Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021987--20870-3045933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5 Jahrgang rare Dr. Bloch’s Zentraloroan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. -azrzn- Wim, 2. Februar 1912 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie". IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. o u~" - ==DO p Bejitgapref» für Vrstkrrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3ualgespal» 2 tene Peritzetle 4« Heller. c nP ■—Oo? M. k. Postsparkaffenamk Slearing-Verkebr Nr. S10.97S. Redaktion und Administration: Wien HX/i, Hahngasse Nr. 15. I, Telefon Nr. 14.847. oP ■■ — - -Oo Inhalt: Leitartikel: Jetzt wäre es Zeit. — Judentaufen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die neueste Kundgebung Leroy- Beaulieus gegen die Blutlüge. Die Ausgrabungen bei Ain Schems (Beth-Schemesch). Die Kainsda:stellung. Zur Frage der Klagemauer. Die Juden im französischen Senat. — Korrespondenzen: Kaiserlicher Rat Ignatz Wilhelm. 38. Generalversammlung des Israelitischen Tempelveremes Wieden-Margarethen in Wien. Generalversammlung des Tempelvereines deS 13. Bezirk s. Die Synagoge der Innern Stadt. Die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation in Oesterreich. Konferenz des Jto-Rates in Wien. Gründung eines deutschen Landes-Komitees der Alliance Jiraelrte. Jahresversammlung der rumänischen Juden in Bukarest. Jüdische Opfer des russisch-persischen Konfliktes. Endgiltige Abschaffung des Eides „More Judaico" in Rumänien. Besoldung von Kultusvorstehern in Berlin. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Arrest. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Jetzt wäre es Zeit. Seit geraumer Zeit vergeht nicht eine einzige Woche, in welcher nicht eine schmutzige antisemitische Skandalaffäre aus ihrem Winkel ans Sonnenlicht gebracht wird. Wer Statistik hätte treiben wollen, wäre wohl in der Endsumme auf einige Dutzend Personen und einige Millionen gekommen. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, datz eine so korrupte Partei wie die christlichsoziale in Europa bisher noch nicht dagewesen ist und datz es für das öffentliche Leben nicht nur einen kolossalen moralischen und kulturellen Fortschritt, sondern auch riesige Ersparnisse an Steuergeldern bedeuten wird, wenn einmal der letzte Ehristlichsoziale verschwunden ist. Trotz dieser unglaublichen Tatsachen, deren Beweise längst schon dÄe seinerzeit sensationelle Hrabarede weit in den Schalten stellen, hören die Christlichsozialen nicht auf, mit eiserner Stirne ihre frechen antisemitischen Verleumdungen fortzusetzen. In ihrer Presse und in ihren Versammlungen hören sie nicht auf mit den ödesten Beschimpfungen und Verdächtigungen der Juden. Man kann vabei sogar den grimmigen Spatz feststellen, datz sie desto gehässiger gegen die Juden lügen, je mehr man ihnen selbst die schwersten Diebstähle und Unterschlaganzen nachweist. Allerdings mützte aus dem dummen Kerl von Wien der allerdümmste geworden sein, wenn er den christlichsozialen Lügnern noch glaubt, nachdem von ihren eigenen schweren Verbrechen an der Bevölkerung so viel bekannt geworden ist und fast jeder Tag neues Material nachliefert. Nun aber scheint man durch eine schlechte Gewöhnung in der Oeffentlichkeit ganz vergessen zu haben, datz die Iudenhetze eigentlich ein strafrechtliches Vergehen ist. Die Staatsanwälte, welche die von Verleumdungen strotzenden antisemitischen Blätter anstandslos passieren lassen, die Regierungsvertreter, welche die infame Hetze christlichsozialer Redner in Versammlungen dulden, haben den Paragraph des Strafgesetzes aus dem Gedächtnis verloren, welcher die Aufreizung zu Hatz und Verachtung gegen einen Teil der Bevölkerung verbietet und mit Strafe belegt. Eine üble Praxis, welche von der Gewalt diktiert wurde, hat diesen Paragraph für die Iuden sehr lange autzer Kraft gesetzt. Die Behörden scheinen unter dem Eindrücke der matzlosen antisemitischen Agitation wirklich geglaubt zu haben, datz es eine jüdische Korruption gebe und datz die Christlichsozialen dazu berufen seien, diese Verderbnis auszurotten. Auch standen die Faktoren des Staates unter dem Druck einer grotzen parlamentarischen Partei, welche von der christlichsozialen Demagogie geschaffen worden war. Jetzt jedoch ist es in absehbarer Zeit mit der Grütze der parlamentarischen Gruppe zu Ende. In den Städten wenigstens dürfte schwerlich noch aus einer Wahlurne eine Majorität für Christlichsoziale herauskommen, von denen so viele in eine Strafanstalt hineingehören. Was aber noch wichtiger ist als das Schwinden des politischen, ist der Mangel eines moralischen Eindrucks. Man kann nicht mehr von einer jüdischen Korruption sprechen, wo doch so klar bewiesen ist, datz die Lumperei gerade auf antisemitischer Seite steckt. Das mutz man aber den Behörden sehr eindringlich sagen und deutlich machen, weil diese noch immer bei der Tradition bleiben und die Iuden als Staatsbürger zweiten Ranges behandeln lassen. Es ist nun die höchste Zeit, datz wir wieder energisch. ohne zu erlahmen und uns einschüchtern zu lassen, den Kampf um unser Recht neuerdings aufnehmen. Wir brauchen uns die lumpigen Verdächtigungen wirklicher Lumpen nicht mehr gefallen zu lassen. Nicht wir sind die Defraudanten, Diebe, politischen und persönlichen Schwindler, sondern jene, welche uns dieser Tätigkeit und Eigenschaften beschuldigen. Iede Sitzung des Landtags und des Eemeinderats ist eine Gerichtsverhandlung gegen die Christlichsozialen, der gegenseitige Kampf der christlichsozialen Blätter bringt nichts als Wahrheitsbeweise. Dieses Material sollte nun von uns Iuden mit dem grötzten Eifer benützt werden. Alle Einrichtungen und Körperschaften, welche dem Zwecke unserer Verteidigung dienen, müssen mit einer gemeinsamen und gleichzeitigen Tätigkeit einsetzen, um bei der Regierung und allen ihr unterstellten Behörden einen neuen Kurs in der Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.