Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-10 · 6 (10.2.1911) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
6 (10.2.1911)
Date
1911-02-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021934--19956-3044968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 93 Redner geht dann in längerer Darlegung auf die psychologischen Wurzeln der Assimilation ein, die durch und durch ein Negativum darstellt. Dieser Grundton geht durch das ganze Wesen der Assimilationsjuden. Es liege darin eine erschütternde Tragik, daß sie sich dessen nicht bewußt werden. Jeder Erscheinung gegenüber fehlt ihnen die Basis, zu ihr Stellung zu nehmen!. Schon - bei der Religion beginnt das Dilemma. Ihr negatives Wesen prädestiniert sie, die Religion ahzulehnen. Sie sagen, zu solchen Dingen dürfe man überhaupt nicht Stellung nehmen. Daraus erklärt sich ihr vager Pantheismus. Zur Rationalität zieht es sie mit allen Fasern ihres Herzens, aber sie sind schon bei einer anderen Nation gelandet. Und was bleibt ihnen anders zu sagen übrig, als daß der Nationalismus etwas 'Verdammenswertes sei, deswegen nur, weil sie von der angestrebten Nation nicht ausgenommen werden. Auch in der Kunst spielt dieses Negativum eine Rolle. Es erörtert mit seinem Zweifel die Lebensfreude, es hat uns seitens der Arier den Haß der Zersetzung gufgeladen. Der jüdische Nationalismus hat uns Stellung in und außer uns gegeben. Wir wußten nicht, wo wir uns verankern sollen, da wir im Kosmopolitismus unstet umhergetrieben sind. Das nationale Judentum hat gelernt, frei heraus der Welt in die Augen zu schauen. Der Nationalismus hat uns den verderblichen Jndivi-- dualismus genommen, er hat uns aber tausend und abertausend Brüder und Schwestern, eine endlose Hoffnung nach vorwärts und rückwärts gegeben. Der Eindruck der Ernennung de's Chacham Baschi zum Senator. Von verläßlicher Seite aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Die Ernennung des Grotzrabbiners der Türkei, Rabbi Ehaim Nahum zum Senator hat in den Kreisen der ottomanischen Judenschaft eine geteilte Stimmung hervorgerufen. Man erblickt in dieser Ernennung wohl eine Ehrung der Judenschaft, aber gleichzeitig den ersten Schritt zur Aenderung der gegenwärtigen Judenverfassung im ottomanischen Reiche. Immer mehr bricht sich der Gedanke Bahn, daß Rabbi Ehaim Nahum der letzte Großrabbiner der Türkei war, der all' die Machtbefugnisse besaß, die den Chacham Baschi des Reiches zu einem Vizekönig der Judenschaft erhoben. Rabbi Nahum dürfte die Vorarbeiten zu dieser Aenderung noch selbst durchführen und dann seinem Nachfolger einen viel weniger oinflußreichen Posten übertragen. Im übrigen hat sich in Konstantinopel ein Komitee gebildet, das an alle jüdischen Klubs des Reiches ein Zirkurlartelegramm versandte, bas folgenden Wortlaut hat: „Die jüdische Bevölkerung der Hauptstadt geht angesichts der Ernennung des Rabbi Ehaim Nahum Effendi zum Senator daran, bei der Regierung Schritte zu unternehmen, um ihre Aufmerksamkeit auf die für die ottomanische Judenschaft sich ergebenden schweren Folgen zu lenken, falls Rabbi Ehaim Nahum seinen gegenwärtigen Posten verlassen sollte. Wir fordern Sie auf, telegraphisch dasselbe zu tun." Die Karriere töites jüdischen Oberstabsarztes. Aus Konstantinopel wird berichtet: Oberstabsarzt Doktor Salamon Nahum Bey ist dieser Tage in den Ruhestand getreten, nachdem er 40 Jahre hindurch der türkischen Armee in allen ihren Wechsrlfällen hervorragende Dienste geleistet hatte. Zum ersten tat sich Dr. Nahum im Jahre 1876 im serbisch-türkischen Kriege und ein Jahr später im türkisch-montenegrinischen Kriege hervor. Nach dem türkisch-russischen Kriege finden wir Dr. Nahum in Gumuldjina als Arzt der bulgarischen Emigranten. Anläßlich der Annexion Thessaliens an Griechenland war Dr. 'Nahum!mit seinem Bataillon in Larissa. Nach erfolgter Annexion wurde er nach Konstantinopel berufen, wo er mehrere Jahre blieb. Von hier kam er später in die Dardanellen, dam nach Skutari in Albanien und schließlich nach Salonichi. Im Jahre 1891 wurde er plötzlich nach Deinen, wo damals, so wie heute, eine große Revolte ausgebrochen war, beordert. Hier blieb er mit der Erpeditionsarmee nahezu fünf Jahre. Von Deinen kehrte Dr. Nahum nach Konstantinopel und dann wieder nach Salonichi zurück. Aber kaum hatte er es sich hier häuslich eingerichtet, als der türkisch-griechische Krieg ausbrach und Dr. Nahum zum Chefarzt des Militärspitals in Caraferia ernannt wurde. Seit dem Abschlüsse des türkisch-griechischen Krieges lebte Dr. Nahum in Salonichi, wo er im medizinischen Rate des Militärspitals eine angesehene Stellung einnahm. Das Taufgeschaft in Charbm. In Irkutsk haben in letzter Zeit die Tauffälle unter den Juden in auffallender Weise zugenommen. Die russischen Behörden begannen sich für diese merkwürdige Erscheinung zu interessieren und haben nun, wie die „Hazefirah" meldet, die Entdeckung gemacht, daß in Irkutsk ein Agent eines Pastors in Charbin für gutes Geld jedem, der es wünscht, einen vom Eharbiner Pastor ausgestellten Taufschein verkauft. Die Behörden haben nun alle diese Taufscheine einer genauen Revision unterzogen und sie samt und sonders als illegal bezeichnet und ihre Besitzer als ungetanste Juden erklärt. Die Folge davon war, daß sämtliche Juden, die sich auf Grund eines solchen „Eharbiner Taufscheines" in Irkutsk niederließen, nunmehr aus der Stadt vertrieben wurden. Verhaftung eines Jca-Komitc'es in Rußland. In Nowo Seljcs in Rußland hat die dortige Polizei vorige Woche, Mittwoch, um Mitternacht, bei zwanzig Juden eine Hausdurchsuchung vorgenommen und 16 Personen, d «runter die Mitglieder des dortigen Jca- Komitees verhaftet. Einen Grund dieses Vorgehens hat die Polizei nicht angegeben, und man nimmt an, daß es sich um eine Denunziation wegen der übrigens legalen Emi grationstätigkeit des Komitees handle. Unter den Verhafteten befinden sich mehrere sehr angesehene Familienväter, die selbst gegen die angebotene Kaution von 50.000 Rubeln nicht freigegeben wurden. 1200 jüdische Grubenarbeiter ausgewiesen Wie aus Petersburg berichtet wird, wurden 1200 jüdische Grubenarbeiter, die samt ihren Familien seit vielen Jahren in den Bergwerken des Donez-Gebietes beschäftigt sind, aufgefordert, die Arbeit einzustellen und das Gebiet binnen 14 Tagen zu verlassen. Vermiscbtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Eeiteustetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenosse». Anläßlich deS Ablebens des Gerson F e i t h: Von Julius F.ith K 10, Salomon Wia 10, Sigmund Gothmann 10, Goldman» und Fürst 10, Rosa Goldmann 5. Zusammen K 45. Anläßlich des Ablebens des sel. Sigm. L. Mandl: Von Julius Spiro K 20, Dr. Ignaz Stiedry 20. Sigmund Kaufmann 30, Zündhütchen- und Patronenfabrik vorm. Sellin und Bellot 30, Ernst, Alfred und Oskar Fröhlich 30, Heinrich Klapplatz 10, Ignaz Fröhlich 30, Dr. Direktor Armin Czinner 20. Dr. Emanuel Kaumann 30, Sigmund Löwy 20, Dr. Hugo Fürth 30, Alexander Neumanu und Frau 30, Otto Pollak 30, Dr. Ferdiand Mandl 100, Dr. Leopold Mandl 40, Wilhelm Mandl 40, Familie Schor 20, Edmund G. Schwarz 20, Dr. Weleminsky 30, Dr. Rudolf Schwarz 20, Dr. I. Kornfeld 20. Zusammen K 620, i 1 i!; | l -!„• I < i i! f . i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.