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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-21 · 16 (21.4.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 254 Dr. Blocks Wochenschrift die Kandidaten des „Donauklub", sowohl für den ersten, wie auch für den zweiten Wahlkörper, Männer find, die infolge - ihrer genauen Kenntnis der Verhältnisse geradezu prädestiniert erscheinen, im Bezirksrate die wirkungsvollen Vertreter der Interessen der Kaufmannschaft, der Gewerbetreibenden und des im Bezirksrate leider ganz verlassenen kleinen Mannes zu sein und mit aller Energie sich für die Rechte der Juden eiuzusetzev. Es find aber auch Männer, die im Bezirke Ansehen genießen und sicherlich alle freiheitlichen Stimmen auf sich vereinigen würden, wenn nicht von Seite der Sozialpolitiker ein aussichtsloser Kampf heraufbeschworeu würde, der, ohne sich zu nützen, nur darauf ausgeht, der Sache zu schaden. Auch was den zweiten Wahlkörper betrifft, hat der „Donauklub" die richtige Taktik gewählt, indem er für dieses gefährdete Mandat einen verläßlichen liberalen christlichen Kandidaten aufstellte, der sicherlich eher geeignet ist, diesen Wahlkörper mit christlicher Majorität zu erobern, als ein noch so ehrenwerter jüdischer Bankbeamter, der mit der Wählerschaft gar keine Fühlung hat. Es unterliegt für mich gar keinem Zweifel, daß besonders die jüdische Wählerschaft bei - der Bezrrksratswahl der Parole des „Donauklub" folgen wird. G. S. GaUzifcher Hilfsvrrein. Sonntag den 9. April d. I. fand in den Räumen der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith, 9. Bez., llniversitätsstr. 4, die Generalversammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in ©o? lizien statt. Den Vorsitz hatte der Präsident des Vereines, Herr Sigmund Mayer, dem 1. Vizepräsidenten, Herrn Prof. Dr. Arthur Mahler, abgetreten. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet und die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, widmete er den seit der letzten Generalversammlung verstorbenen Mitgliedern der Vereinsleitung, den Herren Adolf Baer, Karl Hirsch und Baurat Wilhelm Stiaßny, ferner dem in der Berichtsperiobe dahingeschiedenen Obmanne der Ortsgruppe Kolin, Herrn Bernhard M aind e l i k, Worte innigen Gedenkens, die von den Zuhörern stehend angehört wurden. Sodann machte er die Mitteilung, daß der Vorstand der Isr. Kultusgemeinde in Wien durch eine Zuschrift bekanntgegeben habe, daß er wegen einer zur selben Zeit stattfindenden öffentlichen Plenarsitzung leider nicht in der Lage sei, einen Delegierten zu entsenden, ferner daß die Großloge für Deutschland angezeigt habe, es werde Herr Dr. Paul Nathan sie bei der Generalversammlung vertreten, endlich, daß ihr Fernbleiben die Herren kais. Rat Wilhelm A n n i n - ger, Dr. Josef Bloch, Gemeinderat Mar Frank, Oberrabbiner Dr. M. Eüdemann, Jacques Karpeles, Dr. Gustav Kohn, Dr. Leopold Kohn, Dr. Edmund Kornfeld, kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Dr. Isidor Samuely, Alexander Schorr, Kommerzialrat Mar Schweiger und Kultuspräsident Dr. Alfred Stern — sämtlich aus Wien, dann die Herren Dr. M. Hammerschlag aus Prag, Dr. Hermann Hirsch aus Krakau und Schulrat Alois Schwarz aus Mähr.- Ostrau entschuldigt haben. Zu bemerken wäre hier noch, daß nach Schluß der Generalversammlung von dem Obmanne der Ortsgruppe Reichenberg, Herrn Prof. Dr. Emil Hofmann, ein Begrüßungsschreiben einlangte. Den Bericht über die Tätigkeit der Vereinsleitung erstattete Magistratssekretär i. R. Dr. Wilhelm Löwy. Mit Rücksicht darauf, daß der Jahresbericht sich im Besitze der Vereinsmitglieder befindet, konnte er sich hierbei darauf beschränken, diese Tätigkeit in kurzen Zügen darzustellen. Er erklärte, daß die Bemühungen der Vereinsleitung im Berichtsjahre insbesondere darauf gerichtet waren, jüdischen Handwerkern in Galizien, die einen schweren Kampf um das tägliche Brot führen, jene Voraussetzungen für rin besseres Fortkommen, die ihnen noch häufiger als den Handwerkern der westlichen Länder fehlen, dadurch zu schaffen, daß der Versuch gemacht wurde, in einzelnen Städten Gewerbetreibende derselben Branche in Produktivgenossenschaften zu vereinigen. Solchen Genossenschaften werden nämlich seitens des k. k. Eewerbeförderungsamte unter billigen Bedingungen Maschinen und eventuell auch Motore beigestellt: ihre Mitglieder können, wenn es nötig ist, durch einen Wanderlehrer einen Fortbildungsunterricht erhallen und dadurch die Mängel in ihrer technischen Ausbildung beseitigen: endlich erhalten solche Genossenschaften zuweilen von Seiten des Landes billige Kredite. Dazu kommt, daß jene Genossenschaften, wenn sie zugleich den Einkauf von Rohmaterialien und den Verkauf der Erzeugnisse ihrer Mitglieder sich zum Zwecke setzen, die Rohmaterialien in größeren Mengen und daher billiger als der einzelne Handwerker einkaufen und eine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern beim Verkauf der Waren ausschallen können. Die Vereinsleitung hatte sich schon in früheren Jahren mit diesem Gegenstände beschäftigt, indem sie sich der ohne ihr Zutun entstandenen Tischlergenossenschaft in Tarnopol annahm und in Jaworow eine Bürstenbindergenossenschaft zustande brachte. Da sich das Technologische Institut in Lemberg, das mit der dortigen Handels- und Gewerbekammer in Verbindung steht, bereit erklärt hatte, ihre Tätigkeit in Hinsicht auf die Errichtung von Genossenschaften mit Rat und Tat zu unterstützen, ging die Vereinsleitung im Berichtsjahre mit dieser Anstalt, die sich ebenfalls die gleiche Aufgabe, jedoch selbstverständlich ohne Rücksicht auf die 'Konfession der Gewerbetreibenden, gestellt hat, Hand in Hand. Die Bürstenbindergenossenschaft in Jaworow erhielt seitens des k. k. Arbeitsministeriums die Zusicherung eines Dar-- lehens von K 8000 für die erforderlichen Maschinen unter der Bedingung, daß der zu bestellende kommerzielle Leiter von ihm genehmigt, ferner ein geeignetes Lokalfür die gemeinsame Werkstätte beschafft uno daß vom galizischen Landesausschuß ein Betriebskapital von K 8—10.000.— gewährt wird. Der kommerzielle Leiter und das Lokal sind bereits vorhanden: die Gewährung eines Betriebskapitals seitens des Landesausschusses steht jedoch dermalen noch aus. Im Berichtsjahre wurden folgende Produktivgenossenschasten, die ausschließlich oder zum großen Teile aus jüdischen Gewerbetreibenden bestehen, errichtet und registriert : Die Tischlergenossenschaft mVolecho w, die zumeist aus Juden besteht. Sie hat bereits die Lieferung von Einrichtungsstücken für das k. k. Bezirksgericht in Czortkow erhalten, zu deren Ausführung ihr das technologische Institut eine Subvention verschafft hat, uud dürste vom k. k. Arbeitsministerium mit den nötigen Maschinen versehen werden; ferner wurden errichtet und registriert die Genossenschaft der Bauerntuch erz euger in Rohatyn und die Kürschnergenossenschast in Zolkiew. In der Gründung begriffen ist die Genossenschaft der V ü r st e n b i n d e r in Ma gi erow, dann der Hornkamm erz euger in Sassow. Es wird nötig sein, daß diese Genossenschaften für den Anfang mit Betriebskapital dotiert werden, da die Beträge der von den einzelnen Genossenschaftern gezeichneten Anteilscheine nur in kleinen Raten eingehoben werden können, und da der galizische Landesausschuß vielleicht eher zur Gewährung einer Subvention zu bewegen sein wird, wenn die Genossenschaft bereits auf ihre Wirksamkeit Hinweisen kann. Hier wäre ein fruchtbares Tätigkeitsgebiet für die von der I. C. A. eingeleitete Hilfsorganisation zugunsten der galizischen Juden, Was die vom Galizischen Hilfsverein eingeführten Industrien betrifft, verweist der Berichterstatter auf den vorliegenden Bericht, indem er bemerkt, daß es damit wie

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