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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-10 · 45 (10.11.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 762 M. MoWs für den Jubilar beschlossen hat.. Der Präsident der Israel. Kultusaemeinde Herr Dr. Samuel Tilles gratulierte dem Jubilar im Namen der Krakauer Kulmsgemeinde und Herr Rabbiner Dr. Thon würdigte in einer sehr warmen Ansprache die Verdienste des Jubilars. Tief ergriffen dankte Herr Fischer für diese Gratulationen. Hierauf vereinigte ein intimes Gabelfrühstück die Gaste, welche diesen Moment durch einen Photographen verewigen ließen. Das Bild wird im Tempelsaal angebracht werden. Mittags erschien beim Jubilar' eine Deputation der Krakauer jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, in deren Namen die Herren Direktor Armhaus und Religionslkhrer M. Jakob den Jubilar beglückwünschten und eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichten. Der Jubilar erhielt anläßlich dieses Jubiläums zahlreiche schriftliche und telegraphische Gratulationen vom In- und Auslande wie auch zahlreiche Ehrengeschenke. Herr Fischer ist bekanntlich auch Besitzer einer großen hebräischen Druckerei, der größten dieser Art in Oesterreich, und hat sich derselbe um die hebräische Literatur große Verdienste erworben. Czeruowitz. Herr Dr. Josef Barber, Apotheker, ist hier Sonntag den 5. November seinen Leiden erlegen. Der Verstorbene war Ehrenvorstand des Bukowinaer Apotheker-Gremium?, Gründer vieler humanitärer Vereine; seine Verdienste wurden vom Kaiser durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph Ordens ausgezeichnet. Um den Verstorbenen trauern außer seinen zahlreichen Verwandten in Czernowitz und Wien viele Notleidende, denen er Helfer und Stütze gewesen. Zu früh hat der Tod innige Familienbande gelöst, zu früh einen der besten, edelsten Menschen abberufen, der, seinem guten Herzen folgend, noch viel zum Wohle seiner Mitmenschen hätte wirken können. Friede seiner Asche! LI. 6. Rozsahegy. Die israelitische Kultusgemeinde Rüzsahegy hat einen herben Verlust erlitten. Distriktspräsident Dr. Bernhard Policzer ist in Rüzsahegy am 1. November im 65. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist ein Mann von hinnen geschieden, den viele schöne Tugenden und insbesondere Charakterfestigkeit kennzeichneten. Besonders hervorzuheben sind seine Verdienste, die er sich als Präsident des Schulstuhles um das Emporblühen unserer konfessionellen Schule erworben. Er hat über 30 Jahre diese Würde bekleidet und war stets bemüht, sein bestes Können in den Dienst der Schule zu stellen. Auch als Distriktspräsident hat er Ersprießliches geleistet. Trotz seiner mannigfachen Beschäftigung konnte er sich auch noch den Dürftigen und Bedrängten widmen und war bereit, ihnen teils durch Unterstützung teils durch tatkräftige Protegierung zu helfen. Das Leichenbegängnis hat am 2. November unter großer Teilnahme stattgefunden. Sämtliche Kultusgemeinden aus dem Turüczer Komitate und die Kultusgemeinde Liptüszentmiklüs waren durch zahlreiche Mitglieder vertreten. In Vertretung der Kultusgemeinde Trszteva Komitat Arva war der Advokat Dr. S. Perl st ein erschienen. Au der Bahre hielt Rabbiner Em. Elzasz eine ergreifende Trauerrede. Im Friedhofe sprachen noch Abschiedsworte Präsident Jakob Klein, Vizepräsident des Schulstuhles Dr. Markus Polgar, Distriktspräfident Dr. Josef Singer, Rabbiner ausTurocszentmLrton,Dr. Arthur Weiszkopf, Advokat Dr. Bernhard Hitler und der königl. Notar Dr. Nathan Schlesinger. Die Turdosiner Gemeinde hat zum Leichenbegängnis den Rabbiner Moses S a l a m o n exmittiert. Bad Königsdorff - Jaftrzemb. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte hat in der vergangenen Saison (1911) 152 Pfleglingen Aufnahme gewährt. Bei allen Kindern tvar ein günstiger Kurersolg zu verzeichnen. Die Gewichtszunahme. betrug duMchnittlich 3—9 Pfund. Insgesamt hat die Anstalt seit ihrem Bestände 2030 Pfleglinge beherbergt und ihnen zur Kräftigung und Gesundheit verholfen. Sicherlich eine anerkennenswerte Leistung auf dem Gebiete humanitärer und sozialer Fürsorge. Das schmuckvolle Anstaltsgebäude liegt in der Nähe des großen Parks mit seinen prächtigen alten Baumbeständen und ist von schönen Gartenanlagen umgeben. Die Erhaltung des segensreichen Werkes, das der Förderung edler Menschenfreunde würdig ist, geschieht durch milde Beiträge. Vorsitzender der Kinderheilstätte ist Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. Breslau. Am 21. v. M. feierte, wie schon kurz erwähnt, Frau Elise H o l z b o ck unter reger Beteiligung ihrer Freunde und früheren Zöglinge das 25 jährige Jubiläum ihrer Tätigkeit als Leiterin des bekannten Mädchenpenfionates. Am WMMW Nr. 45 Vorabende des Festes fand ein ungezwungenes Beisammensein im Hause der Jubilarin statt, bei dem der Gefeierten eine Ehrengabe überreicht wurde. Der Tag selbst wurde durch ein Festessen in den Räumen des Schaal'schen Restaurants feierlich begangen. Ein Lustspiel (verfaßt von Herrn stuä. jur. Günther Brienitzer) mit daran anschließendem Reigen (einstudiert von Herrn Tanzlehrer Baer) dargestellt von den jetzigen Schülerinnen des Pensionates, vergnügte außerordentlich die zahlreich erschienenen Gäste. Bis in die späte Nacht dauerte das Fest, um in einer Huldigung der Jugend an den Tanz einen fröhlichen Ausklang zu finden. Henry Bergson — ein Jude. Aus London schreibt man der „N. I. K.": Aus Anlaß einer Vortragsreihe, die der bekannte französische Philosoph Henry Bergson gegenwärtig in London hält, war in der englischen Tagespresse behauptet worden, Bergson sei irischer Abkunft. „Daily News" veröffentlichte nun dieser Tage eine Zuschrift von einem Verwandten Bergsons aus Liverpool, der feststellt, daß der ausgezeichnete Denker kein „Jrishman", sondern Jude ist. __ Feuilleton. Jehuda Salem. Ein Schatten»»». Vvn Herbert Enlenberg (Kaiserswerth). Nur wenige, die den großen, durch ein würdiges Alter geheiligten Namen Jehuda Halevi kennen, vermögen sich den Menschen und die Zeit und Kunst dabei zu denken, die hinter diesem Namen wie unter einer unverständlichen hebräischen Grabplatte, vergessen, unleserlich geworden, schlummert. Und es ergeht den meisten wie Heines kleiner Ünbedeütenden'Frau und Freundin, die, als er ihr sein tragikomisches Heldengedicht auf den großen jüdischen Dichternamen aus seiner Romanzensammlung vorlas, von der arabisch altspanischen jüdischen Literatur so wenig verstand wie von dem Vers: „Lecho daudi likras kallo". Denen mag es, sofern ihnen nicht die geliebte Gegenwart über alles geht, erwünscht sein, einmal den Namen Jehuda Halevi aus seiner Umgebung und Umlebung auf uns zukommen zu sehen. Man muß sich ins 12. Jahrhundert denken und in das Spanien des Cid, der für die kastilische Krone gegen die Araber und die Herrschaft der Omajaden kämpfte und wütete wie Gottfried von Bouillon wider die ungläubigen Seldschuken, die in Jerusalem ein türkisch Regiment führten. Vom Hintergründe dieser Zeit hebt das Bild Jehuda Halevis sich ab, der in dem gleichen Jahre in Toledo an der Brust einer jüdischen Mutter zum Leben erwachte, als der Cid, stolz wie Blücher nach vierjähriger Belagerung an der Spitze seiner Ritter und Reisige das Kreuz in der Linken, das bluttriefende Schwert in der Rechten, in die abgeblühte Stadt einzog. Vor der Perspektive dieser im Herzen Spaniens gelegenen einstigen Hauptstadt Kastiliens, die heute kaum mehr ein Zehntel dessen ist, was sie einst war, spielt sich die Jugend und das Leben Jehudas ab. Hier hat er in der Synagogenschule das Gesetz und den Talmud mit Mischna und Gemara gelernt und spricht neu-hebräisch oder aramäisch so gut wie arabisch, so daß er beim Erwachen morgens oft nicht weiß, in welcher der beiden Sprachen ihm geträumt hat. Dort hat er die medizinische Wissenschaft studiert, das Hauptgewerbe, das die Juden damals in Spanien ausübten, wenn sie nicht Finauzverwalter, Almojarifen, werden wollten. Und dafür paßte Halevi so schlecht,, daß der wildeste Antisemit angesichts seiner an der Redensart und Allgemeinheit irre geworden wäre, daß der Geldsinn die Haupteigenschaft der Juden sei. Hier in dem Toledo des 12. Jahrhunderts weilt er auch an dem heutigen Abend, an dem wir ihn besuchen wollen.

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