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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 17 Jahrgang XXVIII Dr» Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Audentums. -□- □- Wien, 28. April 1911 Lrscbetnt jeden Freitag. > Brief-Adresse: Wie«, IX/i, Hahngaffe 15 * Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. 0(r ■■ ==ÖO p Vrxrrgsprri» für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplars 50 Heller. Für'» Dunland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gefpal- 2 tene Petitzeils 24 Heller. G OQ ■ ■ ■-Oo OG O Ä. k. Postsparkastenarni Slearing-Verkebr Mr. S10.976. Redattion und Administration: Vien IX/if Hahugaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Oo Q oQz Inhalt: Leitartikel: Die Wiener Reichsratskandidaten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Verzweifelt nicht! Die Vorgänge in Galizien. Haarsträubende Erlebnisse jüdischer Emigranten. Ausweisung von Kindern aus Ostpreußen. Jungfernrede Lionel von Rothschilds. Jsaac de Camondo. Von den B. B.-Logen in Deutschland. Ein Muster konfessioneller Eintracht. Zur Naturgeschichte des Wiener Renegatentums. Eine eigene jüdische Sektion im ungarischen Ministerium für Kultus und Unterricht. — Das Brudermahl der Chewra-Kadi'cha. — Echod mi jodea! — Zur Lage der Juden in Peisi u. — Die Versuche, Juden zur Rückwanderung nach Spanien zu veranlassen. — Korrespondenzen: Feierliche Schlußsteinleguvg im Knabenwaiienhause. Frau Julie Fialla. Rabbiner Aron Friedmann gestorben. Siebzigjahrfeier des Rächstenliebevereines zur Unterstützung verschämter israelitischer Hausarmer. Eine Konferenz galizffcher Rabbiner. Die jüdische Mannschaft der österreichisch-ungarischen Eskadre während des Pessachfestes. Ungar.-Hradisch, Kultuswahl. Bremen. Kairo. Pessach-Visiten in Konstantinopel. Die Opfer der großen Brandkatastrophe in Newyork. Die Saison der Judenvertreibungen. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Kapitel Judenpsychologie. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Me Wiener Keichsralskandidateir. Daß der Wahlkampf in Wien begonnen habe, kann man nicht behaupten, ohne dem Begriff dieses Wortes weh zu tun. Es ist kein Kampf, es ist die matte Abwicklung einer verdrießlichen Angelegenheit. Die Wähler müssen ja auch stumpf werden nach den letzten Vorgängen im Parlament, wo der slawische Hunger nach Portefeuilles die Staatsmaschine wieder einmal zum Stillstand bringen durfte. Es ist auch deswegen kein Kampf, weil keine Partei große Ziele und.Zwecke verfolgt und wirklich die Leidenschaften wecken kann. In Wien wenigstens ist das so. Die Christlich-Sozialen kämpfen um die Erhaltung ihres Besitzstandes mit allen Mitteln der Demagogie und Verlogenheit. In ihren Anhängern wirkt die antisemitische Verhetzung noch nach und das lähmt wiederum den Schwung der freiheitlichen Parteien, welche den archimedischen Punkt nicht finden können, an welchem sie die politische Welt aus der christlich^sozialen Angel heben können. Es ist allerdings eine reale Möglichkeit für eine große Organisation gegen die jetzigen Wiener Machthaber vorhanden. Die Gewerbetreibenden sind erbittert über die christlichsoziale Unverschämtheit, welche ihnen gegenüber nichts wie lügenhafte Versprechungen hat, während die Rathauspartei natürlich auf Geßmann's Kommando für die agrarischen Interessen nicht nur etwas, sondern weit mehr tut, als die Finanzen der Stadt Wien eigentlich erlauben. Da wäre eine Aufgabe zu erfüllen: die Eroberung jener Mandate, welche bei den letzten Wahlen mit geringer Majorität an die Gegner fielen. Dieser Zweck könnte wohl ohne besondere Schwierigkeiten erreicht werden. Denn Hatzl, Hraba, Geßmann, Bielohlawek, Eeßmann jun., und letzthin Strobach jun. haben Sprengungsarbeit genug geleistet, so daß man in den christlichsozialen Besitzstand Bresche legen konnte. Die Spatzen pfeifen es auch von den Dächern, welche Persönlichkeiten durch den Glanz ihres Namens und ihrer Taten dieses und jenes Mandat für den Freisinn wieder zurückgewinnen könnten, ja sogar müßten. Die Persönlichkeiten Hanken aber für die Ehre, weil eben die Organisation der Freiheitlichen bezirksweise und außerdem noch teilweise in den Bezirken selbst zersplittert ist und dadurch niemandem Vertrauen einflößt. Die .Folgen der Uneinigkeit und Disziplinlosigkeit, des Hauptfehlers der freiheitlichen Parteien, zeigen sich dann noch in einer Reihe von Aufstellungen der Kandidaten und Komitees, welche die Sachlage noch bedeutend verschlechtern. Da war z. B. eine ausgezeichnete Kandidatur für das Rathausviertel mit sehr guter Aussicht auf einen Sieg der verdienstvolle und hochgeachtete 'Prof. ^Klaudy: Wer aber will sich wiederum mit Gewalt politisch hervordrängen? Dieser Dr. Reumann, dem schon anläßlich der Gemeinderatswahlen die Oeffentlichkeit und die Wählerschaft bedeutet haben, daß sie seinen Wert nicht erkennen und .auf seine Persönlichkeit verzichten. Run ist der Herr Advokat, der sich für so tüchtig hält, durch eine andere Tür wieder herringekommen und kandidiert bis auf Weiteres darauf los. Er hat sich taufen lassen, weil er von den Juden nichts wissen will und nun wollen weder die Juden noch die Christen von ihm etwas wissen. Resultat: der sichere Verlust eines Mandates. Ein Verhängnis ist es, daß Männer wie Doktor Reumann ohne Berechtigung im Bezirkswahlkomitee sitzen und mit Ueberschlauheit glauben die Wähler in Zwangslagen zu bringen. Das nützt aber nicht. Juden, die Ehre im Leibe haben, auch wenn sie noch so fortschrittlich sind, wählen keinen Täufling, lieber schon einen Mann wie Witte k. Apropos, was macht denn der Herr Doktor von Fürth im Wahlkomitee? Wen vertritt der Herr? Da haben wir wieder einmal einen Politiker, der weder Anhang noch Bedeutung hat, sich vom Iudentume losgesagt hat und zu Wahlzeiten immer wieder uns „leitet". Seine intimen Freunde und Parteigenossen, die „Freiheitlich-Sozialen" in der Leopoldstadt, baten ihn, während des Wahlfeldzuges sich in ihren Versammlungen nicht blicken zu lassen. „Blamier mich nicht mein liebes Kind Und grüß mich nicht unter den Linden; Wenn wir nachher beisammen sind, Da wird sich Alles schon finden."

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