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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 720 N r 43 Dr. Mochs WochMchrtft Wiener Philhar m o n i k e r s" zu zitieren, welche Preßburg. (Erfolge eines Preßburgers in der Fremd e.j Der aus Pozsony stammende 17 jährige Sänger Sigmund Grüufeld, der die hiesige städtische Musikschule absolviert, bewährte sich bereits in Wien als Kantor und hat kürzlich anläßlich der israelitischen Feiertage in Zuittau durch seine hervorragenden Stimmittel großes Aufsehen erregt, so daß ihm die dortige israelittsche Kultusgemeinde ein sehr schmeichelhaftes Schreiben ausstellte. Eine kuriose Rabbinerwahl. Dem „Neuen Pester Journal" wird gemeldet: In der orthodoxen Gemeinde Galszecs hält ein merkwürdiger Vorfall die Gemüter in Aufregung. In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausfchufses des Zempliner Komitats wurde nämlich die Wahl des Rabbiners der Gemeinde nicht bestätigt, weil derselbe — wie dies die Ministerialverordnung Vvrschreibt — nicht zum matrikelführenden Rabbiner gewählt wurde, weshalb der Verwaltungsausschuß eine Neuwahl anordnete. Dieser Beschluß rief in der Gemeinde großes Aufsehen und Aufregung hervor, denn der greise Rabbiner der Gemeinde fungiert auch heute noch und von einer Rabbinerwahl war überhaupt gar keine Rede. Der Gemeindevorstand wendete sich an den Vizegespan Julius Dokus um Aufklärung, worauf dann eruiert wurde, daß die Israeliten der Umgebung von Galszecs den dortigen Insassen Geza Moskovics zu ihrem Rabbiner wählten. Laut Wahlprotokoll figurierte der Gutspächter Joseph Leizerovics als Wahlpräsident. Da aber ein Rabbinatsbezirk der Galszecser Umgegend nicht existiert und im Sinne der Statuten der israelitischen Gemeinde zu Galszecs auch die Israeliten der Umgegend von Galszecs seit Menschengedenken zur Gemeinde in Galszecs gehören, ordnete Vizegespan Julius Dokus in dieser Angelegenheit auf Ansuchen des Gemeindevorstaudes eine strenge Untersuchung an. Feuilleton. Franz Kiszl. Zum hundertsten Geburtstage des Meisters. Von Joseph Sulzer. Die musikalische Welt rüstet sich zu solennen, der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Franz Liszt geweihten Festlichkeiten. Was dieser Meister als Apostel der Musik Unerreichtes und Bleibendes geschaffen, steht mit goldenen Lettern in der Kunstgeschichte verzeichnet und im gleichen Maße wie dem großen Musiker müssen wir Franz Liszt auch als einen der edelsten Menschen, die je über diese Erde gewandelt, unsere Reverenz erweisen. Liszt war ein Philanthrop im wahrsten Sinne des Wortes; er gab, wen» es sich um die Förderung eines unbemittelten, begabten Kuustjüngers oder um Linderung der Not armer Mitmenschen handelte, mit vollen Händen und tat dies so überaus zartsinnig, daß seine Spende auch nicht im Entferntesten den bedrückenden Eindruck eines Almosens hervorries. Waren Geldbeträge durch die Post abzusenden, so besorgte dies der Meister stets persönlich, da er selbst vor seinem vertrauten Kammerdiener die Namen seiner Schützlinge geheimhalten wollte. Nach dem Hinscheiden des Meisters fand sich, obschon seine Lebensweise durchaus keine luxuriöse gewesen, nur ein kaum nennenswerter Geldbetrag vor; all die enormen Summen, die Franz Liszt auf seinen Triumphzügen durch fast alle Länder der Erde erworben, hatte der hochherzige Mann im Dienste dee Wohltätigkeit verausgabt. Im Laufe meiner langjährigen künstlerischen Tätigkeit hatte ich Gelegenheit, mit vielen Berühmtheiten in Berührung zu treten; keine derselben übte jedoch auf mich eine derart faszinierende Wirkung aus, wie Franz Liszt. Es sei mir gestattet, hier eine Stelle aus meinem Memoirenwerkchen „Ernstes und He iteres aus demLeben eines meine erste Begegnung mit Franz Liszt folgendermaßen schildert: Ich hegte von Kindheit auf für diesen Meister ein Gefühl der tiefsten Ehrfurcht, dem sich noch die Dankbarkeit für die überaus hochschätzende Gesinnung zugesellte, die Liszt meinem verewigten Vater gegenüber wiederholt in reichem Maße an den Tag gelegt hatte. Franz Liszt hat in seinem Buche „Des Bohemien et de leur musique“ meinem Vater ein ganzes Kapitel gewidmet, worin er dessen künstlerisches Wirken in begeisterten Worten schildert. Außerdem ließ es dieser große Meister an sonstigen, meinen Vater auszeichnenden Beweisen seiner hohen Wertschätzung nicht fehlen. In meinem Besitze befindet sich eine Lithographie L i s z t s aus dem Jahre 1845 mit der Widmung an meinen Vater: „Diese Töne, lieber Sulzer, werden in mir wiederhallen, bis wir uns Wiedersehen." Darunter steht in Noten der Anfang eines Schubertliedes, das mein Vater, von Liszt am Klavier begleitet, bei einem Hofkouzerte (unter Kaiser Ferdinand) gesungen hat. Außerdem existiert noch ein Karton mit aufgeklebten Lorbeerblättern und der Ueberschrift: „A n Sulzer, den begeisterten Säuger der Allmacht, der dankbare Franz Liszt." Damit hatte es folgende Bewandtnis, die im „Fremdenblatt" vom 18. Jänner 1890 ihre Beglaubigung fand. Die Kammervirtuvsin Gabriele F r a n k l-J o e 1, eine hochbegabte Schülerin Franz L i s z t s, berichtete anläßlich des Ablebens meines Vaters in der genannten Zeitung, daß ihr Franz Liszt jene mit der erwähnten Widmung versehenen Lorbeeren nach dem Konzerte, in welchem feine Bearbeitung der Schuber t'schen „Allmacht" für Solo, Chor und Orchester zum erstenmal aufgeführt wurde, übergeben hatte, mit dem Ersuchen, sie meinem Vater zu überbringen, da er die Inspiration zu dieser Bearbeitung durch dessen überwältigenden Vortrag dieses Liedes empfangen habe. . . .. .,t Diesem großen, edlen Meister sollte ich nun persönlich nähertreten, ja sogar vereint mit ihm künstlerisch wirken, Man wird begreifen, wie stolz und glücklich ich mich fühlte, als mir Bösendorfer anfangs Jänner 1881 mitteilte, es sei für den 25. ein Konzert im Unterrichtsministerium zugunsten des „Roten Kreuzes" anberaumt, bei welchem Franz Liszt mit Hellmesberger und mir dasBeethoven'sche Geistertrio spielen werde. Daun kam die Probe. Wir erwarteten Liszt im Foyer des großen Musikvereinssaales. Er erschien in Begleitung Böfendorfers. Ich wurde ihm vorgestellt, was er in seiner fragmentarischen Redeweise mit den Worten: „Hm . . . Sohn ... hm ... . famos!" entgegennahm. Nach einer kurzen Konversation setzte sich Liszt ans Klavier und wir begannen. Liszts Interpretation des Trios war eine derart freie, improvisatorische, daß wir — Hellmesberger und ich — uns oft überrascht anblickten. Das Largo rechtfertigte unter der Meisterhänden Liszts die Bezeichnung „G e i st e r t r i o" aufs vollkommenste; es klang wahrhaft visionär und bei gewissen Stellen war es mir, als sähe ich Gespenster einem dunklen Abgrunde entsteigen und sich mir mit drohenden Blicken nahen. Zugegeben, daß ein großer Teil dieser Eindrücke der faszinierenden Persönlichkeit Lists entsprang, so war doch seine damalige Leistung unleugbar eine grandiose, eigenartige, die nur in einer Hinsicht nicht die vollste Befriedigung auslösen konnte: Kammermusik, das heißt, was gewöhnliche Sterbliche so nennen, war das nicht, was wir in dem Konzerte am 25. Jänner 1881, dem nahezu der ganze Hof, die Minister und die Creme der Wiener Gesellschaft beiwohnte, verboten. Nichtsdestoweniger entfesselte das Trio Beifallsstürme und als ich Miene machte, auf die mehrfachen Hervorrufe nicht zu reagieren, und mich seitwärts in die Büsche schlagen wollte, verhinderte dies Liszt, indem er mich bei der Hand faßte und mich mit den Worten „Nein,

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