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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-19 · 20 (19.5.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 336 Dr. Vlochs Wochrnfchrfft Nr. 20 Konstantinopel absolviert. Herr Neufach hat, bevor er nach Konstantinopel kam, an der Petersburger Universität das Studium der orientalischen Sprachen mit ausgezeichnetem Erfolge betrieben und sich bereits als erfolgreicher Uebersetzer bewährt. So übersetzte er ausgewählte Stücke aus der türkischen Literatur der verschiedensten Epochen, in die hebräische Sprache. Herr Neufach ist der erste russische Jude, der an einer ottomanischen Universität seine Studien mit dem Zwecke absolviert hat, um in der Türkei Rechtspraris auszuführen. Dße Versicherung jüdischer Emigranten. Die itoistische jüdische Emigrationsgesellschaft in Kiew befähle sich in ihrer jüngsten Sitzung mit der Frage der Versicherung jüdischer Emigranten, welche von der Gesellschaft nach Teras befördert werden, für den Fall, daß sie in Amerika nicht hineingelassen werden und wieder nach Ruhland zurückkehren mühten. Nach langen Debatten wurde schliehlich beschlossen, an die Ausführung dieses Planes, der übrigens auch das Wiener Komitee zur Vorbereitung eines jüdischen Emigrationskongresses beschäftigt, erst dann heranzutreten, wenn von dem amerikanischen Emigrationskomitee Nachricht darüber einlangt, welche Stellung die amerikanische Regierung zu dieser Frage einnimmt. Es wird nämlich befürchtet, dah die Gegner der Einwanderung in Amerika diese Aktion als eine Aufmunterung der laut den amerikanischen Einwanderungsgesetzen als „unerwünscht" bezeichneten Elemente zur Auswanderung hinstellen könnten. „Ehrenbürger" ohne Wohnrecht. In Kiew, scheint es, will man jetzt gegen die Juden gründlich vorgeheni Dieser Tage ist der Termin abgelaufen, innerhalb dessen 1000 jüdische Familien Kiew verlassen müssen. Und da man gerade beim Judeyvertreiben ist, so hat das Kiewer Gubernialgericht eine Entscheidung gefällt, die selbst den russischen Gesetzen hohnspricht. Hiernach haben die jüdischen „lebenslänglichen Ehrenbürger", welche bis jetzt auch außerhalb des Ansiedlungsgebietes Wohnrecht genossen, in Kiew kein Wohnrecht. Der Befehl zu ihrer Ausweisung ist bereits erlassen worden. ‘ : Feuilleton. Uo« der Geschichte der Schweizer Jude«. Die schweizerische Judenheit hat ihre eigene leidreiche und kampfbewegte Geschichte. Ehedem unter dem Schutze der deutschen Kaiser und ihrer Rechtsnachfolger, galten sie nur als geduldete Landsassen, die, so und so oft mit und ohne Grund verfolgt und ausgewiesen, sich aber immer wieder zu behaupten wußten. Mehrere Tagsatzungsbeschlüsse, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, haben die Juden grundsätzlich aus der Schweiz ausgewiesen. Ganz judenleer wurde aber das Land trotzdem nicht. Wohl hörten mit dem 16.. Jahrhundert in der Schweiz die großen Judenverfolgungen auf. Aber die Ausweisungsgebote wurden unvollständig durchgeführt. Das wäre schon wegen des Widerstandes der Nachbarn, das fremde Volk aufzunehmen, schwierig gewesen. Dazu kam den Juden in den Untertanenlanden die Käuflichkeit der Landvogteibeamten zugute. Eine von den Juden für ihre Tätigkeit von jeher bevorzugte Gegend war das Gebiet der Grafschaft Baden. Hier waren schon die so weither besuchten Zurzacher Messen für die Juden ein besonderer Anziehungspunkt. Die Grafschaft Baden wurde trotz der geradezu zahllosen Befehle der Tagsatzung nie judenfrei und später, als sie kein eidgenössischer Ort mehr dulden wollte, wurde die Grafschaft von der gleichen Tagsatzung geradezu als eine Art Domäne zur Ansiedelung bestimmt. Die Ausweisungsgebote wiederholen sich zwar immer wieder, aber dessenungeachtet zählte man im Jahre 1634 in der Grafschaft 20 Judenfamilien. Als die Grafschaftsleute bei den Tagherren wiederholt darauf drängten, die Juden „abzuschaffen", kamen die Herren im Jahre 1641 zu dem Schlüsse, der Judenschutz sei ein obrigkeitliches Regal, das nicht vermindert werden dürfe. Es war und blieb von nun an der Geschäftsstandpunkt, der die Gnädigen Herren in der Iudenfrage bestimmte. Während sie im Jahre 1654 den Landvogt von Baden neuerdings beauftragten, er solle Juden, Zigeuner und anderes Gefind der alten Ordnung gemäß nicht dulden, erließen sie dem Juden Salomon Euggenheim von Lengnau, der wegen eines Vergehens aus dem Lande verbannt worden war, doch die verhängte Landesverweisung gegen blanke 600 Gulden. Im 18. Jahrhundert vermehrte sich die Judenschaft in der Grafschaft Baden ziemlich rasch. Im Jahre 1702 waren es 35 Familien; 1744 schon 70 und 1776 112 Familien. Bemerkenswert ist dabei das große Uebergewicht der männlichen jüdischen Bevölkerung. So gab es im Jahre 1776 216 unverheiratete männliche gegen 132 weibliche Israeliten. Die Volkszählung von 1860 ergab für Endingen 850, für Lengnau 443 jüdische Einwohner. Es war dies unmittelbar vor der Lösung der Judenemanzipationsfrage im Aargau. Bis dahin war das Niederlassungsrecht der Juden beschränkt. Eine Ansiedelung außer den beiden Dörfern Endingen und Lengnau bedurfte einer ausdrücklichen Erlaubnis der Regierung. Seit der Gewährung der freien Niederlassung und der Gleichstellung in den staatsbürgerlichen Rechten ist die jüdische Bevölkerung in den beiden Iudettdörfern rasch zurückgegangen. Nach der Zählung von 1910 wohnen in Endingen noch 155, in Lengnau 91 Juden, wobei an letzterem Orte die Insassen des Altersaspls inbegriffen sind. Die Philosophie des Baron Albert Rothschild. Von dem jüngst verstorbenen Chef des Wiener Welthauses, Baron Albert Rothschild, wurde kürzlich ein Brief aufgesunden, an dessen Spitze der folgende Spruch aus Koheleth zu lesen ist: „Ich sah in allem Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe da, alles ist eitel und ein Haschen nach Wind!" Inmitten seiner ungezählten Millionen gab sich dieser Rothschild der Betrachtung über die Eitelkeit alles Irdischen hin. Er wurde täglich mit Hunderten von Beitel- und Drohbriefen überschwemmt, in welchem irgend ein schlauer Kopf dem Baron Rothschild für etliche Tausend Rubel ein „Lebenselirier", ein Mittel zur Verlängerung des Lebens anbot, dessen Geheimnis nur dem Schreiber des Briefes allein bekannt sei. Der Brief atmete ein solches Gefühl der Ueberzeugtheit, dckß Rothschild diesmal von seiner Gewohnheit abweichend, das Schreiben eigenhändig beantwortete. „Verehrter Herr! so schrieb der philosophische Millionär an den Mann, der sich als russischer Geistlicher Unterzeichnete, „bis heute haben gar viele, unter Androhung des Todes von mir Geld verlangt. Sie smd der Erste, der mir für Geld das Leben bietet. Ich bin Ihnen für diese gute Absicht dankbar, aber meine Antwort muß trotzdem ablehnend lauten; Gestatten Sie mir,. Ihnen folgendes zu Gemüte zu führen : Zwischen denjenigen, die meine Tage verkürzen wollen, und denjenigen, die meine Tage verlängern möchten, mache ich gar keinen Unterschied. Als Geistlicher werden Sie ja wissen, daß der Moralprediger sagt: „Alles hat seine Zeit. Es gibt eine Zeit zum Geborenwerden und eine Zeit zum Sterben." Merken Sie gut auf: von einer Zeit zum Leben hat der philosophische Prediger nicht gesprochen."

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