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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang yyit Dr. Bloch’s ufrijriff. Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. -__□- Wien, 26. Jänner 1912 Lrscb eint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OQ" .- =0O Bezugspreis für VrNrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nal gespal» tene Pettlzeile in Heller. C O P -Oo 0(7 O öo O Tt. ft. Postsxarftaffrnaml Clearing*» IDerfc ebr Mr. 610.976. Redattion und Administration: Wien EX/i, Hahngaffe Nr. 15. ö Telefon Nr. 14.847. oP Qö Inhalt: Leitartikel: Das Panama im niederösterreichischen Landeseisenbahnamt. — Die Wahl in Deutschland. — Die Kultur der Juden Italiens im Mittelalter. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aufruf. Die Juden in der österreich sch-ungarischen Armee. Die älteste Cbewra-Kadischa. Die historische Kündigungsfeder. — Korrespondenzen: Ehrungen Dr. Blochs in Amerika. Rabbinerverband in Böhmen. Zwei Lehrkanzeln für Talmud an der Budapester Universilät. Erwerbung der österreichischen Staatsbürgerschaft durch italienische Juden aus Saloniki. Die Ehiefrabbi-Frage in England. Bon den Kämpfen in der Alliai ce Jiraölite. Ein bucharischer Rabbiner nun Grand-Rabbin in Bagdad gewählt. Die englische Regierung in der Pahfrage. Ableben eines gewesenen jüdischen Staatsministers. Ehrung eines jüdischen Siadtrates in London. Abbitte der „Staatsbürger-Zeitung". Der König von Italien bei einem Channkaftst. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden im Bergsport. Was jedes Mädchen lernen sollte. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Das Panama im niederösterreichischen Kandeseisendahnamt. Wenn ein Schiff untergeht oder wenn ein Haus von Flammen ergriffen ist, spielen sich meist Szenen von unerhörter Brutalltät und Rücksichtslosigkeit ab. Um zu den Rettungsboten oder zu den rettenden Ausgängen zu gelangen, wirft der Stärkere rücksichtslos den Schwächeren nieder, reißt ihn zurück, trampelt ihn zu Tode. Jeder ist sich selbst der Nächste und gebraucht alle seine Kraft, um den anderen statt seiner selbst dem Untergang zu weihen. Ganz ähnliche Vorfälle spielen sich jetzt innerhalb der christlichsozialen Partei ab, nur daß man sich hier nur freuen kann über jeden und über jedes, dessen Existenz zu Ende geht. Die christlichsoziale Partei ist dem Untergang verfallen. Die Passagiere dieses früher so glückhaften Schiffes, das auf einem Sumpf dahinschwamm, suchen nun mit größter Brutalität zu den Mandaten zu gelangen, die noch zu retten sind. Man muß bei diesem Anblick sagen, daß die Christlich- Sozialen ebenso schmählich aus dem öffentlichen Leben verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Jeder sucht den anderen, der ihm irgendwo den Weg zu einer Anstellung auf Lebenszeit oder einem politischen Rettungswinkel vertritt, auf jede mögliche Weise unterzukriegen und zu verdrängen. So ein erhebendes Schauspiel bot eine der letzten Sitzungen des niederösterreichischen Landtages, in welchem die christlichsozialen Korruptionstöter die allmächtige Mehrheit darstellen und alle fetten Aemter zu vergeben haben. Hier hat nun die Hinrichtung Pattais stattgefunden, des „Salonantisemiten". Nannte die christlichsoziale Partei ihre besten Namen so wurde auch der des Mariahilfer Advokaten genannt. Das Ministerium Bienerth hielt es für angezeigt, diesen Mann zum Präsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses zu machen und ihn mit einem sehr hohen Orden und Titel für den herben Verlust zu entschädigen, als die Wähler den Vertrauensmann der Regierung aus dem parlamentarischen Leben hinauswarfem Pattai glänzte nur mehr im Landtag und auch dort ist es nunmehr mit seinem Glanze auf immer vorbei. Das Ereignis verdient, aus der Flut der Tagesereignisse hervorgehoben und der Oeffentlichkeit ganz besonders unterstrichen vorgelegt zu werden. Pattai hat den Zorn des Landesausschusses Sturm erregt, auch eines politischen Apostels, über den noch zu reden sein wird. Sei es, daß eine Persönliche Rache zu befriedigen war oder ein liebertritt ins Herrenhaus zu verhindern oder der Rücktritt ins Landl seiftrwahnamt, das früher Pattai innehatte; jedenfalls fand man sich veranlaßt, Pattai für ewige Zeiten zu erledigen, und zu diesem schönen Geschäft gab sich der Landtagsabgeordnete Wollet her, der Parteisekretär und die frühere rechte Hand des Baukredttbank- Geßmann. Als man zur Verhandlung des Budgets der Landesbahnen überging, wunderte sich das ganze Haus, daß bei dieser Post 700.000 K erspart worden seien. Nun erklärte Wollet, daß die Christlich-Sozialen mit der Tätigkeit Pattais gar nicht einverstanden gewesen wären, daß das Landeseisenbahnamt ein Augiasstall gewesen ist, den Landesausschuß Sturm mit eisernem Besen habe reinigen müssen. Durch die Entlassung von 200 unfähigen und gänzlich überflüssigen Beamten allein seien dem Lande 20.000 K erspart worden. Unter diesen Beamten hätten sich a b g e st r a f t e Verbrecher befunden. Auch sei es eine Tatsache, daß früher bei den Lokalbahnen in geradezu ungeheuerer Weise gestohlen wurde. Erst durch Einstellung aller dieser Möglichkeiten sei es gelungen, dem Lande 700.000 L zu ersparen. Auf diese sensationellen Anwürfe, die jeden normalen Mann dazu veranlassen müßten, zornbebend in den Gerichtssaal zu laufen, antwortete der offenbar überraschte Pattai wie ein Ohnmächtiger. Er sei immer fleißig und brav gewesen, wisse von nichts, könne für nichts. Er steckte einfach den Kopf in den Sand. Mit Recht hoben die Redner der Minorität hervor, daß man sie als Verleumder niedergeschrieen hätte, wenn sie es hätten wagen wollen, auszusprechen, was Wollek tatsächlich gesagt hat und womit dieser des verfehmten Hraba Reden so schlagend bestätigt hat. Sie hätten aber noch etwas hervorheben sollen: Daß von diesen verschwundenen 700.000 L nicht weniger als 85% die Steuerzahler Wiens gezahlt haben. Daß die überflüssigen 200 Beamten durchaus Schützlinge christlichsozialer Politiker und Agitatoren der christlichsozialen Partei gewesen sind. Vor allem aber eins: Die Machinationen im Landeseisenbahnamt waren alle

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