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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-02-03 · 5 (3.2.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit. 70 Dr. Blochs WocheMM. Str. s zur Genüge gemacht und sollen sie auch beherzigen. Die Bevölkerung ist überall auf dem Rückwege zur Freiheit und auch das zeigt sich in den verschiedensten Formen. Daß sie schließlich siegen wird, unterliegt gar keinem Zweifel. Es mag noch eine Zeit kommen, in welcher der Klerikalismus noch weitere Fortschritte erreicht und seine Macht noch mehr anspannt. Gerade das ist aberr die Vorbedingung zu seinem Ende. Diesen Trost hat uns die Geschichte gegeben und gibt sie uns auch gegenwärtig. Es ist eine historische Wende in mehreren europäischen Staaten bereits eingetreten, darunter in solchen, in denen man den Klerikalismus für unzerstörbar hielt. Das historisch schwarze Portugal hat sich befreit, wenn auch in beklagenswert heftigen Formen^ welche durch lang unterdrückte Wut verschuldet wurden: Spanien hat sich in den schärfsten Gegensatz zum Vatikan gestellt und die Trennung des Staates von der Kirche durchgeführt: in Frankreich ist die reaktionäre Partei jeder dunkeln Schattierung vollständig zur Ohnmacht und Geringfügigkeit heruntergesunken: und Deutschland endlich, wo man länge tiefe Verbeugungen vor der katholischen Zentrumspartei gemacht hat, hat in den letzten Tagen durch seinen Gesandten am Vatikan der Kurie sensationelle Warnungen überbringen lassen wegen der Angriffe gegen den Protestantismus und Modernismus. So dürfen wir denn auch in Oesterreich hoffen, daß die Welle auch zu uns herüberspülen und manchen Moder wegschwemmen wird. Der Antisemitismus war der Herold des Klerikalismus und wird naturgemäß mit diesem zugleich verschwinden. Dann dürften wir Juden wieder die Gerechtigkeit finden, die man uns mit der Brutalität des Stärkeren einfach geraubt, gestohlen hat. Wenn jedoch etwas geeignet wäre, diesen Zeitpunkt hinauszuschieben, dann wäre es die Ungeduld, die uns zu aktiver Teilnahme hinreißt. Wir stchen zwar Lief im Dunkel. Aber das darf unsere strenge Neutralität nicht beeinflussen. 3m Zeitalter des Aeroplans und der drahtlosen Telegraphie lassen sich die Völker nicht einsperren und absperren, merken sie die Lähmung und den Schaden, den der von den Christlich-Sozialen geschaffene Klerikalismus hervorruft. 3e finsterer es ist, desto schneller muß es lichter werden. Gm Nachwort zur Enquete über dir Lage der Inden in Galizien. Von D r. O s w a l d B y k. Nach mehrtägiger Beratung wurden die Verhandlungen der in Lemberg tagenden Enquete über die Lage der 3uden in Galizien, wie der Schlußbericht in den Journalen lautet: „nach Dankeskundgebungen für den Landmarschall Grafen Badeni und den LandesLusschußreferenten Dr. Jahl am 25. Jänner geschlossen." Welcher Art jedoch das Resultat dieser Beratungen war, welche Beschlüsse gefaßt oder welche Grundzüge für eine künftig einzuschlagende Hilfsaktion festgestellt wurden — über all das schweigen sich die Berichte gründlich aus und die hunderttausende armer darbender Juden werden ihr Elend — vorläufig wenigstens — weiter tragen. ~—' In einem Artikel, den der Reichsratsabgeordnete Dr. 3osef Gold vor Beginn dieser Enquete-Verhandlungen in der „Neuen Freien Presse" veröffentlichte, sprach er zum Schlüsse den wohlmeinenden Wunsch für dieselben aus: es möge Aufrichtigkeit herrschen! Ob wirklich alle Beteiligten mit aufrichtigem, warm fühlendem Herzen für die Sache einstanden und ob nicht — wie von mancher Seite behauptet wurde — nur persönliche Eitelkeit oder das Bedürfnis, zum Fenster hinaus zu sprechen, maßgebend gewesen sei, wollen wir nicht untersuchen. Ich habe keinen Grund zu zwjeifeln an dem guten Willen eines jeden Juden, seinem notleidenden Glaubensgenossen hilfreich beizustehen. Denn Wohltun in jeder Form ist jader Grundzug des Juden und namentlich in diesem Falle, wo man gar nicht aus dem eigenen Säckel, sondern aus dem Rüstzeug geistigen Könnens, warmen Herzens und ehrlichen Wollens zu schöpfen hatte. An dem ehrlichen Willen des Landmarschalls Grafen Stanislaus Badeni ist nicht zu zweifeln, da er während seiner politischen Laufbahn niemals den Juden feindlich gegenüber gestanden ist. Und trotzdem vermißt man — wie gesagt — ein positives Resultat oder doch die Grundzüge, die ein solches erhoffen lassen. Es ist allerdings andererseits nicht zu übersehen, daß in dieser Enquete Männer verschiedenen Standes und Berufes saßen, die nur zur Abgabe ihrer Ansichten, nicht aber zur Antragstellung oder gar Beschlußfassung über die einzuschlagenden Wege berufen waren. Nunmehr wird es Sache der maßgebenden Faktoren Galiziens, in erster Linie des Landtages, sein, diese nicht nur für die Juden, sondern für das ganze Land äußerst wichtige Frage einer gedeihlichen Lösung, zuzuführen, und zwar einer Lösung, welche nicht bloß als Palliativmittel wirkt, sondern eine dauernde Heilung des Uebels herbeiführt, welches seine heilsame Wirkung auch auf die nachfolgenden Generationen ausübt. D i e s e s R a d i k a l m i Ick e l b e st e h t e i nz i g u n d allein in der Schaffung von Arbeit und Heranziehung der armen, arbeits- und brotlosen Juden zu dieser Arbeit. Richtunggebend ist in dieser Beziehung der in Wien bestehende, leider viel zu wenig unterstützte und geförderte „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens", welcher den notleidenden Juden beiderlei Geschlechtes in organisierter Werse Arbeit verschiedenster Art verschafft und für den Absatz der geleisteten Arbeitsprodukte sorgt. Von Jahr zu Jahr erweitert sich das Gebiet der segensreichen Tätigkeit dieses nicht genug zu schätzenden Vereines. Aber leider reichen nicht in gleicher Weise die materiellen Mittel zur vollen Entfaltung dieser segensreichen Wirksamkeit aus. Nebst den im Lande zu eröffnenden agrarischen, industriellen und anderen Arbeitsquellen könnte die Regierung unter Beistellung größerer materieller Mittel in gleicher Weise wie dieser Hilfsverein, eventuell mit oder durch denselben eine segensreiche Betätigung ihres guten Willens und damit die Beseitigung oder doch Linderung des geradezu herzzerreißenden Elends und der Not zahlreicher Angehöriger eines großen Landes erzielen. — Welche Bedeutung es für Land und Staat hat, aus Bettlern arbeitende Bürger zu machen, brauche ich wohl nicht erst des Näheren zu erläutern. Es ist genug lange zugewartet worden: dis äat qui cito dat! — Hoffen wir, daß die Regierung und alle hiebei interessierten Faktoren diese hochwichtige Angelegenheit nicht im Stande verkaufen lassen werden! Wien, am 30. Jänner 1911. Der Anfang und das Ende der galizischen Indenenquete. Nach fast vierjähriger Vorbereitung wurde endlich die galizische Judenenquete vom 23. bis inklusive 26. Jänner in Lemberg unter Vorsitz des Landmarschalls Grafen Stanislaus Badeni äbgehalten. Eine vierjährige Vorbereitung und eine viertägige Tagung ist das Signum dieser Enquete. Bevor wir die Enquete als solche näher besprechen, verlohnt es sich, die Vorarbeiten,

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