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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Dr. MMs WochErist T«te 29 Battelan. Am 18. Dezember 1911 fand auch in unserer kleinen Gemeinde die Chanukafeier statt. Nach dem Minchahgebet folgte das Anzünden der Chanukalichter, worauf Herr Religionslehrer und Lehrer Moriz Salamon die geschichtliche und ethische Bedeutung des Chanukafestes in klarer, verständnisvoller Weise erklärte. Es folgte das Chanukalied, von den Schulkindern gesungen, und Gedichte, von ihnen schön vorgetragen, worauf die Verteilung der Zinsen eines Kapitals folgte, welches zum Andenken an den langjährigen gottseligen Rabbiner von deinen Schülern, zu denen auch Herr Prof. Moritz Antscherl in Wien gehört, gestiftet wurde. Mit dem Absingen des Kaiserliedes schloß die Feier, welche bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Brody. (Todesfall.) Am 5. Jänner 1912 verschied in Brody nach langem schweren Leiden H-rr Alter Schapire, der langjährige President des israel. Waisenhauses in Broty. ehemaliger Vizebürgermeister, Handelskammerrat uiw, im 62. Jahre seines dem Wohltun gewidmeten Lebens Die Nachricht von seinem Ableben wird sicherlich nicht ermangeln, allüberall, wo Brodyer leben, die ihrer Vaterstadt Anhänglichkeit bewahrt haben, Gefühle aufrichtiger Trauer auszulösen. Einer der ältesten und angesehensten Familien Brodyz entstammend, hing der Verblichene stets mit seinem ganzen» warmfühlenden Herzen an seiner Vaterstadt, zu deren Verschönerung und Assanierung er als Vizebürgermeister viel beigetragen hat. Aber mehrmals allesstag ihm das israel. Waisenhaus, dessen Präsident er seit Dezennien war, am Herzen. Selbst kinderlos, barte er alle Liebe und Fürsorge, deren sein Herz fähig war, den Zöglingen dieser Anstalt zugewendet, ihr Wohl war sein Wohl und alle seine Bestrebungen, sein ganzes Sinnen und Trachten war auf die Hebung und Förderung dieser humanitären Anstalt gerichtet, für die er ehedem auch selbst große matericlle Opfer brachte. Wenn auch das G ück, das ihm die längste Z it seines Lebens treu zur Seite stand, in den htzien Jahren sich völlig von ihm abwandte, schweres Siechtum seine Lebensenergie und Sch ffenskraft unterg'vb und den Lebensabend dieses edlen Mannes verdüsterte, so blieb ihm doch die Liebe und, Anhänglichkeit seiner Mitbürger bis an das Lebensende treu erhalten. Dre imposante Beteiligung an seinem Leichenbegängnis legte Zeugnis davon ab, welcher Wertschätzung sich der Verblichene in allen Kreisen der Btvölkerrng erfreute. In Scharen folgten ft * keiner Bahre, allen voran seine vielen Adoptivkinder, die jüii'chen Waisenknaben und Wa s-nmädchen. die ihrem langjährigen gütigen Leiter nachzurufen schienen: »Mepi jesaumim wijesaumaus jisatu auz«, „durch den Mund der verwaisten Kinder halt Du Dir den Nachruhm gesichert". Friede und Segen seinem Andenken! Wien. Dr. Siegfried H a l b e r st a m. Budapest. (Trauergottesdienst für Dr. Philipp Weinmann.) Zam Gedächtnis an den unlängst verstorbenen P-ä^ sidenten der Pester isr. Kultusmeinde Hofrat Dr. Philipp Weiumann, wurde vorige Woche im Kudustempel in der Taoakgusse ein Tcauergottesdienlt abqehalten, welchem ein großes und vornehmes Publikum beiwohnte. El schienen waren Abordnungen der Repräsentanz und des Ausschusses der'Pester isr. Kultusgemeinde, der israelitrichen Landesknulei, des LandeS-Rabbinerseminars, der isr. Lehrerpräparandie, der P ster Ch-wra Kadischa. des Pester isr. Frauenvercincs, der Ofner, Altofner, Ujpester und Köbü lyaer isr. Kultusgemeinden und der Budapester Notariatskammer. Der Gottesdienst begann mit einem vom Oberkantor Lazarus geleiteten Chorgesang. Sodann hielt Rabbiner Simon Hebest eme schwungvolle G-denkrede. Hierauf sang Oberkantor Lazarus den 16. Pialm. Z im Schlüsse sprachen die Zöglinae des isr. K-aven- Waisenhauses ein Trauergebet. Die W twe Dr. Philipp Wcinmann s hat dem Wunsche ihres verstorbenen Gatten gemän dem Spital der Pester isr. Ku'tusgemeinde, dem Sigmund und Adele Brüdy-Kinderspktal, dem isr. Knabenwaisenhause, dem Rettungehaus der Chewra Kadischa. dem Mäochenwaisenhaus des isr. Frauenvereines, dem Alice Weiß-Wöchnerinnenbeim, dem isr. Taubstummeninstitut, der Rettungsgestllschaft und der Notariatskammer Spenden im Gesamtbeträge von 50.000 Kronen zukommen lassen. Palanka (Ungarn). In der am 91. Dezember v. I. abgehaltenen Generalversammlung wurde Herr D- L. Horovitz neuerdings mit Akklamation zum Präsidenten der hiesigen israelmschen Kultusgeme'nde gewählt. Herr Horovitz, ein Bruder des Generalsekretärs der Wrener Produktenbörse, R gierungsrates Dr. Alexander Horovitz, bekleidet dieses Amt schon seit einer langen Reche von Jahren und besitzt auch im politischen und sozialen L ben eine führende Rolle. Aus Anlaß seiner Wiederwahl wurden Herrn Horovitz, der sich um die Entwicklung der hiesigen Kultusgemeinde g oße Verdienste erworben bat und der sich bei allen Gemeindemitgliedern infolge seiner zielbewußten und unparteiischen Amtsführung außerodentlicher Beliebtheit erfreut, stürmische Ovationen bereitet. S . . . z. HoraLdiowitz. (Warnung!) Von hier wird uns geschrieben: In letzter Zeit besucht ein junger Mann jüdische Gemeinden und Vereine, sich als Glaubensgenosse ausgebend, und erbittet Unterstützung. Dieser ist kein Jude, heißt laut seiner Dokumente Gottfried aus Augsburg und wird vor diesem Schwindler gewarnt. Trieft. (Wahl eines Oberrabbiners.) Nach einer Mitteilung des in Triest erscheinenden „6orrisrs Israslitieo" wurde der Dozent am Collegio rabbinico zu Florenz Doktor C h a j e s zum Oberrabbiner der Triestiner Gemeinde gewählt. Oberkantor Tkatsch ans Budapest in London. Wir erhalten folgende Zuschrift: Nach langer Unterhandlung gelang eS uns, den Oberkantor Herrn Tkatsch zur feierlichen Grundsteinlegung des Jewish Hospital in London und auch zu einem Sabbatvortrag im Tempel iür ein bedeutendes Honorar und freie Spesen zu gewinnen. Wir hoffen, daß die Budapester Gemeinde, den Wohltätigkeitszweck berücksichtigend, dieser ehrenhaften Einladung keine Hinderniffe in den Weg legen wird. Der Vorstand, der Jewish Hospital Association in London. Feuilleton. In der Höhle des Kämen. Während des russisch-japanischen Krieges führte mich mein Weg nach der äußersten Ostgrenze des Reiches, nach Husiatyn. Es ist ein Städtchen, wie ihrer Hunderte in Galizien: Ein schmutziger Ringplatz, an dem sich eine breite Straße zum Bahnhofe hinzieht. Der Gehsteig dieser Straße ist mit breiten Quadern gepflastert, und in ihr liegen in der Regel die öffentlichen Gebäude, das Bezirksgericht, die Bezirkshauptmannschaft, die Schulen und die im Villenstil gehaltenen ebenerdigen Holzhäuser der wohlhabenderen Bürger. An die eine und die andere Ecke des Ringplatzes schließen sich die engen Iudengassen mit ihren offenen Rinnsalen und dem scharfen Geruch von Buchweizen, Naphta und Häringen an. Allerdings besitzt Husiatyn auch zwei stolze Paläste: jenen des Wunderrabbi mit einem weiten cour d’honneur und einem schönen Parke, und das Schloß des Grafen Goluchowski. Und angenehm überrascht war ich durch die Entdeckung eines kaufmännischen Klubs, in welchem ich Zeitungen. Bücher, ein leidliches Abendbrot und intelligente jüdische Kaufleute fand, mit denen sich es nicht uneben plaudern ließ. In diesem kreise wurde ich animiert, doch einmal einen Ausflug nach Rußland zu (machen. Von Oesterreich isch-Husiatyn führt eine Brücke über den Grenzflutz Zbruth nach Russisch-Husiatyn hinüber. Zwischen beiden Orten besteht ein reger Grenzverkehr. Die Bewohner von Russisch-Husiatyn, fast ausschließlich Iuden, betreiben ein schwungvollen Eier-Großhandel, der seinen Weg über die österreichische Eisenbahnstation Husiatyn nach dem Westen nimmt. Die Iuden auf der galizischen Seite stehen in engster Geschäftsverbindung mit ihren russischen Brüdern und es kommt vor, daß solch ein österreichischer Zwischenhändler oft dreimal an einem Tage „nach Rußland" geht. Dazu bedarf er eines Interimspasses, den die österreichische Bezirkshauptmannschaft ausstellt und der innerhalb der Grenzzone von fünfzehn Werst Geltung hat. Der Gedanke, ohne besondere Paßformalitäten den Fuß auf russischen Boden zu setzen, reizte mich, und so bat ich denn am folgenden Morgen den Bezirkshauptmann um einen Passierschein. Er war ein liebenswürdiger Mann, der in früher Iugend aus Böhmen nach Ostgalizien verschlagen worden war und sehnlich wünschte, endlich wieder nach dem Westen versetzt zu werden. Er ergriff mit Vergnügen den Anlaß, sich die jahrelang angesammelte Verdrossenheit vom Herzen zu reden. Und als er mir den gewünschten Passierschein ausstellte, riet er mir eindringlich, ja nicht allein hin-i über zu gehen, sondern einen Begleiter mitzunehmen, welcher der russischen Sprache kundig sei. „Und keine Zeile Gedrucktes oder Geschriebenes, nicht einmal eine

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