Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«r. 16 Ol», BIOCH’S Jahrgang xXVtll Zenttaloroan für die gesamten Interessen des Judentums. -□ :□- Wien, 21. April 1911 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. H/i. Hahngaffe 15. * Telegramm-Ad reffe: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OG ■ -==DO? DrMKSprrls Mr Srflerrrrch: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. . Anzeigen: Die 4malgespal- 2 tene Petttzeile 24 Heller. G OP - - ■ .-Qo 0(7 o S. K. Poflsxarkaffrnarnt Sieartng-Verkebr «r. S10.976. Redaktion und Administration: rx/i, Hahngasse Nr. 15 O o o l) Telefon Nr. 14.847. OOz =0 o Inhalt: Leitartikel: Die Bezirksratswahlen in der Leopoldstadt. — Galizischer Hilfsvere!n. — Gcneralversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union". — Korrespondenzen: Die Bezirksratswahlen in der Ll0pol^s:adt. Die jüdische Umgangssprache vor dem Reichsgericht. Jüdische Abgeordnete im ungarischen Parlament. Erzherzog Friedrichs Sp.nde zugunsten eines Sanatoriums für Talmudgelehrte. Prag. „Bezalel"-Ausstellung in Prag. Ein Legat zur Bekämpfung des Antisemitismus. Protest gegen einen antisemitischen Arbeiterführer. Ethisch-religiöse Vermächtnisse. Eine Ausstellung hebräischer Bibeln. Die Juden im ruffischen Militärdienst. Für die Juden in Jemen. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem jüdischen Wien unter Kaiserin Maria Theresia „Schwache Helden". — Literatur. — Inserate. Die Kezirksratswahlen i« der Kespoldftadt. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Die Wählerschaft der Leopoldstadt wird seit einem Jahre fast unausgesetzt vom Wahlfieber geschüttelt. Innerhalb eines Jahres werden sie im Laufe der nächsten Woche zum drittenmal? zur Urne schreiten, um in die eine oder andere Körperschaft ihre Vertreter zu entsenden. Und alle diese Wahlgänge von der im Frühjahr 1910 stattgefundenen Gemeinderatswahl bis zur Wahl in den Landtag und den bevorstehenden Bezirksratswahlen — von den bald darauf stattfindenden Reichsratswahlen will ich dermalen nicht sprechen — stehen im Zeichen des heftigsten Kampfes. Dieser Kampf erhält noch dadurch eine Verschärfung und eine für uns unliebsame Komplikation, daß die radikalen Parteien geschloffen Vorgehen, während die freisinnige Bürgerschaft in zwei Lager gespalten ist, die einander nicht minder heftig bekämpfen, als sie es dem gemeinsamen Gegner gegenüber tun. Als genauer Kenner der politischen Verhältnisse der Leopoldstadt, der aber aktiv in keinem der beiden Lager steht, hat es mich stets mit Bedauern und Befremden erfüllt, wenn ich beobachtete, wie die freisinnigen Kreise außerhalb der Leopoldstadt oft ohne jede Kenntnis der spezifisch-lokalen Verhältnisse über die Vorgänge in der Leopoldstadt ihr Urteil fällen. Das beliebteste Schlagwort dieser etwas leichtfertigen politischen Sittenrichter ist die „Erhaltung des Friedens" und daß des lieben Friedens willen niemand in seinem Besitze gestört werden dürfe. Nun denn, verweilen wir ein wenig bei diesem Punkte, um uns über die wahre Situation klar zu werden. Die unter Führung des Dr. Ofner stehenden Sozialpolitiker stehen im Kampfe gegen den jetzt unter Führung des Dr. Alfred Mittler stehenden „Donauklub". Ich habe absichtlich diese Formel gebraucht, weil ich den historischen Tatsachen entsprechend damit ausdrücken wollte, daß der „Kampf im eigenen Lager" nicht vom „Donauklub" und seinen Anhängern, auch nicht von chrem damaligen Führer Doktor Mittler, sondern gerade von denjenigen vom Zaune gebrochen wurde, die sich heute als Sozialpolitiker um Doktor Ofner schären.. Dieser Kampf und Hader, der vor fünf Jahren von den Sozialpolitikern begonnen und der den „Donauklub" noch unter der Leitung des verstorbenen K l e b i n d e r in die Defensive gedrängt hat, ist eben noch nicht zu Ende gesochten. Denn aus dem Umstande, daß in diesem, wie ich noch Nachweisen will, wichtigen, prinzipiellen Kampfe bei einem Treffen ganz incidentialiter mit Hilfe nichtbürgerlicher Hilfstruppen vorübergehend eine Position eingenommen wurde, darf doch logischerweise nicht gefolgert werden, daß der Krieg entschieden sei! Die Herren Sozialpolitiker haben noch bis vor einem Jahre urdi et vrdi beteuert, daß sie gar nicht einen Kampf „im eigenen Lager" führen, daß sie vielmehr in ihren politischen Leitmotiven von denjenigen des „Donauklub" eine unüberbrückbare Kluft trenne. So mußte denn dieser prinzipielle Kampf mit Begeisterung ausgenommen werden. Man muß dem Führer des „Donauklub" vollständig recht geben, wenn er nicht müde wird, festzustellen, daß seine Partei nicht einen Kampf um Personen, sondern um die Entscheidung darüber führt, ob die bürgerliche jüdische Wählerschaft entschlossen ist, in dem großen politischen Feldzüge als selbständige Armee für seine Rechte zu kämpfen, oder sich bereits damit abgefunden habe, heute die Rolle des Roten Kreuzes für die Sozialdemokraten zu übernehmen, um morgen unter sozialdemokratischer Deckung eine Einzelposition eüizunchmen. Vergebens versuchen die Sozialpolitiker, heute dem Kampfe in den Augen Uneingeweihter den StemP.l eines Hausstreites aufzudrücken und sich als die erbgesessenen „glücklichen Besitzer" hinzustellen. Bei dieser meiner Auffassung der Leopoldstädter Frage wird es wohl als selbstredend erscheinen, daß ich auch die Bezirksratswahlen nicht als ein gleichgültiges Intermezzo in diesem Feldzuge, sondern als eine wichtige eigene Angelegenheit auffasse. - Ich will hierbei auf die Behauptung, daß der „Donauklub" einen von Baron Hock und Dr. v. D o r n überbrachten Kompromißantrag abgelehnt habe oder nicht, gar nicht eingehen. Mir genügt es, daß die Führer des „Donauklub" diese Behauptung bestreiten und daß die authentischesten Persönlichkeiten, nämlich Baron Hock und Dr. v. Dorn, die Behauptung der Sozialpolitiker bisher nicht bestätigt haben. Und überdies muß der Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß