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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I«hrg«n-XXW. Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums« -özzmn- Wien, 17. November 1911 LrscbeLnt jeden Frettsg. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Der Polizist als Antisemit. Rassenreine arische Kultur- und Moral-Blüten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Hundspeitsche im österreichischen Parlament. Appell an die jüdischen Advokaten, Richter, Notare und übrigen Juristen. Ein entlarvter antisemitischer Erpresser. Davoud Effendi Molho. Der Einfluß der Trennung des Staates von der Kirche auf die einzelnen Kulte. Professor Baron Dr. Christian von Ehrenfeld über das Rassenproblem. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des K iltusvorstandes vom 5. November 1911. Memoiren des Abg. Silberer. Der Mord in Könitz. Nensa academica judaica. Antisemitische Ausfälle eines galizischen Richters. Die jüdische Geschichte mit Skioptikonbildern und historischer Musikbegleitung durch eine Militärkapelle. Bischof und Rabbiner. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Bernhard Frankel. Berlin. Ein neuer jüdischer Präfekt in Frankreich. Ein wichtiger Beschluß in der Frage des Clnef-Rabbinates. Konskription ausländischer Juden in Rußland. Ausschließung der Juden in Rußland vom Militärdienste. Die egyptischen Juden für die Türkei. Hebräisch auf dem Kap der Guten Hoffnung. Tunis. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden in Cai-Fong-Fon (China). — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. O 0 -üO p Bejugsprrfa für Vesterrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller» Iür's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4matgespal- 2 lene Pelitzeile 24 Heller. C OP -Qo O (r O •" -Ü O A. k. Pofisxsrkafsenamf Sleartng-Verkebr «r. S10.S76. RedaMon und Administration: M Wien H/i. Hahngaffe Nr. 15. l) 'Telefon Nr. 14.847. <1 n P - ——O o Der Polizist als Antisemit. Auf unserem Schreibtisch finden wir folgendes amtliches Schriftstück: Am 22. Oktober, 3/i2—1/ifi Uhr nachmittags, als Se Majestät von Hietzing kommend durch die Unt. Augartenstraße Schreigasse, Malzgasse in den k. k. Augarten fuhr, sammelten sich viele Leute vor dem Einlaßtor des Augartens an. Bei der Retourfahrt kam es zu grobem Unfug der Schuljugend. Dieselbe lief dem Wagen nach, schrie in ausgelassenster Weise Hurra und Halloh. Diese Szene wirkte mit Rücksicht auf die erhabene Person des Monarchen höchst abscheulich und hatte nicht das Geringste mit einer Ovation gemein. Auch konnte in diesem Falle nicht von einem Ausflusse der dem Monarchen entgegengebrachten Liebe und Verehrung oder des Patriotisnms der Jungen gesprochen werden. Es erweckte vielmehr den Eindruck, als ob sich die Schuljungen aus der Fahrt Sr. Majestät einen Ulk machen wollten. Das Verhalten der Schuljugend, zumeist israelitische Kinder, fand bei den erwachsenen Personen - ihres Stammes nur Beifall, während viele Andere an dem Verhalten Aergernis nahmen. Es wäre daher wünschenswert, wenn die Schuljugend des hiesigen Bezirkes von ihren Schulleitern über das die Person des Monarchen herabwürdigende Verhalten belehrt würde. Da Se. Majestät im geschlossenen Wagen und sehr schnell fuhr, dürfte er von dem Verhalten nichts oder nicht viel wahrgenommen haben, umsomehr diesem sofort Einhalt geboten wurde. Laut beiliegender Meldung des Sicherheitswachmannes Josef S t e p a n soll sich Aehnliches bei einer unvorgesehenen Fahrt Sr. Majestät zugetragen haben. Eduard Wache, k. k. Revierinspektor. * * * Vorstehender Erlaß wurde den Schuldirektionen des Sprengels zugesendet, in welcher der Augarten liegt, damit die schuldtragenden Kinder herausgefunden und zur Rechenschaft gezogen würden. Im Prinzip hätte ja der Herr Wache damit Recht, aber nur im Prinzip. Denn der ganze Ton des amtlichen Berichtes läßt daran zweifeln, daß der Herr Wache in objektiver Weise vorgegangen ist und die Dinge gesehen hat, wie sie sich wirklich abspielten. Wenn Herr Wache von einem Eindruck spricht, den das Verhalten der Jungen auf ihn gemacht hat, so scheint dieser.. Eindruck auf ihn nicht der klarste gewesen zu sein, weil es j* sich um israelitische Kinder handelte. Aus dem Bericht geht 1 nämlich mit größter Sicherheit hervor, daß das Gemüt des I Revierinspektors mit Sehnsucht jenen Zeiten nachträumt, in * denen der abgekrachte Herr Geßmann der Herr von Wien war und man sich umso größere Beliebtheit bei den Vorgesetzten verschaffen konnte, je schärfer man seinem Antisemitismus Ausdruck gibt. Herr Wache ist k. k. Beamter und zur strengsten Objektivität verpflichtet. Er wird von den Steuergeldern der jüdischen Bevölkerung gerade so bezahlt wie von denen der christlichen und wenn er seine Feindseligkeit gegen die Juden nicht einstellen will, so mag er sich nach Rußland transferieren lassen, wo ihn die echt russischen Leute gewiß mit offenen Armen aufnehmen werden. Hier in Oesterreich braucht er in feinem Bericht die Konfession der Schulkinder nicht so unterstrichen hervorzuheben und soll sich nicht mehr unterstehen, im Volksblattjargon wegwerfend von Leuten »ihres Stammes" zu reden. Davon ganz abgesehen, wagen wir es aus vielen Gründen, an der Richtigkeit des ganzen Berichtes zu zweifeln. Herr Wache beschuldigt jüdische Schulkinder, mit der geheiligter Person des geliebten Monarchen ihren bübischen Ulk getrieben zu haben unter dem Beifall der erwachsenen Juden. Herr Wache mag gefälligst die schärfsten behördlichen und persönlichen Untersuchungen über die Haltung der Juden gegenüber der Krone und ihrem derzeitigen ehrwürdigen Träger anstellen lassen. Gerade wir, von unserer Religion und Moral, von Dankbarkeit und Liebe dazu bewogen und erzogen, rühmen uns, die loyalsten Staatsbürger zu sein und keine Gelegenheit geht vorüber, bei welcher wir nicht vor der Größe Franz Joseph I. unsere begeisterte Huldigung aus aufrichtigstem Harzen darbringen. Schule und Haus wetteifern bei uns Juden, diese Traditionen und Gefühle an unsere Jugend weiterzugeben, die ja auch bis in die Tiefe ihrer Seele verrottet sein müßte, wenn sie mit der Majestät des von der ganzen Welt verehrten Monarchen auch nur eine Spur von Spott haben wollte. Daß die Hochrufe der Jungen laut waren, daß die Kinder dem Wagen des Kaisers nachliefen, um ihre Grüße sicher anzubringen, mag wohl Tatsache gewesen sein. Aber wenn das bei Herrn Wache einen anderen, den Eindruck der Beleidigung weckte, dann war es seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Wache zum Einschreiten zu veranlassen und einige der verkommenen Jungen zum ab-

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