Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 735 •ias. Nr. 44 Dr. Bkochs WochMchrist Der Einfluß des türkisch-italienischen Krieges auf die Auswanderung nach Palästina. Der Krieg zwischen Italien und der Türkei hat auch die in letzter Zeit ansehnlich gestiegene jüdische Auswanderung nach Palästina empfindlich beeinflußt. Wie das Odessaer Palästinakomitee berichtet, haben viele, die die Abficht hatten, nach Palästina auszuwandern, diese wenigstens vorläufig ausgegeben. Der Beweggrund hiefür liegt zunächst in den Meldungen aus Jerusalem, daß viele Juden, die italienische Untertanen find und dort seit vielen Jahren ihre Geschäfte haben, den Feindseligkeiten der Mohammedaner weichen und aus dem Lande wandern mußten. Ueberdies befürchten die russischen Juden, daß Italien auch auf dem mittelländischen Meere gegen die nach dem türkischen Reiche verkehrenden Schiffe Vorgehen könnten. Die Judenfrage iw türkischen Parlament. Wie „Unser Leben" aus Konstantinopel erfährt, sehen die jüdischen Kreise in der Türkei den Verhandlungen der soeben eröffneten Parlamentssession mit einer gewissen Beunruhigung entgegen. Man erwartet wieder stürmische Debatten über die Judenfrage im Allgemeinen und dem Zionismus im Besonderen. Dieser Pessimismus wird damit begründet, daß die Judendebatten in der vorigen Session eigentlich nicht zum Abschlüsse gelangten und nun ihre Fortsetzung finden sollen. Wie verlautet, beabsichtigen besonders die judenfeindlichen Araber im Parlamente, unterstützt von einigen griechischen Abgeordneten, dkn ganzen Komplex der Judenfrage nach europäischem Rezepte aufzurollen. Von anderer Seite erfahren wir, daß schon in den nächsten Tagen eine Interpellation an die Regierung gerichtet werden soll, in welcher gegen die Regierung der Vorwurf erhoben wird, daß sie gegen die reichen italienischen Juden im Lande nachsichtig Vorgehen. Die judenfeindliche Haltung der Londoner „Times". Die judenfeindliche Haltung der Londoner „Times" hat in den liberalen Kreisen Englands außerordentliche Verstimmung hervorgerufen. Nun stellt es sich heraus, daß, wie stets, es sich auch hier um einen ganz gewöhnlichen Geschäftsantisemitismus handelt. Es wird nämlich bekannt, daß die große Zeitung, die einst das größte Ansehen in der ganzen Welt genoß, zur Hebung ihrer zerrütteten Finanzen eine Mitteilung an die „interessierten Kreise" zugehen ließ, daß sie die Absicht habe, eine russische Ausgabe des Blattes herauszugeben. Die antisemititchen Ausfälle der „Times" waren also bloß eine „russische Vorspeise". Die irische Homerule und die Juden. Aus London wird berichtet: Die liberale Regierung Englands wird ihrem Versprechen anläßlich der jüngsten Wahlen entsprechend, demnächst im Unterhause das Gesetz über die Autonomie Irlands, die sogenannte Homerule, einbringen. Der Führer der irländischen Gruppe im Parlament, Jahn Redmont, sucht nun in Versammlungen die Engländer für die Homerule zu gewinnen und hielt zu diesem Zwecke in dem jüdischen Wahlkreis Whitechaple eine Maffenversammlung ab. Den Vorsitz in dieser Versammlung führte der jüdische Deputierte von Whitechaple Stuart Samuel. In seiner Eröffnungsrede erklärte Mr. Samuel, daß er als treuer Engländer und treuer Jude für die Freiheit an allen Orten und für jedes Volk kämpfe. Er sei überzeugt, daß die -Autonomie Irlands nicht nur den Irländern, sondern allen Völkern des britischen Reiches zugute kommen werde. Als Jude spreche er die Hoffnnug aus, daß das irländische Parlament keinen Unterschied machen werde zwischen Volk und Volk und daß die Juden dort dieselben Rechte genießen werden, wie in allen Provinzen des vereinigten Königreiches. Der Führer der Irländer Mr. Redmont führte in einer großen Rede u. a. aus: „Die Juden find am ehesten in der Lage, die Wünsche der Irländer zu begreifen, denn sie selbst haben es wiederholt schmerzlich empfinden müssen, daß Andere gegen sie Gesetze schaffen . . . ." Lord Swaythling sprach sich gleichfalls sowohl als Engländer, wie auch als Jude, besten Religion die Freiheit aller Völker gebietet, für die Resolution zu Gunsten der Homerule aus, die auch schließlich einstimmig angenommen wurde. Der Bühnenerfolg eines Rabbiners. Auf den größten Bühnen Amerikas geht seit einiger Zeit ein Stück mit großem Erfolge in Szene, das den Titel: »A man of Honore« (Ein Ehrenmann) führt und Reverend Jsaac Landmann zum Autor hat. Das Drama, das amerikanische soziale Verhältnisse zum Vorwurfe hat, wird von der Kritik außerordentlich gelobt und wird sich voraussichtlich lange auf dem Repertoire der ersten Bühnen der Vereinigten Staaten erhalten. Jsaac Landmann ist Hilfsrabbiner in der Reformsynagoge Kenesetz Israel in Philadelphia und hat feine theologischen Studien in der Hebrew Union College in Cincinnati absolviert. Auszeichnung jüdischer Kolonisten in Südamerika. Bei der jüngst in Brasilien stattgefundenen südamerikanischen Agrikulturausstellung wurde die aus jüdischen Kolonisten bestehende Kulturgefellschaft für ihre ausgestellten landwirtschaftlichen Produkte, sowie für die Darstellung der modernsten Formmethoden mit verschiedenen Ehrendiplomen und Medaillen ausgezeichnet. Angesichts dieser Erfolge sah sich das argentinische Ackerbauministerium veranlaßt, die jüdische Agrikulturgesellschaf zu dem Erfolge ihrer Mitglieder zu beglückwünschen. Der Minister spricht die Hoffnung aus, daß die jüdische Agrikulturgesellschaft den übrigen ähnlichen Korporationen und Gesellschaften in der Republik zum Vorbild dienen werde. Der Präsident des jüngst konstituierten Verbandes der jüdischen Kolonisten in Südamerika, Sacharow, wurde zum korrespondierenden Mitglieds des Agrikulturmuseums ernannt. Auch in der in Buenos-Aires flattgehabten internationalen Agrikulturausstellung haben mehrere jüdische Kolonisten größere Auszeichnungen erlangt. Ernennung eines Inden zum belgische» Konsul. ..Man schreibt der „N. I. K." aus Montreal: Der König der Belgier hat Mr. Clarence I. d e S o l a, der bisher den Rang eines belgischen Vizekonsuls bekleidete, zum Konsul des Königreiches Belgien in Canada ernannt. Mr. de Sola spielt im öffentlichen jüdischen Leben Canadas eine bedeutsame Rolle und hat sich namentlich als Präsident des Kanadischen Zionistenverbandes hervorgetan. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Settenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenosse«. Anläßlich des Ablebens des sel. Moses F u ch s g e l b : Von Emil Pomeranz £ 10, Philipp und Johanna Herzog 10, Jakob und Julius Herzog 10. Simon Hoffmann 10, Adolf Reis 10. Zusammen £ 50. Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Fried: Von Dr. Emil Lemberger £ 30, Dr. Alfred Skrein 20, Josef Kaufmann 30. Max Morgenstern 20, Dr. Hans Fried 20, Arnold Schwartz 20, Albert und Gisela Frankl 20, Rudolf Silberstern 20. Ernst Fellman 25, Dr. Rudolf Fellman 25, Josef Rößler, Berlin 20, Dr. Viktor Schwartz 25. Zulammen £ 275. Anläßlich des Ablebens der sel. Helene Mauthner: Von Hofrätin Schnabel £ 20, Michael Benies 100. Zusammen £ 120. Anläßlich des Ablebens des sel. Siegfried K a l l i ch: Von S. Läufer £ 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Louise Blau: Von Bl. £ 10. Anläßlich des Ablebens der sel. Olivia Kur an da: Bon Camill Kuranda £ 50, A. Freund 30. Alexander Weiner 60, Felix Hirsch 50, Felix v. Pollak 50, Sig. und Grete Kts 20, N. Schönhäuser 50, A. M. Herzka 10, Arnold v. Goldberger 50, Marti» und Mathilde Kohn 35. Zusammen K 385. Anläßlich des Ablebens des sek. Bernhard Polka kr Boa L. P. £ 20.