Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 385 Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift Judenmetzeleien in Arabien. Frankfurt a. M. Die „Frankfurter Zeitung" meldcl aus Konstantinopel, daß der Großwefier vom Oberrabiner die Nachricht von einer Judenmetzelei in Arabien und Syrien erhalten habe. Die Regierung hat offiziell noch keine Verständigung von diesen Metzeleien erhalten, doch soll fich, einer Mitteilung nach, die der Minister des Innern erhielt, der Vorfall auf nachstehende Begebenheit beschränken: Im Distrikte Bula (Mansura) töteten Israeliten einen Araber. Die Stammesgenossen des Letzteren wollten fich nun an den Juden rächen. Der Bezirkschef hat durch sein persönliches Eingreifen die Absicht bisher zu verhindern gewußt. Konstanotinpel. Nach beim Großrabbinat eingelaufenen Depeschen haben Beduinen mehrere jüdische Kolonien bei Nazareth und Liberias angegriffen und geplündert. Der Großrabbiner hat bei der Pforte Schritte unternommen. Zur Katastrophe von Saffed. Zu dem Unglück in Saffed, worüber bereits kurz berichtet wurde, wird uns aus Jerusalem noch geschrieben: Das Dorf Meron ist zwei Stunden von Saffed entfernt. Hier befindet sich die Höhle und die Grabstätte des Rabbi Simon ben Jochai und noch anderer Talmudweisen, die in dieser Gegend gelebt und gelehrt haben, j Auch die Minen eines auf einem Felsen erbauten, mächtigen Le^rhauses zeugen noch von der historischen ,Größe der Männer, die vor zweitausend Jahren ein der Religion und Wissenschaft geweihtes Leben gelebt. Hier ruhen auch die Gebeine des berühmten Rabbi Jochanan, der als Sandalenmacher sein und seiner Familie Leben fristete. Ueber dem Grabe des in^der Nähe ruhenden Propheten Hosea ist eine Kuppel gewölbt: und in der ganzen Umgebung verzeichnet man Ruhestätten. biblischer und nachbiblischer Eeistesheroen. Mit großer Verehrung wird die Grabstätte des Rabbi Simon in Meron gehütet, der auch von der nichtjüdischen Bevölkerung als „Zadik", der Gerechte, gefeiert wird. Am 18. Jjar — Mai — jedes Jahres, dem Sterbetage des großen Mannes, versammeln sich viele Tausende in diesem von einigen Mohammedanern bewohnten Dorfe, um sein Andenken festlich zu begehen. Es sind zumeist Einwohner von Saffed, Tiberias und der umliegenden Orte, die nach Meron kommen, aber auch Gäste und Pilger aus Jerusalem und verschiedenen Weltgegenden sind hier zu sehen. Auch die nichtjüdische Bevölkerung beteiligt sich an diesen Festlichkeiten, die zwei bis drei Tage dauern. Der Gouverneur von- Saffed, Hussein Efendi Ahbad, sowie die Notabeln der Stadt, die Polizeibeamten, der städtische Arzt und noch viele andere angesehene Araber waren diesmal zur Feier erschienen. Die Andachten wurden noch am Vorabend verrichtet und mit Eintritt der Nacht verkündeten bereits lausende von Oelläyzpchen den Beginn d^es Festes. Aus den Fenstern der Stadt Saffed und der benachbarten Orte glänzen zahllose Lichtlein und beleuchten den Berg von „Meron", in dessen Höhle der berühmte Verfasser des Geheimbuches „Sohar" ruht. Doch den Höhepunkt der Feier bildet die große Illumination auf dem acht Meter hoch gebauten Dache der berühmten Höhle. Dort befindet sich ein mächtiger * Steinkessel, in dem viele Tücher und Stoffe, mit reinstem Olivenöl durchtränkt, zu einer Festbeleuchtung entzündet werden. Um 10 Uhr abends wird der greise Rabbi von Saffed auf dieses Dach getragen und mit einer großen Fackel entzündet er das Kesselfeier. Die Huldigung für den „Zadik" hat ihren Höhepunkt erreicht. Tausende Menschen, die noch vor einigen Minuten im Gebete vor Gott versunken waren und ihren Kummer beweinten, werden vom Geiste der Fröhlichkeit angehaucht und singen im Chore tausendjährige Hymnen, die wieder das tausendjährige Leid eines ganzen Volkes schildern. Es dauerte bloß drei Minuten und der Festplatz verwandelte sich zu einem Leichenfelde. Das Steingeländer des Daches war eingestürzt und 80—100 Personen fielen acht Meter tief zu Boden. Unter diesen waren sieben auf der Stelle tot und 30 bis 40 schwer verwundet. Der städtische Arzt, ein junger Mohammedaner, leistete die erste Hilfe: doch waren keinerlei Medikamente und Verbandstoffe zur Hand. Der Gouverneur stellte sich sofort an die Spitze des Rettungswerkes, reitende Boten holten die Aerzte aus Saffed, die mit Tagesanbruch auf der Unglücksstätte eintrafen. Der edelsinnige Gouverneur leitete persönlich den Transport der Kranken nach Saffed, wo das noch nicht vollendete Spital, eine Stiftung, der Baronin Rothschild aus Paris, eiligst für dreißig Kranke eingerichtet wurde. Es wurden rasch Betten herbeigeschafft, die nötige Bettwäsche in dieser armen Stadt aufgebracht, — die Gattin des Gouverneurs stellte sämtliche Leintücher, die sie hatte, für die Kranken zur Verfügung, und der aus Ungarn stammende Rabbiner I. Horovicz, der zufällig hier weilte, erklärte im Namen der deutsch-holländischen Palästinaverwaltung, für die Rettungskosten bis zum Eintreffen anderweitiger Hilfe aufzukommen. Er stellte den behandelnden Aerzten sofort eine größere Summe zur Verfügung und gab auch eine Unterstützung für die Witwen und Waisen der verunglückten Opfer. Am folgenden Tage sind weitere vier Personen den Wunden erlegen. Einige sehr arme Familien haben bei dieser Katastrophe ihren Ernährer verloren, drei Handwerker sind Krüppel geworden und einige befinden sich noch in lebensgefährlichem Zustande. Der Gouverneur besuchte die Kranken im Hospital und verabschiedete sich unter Dankesworten vom Rabbiner Horovicz, den er bat, sich auch der unglücklichen Waisen und Witwen anzunehmen und seinen Dankesgruß der deutschholländischen Zentrale für die Gemeinden des heiligen Landes mitzuteilen. Antitaufliga in Kanada. Die Bewegung gegen das Missionsunwesen und ihre belästigende Seelenfängerei hat in Kanada stark an Umfang gewonnen. Einen aktiven Charakter nahm die Bewegung in Wimipez an. In einer Versammlung, in welcher mehrere anwesende Missionäre auf Seelenfang ausgingen, traten die anwesenden Rabbiner gegen die Missionäre in schärfster Weise auf. In derselben Versammlung wurde auch eine Antitaufliga zur Bekämpfung der Missipnäre und der getauften Juden gegründet. Eine Untersuchungskvmmission aus Ellis Island. Wie aus Washington gemeldet wird, hat Kongreßman Sulzer dem Kongreß die Protestresolution zahlreicher Organisationen gegen die unerhörten Zustände auf der Einwanderungsinsel Ellis Island unterbreitet. Die Resolution fordert, daß der Kongreß eine spezielle Untersuchungskommission einsetze, die die Aufgabe hätte» alle die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten aufzudecken, denen die Einwanderer ausgesetzt sind, seitdem Williams dort als Einwanderungskommissär regiert. Der Kongreß hürfte noch in dieser Session die Einsetzung der Untersuchungskommission beschließen. Vermischtes. Kranzablösungsspeuden zugunsten der Chewra-Kadischa ln Wien I., Settenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ableben« der sei. Anna P o l l a k: Von L. Sprecher K 10, N. N. 10. Zusammen K 80. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Neumann: Von Familie Knöpfelmacher K 20, Lr. Ignaz Saxl 20, Dr. Alexander Hirsch 20. Zusammen K 60.