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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bkochs WochenMift Sette 389 Tobvanbotol Emails, geb. 18. Mai 1881, Pnllitz Mähren, XX., Elackygasse 1. Sllberfeld Johanna, geb. 9. April 1897, Wien, röm.-kath. Pöggstall. Spitzer Robert, Magazineur, geb. 36. Februar 1884, X., Waldgasse 6. S.eiger Marcus, Zuckerbäckergehilfe, geb. 6. Mai 1887, II., Vereinsgasse 38. Thaler Gusta, Miedermacherin, geb. 2. Dezember 1885, Kentz, Galizien, IV., Starhemberggasse 6. Wrba Jaques, Chorsänger, geb. 27. April 1883, Wien, II., Patzmanitengasse 24. Baden. Am 23. April 1911 fand hier im Sitznnasfaale der israelitischen Kultusgemeinde auf Veranlassung Sr. Ehrwürden unseres hochverehrten Herrn Rabbiners Dr. W. Reich ein Vortragsabend des Herrn Dr. Samuel Deutsch statt, der über seine Wahrnehmungen und Empfindungen gelegentlich seines als Schiffsarzt kürzlich erfolgten Besuches der palästinensischen Küste berichtete. Und es zeigte sich, daß ein solches Thema die hiesigen Gemeindemitglieder gar mächtig anzog, denn den Ausführungen des Vortragenden wurde von einem zahlreichen, den besten Kreisen der hiesigen Gesellschaft angehörenden Publikum mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt. Namentlich interessierten die Leistungen der modernen jüdischen Bewegung, welche mit ihren zahlreichen neuen Schöpfungen schon j tzt dem heiligen Lande ein glücklicheres Gepräge verleiht. Die neue, herrliche, jüdische Stadtanlage Tel-Awin bei Jaffa mit ihrem prächtigen, weithin vom Hafen aus sichtbaren Monumentalbau, dem hebräischen Gymnasium »Herzlich", einem Meisterwerke jüdischen Baustiles, und mit der Mädchenschule der Chowewe Zion, einem Musterinstitute des Odessaer Komitees, erregt die allgemeine Bewunderung zahlloser auch nicht jüdischer Reisender und ist ein ehrenvoller Beweis jüdischer Tatkraft und jüdischen Schöpfungsgeistes. Und die Schilderung der unvergänglichen Schönheit Erez-Jsraels, die man zum Beispiel bei einem Blick vom Karmel aus genießt, so sich das Auge an der so wunderschön gelegenen Bucht von Haifa und Olka an der schneeweißen Pracht des Hermon und an der Lieblichkeit der Landschaft Jeffreel weidet, erweckte bei den Zuhörern Freude und Begeisterung Der Vortrag schloß mit einer begeisterten Aufforderung, allen Institutionen, welche Palästina fördern und insbesondere den Leistungen der jüdischen Kolonisation und Kulturarbeit, welche in so augenfälliger Weise vom Zionismus heute in Palästina vollbracht wird, ihre Aufmerksamkeit zu widmen und sie aufs lebhafteste zu unterstützen, worauf Frau Rabbiner Dr. Reich unter allgemeiner Beifallskundgebung eine Nationalfondssammlung einleitete. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Reich, ein vorzüglicher Kenner Palästinas, aus eioener Anschauung, sprach dem Vortragenden Herrn Dr. Samuel Deutsch, seinem ehemaligen Schüler, seine Befriedigung und seinen Dank aus und gab in schwungvollen Worten seiner großen Freude über das lebhafte Interesse, mit welchem der Vortrag ausgenommen wurde, Ausdruck. Für das Zustandekommen des Vortrages haben sich Herr Vorsteher Ludwig Lakenbacher sowie Herr Adolf Kohu sehr verdient gemacht. Kremfier. Herr Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grü« hat vor kürzer Zeit an den Vorstand der Kultusgemeinde das Ansuchen gestellt, man möge ihn aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand treten lassen. 34 Jahre hat dieser in schlechten und guten Zeiten seines Amtes gewaltet. Von seinen Schülern verehrt und von den Kultusmitgliedern geehrt, gedenken Hunderte in dankbarer Erinnerung der Wohltaten, die ihnen du-ch seine väterliche Fürsorge, durch sein liebevolles, humanes Einschreiten in schwierigen Fällen zuteil wurde. Viele seiner Schüler, in hoher sozialer Stellung, gedenken seiner in Dankbarkeit. Ein Mann von hoher, seltener Bildung, hat er durch seine Werke, welche weit verbreitet sind, Anerkennung gefunden. Eines dieser Werke, „Die Geschichte der Juden Kremfiers", hat unserer Gemeinde auf Jahrhunderte zurück die Geschichte unserer Urahnen erzählt und mit dieiem Werke ein Stück österreichischer Geschichte, das sich auf dem historischen Boden Kremsters abgespielt hat. Mit bienenhaftem Fleiße ist diese Sammlung urkundlich zusammengestellt und olle Ereignisse ziehen in Bildern an dem Auge des Lesers vorüber. 34 Jahre Rabbiner unserer Kultusgemeinde, 34 Jahre Leiter der Talmud- Thora-Schule und Lehrer an den deutschen Volks-, Bürger- und Mittelchulen, bas sind Daten, die keines weiteren Kommentars bedürfen. Die Kränklichkeit zwingt ihn, in den Ruhestand zu treten. Mit Bedauern hat die KuUusgemeinde seinem Gesuche Folge gegeben und so wird Herr Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün mit Schluß des Schuljahres sein Amt niederlegen und die Stätte seines segensreichen Wirkens verlassen. An der Seite seiner Gattin, die als Vorsteherin des hiesigen Frauen-Unterstützungsvereines viel Gutes und Edles anstrebte, möge er noch viele Jahre der Ruhe im Kreise seiner Familie genießen und seiner dankbaren Kultusgemeinde-Mitglieder gedenken. Wsetiu. Am 23. April a. c. besuchten aus Anlaß der Eröffnung des neuen allgemeinen Krankenhauses Se. Exzellenz der Statthalter von Mähren. Baron Heinold und der Landeshauptmann Se. Exzellenz Graf Sereny unsere Stadt. Die Stadtvertrelung veranstaltete den Empfang in besonders feierlicher Weise, an welchem der hiesige Kultusverein regen Anteil nahm. In loyalster Weise wurde unseren Glaubensgenossen neben den anderen Konfessionen alle gebührende Ehre erwiesen. Schon bei dem Empfange vor dem Schlöffe der Herrschaft Thonet wurde unser Rabbiner Herr Prof. Dr. I. Rabbinowiez aus Mähr.-Weißkirchen, sowie der Obmann unseres Kultusvereines und Mitglied des Bezirksschulrates Herr Moritz Donath, sowie der Gesamtausschuß, welche neben der Ortsgeistl'chkeit ihren Platz angewiesen erhielten, buldvollst angesprochen. Herr Prof. Dr. Rabbinowiez wurde von dem Chef der Firma Thonet persönlich zum Galadiner geladen. Bei Eröffnung des Spitals gab der Herr Bürgermeister Josef Czernocky einen historischen Ueberblick über die Entstehung und Gründung des allgemeinen Krankenhauses, wobei er zunächst die Verdienste des Großindustriellen Thonet um die Gründung dieses humanitären Werkes schilderte und im Anschluß daran die verdienstvolle Tätigkeit des Obmannes des Bauausschuffes, des Herrn Advokaten Dr. Heinrich Lazarus, in schönen anerkennenden Worten zum Ausdruck brachte. Genannter Herr wurde vom Statthalter und Landeshauptmann durch Ansprachen bei den verschiedenen Deputationen ausgezeichnet. Die höchste Befriedigung und Freude wurde unserem Vereine zuteil durch den Besuch des Statthalters, des Herrn Bezirkshauptmannes, der Stadtvertrelung und vieler Honoratioren in unserem Gotteshause am 24. d. M. Unser rühriger Tempelvorstand, Herr Nathan Nengebaner und der geehrte Vereinskassier Herr Jakob Sax arrangierten vre Ausschmückung des Tempels in äußerst geschmackvoller Weise und ernteten dadurch von allen Seiten volles Lob Den Glanzpunkt aber bildete die schöne patriotische Ansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Prof. Dr. Rabbinowiez. der das -schöne Einvernehmen der hiefigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession, sowie den Dan! der Judenschaft für die Auszeichnung in besonders schöner Rede zum Ausdruck brachte. Dies alles machte auf Seine Exzellenz den Herrn Statthalter samt allen Honoratioren, die ihn begleiteten, einen äußerst angenehmen Eindruck, was er auch in seiner Erwiderung in freundlicher Weise betonte. Auch bei der Audienz, bei welcher der Herr Rabbiner von unserem Herrn Obmanne begleitet wurde, hob Se. Exzellenz der Herr Statthalter den stets bewährten Patriotismus der Juden lobend hervor. Falkeuau a. E. Das Gründungsfest, welches der hiesige israel Frauenverein am 23. d. M. veranstaltete, nahm einen glänzenden Verlauf. Der große Saal im Hotel „Kaiser von Oesterreich" war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Nach einer kurzen, schwungvollen Begrüßungsansprache seitens der Vereinspräfidentin Frau Iba Fischer brachte Frau Marta Pick einen vo:c ihrem Gatten vei faßten Festprolog wirkungsvoll zum Vortrage, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Die Piece de rösistance des überreichen und geschuiockvollen Programmes bildete da« zu diesem Feste von Herrn Franz Frankl, Wien, eigens gedichtete Festspiel „Nächstenliebe". Effektvoll waren auch alle anderen Darbietungen, in welche» Theateraufführungen mit Liedervorträgen re. abwechselten. Das ganze Arrangement ruhte in den bewährten Händen des Obmannes des Festkomitees. Herrn Ad.Herrman«. Den Beschluß des schönen Festes bildete ein Ball, der die ganze Gesellschaft in gehobener Stimmung bis zum Morgen vereinigte. Die Veranstaltung brachte dem Vereine einen schönen materiellen Erfolg. Nagybeeskerek. Am 11. d. M. verschied in Abbazia der Präses der hiefigen Kultusgemeinde Dr. Samuel Mangold. Der Verstorbene war einer der angesehensten Männer der Gegend, war Mitglied des Komitatsausschufses, des Verwaltungsgerichtshofes, der Stadtrepräsentanz, der Advokatenkammer, Präses der Chewra - Kadischa und Rechtsanwalt der hiefigen Sparkaffa. Das Leichenbegängnis fand unter riefiger Beteiligung sämtlicher Komitats- und Stadtbehörden und sämtlicher Vereine statt. Oberrabbiner Dr. Moritz Klein hielt dem Verblichenen einen Nachruf, unter deffen Wirkung die Gemeinde auf Wunsch des Obergespans die Trauerrede in Druck legen ließ. Während des Leichenzuges waren sämtliche Amtsgebäude mit Trauerfahnen beflaggt, sämtliche Geschäfte gesperrt und die elektrischen Lampen der Stadt mit Trauerflor überzogen worden. Agram. (Verlobung.) Der bekannte Advokat Dr. L. Schick hat sich mit Fräulein Ella Friedrich verlobt. Kismarton. (Eisenstadt.) Bei der kürzlich hier stattgefundenen Rabbinerwahl wurde Herr Dr. Hermann Klein, Rabbiner aus Braffo, mit Akklamation gewählt. Feuilleton. Gin Kapitel Indenpsychologie nennt Oskar A. H. Schmitz die feinsinnigen Ausführungen, die er dieser Tage in der „Nationalzeitung" zur Judenfrage veröffentlicht: Während der englische Jude Benjamin Disraöli. der Neuformer des englischen Torytums. Premierminister und Peer von England geworden ist. hat der deutsche Jude Ferdinand Lassalle die Revolution organisiert. Beide Männer wären von ungeheurem Ehrgeiz erfüllt und hatten als Wirklichkeitsmenschen und aus einem aristo-

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