Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 760 Dr. Vwchs WochMchrift Nr. 4S betrifft, bemerkte der Redner sehr zutreffend, so habe ich bereits anläßlich der Anfrage wegen Azew betont, daß es den Juden lieber wäre, wenn man in der Ochrana eine Perzentnorm gegen Juden einführen wollte,, als in den Schulen. Ausweisung der Juden ans dem Amnrgebiet. Aus Petersburg wird uns berichtet: Der Generalgouverueur des Amurgebietes, Kammerherr G o nd a t t i, hat die Ausweisung sämtlicher Juden des Gebietes angeordnet. Die russischen Börsenkomitees von Chaborowsk, Nikolajewsk/Blagoweschtschensk u. s. w. haben an den Generalgouvcrneur die dringende Bitte gerichtet, die Judenausweisung wenigstens zu verschieben, da sie den Ruin zahlreicher Firmen nach sich ziehen wird. Arabische Juden in Mexiko. In Mexiko leben jahraus-jahrein ungefähr 400 arabische Juden, die aus den verschiedenen afrikanischen und südamerikanischen Kolonien nach Mexiko kommen, um daselbst Geschäfte zu machen oder in Arbeit zu treten, um dann, wenn sie einiges erspart haben, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Es sind dies arabisch-jüdische „Sachsengänger". Nur in den seltensten Fällen nehmen diese arabischen Juden ihre Familien mit. In der Stadt Mexiko bilden sie eine Gemeinde für sich, erhalten das Lanze Jahr über ein eigenes Bethaus mit einem ständigen Chasan und Schochet. Manche von ihnen haben sich bereits in Mexiko ständig angesiedelt. Vermisebres. Wien. (Trauung.) Mittwoch den 15. November d. I, 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Fräuleins Hilda W i n t e r n i tz, Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Jvsef'W i n t e r n i tz. mit dem Industriellen Herrn Isidor Löwenbein, Chef der Firma V. K ü f f e l & Co., in Leopoldau statt. Fortschrittlicher Bürgerverein „Donauklub." Der Fortschrittliche Bürgerverein „Donauklub" veranstaltet Donnerstag am 9. d. M. im Restaurant Hessenberger, II. Praterstraße 47 eine außerordentliche Generalversammlung, in welcher zunächst der ehemalige, verdienstvolle Reichsratsabgeordnete der Leopoldstadt, Herr Hofrat Josef Kareis zum Obmann gewählt werden soll. Sodann werden Reichsratsabgcordneter Dr. Wilhelm N e u m a n n über die gegenwärtige Lage und Generalsekretär Dr. Rudolf B r i ch t a über die wirtschaftliche Lage Oesterreichs referieren. Mit Rücksicht auf die sonst auch bedeutsame Tagesordnung werden die Herren Mitglieder dieses seit vierzig Jahren bestehenden, politische und wirtschaftliche Interessen vertretenden Vereines, sowie von Mitgliedern einzuführende Gaste und deren Damen um recht zahlreiches Erscheinen ersucht. Wie». Der Präses des israelitischen Bethausvereines Landstraße, Herr Adolf T a u s k i, feiert dieser Tage das 25jährige Jubiläum seiner Wahl. Aus diesem Anlasse findet Samstag den 11. November um 10 Uhr vormittags im Bethaufe III. Erdbergstraße 15 ein Festgottesdienst mit Predigt statt. Wien. (VereinzurBekleidung undUnterstützung armer alter Männer israel. Konfession.) Sonntag den 12. November 1911, präzise Sl/2 Uhr nachmittags, findet im Festsaale des „Hotel Continental", II., Taborstraße 4, ein B e k l e i d u n g s f e st statt. Programm: 1. Präludium von Herrn Professor S. S t o r ch. 2. „Festprolog", anläßlich des Bekleidungssestes, versaßt von Herrn S. V i n e t a. 3. Begrüßung durch den Präsidenten Herrn Isidor Schwarz. 4. Chöre, vorgetragen vom Wiener k a u fmannischenGesaugverein. 5. Festrede Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Julius Max Bach. 0. Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Don Fuchs. 7. Ansprachen der Festgäste. 8. Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Morgenst e r n. Handarbeitsausstellung des „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim"* Von Donnerstag den 9. d. M. bis inklusive Donnerstag den 16. d. M. veranstaltet das Komitee des „Kaiser Franz Josephs- Ferienheim" eine Handarbeitsausstellung, deren Einzelstücke zugunsten der Schützlinge des Vereines (derselbe entsendet alljährlich 500 bis 600 Kinder in seine Erholungs- und Krankenkolonien) verkauft werden. Da die Ausstellung Hausbedarfs-, Luxus- und Gescheukartikel enthält, die von den Mitgliedern des Vereines mit künstlerischer Fertigkeit und in selbstloser Weise im Verlaufe von vielen Monaten hergestellt wurden, war es dem Vereine möglich, für die ausgestellten Gegenstände so mäßige Preise anzusetzen, daß sicher viele Damen in dieser Ausstellung ihren Weihnachtsbedarf decken und mannigfache Einkäufe daselbst besorgen werden. Die Ausstellung findet täglich von 10 bis 1 Uhr und von 3 bis 7 Uhr in Wien, IX., Universilätsstraße 4, statt. Wie». (I u g e n d g o t t e s d i e n st.) Eine wesentliche Ergänzung des letbei nur in zwei wöchentlichen Stunden erteilten jüdischen Religionsunterrichtes bildet unser Jugendgottesdienst, dessen Wichtigkeit jetzt allgemein anerkannt wird. Wir möchten heute unsere kompetenten Behörden auf eines aufmerksam machen, daß zum Be.spiel in den meisten Bürgerschulen weit mehr als die Hälfte unserer Jugend vom Besuche des Gottesdienstes, mit Ausnahme der ersten und letzten feierlichen Schulandacht, ausgeschlossen ist. Es werden nämlich trotz des Erlasses des Wiener Bezirksschulrates zur Zeit des Jugendgottesdienstes — das ist Samstag, 11 bis 12 Uhr — keinen Unterricht anzusetzen, allerhand obligate und unobligate Stunden, selbst für Handarbeit, ängesetzt, und wenn die von früher her an den Besuch des Sabbathgottesdienstes gewohnten Schüler und Schülerinnen darum bitten, die Synagoge besuchen zu dürfen, dann wird es ihnen einfach verweigert. Wie ist dies mit dem Schulgesetze vereinbar, das die Teilnahme an den religiösen U'bungcn der Schuljugend zur Pflicht macht? Die jüdischen Kinder fügen sich schließlich einem solchen Verbot, und zu einer Zeit, wo sie am empfänglichsten für religiöse Belehrung wären, bleiben sie vom Gotteshause fort. Am meisten betrifft dies unsere weibliche Jugend, die zuhause nichts vor sich sieht und doch ein empfängliches Gemüt, besitzt. Da wäre Abhilfe dringl'ch. Vor allem würden wir unsere Behörden bitten, sich an eine genaue Stati st ik je nerKlassen und Schulen, deren Zöglinge Lberbanpt keinen Gottesdienst besuchen können, zu verschaffen. Dann müßten Einrichtungen getroffen werden, um allen Schülern und Schülerinnen — auch denen der Lyzeen und weiblichen Mittelschulen — den regelmäßigen Besuch des Schulgottesdienstes zu ermöglichen. Die Zeit drängt und die immer größer werdenden Tariflisten rufen uns zu: Oavsaut eonsulsg! Wien. Herr Sandor Weiner aus Wien sendet uns nachstehenden Bericht: Am 31. Oktober d. I. feierte 1er Oberrabbiner in der Gemeinde Alberti-Jrsa, Sigmund Bnchler, sein 25 jähriges Amtsjnbiläum. Der Verlauf des schönen, gelungenen Jubiläums war ein imposanter. Der seit über 150 Jahren bestehende Tempel war zu dieser Gelegenheit festlich geschmückt. Trotz des Wochentages, wo die Geschäftswelt nicht leicht abkommen kann, waren sehr viele Gäste anwesend. Unter den vielen Persönlichkeiten sind zu erwähnen die Rabbinen aus Jaßberenh, Oroshäza, Mindszent, Monor, Czegled und Äbony. Außerdem viele Gäste aus Nah und Fern. An dieser schönen Feierlichkeit nahmen zirka 600 Gäste teil, so daß sich der große altehrwürdige Tempel als zu eng zeigte und viele im Hofe blieben. Auch christliche - Kreise beteiligten sich zahlreich an dem Fest. Der Oroshäzer Rabbiner hielt eine schwungvolle, phänomenale Rede, die überaus großen Beifall fand. Nach dem Gottesdienste, der bis nach 4 Uhr dauerte, machten die verschiedenen Deputationen ihre Aufwartung beim Jubilar Rabbiner Sigmund Bnchler in folgender Reihenfolge: zuerst der Vorstand der Alberti-Jrsoer Kultusgemeinde, der zwei silberne Armleuchter im Werte von 400 Kronen überreichte, sodann die Piliser isr. Gemeinde, die ein Erste Ungar. Sparkassa-Los im Werte von l 50 Kronen dem Jubilar schenkte. Hernach die Chewra- Kadischa, ferner der jüdische Frauenverein, der einen silbernen Auswarter präsentierte. Dann erschienen die katholische Gemeinde mit ihrem Pfarrer, die evangelische Gemeinde, an der Sp'tze ihr Seelsorger, die reformierte Gemeinde mit dem Geistlichen, der Oltsvorstand von Jrsa, der Ortsvorstand aus Alberti, der Gewerbeverein, die Feuerwehr, der Gesangsverein, der Selbstbildungsverein und zum Schluffe die Schulkinder, die einen Lorbeerkranz überreichten. Alle Deputationen hielten an den Vierteljahrhundert-Jubilar Oberrabbiner Sigmund Bnchler eine Ansprache, worauf er jedem einzelnen besonders antwortete» was bis spat in die- Nacht. dauerte. — An dem Bankette in Lichtner's Restauration nahmen über 200 Personen Anteil, wo auch die über 150 eingetioffenen Depeschen vorgelesen wurden. Dieses schön gelungene Jubiläum des hochverdienten Rabbiners Sigmund Bnchler wird in Alberti-Jrsa und Umgebung das Andenken lange und angenehm in Erinnerung der Bürger halten.