Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 267 gedungen und sodann den Geschäfts- und Rechenschaftsbericht, der genehmigt wurde. Im Anschluß daran bat Stadtrat Dr. Jakob Scharf ums Wort und erklärte, er spreche absichtlich jetzt erst, nachdem er durch die Verlesung des Geschäftsberichtes Einblick in die reiche soziale Tätigkeit des Vereines gewonnen habe, die auch im Interesse der Stadtgemeinde liegt. Denn jetzt könne er im Namen der Stadt nicht bloß aus Höflichkeit, sondern aus voller Ueberzeugung dem Vereine seine aufrichtigsten Glückwünsche bringen und die Hoffnung aussprechen, daß der Verein seine humanitären Ziele unter dem Vorsitze des gegenwärtigen verdienstvollen Präsidenten noch lange verfolgen möge. (Lebhaft. Verfall) Dr. Geschmay sprach unter lautem Applaus namens der Vereinsmitglieder dem Vorstand, besonders den Herren Dr. Ludwig Bendiener und Moritz Austerlitz den Dank aus. Zum Schluß wurden die Wahlen vor, enommen, aus deren als Ausschußmitglieder hervorgingen: Für drei Jahre di? Herren Heinrich D e n h o f, JUDr. Julius D u s ch e n e s, Moritz Hahn, kais. Rat Ignaz Lion, Dr. Julius P e t s ch e k, k. k. Oberfinanzrat Sigmund Waldst ein. — Für ein Jahr: Herr David Tr oll er, kais. Rat (neu). — Revisoren: Alex. Z. Bodenheimer, JUDr. Louis Geschmay, Willibald Hirsch. Eine Konferenz galizischer Rabbiner. Der Tschortkoroer Rabbiner Israel Friedmann geht, wie uns aus Lemberg gemeldet wird, daran, die übrigen orthodoxen Rabbiner Galiziens zu einer gemeinsamen Beratung darüber einzuladen, auf welche Weise man die in rascher Abnahme begriffene Religiosität unter den galizischen Juden wieder stärken könnte. Rabbiner Friedmannj der sich mit seiner Einladung auch an die chasfidischen „Rebbe's" wendet, ist der Meinung, daß die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der galizischen Juden zum großen Teile mit Schuld an der religiösen Deroute sind und es daher Pflicht der Rabbiner ist, auch der wirtschaftlichen Frage die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist auch der Grund, weshalb der Konferenz außer . den Rabbinern auch nichtrabbinische Mitglieder der frommen jüdischen Gemeinden Galiziens zur Konferenz Zugezogen werden sollen. Die jüdische Mannschaft der österreichisch-ungarischen Eskadre während dös Pessachfestes, Die österreichisch-ungarische Eskadre, die sich während des Pessachfestes im Hafen von Smyrna befand, hatte an Bord ihrer Schiffe und Boote über 150 jüdische Offiziere und Soldaten. Der Kommunalrat der Smyrnaer Gemeinde trug einige Tage vor Pessach dem Kommandanten der Eskadre die Bitte vor, der jüdischen Mannschaft Zu gestalten, das Pessachfest im Kreise jüdischer Familien der Stadt, die sich zur Aufnahme ihrer Glaubensgenossen freudigst bereit erklärten, verbringen zu dürfen. Der Kommandant hat diese Bitte nur teilweise erfüllt, indem er der jüdischen Marinemannschaft und den jüdischen Offizieren den Vorabend zum Pessachfeste behufs Besuches der Synagoge freigab, und gestaltete, daß der Vorstand der Judengemeinde die jüdische Mannschaft mit Mazzos versehe, was auch tatsächlich erfolgte. Ung.-Hradisch, Kuttuswahl. Bei der am 23. April l. I. konstituierenden Versammlung des am 9. April l. I. neu gewählten Kultusausschusses, wurde unser verdienstvoller Herr Vorsteher Sigmund Fürst, Malzfabrikant, Mitglied des Ausschusses der königl. Stadt Ung.-Hradisch, Beisitzender des k. k. deutschen Bezirksschulrates für die königl. Stadt Ung.- Hrgdisch etc. etc. zum drittenmale mit Stimmeneinhelligkeit zum Kultusvorsteher der israel. Kultusgemeinde Ung.Hradisch wiedergewählt. Weiters wurden einstimmig gewählt: Zum Vorsteher-Stellvertreter Herr M. U. Dr. Bernh. Felder in Ung.-Hradisch: zu Beiräten die Herren: Bernh. Berger, M. U. Dr. Arthur Brauner, Wilhelm Trost in Ung.- Hradisch und Adolf Kohn in Kunowitz. Dem Kultusaüsschusse gehören an die Herren: Norbert Brunn, Hermann Gallia, Viktor Lanzer, Adolf Löff, Moritz Löwy, Moritz März, Leopold Schulz«. Aron Sträußler sämtlich wohnhaft in Ung. -Hradisch und Karl Zwillinger in Napagedl. Bremen, 10. April. Letzten Donnerstag hat sich hier die fünfzigste der von der Kiewer Emigrationsgesjellschaft organisierten Auswanderergruppen eingeschifft, um die Reise nach Galveston anzutreten. Wegen der nahen Feiertage haben sich an dieser Gruppe nur 45 Personen beteiligt, während die vorhergehende aus mehr als 100 Auswanderern bestand. Die meisten befänden sich im Alter von 20 bis 40 Jahren und waren tüchtige Handwerker. Die Emigranten wurden mit Mazaus und allem Nötigen für die Feiertage versehen und mit den besten Wünschen seitens der Kiewer Gesellschaft und des hiefegen .Hilfskomitees, deren Vertreter am Borde waren, in die neue Heimat entlassen. Kairo, 10. April. Nach Mitteilungen des Alliancevertreters in Kairo nimmt die yeminitifche Einwanderung in Aegypten, wenn auch in kleinerem Maßstab, ihren Fortgang. Vom 25. Januar 1910 bis zum 31. März d. I. hat das Komitee von Suez 153 Einwanderer empfangen. Man hat geglaubt, daß der türkisch-yeminitische Krieg einen Massenauszug unserer Glaubensgenossen aus dem deinen verursachen würde. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Letztangekommenen erzählen, daß die Kriegführenden den Juden kern Leid zufügen. Diese leben in relativer Sicherheit. Man ist der Meinung, daß die Türkei den Aufruhr unterdrücken und das Land beruhigen wird. Das Zentralkomitee der Alliance Jsraelite Universelle hat durch Vermittlung des italienischen Konsuls in Hodeida der israelitischen Bevölkerung in Sanaa Hilfsfonds zugehen lassen. Pessach-Visiten in Konstantinopc'l. Aus Konstantinopel wird berichtet: Einer schönen, alten orientalischen Sitte entsprechend, empfing der Großrabbiner der Türkei Rabbi Chaim Nahum anläßlich des Pessachfestes den Besuch der hohen Geistlichkeit und diplomatischer Würdenträger. Zunächst erschienen die jüdischen Abgeordneten und Notabeln der sepbardischen und aschkenasischen Gemeinde. Dann stattete der Minister des Innern Halil Bey dem Chacham Baschi den offiziellen Besuch ab. Dann erschien Houloussi Bey an der Spitze einer Deputation der vor einem Jahre gegründeten Gesellschaft zur Vereinigung der verschiedenen nationalen Elemente in der Türkei, ferner Monsignore Benjamin, Großvikar des ökumenischen Patriarchats in Begleitung des Sekretärs, der Generalvikar des armenischen Patriarchats und eine große Zahl anderer illustrer Persönlichkeiten. Die Opfer der großen Brandkatastrophe in Newyork. Aus Newyork wird geschrieben: Die schreäliche Brandkatastrophe, die sich vorige Woche im NewMrker Osten abgespielt hat, hat die gesamte Judenschaft in tiefe Trauer versetzt. 95 Prozent von den 145 Opfern, die bei dem Brandunglück ums Leben gekommen sind, waren junge jüdische Mädchen, fast durchwegs Kinder jüdischer Einwanderer aus Rußland, Galizien und Rumänien. Die Szenen, die sich sowohl während des Brandes, wie auch bei der Agnoszierung der Leichen und bei der imposanten Bestattung der Leichen abspielten, lassen sich unmöglich schildern. - Unter den Leidtragenden gab es viele, die ihr einziges Kind verloren. An der sofort unter Führung^des bekannten jüdischen Philanthropen Jakob H. SchiffZeingeleiteten Hilfsaktion haben'sich alle Gesellschaftsschichten beteiligt. Die Spendenliste wurde vom ersten Bürgermeister von Newyork. Mr. Gaynor mit einer Spende von 100 Dollar eröffnet.