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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 382 WocheMM Rr. 23 Gefahr soll nun beseitigt werden, durch den folgenden kurzen, aber kräftigen Wahlaufruf, den ein fortschnttliches Wahlkomitee dB Bezirkes versendet: %n die freiheitlich gesinnten Mitbürger! Dem Bezirke Fünfhaus droht eine große Gefahr! Eine maßlose gehäßige Agitation will uns den Herrn Ernest Schneid; r als Abgeordneten aufdrängen! Einen Ernest. Schneider, dem jedes Gerechtigkeitsgefühl fremd ist und der nur einen einzigen Programmpuukt kennt: das Schußgeld auf Juden! Ernest rSchneider war bereits Mitglied des Parlaments, aber von diestr rühmlosen Parlamentstätigkeit ist nichts anderes geblieben aÄ die Ritualmordlüge, die durch Ernest Schneider nach 'Westerreich' verschleppt wurde. Diese Schmach muß abgewchrt werden! Eine bürgerliche freiheitliche Kandidatur war dermalen leider in Fünfhäus nicht möglich und so bleibt für einen ehrlichen fortschrittlichen Wähler nur die einzige Ehrenpflicht: am 13. Juni 1911 zuverlässig am Wahltage zu erscheinen und seinen Stimmzettel wie folgt auszufüllen: August Forstuer, Sekretär, Wie», XV., Herttotzgasse 26. Keinen leeren Stimmzettel abgeben! Jeder leere Stimmzettel fördert die Wahl Ernest Schneiders! Lasset Euch durch andere Wahlaufrufe nicht verleiten!! Das fortschrittliche Wahlkomitee. Achtuuhjechzigster Bericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländLschen Israeliten sowie dessen Lehrlirrgsheiws. ",J- :i (Israelitischer Handwerkerverein). 70. Vereinsjahr. Mit. der Veröffentlichung dieses Rechenschaftsberichtes beschließt der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten das 70. Jahr seiner Tätigkeit. Wie unseren verehrten Mitgliedern und Gönnern bekannt ist, hielten wir am 16. März 1910 eine Generalversammlung ab, bei der wir über die Leistungen unseres Vereines im letzten Jahrzehnt einen ausführlichen Bericht erstatteten. Sowohl diesen Bericht als auch das Protokoll über den Verlauf di.ser Versammlung, rn der unsere Tätigkeit seitens maßgebender Persönlichkeiten in reichem Maße Anerkennung fand, haben wir uns erlaubt, allen Interessenten zusammen zu lassen. Den Bericht über das letztverflossene Jahr müssen wir leider mit einer Trauerbotschaft beginnen, indem uns das Mitglied unseres Vorstandes, Herr Albert Brand eis, der durch 10 Jahre mit vollster Hingebung die Interessen des Vereines förderte, durch den Tod entrifsen wurde. Der Verblichene erfreute sich wegen seines konManten Wesens unserer vollsten Sympathien und wird in unserem kreise stets in herzlicher Erinnerung bleiben. In. der Vorstandssitzung vom 12. März 1910 wurde Herr k. t. Kommerzialrat Leopold Simon mit Stimmeneinhelligkeit zum Präsidenten gewählt. Nach § 7 der Vereinsstatuten wurden im abgelaufenen Jahre folgende Herren als Vorstandsmitglieder kooptiert: Architekt und Gemeinderat. Edmund Melcher, kaiserlicher Rat Leopold Sachs. Oberinspektor der k. k. Staatsbahnen Theodor Sach sei .und Gustav Brüll. Weyn wir nun zur Besprechung der ziffernmäßigen Ergebnisse unserer Tätigkeit schneiten, müssen wir wie. in den Vorjahren auch heuer mit-Bedauern milteilen,, daß unsere diesjährige Geschäftsgebarung mit einem Fehlbeträge abschließt. Trotz aller irgend zulässigen Sparsamkeit, die wir auf sämtlichen Gebieten, unserer. Verwaltung betätigen, trotz der Mühe, die wir uns geben, unsere Einnahmen zu erhöhen, ist es uns nicht, gelungen, das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen herzustellen. Die Ausgaben wachsen von Jahr zu Jahr, während die Einnahmen mit ihnen nicht gleichen Schritt halten, sondern sogar abnehmen. Nicht nur durch das Ableben von Mitgliedern, sondern auch durch Austritt verringern sich unsere Zuflüsse — im Berichtsjahre um mehr als Kronen. 500 — und auch die Subventionen von Gemeinden, dann die Tempelspenden weisen, einen Rückgang auf, während die Kosten, die. uns unsere Zöglinge verursachen, stetig steigen. Es bleibt uns daher in Zukunft nichts anderes übrig, als in der Aufnahme jene Beschränkungen eintresen. zu lassen, die im Interesse unserer finanziellen Lage geboten sind. ‘ - Mit vielen Dank erwähnen wir hier die uns in diesem Jahre seitens der Direktion der I. österreichischen Sparkasse in Wien, der israelitischen Kultusgemeinden in Wien, Brünn, Lemberg, Prag usw., ferner seitens des Kuratoriums des mährisch-jüdischen Landesmassafonds, dann des Kuratoriums der Baron Hirsch-StiftuM und des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien gewidmeten Subventionen' undr', geleisteten Rückvergütungen. ■ ''' An Kapitalspenden sind uns im abgelaufenen Jahre zugegangen: Von Frau Rosa Ziffer er und. deren Kindern zum Andenken an ihren Gatten» unseren früheren Präsidenten, Herrn Donat Z i ff e r e r Kronen 3000.—, von Herrn Bernhard Pallack v. Pa.rnau anläßlich des Ablebens seiner Gattin Kronen, von Frau Pauline Hirsch,- anläßlich des Ablebens ihres Gatten Kronen 200.—, von Herrn Alexander S cho r r .Kronen 200.—. Mst,.erWi»lteu. ferner,.Mj, LeM ngch Frau Babette Tapezierer Kr. 205.40. Durch das Ableben der Frau Johanna Nagel wurde der Fruchtgenuß eines Teiles des Legates nach Herrn Wilhelm Nagel für unsere Zwecke frei^ Wir verzeichnen. diese Tatsachen, mit dem Gefühle unseres wärmsten Dankes und innerer Genugtuung, wM wir darin eine ehrenvolle Anerkennung., rmserer Wirksamkeit erblicken. Wir fügen hier bie, Bitte bei, unsere Bestrebungen' auch in. Zukunft zu unterstützen» damit wir uneingeschränkt unser zivilisatorisches Wirkest fortzufetzen in der Lage sind. Für die im abgelaufenen Jahre betätigte. Bemühung durch Besorgung des Inkassos von Witglfedsbeiträgen erlauben wir uns an dieser Stelle Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Frey mann in Holleschau, Herrn M. Grab Söhne in Prag und Herrn Josef Hauser in, Mßlitz unseren innigsten Dank auszusprechen. Zur Mabltetung-von Driftern wurden aus der Hermann T o d esc o - S i i f t u n g Kronen 3600,— als Darlehen, von den Zinsen der Jonas vonKönigsWart er-Stift uns. Kronen 200.— geschenksweife bewilligt, und aus der Dr. S. Plohn-StiftungReiseunterstützustg für das Ausland an 14 Gehilfen,ich Betrage, von. Kronen 361.40. gewährt. Die Zinsen dex Siegmund von, M e rt h e i mstei n.? Stiftung wurden am, Todestgge des Stifters, als Prämien an Gehilfen verteilt. Im verflossenen, Jahre haben wir 276-, Knaben, auf? genommen, 174^-Lehrlinge wurden als Gehilfen frei-, gesprochen upd zum Schlüsse des Jahres befanden, sich 777 Lehrlinge in der Fürsorge, des Vereines. HervarzUf heben wäre hier, dach die Zahl der Lehrlinge, die vorzeitig die Lehre verlassen haben, sich im' Berichtsjahre verringert hat. Im Lehrlingsheim waren 14 Kstaben untergebracht.

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