Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 176 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 Wie«. (Bethausverein „Adaß Jeschurun", IX., Pfluggatse S.) Samstag den 18. März 1911, vormittags halb 10 Uhr findet im Vereinsbethause ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Wie«. (S pende.) Für Herrn Heinrich H ofstädter, II., Große Psarrgasse 1», Tür 6, der. wie wir in der letzten Nmnmer unseres Blattes ausführlich berichteten, unschuldig zu einer Kerkerstrafe verurteilt und dann im Jrrenhause, gleichfalls unschuldig, interniert war und sich jetzt im größten Elend befindet, sind von Herrn Julius Schwarz, I., Kärntuerstraße 10 K 10.—, Theresia Heller. Alt- Lengbach K 8.—, Jakob Wolf, Wr.-Neustadt K 5.— beim Artikelschreiber eingelanftn. Heber deffen Wunsch wird gebeten, weitere Spenden an Heinrich Hofstadter, II., Große Pfarrgasse 18, Tür 6, direkt gelangen zu lassen. Jüdische Toyubeehalle. (XX., Othmargrffe 46. (Haltestelle der Elektrischen: Jagerstraße.) Das Wochenprogramm ist wie folgt festgesetzt: Samstag den 18- März: Konzert. — Sonntag den 19. März: Direktor Alex. Hecht: „Wissenschaft und Bibelwort". — Montag den 20. März: Rabbinatskandidat Böla Fischer: „Pädagogik in Bibel und Talmud". — Dienstag den 21. März: Dr. K. Kupfer: «Geschichte der Juden in Oesterreich". (Zyklus.) — Mittwoch den 22. März: Dr. Max Eiseustüdter : „Erste Hilfe". III. — Donnerstag den 23. März: Pwfeffor Dr. Josef Pollack: „Kultur und Glück". — Freitag den 24. Marz: M. Palleuberg: Bibelvortrag. Beginn an Wochentagen um halb 8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten an den Obmann Doktor I. Samuely, I., Fischerstiege 6, erbeten. <P u r i m - F e st j a u s e.) Sonntag den 19. d. M. um halb 3 Uhr nachmittags findet in der Toyubeehalle die diesjährige Purim- Festjause für 3(0 arme Kinder der Brigittenau statt, wozu seitens des Veranstalters Herrn Karl Freund, Obmannstellvertreter der Tvyubeeholle, an alle Freunde der Institution hiemit die Einladung ergeht. Beth Haam (Jüdisches Volksheim). XVIl., Hormayergaffe 7 a. Samstag den 18. März Herr Kantor Josef Gr ob: „Jüdisches in Literatur und Musik". Mittwoch den 22. März: Herr Dr. Max Julius Bach: „Die Juden unter Papst Junoccnz III." Anfang halb 8 Uhr Abends. Mittwoch den 15. März sprach Herr Viktor Saß ebenso eingehend als gemeinverständlich über die moderne Jargondichtung. Er wußte bei den zahlreich erschienenen Zu- Hörer« das Interesse für die Dichtungen dieser jungen Literatur zu erwecken, was umso bedeutungsvoller ist, als das Publikum m diese« Bezirken den Vorgängen in den jüdischen Zentren des Ostens ziemlich fremd gegenübersteht. Der letzte Samstag bescheerte dem jüdischen Bolksheim einen Festabend von seltenem Glemze. Herr Dr. Walther Fried emann, Oberregisseur des Deühchen Volkstheaters, rezitierte Psalmen, Gedichte von Jchvda Halevy und Heinrich Heine mit zündender Wirkung. Herr Dr. Friedemann's Meisterschaft beruht auf rein geistiger Gmndlage. Er riß zu so stürmischen Beifallsbezeigungen hin, daß er «och rin reizendes Gedicht „Kinderfragen" von Heinrich Glücksmann zügab. Herr Konzertmeister Dr. K a p p e r l spielte die G-dur- Romance von Beethoven, Zigeunerweisen v. Nachez, die Träumerei vou Schumann, sowie eine Transskription von Lanner's Werberwalzern innig, formschön und technisch vollendet. Herr Ko r an y i saug mit wohltöneuder und sehr kräftiger Baritvnstimme Opernarien und Lieder dem Publikum so sehr zu Dank, daß er viele Zugaben bewüligen mußte. Wie«. Dienstag den l 4. d. M, am Purimabend, veranstaltete der Brigittenäuer israelitische Unterstützungsverein im Ballsaale des städtischen Kursalons seine diesjährige Maskenredoute, die einen überaus animierten Verlauf nahm. Die tanzlustige Jugend batte sich sehr zahlreich und in äußerst hübschen, zum Teil stilvollen Kostümen eingefuudeo, um dickem Werke der Humanität ihren begeisterten Tribut zu zollen. Eine Regimentskapelle besorgte die Musiki Den. originellen Gruppen und Einzelmasken spendete das Komitee öffentliche Anerkennung und ließ dieselben photographieren. Ferner gelangten drei wertvolle Damen-Schönhettspreise und zwei Herrenpreise zur Verteilung. — Der geehrten Präfidenttn des Brigittenäuer Frauen-WohltätigkettsvereinrS, Frau Dr. Emilie Weiß, gebührt für ihre große Mühewaltung besonderer Dank. Aastritte aas dam Judentum Vom 5. bis inkl. 11. März 1911. Doktor Alfred, Beamter, geb. 6. Dezember 1880, Horitz, Bödmen, XV., Löhrgasse 13. Feuer Menasche, Friseur, geb. 10. Juli 1864, Kimpolung, XV., Grenzgasse 6. Menkes Gustav, Kaufmann, geb. 25. August 1869, Györ, Ungarn, II., Obermüllnerstrasse 4. Lokal Joachim, stud. medio., geb. 19. März 1887, Lemberg, Hernals. XVII., Gürtel 39. Wachs Josef Hersch, geb. 24. März 1891, Podlipce, Adresse unbekannt. Weissberger Jzak Mordche (Ignaz), Damenmodist, geb. 5. Jänner 1852, Starnia, Ungarn, I., Wallfisebgssse 7. Mißlich Am 11. b. M. fand in den Saallokalitäten des Hotel Bader eine besondere Purimfeier mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Drm Komitee gehörten an: Rabbiner Dr. Schorsteiu. Doktor Schwarzbart, Oberkantor Mayrowitsch, Gemeinderat Berthold Neumann. Richard Horner, Simon Sensky, Sekretär Holzer, Lehrer Felix Riesenseld. sowie deren Frauen. Den musikalischen Teil leitete Herr Oberkantor Mayrowitsch, der auch selbst Arien aus den Opern „Die Zauberflöte" und „Mignon" mit vielem Beifall zum Vorirag brachte. Den literarischen Teil übernahm Herr Lehrer Felix Riesenfeld, welcher mit Schulkindern zwei sehr gelungene Märchenspiele aufführte. Den Schlußakt der eigentlichen Feier bildete die Ausführung eines witzreichen E nakters. Das sehr zahlreich erschienene Publikum bereitete allen Aufführungen stürmische Ovationen. Hernach trat der Tanz in seine Rechte und die nie ermüdende Jugend tanzte bis in die frühen Morgenstunden. Konfiszierte jüdische Zeitungen. Wie aus Petersburg berichtet wird, winden die Nr. 4 und 5 des in Wilna erscheinenden hebräischen Wochenblattes „Haolam^' konfisziert und gegen den Redakteur A. Drujanow die Anklage erhoben. Ferner wird berichtet, daß die historisch-wissenschaftliche Zeitschrift „Ehronika Jewreiski Schisni" (Chronik des jüdischen Lebens) wegen eines historischen Artikels über den Bialystoker Pogrom im Jahre 1905 konfisziert und der Herausgeber Jdelsohn zu einer Geldstrafe von 25 Rubeln verurteilt wurde. Rituelle Verpflegung auf den Schiffen des Oefterreichischen Lloyd. Der „Oesterreichische Lloyd" hat über Antrag des Herrn Direktors Rabbiner Horowitz in Jerusalem auf den österreichischen Eildampfern Triest—Alexandrien und retour streng rituelle Küche eingesührt. Schon vorher hat der Triester Rabbiner Prof. Dr. Br et Holz wiederholt solche Anregungen gegeben; die nunmehrige Einführung ist recht dankenswert und dürfte von unseren reisenden Glaubensgenossen mit Freuden begrüßt werden. Die Konserven werden von Frankfurt a. M. bestellt, aus Fabriken, über die Rabbiner Breuer die Aussicht führt. Das Geschirr ist neu, Besteck muffen die Reisenden selber mitnehmen. Die strenggläubigsten Glaubensgenossen dürfen in jeder Richtung ohne Bedenken diese rituelle Verköstigung in Anspruch nehmen. Jüdischer Bolksgefangvereiu „Harmonia ",Tarnow. Das Konzert der „120“. Der vor zwei Jahren hier ins Leben getretene jüdische Volksgesängverein veranstaltete am 4. d. M. mit seinen „120" Sängern unter Begleitung der hierortigen Militärkapelle des 57. Infanterie-Regimentes im Sokolsaale sein zweites Konzert. Der Saal war von einem distinguierten Publikum überfüllt, das den äußerst gediegenen, auf hohem Niveau der Kunst stehenden Produktionen mit Spannung lauschte. Schon das Absingen der „Losung" von Szopski als Konzertintroduktion konnte die Anwesenden überzeugen, daß die Fortschritte der Mitglieder seit dem vorigen Jahre sich beträchtlich steigerten. Es war ein wahrlich herrlicher und erhebender Anbl'ck, die jnngen Leute zu sehen, die sich aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung unter dem Banne der Kunst einig zusammengefunden haben. Die Stimmung des Abends erreichte den Höhepunkt, als der Chor unter Akkompagnement des Orchesters Grieg's „Landerkennung" unter nicht endenwolleudem Beifall absang. Dre Militärmusik spielte den Prätorianermarsch aus dem Oratorium „Quo vadis“ von Nowowiejski und erntete großen Beifall. Zu den ebenso gelungensten Punkten des Programmes gehörte der Sologesang des bekannten Opernsängers Adam Ludwig, der die „hebräischen Gesänge" von Schumann, sowie das Oratorium von Handel und als Zugabe dcn „Elias" von Mendelssohn mit ungemeiner Feinfühligkeit und wohlklingender Stimme zum Vortrage brachte. Das Akkompagnement hiezu besorgte mit der ihr eigenen Sub-