, welche der Sohn des Jubilars Herr Primararzt Dr. M. Jufeld, mit einem Dank an die Kultusgemeinde beantwortete. Bei der am 28. d. abgebaltenen Generalversammlung der C h e w r a K a d i s ch a ist Herr I. Jnfeld zum Ehrenmitgliede ernannt worden. Proßuitz (Jüdischer Turnverein.) Wir veranstalten aus Anlaß des Purim-Festes Samstag den 23. März 1912 einen Maskenball unter der Devise „Eine Nacht im Morgenlande" und laden alle Gesinnungsgenossen und Freunde des Vereines hiezu ein! Prag. Hochbetagt, im gesegneten Alter von 64 Jabren, verschied am 21. Jänner, sanft, wie sie gelebt, Frau Johanna Unger in Prag. Wer die Verstorbene kannte, verehrte sie. die olle Arten menschl chen Leides erfahren, obne .je zu klagen. Ein grausames Csischick^- entriß ihr kurz hintereinander die blühende Tochter und den schaffinsfrohen Schwiegersohn, denen bald darauf der liebevolle Gatte — ein weit über die Grenzen seines Bezirkes beliebter Arzt — in den Tod folgte. Mit Hintansetzung ihrer Person lebte sie fortan der liebevollen Erziehung der im zartesten Kmdesalter verwaisten vier Enkel, unterstützt von ihrem Sohne, dem jetzigen Hofrat beim hiesigen Oberlandesgericht Dr. Ferdinand Unger, und dessen fürsorglicher Gattin und fand Trost in ihrem Schmerz und K^aft für. ihre Aufgabe im Gedeihen ihrer Enkel, im G.Lck ihrer Famile. Leider hielt wieder der unerbittliche Tod bald reiche Ernte, zwei zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Enkelinnen dahim offend, und erst knapp vor ihrem Tode mußte die nunmehr veikärte Duldnerin noch das lange schmerzliche Krankenlager und den Tod ih es Schwiegeronkels erleben. — Der Stolz ihres Lebens und die Freude ihres Alters war ihr Sohn, der trotz seiner angestrengten Tätigkeit keinen Tag versäumte, nach seiner greisen Mutter zu sehen. — Das am 23. Jänner stattgefundene Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer Kundgebung der Verehrung für die Verstorbene und der regen Anteilnahme an dem Verluste der Hinterbliebenen. Außer hohen und höchsten Justiz- und Verwaltunpsbeamten, zahlreichen Advokaten, der gesamten Industrie- und Handelswelt uud anderen Freunden der Familie waren Abordnungen der Kultusgemeinderepräsentan», des Vereines der Staatsbeamten deutscher Nationalität und sehr zahlreiche Damen erschienen. —1. Gewitsch (Mähren.) Bei der am 14. Jänner 1612 stattgehabten ordentlichen Plenarversammlung der Chewra Kadischa wurden nachstehende Mitglieder und Gönner des Vereines zu Ehrenmitgliedern einstimmig ernannt u> d zwar: Herr Karl Schütz, General-Direktor- Stellvertreter der k. k. priv. Ass curaz oni Generali in Triest. Herr Heinrich Grätzer, Fabrikant in Wien, und Frau Hermine Weiß, Private in Blünn. Mit dieser wohlverdienten Ehrung hat unsere Chewra Kadischa den odgenannten P rsönlichkeiten den Dank ahstatten wollen für die Verdienste, welche sich jene, obwohl in der Fremde lebend, um die Institutionen unserer heiligen Bruderschaft erworben haben, und ihnen gleichzeitig für das warme Heimatsgefühl danken, welches sie für ihre angestammte Gemeinde stets bewabrten. Dieselbe Ehrung wurde unserem Rabbiner Herrn Dr. David Keßler zu teil, der seit zwölf Jahren in friedliebender und pfl chteifrrger Weise das Amt eines Seelsorgers in unserer Gemeinde ausüvt und sich die Sympathien der hirsizen Glaubensgenossen erwarb. Am 21. Jänner d. I. fand die Vorstandswahl der Chewra Kadischa statt und wurde Herr Heinrich Beer zum Obmann und Herr Emil Bock zum Obmannstelloertreter gewählt. Budapest. (Tödlicher Unfall eines Oberrabbiners.) Der Oberrabbiner von Monnor (Ungarn) wollte vor einigen Tagen am Budapester Westbahnhofe einen bereits in Bewegung befindlichen Eisenbahnzug besteigen, um zu einer wichtigen Konferenz in seine Heimatsgemeinde rechtzeitig gelangen zu können. Oberrabbiner Kohn glitt hiebei so unglücklich aus, daß er unter die Räder des Zuges kam und buchstäblich zermalmt wurde. Der Verunglückte war eines der angesehensten und gelehrtesten Mitglieder des ungarischen Rabbinerstandes. Budapest. (Todesfall.) Am 23. Jänner wurde hier der angesehenste Bürger und yröße Talmudist Mayer Wolf Rakonitz, Doktor der Philosophie, zu Grabe geleitet. Eine überaus große Anzahl von Leidtragenden gab dem Dahingeschiedenen des letzte Geleite. Im Trauerhaus hielt der hiesige Rabbiner Dr. Julius Welles eine ergreifende Rede, in welcher er die Tugenden un. das große talmudische Wissen des verstorbenen besonders Hervorbob. Er war ein Enkel des seinerzeit rühmlichst Rabbiners in Zsambäk. Aubin Rakonitz Im Friedhofe hielt der Sohn des Verblichenen Dr. jur. Julius Rakonitz eine vom wahren Geist kindlicher Ehrfurcht gehaltene Ncde. Dann trat deffen Sohn vor dem Sarge und nahm in seinem, wie im Namen sämtlicher Enkelkinder von dem Großvater Abschied. Nachdem zum Schluffe das Dl mole Rachmim vom hiesigen Oberkantor Herrn Jacob Weiser in meisterhafter Weise zum Vortrag gebrach! wurde, wurde der Sarg der Mutter Erde übergeben. Essegg. Der langjährige Chefarzt des 28. Landwehr- Jnf.-Reg. Herr Stabsarzt Dr. Sandor Kanizsai, Sohn des Herrn Prof. Leop. Kürtschmüroff, Oberkantor in Nagy-Kanizsa, wurde kürzlich dem neuerbauten Landwehr-Garnisons-Spital in Zagreb zugeteilt und verließ nun definitiv Ofijek. Zu Ehren des scheidenden Stabsarztes fand Dienstag abends ein Abschieds-Bankett in dem Prunksaale des Hotel Royal statt, an welchem sämtliche Offiziere des Landwehr-Jnf.- Reg. an der Spitze mit Herrn Generalmajor B o g a t und sämtlichen Damen teilnahmen. Die Offiziere überreichten der hochverehrten Gemahlin des Herrn Stabsarztes einen prachtvollen Blumenstrauß und die Unteroffiziere ihrem gewesenen Chefarzt einen Lorbeerkranz. — Herr Dr. Kanizsai samt Gemahlin erfreuten sich hier nicht blos in militärischen, sondern auch in Zivilkreisen vielfacher Sympathien. Ihr Scheiden aus der Stadt wird in allen Kreisen lebhaft bedauert. Sereth. Unter den Wohlfahrtsinstitutionen unserer Stadt nimmt der jüdische Frauenhilfsverem die erste Stellung ein. Die Sympathien, deren sich der Frauenverein bei allen Schichten der Bevölkerung erfreut, kamen in dem massenh ften Besuch und in dem glänzenden Reinert ägnis welches bei der am 13. d M. veranstalteten Dilettantenvorstellung, verbunden mit einem Tanzklänzchen. zufloß zutage, Aufaeführt wurde der 4-Akter „Großstadtluft" von Gustav Kadelburg und Oskar Blumenthal Im Allgemeinen spielten sämtliche Damen und Herren weil über das Maß des D'lettantenhaften. Die Regie lag in den Härch-n bes Herrn Prof. N. Alpern. Von den Damen spielten Fr.-.» Dr. Hurtig und Frau Dr. Geber die Rollen der kleinstädtische,' Tr ticiw >»., zur allgemeinen Heiteik.it. Frau Dr. Fanny Wcißmann p Ir. d'e Rolle der Antonie meisterhaft, wobei besonde,s ih r hüdiche Aus'p-achm b das schöne Mienenspiel zum Ausdruck kamen. Auch F an P of. Barbasch in der Rolle als Sabine erntete v eien B fall. Ebenso Frl. Feingold. Von den Herren sind besage-s 3V Karl Kohn und P^of. Alpern zu erwähnen, die durch ihr flotte* Sv <, viel zum Gelangen der Aufführung beitrugen. Ebenso f.-.ip" ui? Herren P of. Barbasch. Prof. Katz Advokaturtzkand. N Gottlieb und I. Kor« lebhaften Beifall. N rch der Vorstellung trat die Junen in i>.»e Rechte und huldigte dem Tanze bis zum Tagesanbrüche. Der glänzende Erfolg de« Abends ist ausschließlich der rührigen Tätigkeit der nunmehrigen Präsidentin Frau Regina Achner zu verdanken. H. E. Kattowitz. Vier Jahrzehnte sind verstrichen, seitdem Rabbiner Doktor Cohn in Kattowitz sein Amt antrat. Die Synagogengemeinde Kattowitz hatte die Absicht, dieses vierzigjährige Jubiläum festlich zu begehen. Da aber der Jubilar durch den Heimgang seines ältesten Sohnes in tiefe Trauer versetzt worden war, so hatte er gebeten. von allen festlichen Veranstaltungen abzusehen, und war auch durch eine Reise den ihm zugevachten Ehrungen aus dem Wege gegangen. Doch hat es sich.der oberschlesticke Rabbinerverband, dlffen langjähriger Vorsitzender Tr. Cohn ist, nicht nehmen lassen, ihrem treubewährten Führer eine sinnige Aufmerksamkeit zu erweisen. E>ne Abordnung, bestehend aus dem stellvertretenden Verbandsno sitzenden Rabbiner Dr. Münz- Gse'witz. sowie Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen und Rabbiner Dr. Dieuemann-Ratibor. überbrachte tbm tn seiner Wohnung eine prächtige Abrisse, die von Künstlerhand mit dem Bildnis der Kattowitzer Synagoge und der Gestalt des siebenarmigen brennenden Tewpelleuchters geschmückt worden war. Zn den anwesenden Familienmitgliedern hatten sich noch einige oberschlesiiche Rabbiner zur stillen Feier gesellt. Dr. Münz richtete an den Jubilar eine Ansprache und verlas die Adresse, aus deren Zeilen die Liebe und Verehruna sich kundgab, die die Kollegen ihrem Senior entgegenbrachten. Dr. Cohn erwiderte in bewegten Worten, daß er infolge des tiefen Webs, das ihn umfange, ollen Ehrungen ausgewichen, daß aber diese liebevolle Aufmerksamkeit der Kollegen seinem Herzen besonders wobloetan. Er wolle, so lange ihm Gott Kraft und Leben verleihe, zum Segen des Rabbinerstandes und der Gemeinden seine Dienste dem Verbände widmen.

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