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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-01-29 · 3 (29.1.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
3 (29.1.1911)
Date
1911-01-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bkochs Wochenßchrßft. Seite 4b und Fortbildungsschulen für Analphabeten und für die ohne Schulbildung aufgewachsene Iugend. Gründung, Errichtung und Erhaltung von Kursen für hebräische Lehrer und Schulleiter. Errichtung von hebräischen Schulen unter Leitung qualifizierter Schulleiter. Prämiierung von Volksschullehrern, die sich durch Verbreitung der Aufklärung unter den jüdischen Volksmassen auszeichnen. Gründung von Kinderschutzstalionen. Fürsorge der vernachlässigten Kinder. Gründung von Volksuniversitäten usw. Der Verein ist kein politischer und soll auch nicht im Dienste einer politischen Partei stehen. Karlsbad. Wir haben hier einen „Deutschen Turnverein", an dessen Spitze Herr Jur.-Dr. Karl Hahn, Advokat , als Sprechwart und seit Gründung Herr Max S t r a s ch i tz als Turnwart stehen. Dieser Verein wurde vor 11 Jahren als „Karlsbader Turnklub" gebildet, als man die jüdischen Mitglieder nötigte, aus dem Turnvereine vom Jahre 1860 auszutreten, was übrigens auch bei den meisten anderen Karlsbader Vereinen der Fall war. Der junge Karlsbader Kaufmann Herr Max Straschitz nahm es damals in die Hand, eine neue Stätte für die israelitischen Turner ausfindig zu machen, und nach unendlichen Schwierigkeiten gelang es ihm, im Vereine mit einigen Anderen, trotzdem ihnen jede Hilfe von der Oeffentlichkeit versagt wurde, einen Turnplatz zu finden und kreuzerweise das Geld für die Geräte zusammenzubringen. Da es nicht mit den innerlichen Gefühlen der Karlsbader Bevölkerung im Einklänge steht, einen jüdischen Turnverein zu unterstützen, so turnt der Verein seit Jahren im jüdischen „Hospitz für arme Israeliten", welches anläßlich des Jubiläums Sr. Majestät in Karlsbad gegründet wurde. Nun hat sich die interessante Tatsache ergeben, daß eine ganz hübsche Zahl christlicher, junger Leute es vorgezogen hat, dem jüdischen Turnverein beizutreten und von 100 aktiven und 100 beitragenden Mitgliedern sind etwa 30 Perzent christliche Mitglieder, von welchen die aktiven mit zu den besten Turnern gehören. Mit Rücksicht hierauf hat der Klub bereits vor längerer Zeit seinen Namen in „Deutscher Turnverein, Karlsbad Kreis XV B" umgeändert, und derselbe ist nunmehr jene einzige Stätte in Karlsbad, in welcher Juden und Christen friedlich und ohne die geringste Mißstimmung mit einander verkehren. Vor einigen Wochen hat nun der Turnverein das Gasthaus „Zur Stadt Schlackenwert" um 102.000 Kronen gekauft und allerdings nur eine ganz kleine Anzahlung geben können; allein man hofft mit der Zeit durch Spenden und Beiträge den Bau aufführen zu können. Am kommenden Sonntag den 22. Jänner findet wieder eine große turnerische Aufführung des Vereines statt, bei welcher auch der Direktor der Karlsbader Kurkapelle und Leiter der philharmonischen Konzerte in Karlsbad, Herr Robert M a n z e r, ein Violinsolo vortragen wird. Direktor Manzer tritt zum ersten Male als Violinist auf und diese Tatsache erweckt besonderes Interesse in Karlsbad. Mischehen in Ungarn. Laut dem November hefte des ungarischen landesstatistischen Amtes wurden in Ungarn im Monate November 61 jüdisch-christliche Mischehen geschlossen. In 29 Fällen gehörte dfe Braut, in 32 Fällen der Bräutigam der jüdischen Konfession an. In 14 Fällen wurde in bezug auf die der Ehe entstammenden Kinder eine vorherige Vereinbarung getroffen und davon in 12 Fällen zu Gunsten der christlichen und nur in zwei Fällen zu Gunsten der jüdischen Religion. Neue jüdische Volksschuldirektoren in Oesterreich. Der Unterrichtsminister hat den Oberlehrern Ignaz Weber der allgemeinen Volksschule für Mädchen in Wien, 2. Bezirk, Novaragasse; Seligmann Kohn der allgemeinen Volksschule für Knaben in Wien. 2. Bezirk, Czerninplatz; Jakob Goldberg der allgemeinen fünfklassigen Volksschule für Knaben und Mädchen in Bielitz, den Direktortitel verliehen. Ein jüdisches Begräbnis mit Glockengeläute. In der Gemeinde Kistalya ist vor kurzem der dortige Insasse David Ehrlich, ein 78 jähriger Greis, nach kurzem Leiden gestorben. Ehrlich war ein überaus wohltätiger Mann, der jedem, der sich an ihn wandte, mit Rat und Tat zur Seite stand. An dem Leichenbegängnis nahmen fast alle Bewohner, der Gemeinde ohne Unterschied der Konfession teil. Als die Trauerzeremonie zu Ende war. wollten die Verwandten den Sarg auf ihre Schultern heben, um ihn zum Grabe zu tragen. Die Mitglieder der Gemeindevorstehung baten jedoch, den Sarg tragen zu dürfen, da sie dadurch ihrer Dankbarkeit und Verehrung für den Dahingeschiedenen Ausdruck geben iwollten. Kaum hatte sich der Kondukt in Bewegung gesetzt, als plötzlich die Glocken der katholischen Kirche der Gemeinde erklangen und erst verstummten, als das Leichenbegängnis vorüber war. London. Das englische Judentum hat durch den Tod des Herrn Samuel Montagu (Lord Swaythling) einen schweren Verlust erlitten. Der Heimgegangene, ein ftommer Jude, war jahrelang Mitglied des Unterhauses und hat die jüdischen Jntereffen mit Begeisterung und Ueberzeugungstreue vertreten. Er nahm sich seiner verfolgten Brüder aller Länder an. Bon seinen Söhnen ist der älteste, der Schwiegersohn des Colonel Goldschmid, englischer Unterstaatssekretär. Cme seltene Mische Familie. In Kopenhagen erweckt eine jüdische Familie lebhaftes Interesse. Es ist dies die Familie M. Lewison, die aus fünf lebenden Generationen besteht: aus einer Urgroßmutter, Ururgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter. Die Ururgroßmutter, Frau Lewisohn. ist gegenwärtig im ganzen 84 Jahre alt. Die weiblichen Mitglieder dieser fünf Generationen haben sich alle frühzeitig verheiratet, und es ist ein merkwürdiger Zufall, daß das erste aus je einer solchen Ehe stammende Kind stets ein Mädchen war. Rechtsbegrenzimgrn m Rußland. Die Duma hat neuerlich zwei neue Rechtsbegrenzungen gegen die Juden angenommen. Die erste hat wohl erst die betreffende Kommiffion passiert, Ist aber ihrer Annahme in der Duma sicher und bezieht sich auf den Gesetzentwurf über die Selbstverwaltung der Städte in Polen. Nach diesem Gesetze können Juden in den Stadtgemeinden weder zu Bürgermeistern, noch zu deren Stellvertretern oder zu Sekretären gewählt werden. Ueberdies wird die Zahl der Juden in den Magistraten auf einen begrenzt. Die zweite Begrenzung betrifft die von der Duma bereits angenommene Bestimmung, daß Baubewilligungen jeder Art nur demjenigen erteilt werden können, der in der betreffenden Stadt das Recht besitzt, unbeweglichen Besitz zu erwerben. Es ist klar, daß auch diese Bestimmung sich ausschließlich gegen die Juden richtet. Eine Beratung der jüdischen Kammerdeputierten mit dem Chacham Baschi. Wie der „Imparcial" in Salonichi meldet, fand vorige Woche im Konsistorialgebäude in Konstantinopel eine Beratung zwischen den jüdischen Deputierten Faraggi, Abgeordneter von Konstantinopel. Sassoon-Bagdad und Nissim Mazliach-Smyrna mit dem Großrabbiner der Türkei. Rabbi Chaim Nahum, statt. Die Deputierten erklärleNt, daß sie mit großem Bedauern die Erfahrung machen mußten, daß die zionistische Propaganda auf die ottomanische Regierung einen außerordentlich unangenehmen Eindruck geübt habe. Die leitenden Persönlichkeiten des Reiches blicken mit Mißtrauen auf diese Be-

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