Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 13 Qpa Bloch’s Jahrgang XXVIII Lentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. o<3p C ~ ■ .ü O A. ft. Postsxarftastenamt leartng-VerKebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: W irn IX,i. Hahugaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. nO - — --—OQ -□. □- Wien, 31. März 1911 Erscheint jeden Freitag. - Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. 0(5====== P Verugsprris für Oesterreich Halbjährig 3 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. =ÖO ■H Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespal» 2 lene Petitzeile 24 Heller. £ OP .. . ' -rQC Inhalt: Leitartikel: Willkürakte der Czernowitzer Behörden. — Delegiertenkonferenz zur Regelung des jüdischen Wanderbettels. — Die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen. — Zehnjähriges Bestandjubil'äum des Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Englischer jüdischer Frauenverein. Der König von England und die Bibel. Der letzte Stabsoffizier mit der goldenen Tapferkeitsmedaille. Der Vizepräsident des Rassenkongresses. Die älteste Synagoge in Indien. Kundgebungen der jüdischen Gemeinden in der Türkei gegen den Zionismus. Ein protestantischer Bischof gegen die Blutlüge. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 19. März 1911. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Bibelvorlesung Konrad Loewes. Der Präsident des französischen Komitees der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden. Auszeichnungen in Italien. Eine Judendebatte im Londoner Gemeinderate. Der wahre Grund der Fremdenhetze in England. Verheerungen eines Zyklons in den jüdischen Kolonien in Argentinien. Verband aller jüdischen Einwanderer - Schutzgesellschaften. Berufung Achad Haams nach Philadelphia. Die jüdischen Kriegsgefangenen in Japan. Ein neuer österreichisch - ungarischer Konsul in Afrika. — Vermischtes. — Feuilleton: Die blonden Juden.^— Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. . Zur Einsendung, der Beträge wolle man sich des in der heutigen Nummer beigelegten Posterlaq» scheine» bedienen. Die Administration der „Oesterr. Wochenschrift". Willkürakte der Czernowitzer Behörden. Ausweisung jüdischer Handwerker aus Sereth. Zwölf jüdische Familien in Sereth in der Bukowina haben von der Statthalterei den Ausweisungsbefehl bekommen. Ohne den mindesten Grund. Es sind durchwegs russische Staatsbürger, aber ihre Ansässigkeit dauert schon mehrere Jahre, und gegen ihren Wandel ist durchaus keine Beschwerde erhoben worden. Darüber ist ein vollgütiger Beweis vorhanden. Die Stadtvertretung war bereit, die zwölf Familien in den Gemeindeverband aufzünehmen. wenn sie die Staatsbürgerschaft erlangen könnten. Für diese Zusicherung war nicht etwa persönlicher Einfluß, Reichtum oder hohe soziale Stellung maßgebend. Es handelt sich in allen Fällen um schlichte Handwerker, welche ihr Brot durch redlichen Fleiß vom frühen Morgen bis zum späten Abend erwarben. Als sie sich nun im Wege der Landesregierung um die Aufnabme in den Staatsverband bewarben, kam statt aller Antwort ein Ausweisungsbefehl, auf Grund angeblicher Militärspionage. Diese Begründung enthält in sich schon ein Dementi ihrer Wahrheit. Denn wenn einer der Juden tatsächlich spioniert hätte, so hätte man wohl nicht gezögert, ihm kategorisch den Prozeß zu machen. Die Landesregierung der Bukowina hat also der Willkür der Landesverweisung ein recht fadenscheiniges Mäntelchen umgehängt und sich ohne jede Ursache einer schweren Grausamkeit schuldig gemacht. Jedermann ist es klar, daß die zwölf Handwerkerfamilien durch die Wegnahme der Arbeitsgelegenheit durchaus zu Bettlern werden. Ob sie nun in den großen Kerker des politischen Rußland zurückkehren oder die Grenzen unserer Monarchie auf einer anderen Seite verlassen wollen, werden sie das nur unter den härtesten Entbehrungen, mit Hilfe entwürdigender Almosen, tun können und dann erst wieder nach ihrer Niederlassung Lebensmöglichkeilen suchen müssen, welche sie jetzt schon halten. Eine solche soziale Brutalität war man bis jetzt nur von Rußland und Preußen gewöhnt und das Empfinden der ganzen Lulturwelt hat sich dagegen empört. Oesterreich-Ungarn hat sich bis jetzt zu den westlichen Staaten der Zivilisation gehalten, in welchen eine magna Charta für Leben und Eigentum gilt. Natürlich würde es niemandem einfallen, gegen eine Ausweisung von Ausländern zu protestieren, wenn sich diese tatsächlich etwas haben zu Schulden kommen lasten. Aber einfach mit einer bedauernswerten Tapferkeit gegen Wehrlose vorzugehen und mit dem Titel lästiger Ausländer vorzugehen, ist einer hohen Staatsbehörde unwürdig. Herr v. Bleybleben, der Lemberger Statthalter und Generals ewaltige. wird sich gewiß wenig Lob vom Kaiser holen, wenn dem gütigen und gerechten Monarchen das Vorgehen seines Stellvertreters bekannt werden würde. Auch Graf Aehrenthal wird wenig entzückt sein, nachdem er sich, als Minister des Auswärtigen, in den Delegationen verpflichtete, gegen die Ausweisungen von Juden und Tschechen aus Preußen bei Bethmann-Hollweg Vorstellungen zu erheben. Die preußischen Behörden können ihm jetzt wohl antworten, daß wir in Oesterreich vor unseren eigenen Türen kehren sollen. Auch in der Duma wird vielleicht der Fall einmal zur Sprache kommen. Denn wenn auch "Rußland mit seinen Juden wie mit Sträflingen umspringt, so herrscht doch in seinem Parlament eine große Empfindlichkeit über die Behandlung russischer Staatsbürger im Auslande. Schon als die Massenausweisungen russischer Juden aus dem Bezirk von Mähr.-Ostrau stattfanden, wurde in der Duma eine Interpellation darüber angekündigt. Diese Anfrage wurde schließlich von der Tagesordnung abgesetzt, ebenso wie