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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 33 Seite 538 Dr. Blochs WoÄMKM Regierungsorgan und sie bezeichnen die Stärke der gegen den deutschen Kaiser und gegen den Frieden betriebenen Hitze. ' Wer sind aber diese Leute, welche ihre Kaisertreue uM -ihre Vaterlandsliebe in frevelhaftem. Spiel mit dem Leben anderer so radikal verleugneteu? Diese Junker und ihr Gefolge find die Bannerträger des Antisemitismus in “ Deutschland. Als angeblich festeste Stützen von Thron und Altar führen sie das Regiment im Staate, unter welchem die Juden schwer zu leiden haben. Auf Anregung der Junker geschieht es, daß Juden nur in den allcrseltensten Fällen zu Staatsämtern zugelassen werden, niemals aber zur Charge eines Reserveoffiziers Auf diese Veranlassung wurde deni Rassenhaß in Deutschland und namentlich in Preußen Tür und Tor geöffnet. Sie erreichten diese Befriedigung ihrer mittelalterlich-brutalen Gefühle durch den Hinwels auf den . unbeständigen, hochverräterischen und unzuverlässigen Geist der Juden/ welche angeblich mit den heiligsten Gefühlen Geschäfte machen. Und nun auf einmal wieder dieselben Herren rebellisch, die schon in früheren Zeiten das Sprichwort geprägt, haben: Und der König absolut, wenn er unseren Willen tut. Rebellisch aus beleidigtem deutschen Herrevgefühl, wie sie glauben machen möchten. In Wahrheit befinden sich unter den Hintermännern der Herren von der „Post" die größten adeligen Hüttenindustriellen und Großgrundbesitzer Preußens. Diese wollen einen Krieg aus dem einfachen Grunde haben, damit sie ihre Produkte besser verkaufen können, die ersten Bedürfnisse der Heere, nämlich Eisen und Lebensmittel. So deckt der kühne, edle Ritter den kühl berechnenden, recht nüchternen Kaufmann. Geschäfte wollen die Herren machen, wenn auch das ganze Reich in die schwersten Gefahren gestürzt wird. Kein einziger Jude ist bei dieser verleumderischen und verräterischen Gruppe, bei diesen antisemitischen Helden, welche ihre Judenfeindfchaft ebenso eifrig betone» wie ihre Vaterlandsliebe, aber nur daun Stützen des Thrones sind, wenn es ihre schmutzigen Geschäfte erlauben. _ Me Juden tut statistischen Iahrimchr der Stadt Wir« für das Jahr 1900. Von Dr. Arrrqld Ascher. Vielfach wird der Mangel umfassender statistischer . Erhebungen über sämtliche die Juden betreffende Daten be- - klagt, durch welche einerseits mißgünstigen Anfeindungen in wirksamster Weise entgegengetreten, anderseits aber auch auf hervorragende, das allgemeine Wohl fördernde Leistungen hingewiesen werden könnte. Soweit es sich beispielsweise um Steuerleistungen, Beteiligung an industriellen Betrieben n. dgl. handelt, wird es allerdings an konfessionellen Erhebungen stets fehlen, und private auf indirektem Wege angestellte Schätzungen, wie wir sie erst jüngst in Sombarts Werke: »Die Juden und das Wirtschaftsleben" finden, werden zum Teile und auch mit vollem Rechte als zweifelhaft und. unmaßgeblich bezeichnet werden müssen. Authentische Daten werden nur amtlichen Erhebungen entnommen werden können, die sich naturgemäß nur in wenigen Belangen auf konfessionelle Momente erstrecken werden. Immerhin findet sich in solchen Publikationen oft eine Reihe interessanter Ziffern, . die zum Nachdenken reichlich Anlaß geben. Auch das vor wenigen Tagen erschienene statistische Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1909 zählt zu solchen Quellenwerken und es verlohnt sicherlich der Mühe, jene Daten vor Angen zu führen, die sich auf die Wiener Juden beziehen. Die am allgemeinsten interessierende Frage über die Zahl der in Wie» wohnhaften Juden, deren bezirksweise - Verteilung u. a. kann heute noch nicht genau beantwortet werden/ da das Resultat der am 31. Dezember 1910 durchgeführten Volkszählung noch nicht veröffentlicht wurde. . Ueber die Bewegung der jüdischen Bevölkerung eyt- ' nehmen wir folgende Ziffern: Es wurden 1909 vor den Seelsorgern mosaischer Konfession 1260 Ehen geschlossen gegenüber den Vorjahren eine merkliche Steigerung - - im Jahre 19Q5.935 „ „ 1906 . . . . . 979 „ „ 1907 . 986 „ „ 1908 ..... 928 Aber auch die Zahl der Zivilehen, bei denen ein Teil oder beide Teile mosaisch waren, ist im allgemeinen gegenüber den Vorjahren gestiegen, und zwar waren bei Zivilehen beide Brautleute mosaisch: im Jahre 1905 . ... . 4 tt * tt tt ff ff tt ff ff 1906 .I 1907 . . ... 7 1908 . . . . .6 1909 .6 Der Bräutigam war mosaisch, die Braut konfessionslos: im Jahre 1905 bei 60 Zivilehen 1906 „ 79 1907 „ 58 1908 „ 86 1909 „ 88 Der Bräutigam war konfessionslos, die Braut mosaisch: im Jahre 1905 bei 41 Zivilehen 1906 „ 48 1907 „ 44 1908 „ 47 1909 „ 53 Es verehelichten sich somit: im Jahre 1905 . 1002 Juden 984 Jüdinnen „ 1906 . 1060 „ 1031 „ 1907 . .' . . .1051 „ 1037' „ 1908 . 1020 „ 978, „ 1,909 . . . . .1352 „ 1312 Ehitrennungen durch Uebergabe und Uebernahme des Scheidebriefes erfolgten bei jüdischen Ehen : im Jahre 1905 . ... 78 „ „ 1906 .... 78 t. - „ 1907 .... 91 „ „ 1908 .... 91 „ „ 1909 .... 104 Scheidung von Tisch und Bett erfolgte in folgenden Fällen, wo beide Ehegatten mosaisch waren: im Jahre 1905 einverstäudlich 26 ohne Einverständnis 16 1906 ■ 25 „ n 19 1907 „ 1? - 10 1908 n 30 „ tt 6 1909 ir 20 ., tt 9 Der schon anläßlich der letzten Volkszählung konstatierte Geburtenrückgang zeigt sich auch bei den Juden. Es wurden lebend geboren: im Jahre 1905 eheliche Knaben 1316 eheliche Mädchen 1250 1906 „ „ 1214 1218 1907 „ 1276 „ 1184 1908 „ - 1176 „ tt 1072 1909 „ « 1180 „ tt 1082 ■ weiters im Jahre 1905 unehel. Knaben 158 unehel. Mädchen 189 „ . „ 1906 . „ „ . 195 „ 178 „ « .. 1907 „ „ 183 ., „ 167 „ 1908 „ , 150 „ 175 .. * 1909 „ „ 144 155 Tot geboren wurden: eheliche eheliche uneheliche .uneheliche Knaben Mädchen Knaben . Mädchen im Jahre 1905 99 61 120 . 77 tt . tt 3,906 109 57 126 70 ■ tt- 1907 111 53 132 : 66 ’■ tt 1908 106 , 57; 128 -77 n N 1909 109 50 126 * 60

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