Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seile 737 Nr. 44 Dr. Blocks WochMWrift Zum ersten Vortrage, der bekanntgegeben werden wird, haben die Hörerinnen sich womöglich mit dem Neujahrs-"Machsor" zu versehen. Austritte ans dem Judentum Vom 22. Oktober bis inkl. 28. Oktober 1911. Bombach Elsa, Private, geb. 14. August 1885 iu Wien, I., Führichgasse 10. Heckler Rudolf, geb. 16. Februar 1889 in Wien, III., Strohgasse 13. Herzog Paula geb. Inwald, Private, geb. 19. Dezember 1869 in Deutsch-Brod, III., Ditscheinergasse 3. Hoffmann Jakob, geb. 3. März 1865 in Csepreg, XII., Wolfgangg. 56. Kraus Siegfried, J.-Dr., Sekretär der Finanzprokuratur in Wien, IX., Porzellangasse 22. Kohn Johanna, Sängerin, geb. 2. Jänner 1889 in Wien, IX., Glasergasse 19. Neuberger Heinrich, Kanzlist, geb. 23. April 1878 in Wien, XII., Schönbrunnerstrasse 205. Pollak Marie, Komptoiristin, geb. 22. Juni 1895 in Wien, XX., Klosterneuburgerstrasse 98. Seidner Leonore geb. Deutsch, KauMannsgattin, geb. 24. November 1872 in Wien, XIII., Auhofstrasse 11b. Tafler Eleonore, geb. 9. August 1891 in Wien, III., Barichgasse 13. Lundenburg. Am 29. Oktober d. I. feierten in vollster Rüstigkeit und Gesundheit das Mitglied des hiesigen Kultusvorstandes Herr Simon D i tz und seine Frau Amalie die vierzigste Wiederkehr des Hochzeitstages. Aus diesem Anlasse kamen. dem beliebten Jubelpaare aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreiche Gratulationen zu. Herr Simon D i tz bekleidet das Amt eines Kontrollors in der Kuffner'schen Zuckerfabrik, in deren Diensten er bereits über 40 Jahre wirkt. Das Fest wurde im engsten Familienkreise gefeiert. Brünn. Am 26. Oktober ist der Biünner Buchhändler Bernard Epstein nach längerer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit ihm hat die Brünner Kultusgemeiude ein sehr schätzenswertes Mitglied verloren; denn er war nicht nur Biedermann durch und durch im Privat-, wie im Geschäftsleben, sondern auch ein intelligenter, in der hebräischen Llteratur sehr bewanderter, fiir das Judentum warm fühlender Mann, dem Sinn und Verständnis für jüdisches Leben niemals fehlten. Insbesondere war er durch Liebenswürdigkeit und Bescheideheit ausgezeichnet, so daß sein Wahlspruch immer war: „Nur fremder Mund, nicht Dein eigener darf Dich loben", welche Eigenschaften auch Rabbiner Dr. Löwy in seiner gehaltenen Leichenr.de rühmend hervorhob. Im Mai dieses Jahres war es eben fünfzig Jahre geworden, seitdem er, als erster jüdischer Buchhändler in Mähren, sein Geschäft gegründet hat. Aus diesem Anlasse erhielt er auch im Mai dieses Jahres von dem Leipziger Buchhändler-Vereine das Diplom als Ehrenmitglied. Noch in den letzten Jahren seines Lebens stellte er einen Katalog seines Antiquariates in hebraeicis zusammen, der manche interessante Antiquität enthält und nunmehr erscheinen wird. Seine Tochter Berta, verwitwete Pick, eine durch männliche Klugheit und weiblichen Zartsinn ausgezeichnete Frau, die ihm seit Jahren geschäftlich zur Seite stand, führt die Firma weiter. Ein Sohn von ihm, Dr. Julius Epftei«, ist Advokat in Teplitz und Ausschußmitglied der Prager Advokatenkammer. Pakrae. Am 23. Oktober wurde hier Herr Jakob Müller zu Grabe getragen. Er erreichte ein hohes Alter von 80 Jahren, feierte vor 5 Jahren mit seiner edlen Gattin die goldene Hochzeit, bei welcher Gelegenheit er der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde ein prachtvolles Proches spendete. Welch großer Beliebtheit er sich bei der ganzen Stadt erfreute, bewies die große Teilnahme an dem Leichenbegängnisse. Der katholische Zunftverein rückte mit Fahne und Uniform aus, sowie auch die Geistlichkeit, die Feuerwehr und der ganze Beamtenstand. Die Beliebtheit. erwarb er sich während seines 15 jährigen Wirkens als Bürgermeister und als langjähriger Stadtrat. Herr Oberkantor Steiner zeichnete sich beim Leichenbegängnisse abermals durch seine brillierende Stimme und Bortrag aus, welchem allgemein große Anerkennung gezollt wurde. Herr Bezirksrabbiner Dr. Glück hielt eine ergreifende Leichenrede. Der Verstorbene machte mehrere Legate. Friede seiner Asche! Jglau. (Todesfall.) Am Schemini azereth starb hier im 67. Lebensjahre Herr Adalbert P o k o r n y, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Derselbe war seit vielen Jahren Beirat der israelitischen Kultusgemeinde, Mitbegründer und Obmann-Stellvertreter des Tempelgesangvereines „Schir Zion", Stadtverordneter und Ehrenmitglied zahlreicher Vereine. Es war vorauszusehen, daß das Begräbnis am 16. Oktober sich zu einer imposanten Leichenfeier gestalten werde, nahmen doch an dem plötzlichen Hinscheiden alle Schichten unserer Gesellschaft innigen Anteil, schmerzte sein Verlust gleichmäßig Arm und Reich. Schon die Beteiligung der vielen Vereine, denen der Verstorbene angehört hatte, mußte den Leichenzug zu einem überaus langen gestalten. Es haben teilgenommen: Das Stadtverordneten-Kollegium unter Führung des Bürgermeisters Vinzenz I n d e r k a, die Kultusgemeinde-Repräsentanz mit dem Vorsteher kaiserl. Rat Adolf Lieblich, der Vorstand der Chewra-Kadischa und des israelitischen Frauenvereines, der Tempelgesangverein „Schir Zion" mit dem Obmanne kaiserl. Rat Gustav H o l l m a n n, der Männergesangverein, der Turnverein, die Feuerwehren von Jglau, Altenberg und Helenental, der Veteranenverein. Weiters befanden sich im Leichenzuge viele Honoratioren unserer Stadt, Deputationen beinahe sämtlicher Vereine aus Jglau und Umgebung, die Beamten der Jglauer Kultus - gemeinde und viele Privatpersonen. In der Zeremonienhalle widmete unser hochgeschätzter, ehrwürdiger Rabbiner Dr. I. I. U n g e r dem Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf, in welchem er die vielen guten Charaktereigenschaften und das Wirken des Heimgegangenen in unserer Stadt und Kultusgemeinde besonders hervorhob; dieser Nachruf übte auf die zahlreichen Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die kantoralen Funktionen versah wirkungsvoll unser bestbekannter, tüchtiger Oberkantor David Weiß. Der Gesangverein „Schir Zion" sang im Trauergemach wie in der Zeremonienhalle unter Leitung des bewährten Chormeisters Josef Kohn die Trauergesänge und der Männergesangverein Jglau am offenen Grabe den letzten Gruß in erhebender Weise. Der trauernden Witwe Louise P o k o r n y kamen von vielen Vereinen, Korporationen und Privatpersonen Beileidskundgebungen zu. Diese allgemeine Teilnahme ist ein Beweis, daß das Hinscheiden Adalbert Pokornys allgemein tief gefühlt wird, daß aber sein Gedenken ein dauernd ehrenhaftes bleiben wird. Friede seiner Asche! —m—. In der am Freitag den 27. Oktober l. I. abgehaltenen Stadtverordneten-Kollegiums-Sitzung widmete der Bürgermeister Vinzenz I n d e r k a dem kürzlich verstorbenen Mitgliede des Stadtverordneten-Kollegiums Adalbert P o k o r n y einen warmen, ungemein herzlichen Nachruf. Derselbe lautet: „Es obliegt mir heuteIdie traurige Pflicht, eines Kollegen zu gedenken, welcher uns und der gesamten Oeffentlichkeit vor Kurzem jäh entrissen worden ist: unseres lieben Kollegen Adalbert P o k o r n y. Vor wenigen Wochen weilte er noch in voller Rüstigkeit in unserer Mitte und nahm in gewohnter Pflichttreue an unseren Beratungen teil und wenige Tage später hat ihn der unerbittliche Tod von uns genommen. Unser nunmehr in das Reich des ewigen Friedens eingegangener Kollege ist uns gewissermaßen in voller Aktivität entrissen worden, denn bis zum letzten Momente war er in unserem Kollegium und in den zahlreichen Körperschaften, welchen er als überaus verdienstvolles und werktätiges Mitglied augehörte, mit jener Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer tätig, wie sie in unserer Zeit leider immer seltener wird; nach mehr als ein Vierteljahrhundert andauernder Tätigkeit in der Oeffentlichkeit hätte sich Pokorny wohl die verdiente Ruhe gönnen können, allein seine Pflichttreue ließ ihn nicht dazu kommen und in unermüdlicher Schapensfreude und mit lebhaftestem Interesse beteiligte er sich immerdar an allem, was seine ihm über alles gehende Heimatstadt und seine Mitbürger betraf. Vor einem Vierteljahrhundert war er durch das Vertrauen der Bürgerschaft in unser Kollegium berufen worden und der beste Beweis für die allgemeine Anerkennung welche er sich durch seine Tätigkeit in unserer Körperschaft erworben hatte, ist wohl der Umstand, daß er bei jedesmaligem Ablauf der Wahlperiode, zuletzt erst vor 2 Jahren, immer wieder gewählt wurde, ein gewiß nur selten vorkommender Beweis unerschütterlichen Vertrauens der Wählerschaft. Was aber uns und mit uns die gesamte Bewohnerschaft unserer Vaterstadt den Verblichenen besonders achten und schätzen ließ, war die edle Menschenliebe, welche sein Herz in so reichem Maße erfüllte, war seine sprichwörtlich gewordene Herzensgüte, welche ihn als wahren Berater aller von Sorgen Bedrückten, als wahren Helfer in der Not aller von den Stürmen des Lebens Niedergerungenen erscheinen ließ; von seiner Türe wurde Niemand abgewiesen, mag er mit diesem oder jenem Anliegen gekommen sein. Die Armen- und Wohlfahrtseinrichtungen, die verschiedenen Vereine nnserer Stadt mit ihren edlen Zwecken, denen er schon zu Lebzeiten ein edler Gönner gewesen war, wurden von Ihm über sein Grab hinaus nicht vergessen. Aus eigener Kraft hatte er sich aus den allereinfachsten Verhältnissen durch Energie, Fleiß und Ausdauer durch die Stürme des Lebens zur Höhe emporgerungen, aber auch auf dieser Höhe vergaß er niemals seiner Mitmenschen, die da in Elend und Not durch das Leben wandelten und für alle hatte er eine offene Hand, ein tröstendes Wort; niemals kam ein hartes Wort über seinen Nächsten von seinen Lippen, im Gegenteile, er wußte in jedem Menschen nur das Gute und Schöne herauszufinden, ein Charakter im wahren Sinne des Wortes, wie man ihn in unserem egoistischen Zeitalter so