Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr-2 DP» Bloch’s ****** mm Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Zndentums. u- Wim, 13. Jänner 1911 LrscLeint jeden Zfretlag. > Brief-Adreffe: Wie», IX/i, Hahngaffe 15.- Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wie«. 0 Cr"- -.-=Q O p VrMgsprris für Vestrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller'. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 «tonen. Anzeigen: Die 4malgespal» tene Petitzeile 24 Heller. C, oO .."--Qn og= P —" - ■ "O O M. ft. Postfxarftast'rnmnk G Lleartng-Verlrebr- •Kr. 810.976. Redattion und Administration: Virn EX/i, Hahugaffe Nr. 15. Telefon ISr. 14.847. QO -■ ■- -—Qo Inhalt: Leitartikel: Eine jüdische Auswanderunßszentrale. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Bürgermeister von Rom und Dr. Steinwender.'Eine internationale Aktion über die Auswanderungsfrage. Von der historisch-ethnographischen Gesellschaft in Petersbarg.. Eine,Handschrift au; der Zeit der Hasmonäer. Der Kaltusvorstand in Czernowitz und der jüdische Arbeiterbildungs-Verein. Antisemitische PreßbÜbereien. lieber Stiftungen und Stiftungswesen. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des KultuSvorstandes vom 28. Dezember 1910. Die galizische Enquete endlich einberufen. Der ungarische Ministerpräsident gegen eine antisemitische Rede seines Parteigenossen. Ehrung. Ein jüdischer Typus aus der guten alten Zeit. Kiazim Rami Bey gegen die konzentrierte Einwanderung der Juden. Eine jüdische Aerztin am Hofe des Sultans. Die Nachfolger des Baron Dav'.d Günzburg. Neujahrsauszeichnungen.in England.'Konferenz orthodoxer Rabbiner in England. Jüdische Auswanderung im Monat November. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Taufroman eines rnssisch-jüdischen Mädchens in Jerusalem. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. : - Eine jüdische Auswandrrmtgszrntrale. Von sehr geschätzter Seite erhalten wir folgende Zuschrift: , > . Löbliche Redaktion-! Eine Nachricht aus Amerika über den dort geführten Kämpf gegen die . riesigen Kartelle, die Trusts, hat eine füruns Juden außerordentliche Bedeutung. Diesmal handelt es sich um gerichtliche Klagen und Matznahmen der Regierung gegen den internationalen Trust der Schiffahrtsgesellschaften. Von diesen haben sich die größten vereinigt, um einen gemeinsamen, natürlich, hohen Preis für Passagierfahrten festgusetzen und einander eine gewisse Anzahl von Auswanderern nach Amerika Zuzuweisen. Die Linien, welche den Abmachungen nicht beitraten, sondern in freier Konüirrenz blieben, werden durch Unterbietungen systematisch vernichtet, das Meer gehört den kartellierten Gesellschaften und diese können mit den Auswanderern nach Belieben umspringen. Vor drei Tagen/hat denn auch eine deutsche Gesellschaft die Preise, für Plätze im Zwischendeck von 120 auf 150 Mark erhöht, also um 25 Prozent, und die übrigen Linien dürften' bald folgen.' Man sieht daraus, welches Verhängnis für die Emigranten geschaffen wurde. Durch die Zuweisung des Kontingents wird man dafür sorgen, datz sie nicht jene" Reiserouten wählen können, welche sie wollen. Roch trauriger aber ist für sie die kolossale Erhöhung der Fahrtpreise. Man mutz da vor Augen haben, datz es sich in den allermeisten'Fällen um blutarme Teufel handelt, welche jahrelang zu tun haben, bis sie den Betrag für die Schiffskarte zusammenknikkern und -kratzen. Ob nun dieser Mann mit Frau und einigen Kindern für jede einzelne Person 120 Mark oder 150 Mark aufbringen soll, bedeutet für ihn vielleicht den Verlust der Möglichkeit, der Hölle des Elends überhaupt zu entfliehen oder verzögert piue Abreise vielleicht um Jahre. Es ist eine soziale Ehre für. die Regierung der Vereinigten Staaten,' datz sinder Ausbeutung ein Ende machen und den kartellierten Schiffen die amerikanischen Häfen sperren will. .Bei uns in Europa aber geschieht leider gar nichts, man steht auf dem veralteten Standpunkt, datz man sich um Leute nicht mehr bekümmert, welche ihr Vaterland verlassen. Als ob überhaupt jemand das Vaterland gerne verlassen würde. Dasgroße ErperrMenr der Auswanderung nach Amerika machen doch die -meisten erst dann, wenn 'sie die Unmöglichkeit sehen, sich in Europa zu erhalten. Da hätte wohl das Vaterland die Pflicht, den Leuten an die Hand zu gehen, von denen doch viele später einmal zurückkehren oder doch ihre hier zurückgebliebenen Familien unterstützen. ‘ Wenn aber auch im allgemeinen nichts geschieht, so hätten wir Juden doch die Pflicht, uns um unseren Teil der Emigration werktätig zu bekümmern. Das jüdische Kontingent an der Auswanderung nach Amerika schwankt zwischen 25.000 Köpfen und dem Doppelten. Diesen Strom möglichst breit zu machen, ist das schönste Geschenk, d.l» die wohlhabenden Juden ihren armen Brüdern machen können. Ie weiter offen das Ventil am Hexenkessel des Ansiedlungsrayons steht, desto mehr Unglück kann entweichen und verringert die Spannung im russischen Territorium. Run sehe einer zu, wie diese Auswanderung vor sich geht. Die russischen Juden dürfen durch Europa nicht reisen, sie werden schubiert. Fast überall treffen sie auf gesperrte Grenzen, werden wie verladene Tiere in langsamen Zügen erpediert, deren Waggons sie tagelang nicht verlassen dürfen. Daran gewöhnt, dem nächsten russischen Tschinownik ein Sklave zu sein und sich von ihm puffen und tyrannisieren zu lassen, nehmen sie die Behandlung, oder besser, Mißhandlung ruhig hin. Winkt doch am anderen Ende dieser Qualen das glückverheißende - Amerika! In moralischer Beziehung wäre es auch der stärksten jüdischen Organisattoti unmöglich, elttzuzrerfen, aber tu einem Punkte könnten mir Wandel schaffen, dabei noch Geld ersparen und unsere Auswanderer ersparen lassen: Das ist durch Errichtung einer weitaüsgebreiteten, mit Eifer funktionierenden Zentralstelle für die jüdische Auswanderung. Nehmen wir den aktuellen Fall: Eine jüdische Auswanderungsbehörde könnte die Konkurrenzlinien der kartellierten Schiffahrtsgesellschaften unterstützen, die Auswanderung auf freie Routen lenken und dadurch billigere Preise erlangen. Sie könnte aber noch viel mehr. Wie man weiß, werden die hilflosen Emigranten durch die