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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-24 · 47 (24.11.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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beite 7B4 al- Mädchen an allen Humanitären Veranstaltungen mitwirkte. Insbesondere betätigte sie sich am hiesigen „Ferienheim"', dessen Mitbegründerin und erfolgreiche Förderin sie war. Die Teilnahme aller Kreise unserer Stadt war eine allgemeine und fand ebenso in den schönen Worten unseres verehrten Rabbiners Prof. Dr. Steiner beredten Ausdruck, wie in dem imposanten Leichenbegängnisse und in der Menge der zu Ehren der Verstorbenen an Kranzerstelle dem Ferienheim gemachten Spenden, die K 600.— überstiegen. Nach vielen Hunderten zählten die drahtlichen und schriftlichen Beileidrkundgebungen. Es kondolierten u. a. HerrenhauSmitglied Prof. Carl Menger, ReichSratSabgeordneter Oberbaurat Günther, die Landtagsabgeordneten Joseph und Kordon, die Bürgermeister Hofmann, Eichler, Satter und viele andere Honoratioren. Möge die schwer geprüfte Familie in der schönen Erinnerung an die leider zu früh Verblichene und in der aufrichtigen, herzlichen Teilnahme der ganzen Stadt Trost finden. Kuttua (Kroatien). Am 19. d M. sprach Bezirksrabbiner M. Tauber im Saale des hiesigen Kasinos über: „Die Frauenfrage im Lichte der jüdischen Literatur*. Als erfreuliches Zeichen der unter der hiesigen Bevölkerung herrschenden Eintracht darf hervorgehoben werden, daß dieser Vortragsabend auch von sehr vielen christlichen Mitbürgern mit ihren Damen besucht war. Auch Bezirksvorstand M. Bvkljau mit nahezu allen Beamten der hiesigen Behörden war erschienen. Der Borttagende fand reichlichen Beifall mit seinen AuSführuugen und beteiligte sich der Bezirksvorstand an der dem Vorträge folgenden allgemeinen Diskussion des Themas -recht lebhaft. Der Vorttagende wurde allseitig zu dem in jeder Beziehung gelungenen Abend beglückwünscht. Bazttt (Bösing). (Bildenthüllung des israel. Fraueu-WohltätigkeitSvereineS.) Zum Andenken an die verstorbene Frau Präsidentin Kornette Friedler» geb. Mandl, der Gründerin unseres human wirkenden Frauen-Wohltätigkeitsvereines, wurde eine solenne Feier am 19. d. M. veranstaltet. — In ebenso beredten Motten würdigte Frau Kasfierin Rosa Nevmauv-Reisuer die aufopferungsvolle Liebe der Verstorbenen im Dienste der Armut und der Not. Hierauf fiel die HWe vom Bildnis der so jäh Dahingeschiedeuen, welches der Verein auf Bestellung in Oel malen lietz. — Ferner sprachen Frau Kontrollorin Fanny Kohu und Vilma Adler- Sebestyöu zum Gegenstände, worauf im Namen der anwesenden drei Söhne und der Schwiegertöchter, sowie im eigenen der Gatte, Herr Stadtarzt Dr.Adolf Friedler, in tiefgefühlt gesprochenen schönen Watten den Dank für die der Dahingeschiedenen züteck gewordene Ehrung ausgesprochen hatte und die selbstlosen Verdienste der Verewigten als nachahmenswerte Aneiferung für die Nachfolgerin hinstewe. Hierauf fand die Feier ihr Ende. Herr Dr. Adolf Frledler wurde als ältestes Gründungsmitglied zum Ehrenmitgliede ernannt. Budapest. Die Armen-GreisenbekleidungS-Tischgesellschast hielt ihre jährliche Generalversammlung und hat beschlossen, in diesem Jahre 60 arme Greise zu bekleiden. Die Bekleidung wird am 11. Dezember stattfinden. Budapest. (Todesfall e.) Der pensionierte Sektionsrat im ungarischen Ministerium des Innern Bernhard Erünwald ist im 62. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war ein in weiten Kreisen Budapests gekannt«: und geschätzter Mann, dessen Gutherzigkeit vielen Hunderten zugute kam. Er leitete u. a. einen israelitischen Wohltätigkertsverein. Nach seiner Pensionierung war er eine Zeitlang rm Ministerium des Innern und in der Kommission zur Vorbereitung der Gesetze tätig. Se. Majestät hatte ihn mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und dem Orden der Eisernen Krone 3. Klasse ausgezeichnet. Eure 106.000 Kronen - Spende für wohltätige Zwecke. ~ Der bekannte Philanthrop Kommerzienrat Ignaz Schreiber in Raab hat der KnltnSgemeinde 100.000 Kronen für die Errichtuug eines Armenasyls unter der Bedingung ««geboten, daß die Anstatt zu seinem achtzigsten Gebuttstage, der in zwei Jahren sei» wird, ihrer Bestimmung übergeben werde. Die Spende ist für die Baukosten der Anstatt bestimmt, für die Erhaltung der Anstatt hat die KnttuSgemeinde in Raab zn sorgen. Die Sitzung der Kultusgemeinde votiette dem edelmütigen Spender Dank. Siebzigjähriges JubÄaum des„JervW Chronicke". Nächste Woche.feiert das pnglrsch-jüdische Wochenblatt „Jewish Dhronicle" das Jubiläum seines 70jahtigen Bestandes. Das Blatt wird aus diesem Anlass eine Festnummer herausgeben. Das Blatt wurde im Jahre 1841 WochMschrist gegründet und zählt bis zum heutigen Tage zu den hervorragendsten und angesehensten Blättern nicht nur Englands, sondern der ganzen Welt. Sepyardische Juden verkrssen Palästina. Die Auswanderung der sephardischen Juden aus Palästina nimmt in der letzten Zeit grosse Dimensionen an. Erst vorige Woche haben wieder vierzig sephardische Familien das Heilige Land verlassen. Die Meisten gingen ins Ausland. Onkel Abraham. Der junge Heinrich van Geldern hatte bis zu seinem siebenundzwanzigsten Lebensjahre immer nur von dem Stolz der Familie, dem Onkel Abraham van Geldern auf Kniephof bei Köln gehört. Niemals hatte er diesen unermesslich reichen und mächtigen Mann, der sein ganzes Schicksal lenkte, zu sehen bekommen. In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Reisen noch eine schwerfällige Sache, und ein junger Kaufmann, der zu Breslau in seinen Beruf eingespannt war, kam zum Vergnügen nicht an den Rhein hinüber. Heinrich versah ein bescheidenes Amt in der Breslauer Filiale des Geldernschen Welthauses, ein Amt, das er treulich ausfüllte, aber nicht gerade heiss begehrt hatte. Es war ihm als Neffen von der armen Nebenlinie zuteil geworden und er hatte sich nicht dagegen gesträubt, um die Sorgen seiner früh verwitweten Mutter nicht noch zu vermehren. Sein Beruf liefe, ihm Zeit zu dem, was ihm das Wichtigste und Liebste war, an seinem Cello zu träumen, Luftschlösser zu bauen und sein dichterisches GeMt zärtlich herümspielen' zü lassen. Obwohl er sich' sagen mÄtzte, dass ein so märchenhaft reicher Mann wie Abraham van Geldern die Witwe königlicher unterstützen könnte, als durch ein karges Amt des Sohnes, gehörte doch die Liebe seiner Phantasie wie einem Fetisch der unbekannten Existenz des Mächtigen am Rhein. Alles, was er über ihn gehört hatte, war Baumaterial zu einem funkelnden Tempel geworden, in dem sein Ideal thronte. Onkel Abraham war vovr Schiffsjungen bis zum grössten Handelsherrn gelangt, Onkel Abraham hatte die ganze Welt gesehen und sich nie verheiratet. Seit Jahren lebte er nun auf seiner riesigen Besitzung, die einen Triumph aller erdenklichen Kultur bedeutete. Der Sammler der kostbarsten Natur- und Kunstschätze hatte hier alles zusammengetragen, Monarchen und berühmte Gelehrte waren Gäste seines Schlosses. Wie tonnte ein armer Junge in der Ferne davon träumen. Welche Märchenbilder sah er beständig um den Mann, mit dem er verwandt war. Er hatte sich das Reich seines Onkels in allen Farben ausgemalt, ohne es zu kennen — er wachte eifersüchtig über der Verbreitung seiner Industriemacht, als ob er sein erster Prokurist wäre. Nur die Mutter ärgerte ihn. Er konnte mit ihr über OnkÄ. Abraham me recht sprechen. Gerade an Heinrichs siebenundzwanzigstem Geburtstage sandte der Gott am Rhein seinen Blitz in Heinrichs Dunkel. Onkel Abraham, der immer auf seiner Besitzung blieb und das Weltgeschäft aus der Ferne lenkte — viele Korrespondenten verkehrten mit ihm, mehrere Prokuristen besuchten ihn monatlich — Onkel Abraham stattete seinen bisher nie beachteten Neffen plötzlich mit den Mitteln aus, Paris und. London tzü flehen und dann nach Java zu übersiedeln. Er füllte dort eine neue Plantage leiten. Die Mutter weinte, aber. Heinrich war selig. Er freute sich /chcht iso auf Paris und London, er träumte nicht so von Java,

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