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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-04 · 31 (4.8.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Blochs Wochenschrift Seile 613 hat. Im Namen der Wohltätigkeitsinstitute überreichte Doktor Moldawski ein prachtvolles Service aus Silberund dankte für die selbstlose Förderung, die Oberkantor Morgenstern den Humanitären Vereinigungen zuteil werden ließ. Es sprachen Dr. K o g a n, Rabbiner Polonski, Lantschaft und mehrere Andere. Oberkantor Morgenstern antwortete auf alle diese Reden mit vor Rührung zitternder Stimme und schloß mit einem von ihm verfaßten Segensspruche auf die Gemeinde, ihre Mitglieder und ihre Anstalten. Dieser Segensspruch rechtfertigte abermals den Ruf, den er als Hebraist genießt. *- * * Herr Oberkantor Morgenstern wird seine Funktionen am Leopoldstädter Tempel mit dem Abendgottesdienste am Freitag den 4. August beginnen.' Antisemitische Moral. Aus Budapest wird uns berichtet: Ein Akt beispielloser Roheit wird aus der Gemeinde M o h o l gemeldet: Der dreizehnjährige Mathias Ben wurde beim Baden in der Theiß von den Wellen erfaßt und fortgerissen. Er kämpfte zwanzig Minuten lang und schrie um Hilfe. Von den Leuten am Ufer rührte sich Niemand, weil sie meinten, daß der mit den Wellen kämpfende Knabe der Sohn Samuel des jüdischen Spezereihändlers Weiß sei. Der Lehrer Lorenz Simon meinte noch: „Wenigstens gibt es einen Juden weniger." Der Irrtum wurde erst am'Abend bemerkt, als der alte Ven, der übrigens Kirchenvater der katholischen Gemeinde ist, in der aus dem Fluß gezogenen Leiche seinen Sohn erkannte. Ein Mch erbeerd enkmal in Berlin. Aus Anregungen aus musikalischen und gesellschaftlichen Kreisen Berlins hat sich ein Komitee gebildet, das den Gedanken, Jakob Meyerbeer in seiner Vaterstadt ein Denkmal zu errichten - ein Gedanke, der sich auch der Sympathie des Kaisers erfreut' ' in die Tat Umsetzen will. In der gm 28. Juni d. I. im Ifslandsaajl des königlichen Schauspielhauses abgehaltensn konstituierenden ^Versammlung hat dieses Komitee aus seiner Mitte einen geschäftsführenden Ausschuß gewählt. Mit der Ausführung des Denkmals soll ein Berliner Künstler betraut werden. Die notwendigen Kosten hofft das Komitee im wesentlichen durch öffentlichen Aufruf sowie durch eigens für diesen Zweck von den deutschen Bühnen zu veranstaltende Aufführungen Meyerbeerschv Werke aufzubringen. Ein DMmal für den jüdischen Frech eitsheldrn Berel JoWiWitfch. In einem Warschauer Bildhaueratelier wird jetzt an der Herstellung eines Denkmals für den jüdisch-polnischen Freiheitskämpfer, dem Hauptmann Berek Iofselowitsch, der im Jahre 1809 im Kriege zwischen Polen und Oesterreich fiel, gearbeitet. Interessant ist. daß das Denkmal-auf Bestellung des polnischen Gutsbesitzers in jenem Dorfe Kuzk angefertigt wird, in welchem sich das Grab von Iosselowitsch befindet. Der Gutsbesitzer Schiltovsky erwirkte im russischen Ministerium des Innern die Erlaubnis zur Errichtung des Denkmals, sowie die folgendes in ehernen Lettern anzubringende polnische Inschrift: ,>Hier liegt begraben Berek Iosselowitsch, geboren sjm Jahre 1760, gestorben im Jahre 1809." Dc!r heilige Rabbi mn Tunis. In Tunis starb gm Anfang dieses Monats der dortige Rabbiner Iehuda Jarmon im Alter von 104 Jahren. Wegen seiner großen Gelehrtheit und seiner überaus tiefen Frömmigkeit wurde er in ganz Afrika von den Juden als Heiliger verehrt. Mit 18 Jahren schon wurde er auf den Rabbinerposlen berufen und erfreute sich auch bei der arabischen Bevölkerung großen Ansehens. Seit mehreren Jahren lebte er in Zurückgezogenheit, sich ausschließlich den Thorastudien widmend. Er verfaßte mehrere Kommentare zur Bibel und dem Talmud und zahllos sind die rabbinischen Gutachten, die er auf Verlangen bis in die entlegensten Teile Afrikas gesendet hat. An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich nahezu 20.000 Menschen. . Präma/rung Mischer Lsndwikte in Rußland. Trotzdem die russischen antisemitischen Blätter den Juden jede Möglichkeit, sich in der Landwirtschaft zu betätigen, zu rauben suchen, unter dem Vorwände, daß sie für dir Landwirtschaft nicht geeignet wären, ergreifen sie jede Gelegenheit sich der Landwirtschaft zu widmen, und leisten auch dort, wo ihnen dies möglich gemacht wird, Hervorragendes. So befinden sich auch unter den prämiierten der soeben stattfindenden westsibirischen landwirtschaftlichen Ausstellung in Omsk mehrere Juden, und auch die ersten drei Prämien wurden Juden zuerkannt. Es sind dies I. Chaimowitsch für Viehzucht, B. Fuchsmann, für die besten Leistungen auf dem Gebiete der Vogelzucht Und M. Michelsohu: für die beste hygienische Ordnung in seinen Kohlengruben. Das Pogrom-Automobil. Aus Petersburg wird berichtet: Seit einiger Zeit fährt ,ein geheimnisvolles Automobil von einer Stadt zur anderen. Die Insassen des Automobils streuen in den Straßen Flugschriften aus, in denen die Bevölkerung zu Pogroms gegen die Juden aufgehetzt wird. Dieser Tage wurde es im Petersburger Gouvernement gesehen und ist später auch in anderen Gouvernements aufgetaucht. Erst nachdem das geheimnisvolle Automobil Wochen hindurch sein Unwesen trieb, sah sich der Generalgouverneur von Petersburg veranlaßt, das Automobil anzuhalten und die Hetzschriften zu konfiszieren. Jüdisches vom allslavischen JourrraUstenkongreß. Der „N. I. K." wird aus Belgrad berichtet: In Belgrad wurde vor einigen Tagen der zehnte allslavische Journalistenkongreß abgehalten, an dem Vertreter der russischen, polnischen, ruthenischen, tschechischen, slovenischen, slovakischen, kroatischen, serbischen und bulgarischen Presse teilnahmen. Die russische Presse war durch eine Anzahl von Reaktionären vertreten, die dem Kongreß im Aufträge des Petersburger Ministeriums des Aeußern beiwohnten. Bei einem Bankett der Stadt Belgrad provozierten diese „Journalisten" arge Skandale, die von der serbischen Presse scharf verurteilt wurden. Unter dem Eindruck dieser Vorfälle wird auch eine geplante serbische Gesellschaftsreise nach Südrußland unterbleiben. Das angesehene Belgrader Blatt „Pravda“ motiviert das Unterbleiben der Reise damit, daß es den Russen einfallen könnte, unter den Serben wegen der jüngsten Differenzen einen „Pogrom" zu arrangieren, wie dies gerade in Südrußland üblich sei, wo man die Juden in rohester Weise morde. Diese Motivierung ist um so bemerkenswerter, als bisher noch kein einziges serbisches Blatt feine Stimme zugunsten der Juden erhoben hat. Dasselbe Blatt erzählt noch folgende Episode, die wir der Originalität wegen in getreuer Uebersetzung wiedergeben wollen: „Es war beim Ausflug der Journalisten auf dem Schiffe Sumadija. Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren verkauft Feuerraketen und fingt dabei alle möglichen slavischen Lieder, wie „Boze carja chranin“, „Ah, Moskwa, Moskwa. . „Kde domov muj “ und andere. Die Journalisten find frappiert von der Stimme des Knaben und von den vielen slavischen Liedern, die er fingt. Der Ruffe Stschawinski küßt und kost den Jungen vor Begeisterung, indem er zu ihm spricht: „Ach, du mein Täubchen, du liebe slavische Seele! Der Slovene Gabrschek beantragt, daß der Junge Hur Ausbildung nach Ruß

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