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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Blochs WochMchrift Nr. 4 Gette 768 Feuilleton. Me Jude« in Cai-Fong-Fon (China). Mitgeteilt von Dr. Benno Heisz, Bezirksrabbiner in Sissek. Neben dem Interesse, das wir momentan den Inden iu Tripolitanien entgegenbringen, lenkt die Revolution in China unsere Aufmerksamkeit auf die dort lebenden Juden, über deren Existenz wir trotz der mannigfachen Relation, die die Kulturwelt mit dem „Reiche der Mitte" unterhält, nur sehr schwach informiert sind. Wie die Falaschas in Abessinien sind auch die Juden in Japan und China von der Vorsehung stiefmütterlich behandelt worden. Sie standen und stehen in fast gar keinem Konnex mit der Geschichte des Judentums. Ihre Einwanderung nach China dürfte schon unmittelbar nach dem Untergange des jüdischen Staates im Jahre 70 erfolgt sein; und nur dem Umstande, daß sie auf ihrer Wanderung die „Heilige Schrift" mit sich nahmen, ist es zuzuschreiben, daß sie nicht in das Chinesentum ausgegangen sind. Eine kleine Mitteilung hierüber finden wir bei Delitzsch 8en. in seinem Buche „Zur Geschichte der jüdischen Poesie". — Es sind Mitteilungen eines Missionärs, die trotz ihres Alters beachtenswert sind einzelner Tatsachen wegen, die heute noch ihren Wert behaupten und Aktualität besitzen. In Folgendem sei der Missionärsbericht des großen Interesses wegen in extenso wiedergegeben: „Die . Juden wunderten unter der Tscheon-Dynastie (1122—249 v. d. h. Z.) in das chinesische Reich ein, aus Sy-yu. Unter der Hau-Dynastie (205 — v. bis 220 n.) faßten sie daselbst festen Fuß und 73 Jahre n. Ch. finden wir sie 70 Geschlechter (sings) stark, wahrscheinlich persischen Ursprungs, in China eingebürgert. ■.■.uu Von diesen 70 Geschlechtern waren im vorigen (18.) Jahrhundert bloß noch 7 Familien, ungefähr 600 Seelen, übrig, ohne allen Verkehr mit den westländischen oder persischen und tibetanischen Juden. Die Zeit der Blüte ihrer Literatur ist vorüber. Sie. hatten einst Gelehrte, welche die größten Staatswürden bekleideten; da aber die meisten zur Religion Oü'nias, oder wie die zu Peking, zum Islam übergingen, so sind jetzt nur noch die Juden in Cai-Fong-Fou (die Hauptstadt der Provinz Houan) erkennbar und diese bewahrten unter den größten Trübsaleu ihre Nationalität verhältnismäßig am reinsten. Von den Chinesen werden sie, wie die Moslemen, Hoei-Hoei genannt; sie selbst nennen sich Tiao-Kinkiao, weil sie gemäß dem Gesetze die Venen abtrennen oder Lan-mao-hoei, von dem blauen Hute, den sie beim Gottesdienste tragen. Ihre Synagoge führt den Namen Li-pai-se und kommt dem Modell des jerusalemischen Tempels näher als andere Synagogen. Die Synagoge ist in vier Abteilungen geteilt. In dem ersten Teile östlich steht ein Triumphbogen mit chinesischer Aufschrift: „Lim Tien“ „der Gottheit heilig" Crb wip) uub Bäume um ihn herum. Nördlich und südlich davon zwei Zimmer für die Kustoden. In die dritte Abteilung führt ein zweites Flügeltor mit zwei kleinen Türen. Hier ein zweiter Triumphbogen und unter den angepflanztcn Bäumen zwei Marmortafeln mit chinesischen Inschriften (von 1444, 1515, 1663 und 1642), welche teils die Geschichte der Synagoge enthalten, teils Begebnisse der Juden in der Provinz und die Zurückführung ihrw Religion auf Mose, Abraham und Adam. . Südlich ist das, Zimmer zu Ehren des jüdischen Mandarins. Vor der Tür liegtßauf einer Basis ein steinernes Tierbild. Nördlich ist ein anderes Zimmer einem jüdischen Mandarin, Kriminalrichter, erbaut. Etwas über diesen Zellen sind Fremden- und Versammlungssäle. Im vierten Teile stehen eine eherne Räucherpfanne, zur Seite zwei Marmorlöwen; über diesen stehen zwei eherne Vasen mit Blumen. Nördlich die Küche zur Entaderung des Fleisches. - Hinten an der Nord- und Südseite die Ahnensäle, wo das Erinnerungsfest der Volksahnen, biblische und nachbiblische, im Herbst' und Frühling begangen wird. In der Mitte erhebt sich der Tempel. Auf dem freien Platz vor demselben wird am Laubhüttenfest das große Stiftszelt (.1212) errichtet. In der Mitte des Tempels steht das Mose-Katheder mit einem Kuppeldach; dann die Kaisertafel mit dem Namen des Kaisers mit goldenen chinesischen Chiffern. Darüber mit goldener hebräischer Schrift: prrw usw. Hinter der Kaisertafel steht ein dreifach gewölbter Bogen mit goldener Umschrift: -rri^.ii ii2)n ^>mi '»mn 'inrri DNifwn 'pS#" Hinter dem Bogen ein großer Tisch mit einem dreisüßigen Heukelfuß, voll immerdufteuden Räucherwerks und um dasselbe zwei Leuchter mit Fakeln, zwei mit Kerzen, zwei mit Laternen. Neben deni Tische ein Waschbecken. Hinter dem Tische ist ein Himmelstempel — hebr. „bethel“1) — das Allerheiligste, welches nur der Vorsteher der Synagoge betreten darf. Auf 13 Tischen stehen 13 Gesetzbücher mit seidenen Hüllen. 12 parallel den 12 Stämmen, eines zum Ehrengedächtnis Mofis. Hinter dem „Beth el" die Gesetzestafeln, mit goldenen hebräischen Buchstaben; zu beiden Seiten zwei Schränke voll altertümlicher Bücher und vor ihnen steht je ein Tisch mit einem Kandelaber zwischen zwei Vasen. — Der Tempel ist der Ort der gottesdienstlichen Versammlung, der nur barf u ß betreten wird. Die Juden in Cai-fong-fou haben nicht das ganze alte Testament, aber so weit sie es haben, stimmt es in Text, Anordnung und Punktation mit dem unseren überein. Unsere Zeichen für Pethuchen — mrna und Sethumen — jn&Tß fehlen ihnen. Ihre ganze hebräische Bibliothek ist in der Synagoge, ein hebräisches Buch im Wohnhause behalten, gilt ihnen für Entweihung des Heiligen. Der Bestand ihrer Bibel ist folgender: Die Thora vollständig. Josua und Richter besitzen sie nicht vollständig. Jesaia und Jeremia ganz. Von Ezechiel besitzen sie nichts. Von Daniel nur etwas. Vollständig Jona und verstümmelt: Miha, Nahum, Habakuk, Sephanja, Haggai und Sacharja. Ester vollständig, nennen sie „die große Mutter". Ferner Esra und Nehemija unvollständig. Die zwei ersten Makkabäerbücher. Das Sid d ur nennen sie „Li-pai, Gebete, zusammengestellt aus der Heiligen Schrift, vorzüglich aus den Psalmen. In der Synagoge tragen sie keine besonderen Festkleider. Beim Gebet kehren sie sich nach Westen. Sie halten gesetzmäßig Sabbat und am 8. Tage die Beschneidung. Ihre Sprache ist einJargon von Chinesisch undHebräisch". Vorstehender Missionarsbericht stammt aus dem Anfänge des vorigen Jahrhunderts. Seit jener Zeit, sind unzählige Berichte und Mitteilungen über die Juden in China veröffentlicht worden. Doch läßt sich aus all den Berichten — da sie sich alle vielfach widersprechen — kaum ein klares Bild über Zahl und Verhältnisse der Juden in China gewinnen. __ Literat«». Israel Zangwill über sein neues Stück. Am letzten Mittwoch ging im Londoner Majesty's Theater das neue Drama ZangwillS „The War God“ (Der Kriegsgott) in Szene. Das neue Stück, das in Versform geschrieben ist, hat, wie aus London 0 Der Unftuth, daß ihre Synagoge die Form des jerusalemischen Tempels trägt und daß ihre Synagoge ein Allerheiligstes besitzt, das nur einmal im Jahre von dem Mandarin betreten werden darf . — auch der Hohepriester durfte nur einmal im Jahre das Allerheiligste betreten — läßt schließen, daß die Juden unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems nach China ausgewandert seien. Die Erinnerung an dem Tempel, an seine Herrlichkeit, war bei ihnen noch frisch und lebendig, sie waren Zeuge der Pracht und des Glanzes des jüdischen Staates und seines Tempels und sie hielten nun diese heilige Erinnerung durch ihre dem TempkTzu. Jerusalem ähnlich ausgestattete Synagoge fest.

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