Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 5 Dr. Blochs Wochenschrift. Ser.e 81 im ungarischen Abgeordnetenhause bisher nicht üblich gewesen, den Namen einzelner Abgeordneten zn verballhornen, antwortete Sümegi, daß er die fremden Namen so aussprcche, wie sie geschrieben werden. Das ist natürlich eine plumpe Ausrede und mag geschmacklos sein, aber man muß dies der Idiosynkrasie des Rassemagyaren gegen alles Fremde zugute halten. Der Abgeordnete Madarassy-Beck ist nämlich der Sohn des baronisierten Bankdirektors Beck und letzteren Namen führt die Familie einstweilen noch als Anhängsel, wie sie auch noch nicht aus dem Verband des Judentums ausgetreten ist. Aber am Judentum und an einem fremden Namen festzuhalten, das ist zu viel für Wilhelm Sümegi, den Rassemagyaren, dessen Name in der vom orthodoxen Rabbiner zu Sümeg geführten Matrikel folgendermaßen eingetragen ist : Wolfele Kohn. Vordem hieß nämlich der in Sümeg geborene Sümegi „nur" Kohn, aber das ist schon hübsch ein paar Jahre her, und im Reichstagsalmanach ist davon keine Spur zu finden; dagegen heißt es dort, daß Wilhelm Sümegi schon „in jungen Jahren die journalistische Laufbahn betreten" habe. Die alten Bekannten Sümegis wissen jedoch, daß er seine „journalistische Tätigkeit" als — Jnseratenagent ausübte. Seither hat er sich freilich magyarisürt, ist christkatholisch und Administrator des Organes der Justh-Partei „Magyarorszag" geworden. Kein Wunder, daß seine Zunge verlernt hat, „fremde" Namen, wie »Beck", „Kohn" u. s. w., richtig auszusprechen." Rakonitz. Herr Dr. Ludwig L ö w y, k. k. Gerichtsauskultant in Suczawa (Bukowina), Sohn des Herrn Oberrabbiners Dr. A. L ö w y in Suczawa, wurde zum k. k. Richter für Kimpolung ernannt. Bodenbach a. E. Unmittelbar nach dem Bußgottesdienst der Chewra-Kadischa am my, wo des im abgelaufenen Jahre verstorbenen, verdienstvollen Obmannstellvertreters Herrn Karl Heller gedacht wurde, fand unter allgemeiner Beteiligung der Gemeindemitglieder und der Mitglieder der Familie Karl Heller, Tetschen, die Enthüllung des dem teueren Verblichenen seitens der Kultusgemeinde gestifteten und vom Maler G. Jilowsky, Prag, gemalten Bildes in Würdigung der unvergeßlichen Verdienste des weil. Herrn Karl Heller um die Interessen unserer Gemeinde statt. Nach einem vom Tempelchor stimmungsvoll vorgetragenen Einleiteliede begrüßte Herr Kultusvorsteher Adolf Pächter die Versammlung und bittet Herrn Rabbiner Max Freund» den Akt der Enthüllung vorzunehmen. Ein zu diesem Anlasse verfaßtes Lied beschloß diese einfache, schlichte Feier, die Zeugnis gab. daß Karl Heller sel. A. sich ein unvergängliches, ehrenvolles Andenken in unserer Gemeinde erwarb, aber auch Zeugnis gab, daß auch die Gemeindemitglieder freudig die Verdienste der Gründer ihrer Gemeinde anerkennen. — In der Vorwoche fand die Hauptversammlung unseres Wohltätigkeits-FrauenvereineS unter großer Beteiligung statt. Die Präsidentin Frau Dr. Hofmann, die seit Bestand des Vereines die Leitung in Händen hat, gab ein Bild über das abgelaufene Vercinsjahr. Die Schriftführerin Frau Rabbiner Freund verliest den Jahresbericht, der zur Kenntnis genommen wird. Die Vereinskassierin Frau Minna Pächter gab nicht nur ein Bild der Kassagebahrung des letzten Vereinsjahres, sondern verlas auch eine Zasammensttllung der Aktionen des Vereines seit dessen Bestehen. Es erweckte Staunen, was der stets im Stillen wirkende Verein Segensreiches geschaffen, wie er der Gemeinde beim Tempelbau beigestanden, armen Familien aus der Not geholfen, Mietzinsbeiträge geleistet, armen Mädchen beigestanden bei ihrer Ausbildung, für arme Studenten gesorgt und nicht zu allerletzt auch das Elend der jüdischen Ein- und Auswanderer in unseren Grenzorten gemildert. — Unser Tempelbauverein, der die Geselligkeit in unserer Gemeinde zu pflegen sich zur Aufgabe gestellt Hot, plant für Purim wieder einmal eine größere Unterhaltung. Jüdische Aerztinnen an der Pariser medizinischen Fakultät. Laut dem soeben erschienenen offiziellen Berichte wurden an der Pariser medizinischen Fakultät im Jahre 1910 insgesamt 30 Damen zu Doktoren der Medizin promoviert. Unter den neuen Aerztinnen sind 14 Jüdinnen aus Rußland und Rumänien, von denen zwei ihre Prüfungen ausgezeichnet bestanden. Die russische Ordensallszckichnung für Geheimrat Ehrlich. Aus Berlin wird uns gemeldet: Geheimrat Professor Ehrlich hat, wie berichtet, vom Zaren den St. Annen-Orden erhalten. Da mit diesem Orden der persönliche Adel verbunden ist, so wird Ehrlich wahrscheinlich, nachdem ihm die Genehmigung zur Anlegung des Ordens erteilt ist — der Antrag liegt beim Zivilkabinett bereits vor — seinem Namen das Wort „von" hinzufügen. Der verstorbene Geheimrat v. Leyden führte das Adelsprädikat ebenfalls als Ritter des St. Annen- O.-derS. Auch eine zweite mit dem Titel ..Erzellenz" verknüpfte Auszeichnung steht dem Erfinder des „Salvarsan" bevor. Wie aus Madrid gemeldet wird, Unterzeichnete gestern König Alfonso von Spanien einen Erlaß, demzufolge Professor Ehrlich das Großkreuz des Ordens Alfonfos XII., mit dem der Titel „Erzellenz" verbunden ist, verliehen wird.' Feuilleton. Der Taufrowan eines russisch-jüdischen Mädchens in Jerusalem. Auf Grund persönlicher Erlebniffe dargestellt von Phil. Kieferndorf. (Schluß) Mit dieser glücklichen Befreiung und Errettung aus großer Angst und Not, welche schon allein einen befriedigenden Abschluß der außergewöhnlichen spannenden und fesselnden Tausgeschichte des russisch-jüdischen Mädchens gebildet hätte, war aber der Gipfelpunkt und das höchste Matz der allgemeinen Freude und Wonne noch nicht einmal erreicht, sondern das Beste sollte jetzt erst noch in Jaffa kommen, um dasselbe gänzlich voll zu machen und überfließen zu lassen. Nicht umsonst hat der Schreiber dieser Zeilen die Tausgeschichte seiner Heldin einen Roman genannt und wenn, was als ziemlich sicher anzunehmen ist, ein guter Teil seiner Leser und besonders seiner schönen Leserinnen, welche bei einem Roman kaum das Ende abwarten können „bis die beiden sich kriegen", gewiß schon ungehalten waren, und dem Verfasser im Stillen Vorwürfe gemacht haben, daß er im Verlaufe seiner Darstellung wohl schon wiederholt in ergreifender Weise von Mutter- und Schwesternliebe geredet, aber noch niemals der Liebe Erwähnung getan hat, an welche man doch beim Aussprechen dieser süßen Laute zunächst denkt, welche erst die Grundlage und Voraussetzung für Eltern-, Mutter- und Schwesternliebe bildet, von welcher es in den schönen Worten im Hohelied heißt: „Sie ist stark wie der Tod, und ihre Glut mögen auch viele Wasser nicht auslöschen, noch die Ströme sie ersäufen" (Hohel. 8, 6.. 7). so mögen jetzt auch alle diese bisher mehr oder weniger enttäuschten Leser und Leserinnen sich zufrieden geben, denn auch sie sollen zuletzt bei unserem „Roman" noch auf ihre Kosten kommen. Der Verfasser hatte nicht nötig, zu dem Ende zu dem oft angewandten Verlegenheitsmittel des „äeus ex machina“ zu gieifen, welches bei den Dramaturgen Romanschriftstellern und auf dem Theater häufig eine so große Rolle spielt, sondern ein wirklicher, gütiger und hilfreicher Gott» dessen Gegenwart und errettender Arm in den in unserer Erzählung geschilderten merkwürdigen und wunderbaren Ereignissen sichtbar zu Tage treten, hat auch dem Schreiber seinen anspruchsvollen Lesern und Leserinnen .gegenüber aus der Rot geholfen, und, wie es in fast allen fingierten Romanen der Fall ist, auch diesen Tauf- und Wirklichkeitsroman des russisch-jüdischen Mädchens in Jaffa zuletzt mit einer Verlobung und bald darauf folgenden Heirat enden lassen. Darum „lasset uns jetzt auch noch von d e r L iebe reden" und sehen, wie sich dieses letzte und größte Wunder in dieser höchst seltsamen Geschichte eigentlich zugetragen. „Ehen", sagt man gewöhnlich „werden im Himmel geschlossen", noch niemals schien sich aber die Wahrheit dieser- Worte dem Bewußtsein so handgreiflich aufzudrängen, als es hier, im Leben und Schicksal dieser entlaufenen jüdischen Nonne, der Fall war. Man höre nur und staune! Just zu derselben Zeit, als die Tochter mit der Mutter ihre panikartige Flucht aus dem Kloster und aus Odesia bewerkstelligte, gab es der liebe- und heiratstiftende Gott einem seit einigen Jahren in England sich aufhallenden russisch-jüdischen Uhrmacher, welcher in Eng-