Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 18 Wien. Die Vereine „H a s o m i r", „Iüdische Kultur", „Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Rußland" und die „Arbeitergruppe zur Verbreitung jüdischer Literatur und Wissenschaft" veranstalten Donnerstag den 12. Jänner l. I. anläßlich des 75. Geburtstages des Altmeisters der jüdischen Literatur, Sch. I. Avrahamowiez (M e n d e l e M o ch e r Sforim), im Festsaale des Hotels „Bayerischer Hof". II., Obere Augartenstraße, Taborstroße, einen „Mendele MocherSforim- Abend" mit folgendem Programm: 1. Eröffnung. 2. Vortrag, gehalten vom Schriftsteller I. A Loubetzky, 3. jüdische Volkslieder, vorgetragen vom Opernsänger Kantor, 4. Vorlesung aus den Werken des Gefeierten, 5. Violinvortrag: Axelrad, Violinvirtuose, 6. Vorlesung aus den Werken des Dichters, 7. Trio (Violin-Klavier-Cello). Außerdem werden von den Mitgliedern des jüdischen Theaters Volkslieder vorgetragen werden. Beginn präzise %9 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Jüdisch-akademischer Juristenverein.) Der Kurs für jüdisches Recht, den Herr Dr. S. Rnbiu leitet, wird Dienstag den 10. Jänner von V-5—V-6 Uhr im Lokale der „Lesehalle", IX.. Porzellangaffe 11 ausgenommen. Wien. Am 30. Dezember v. I. veranstaltete der Humanitätsverein der Trebitscher in Wien für seinen verstorbenen Ehrenpräsidenten Herrn Hofrat Sigmund Tauffig eine. Trauerkundgebung des versammelten Ausschusses. Rach einleitenden Worten des Obmannes^ Herrn Felix Wohlmuth hielt Ausschußmitglied Herr Siegfried Stein die Gedenkrede. In der später abgehaltenen Ausschußsttzung wurde einstimmig zur Ehrung des Verblichenen folgender Beschluß gefaßt. Der Ausschuß kreiert mit einem namhafteren Betrage eine vom Vereinsausschusse zu verwaltende Stiftung mit dem Namen „Hofrat Sigmund Tauffiq'sche Stiftung" unter folgenden Bestimmungen: Die jährlich entfallenden Zinsen des Stiftungskapitales werden stets am Sterbetage an würdige, arme, israelitische Landsleute in Wien und Trebitsch verteilt und gleichzeitig Vorsorge getroffen, daß an dem Sterbetage die rituellen Sterbegebete von diesen gebetet werden. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfenverband II., Taborstraße 20. Souterrain). Sonntag den 8. d. M., V25 Uhr nachmittags, findet ein Vortrag des Herrn Dr. Leopold Plaschkes über: „Geld und Kredit" statt — Dienstag den 10. d. M. 8 Uhr abends referiert Herr Dr. Koloman Freude über: „Das Raffenproblem". (Gäste willkommen.) — Sonntag den 22. d. M. veranstaltet das BrldungSkomitee eine literarische Matinee im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines (3 Uhr nachmittags) unter gefl. Mitwirkung von Frl. Lia Rosen. Hofburgschauspielerin; Frl. Emmy Heim. Opernsängerin; Herr Felix Salten, Schriftsteller; Herr Dr. Walter Friedmann, Regisseur des Deutschen Volkstheaters, Herr Max Bing, Mitglied des Bürgeriheaters, Herr Robert Falkner, Vortragsmeister. In Anbetracht des Umstandes, daß die Kartenausgabe eine beschränkte ist, empfiehlt fich deren rechtzeitige Besorgung. Der Vorverkauf der Karten ä K 2.—, 3.—, 5.— und 10 — findet im Kartenbureau Kehlendorfer und im Vereinsheim (Abends) statt. Das Reinerträgnis streßt dem Konditionslosenfonds zu. Wien. (Spende.) Für die arme Famlie Frost, XX,. Bäuerlegasse 9 (laut Aufruf in Nr. 98) sind uns unter I. O. K 7 zugekommen. Wien. (Verein der Sabbathfreunde.) Den diesjährigen Vortragszyklus dieses rührigen Vereines eröffnet der Rabbiner der Adaß-Jisroel (Schrffschulgemeinde) Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Sigmund Fürst. Charmkafeier im Kinderhort XV., Herklotzgasse 21. Am 28. Dezember 1910 begingen die Zöglinge des Kinderhortes das Chanukafeft. Ein Fest der Kinder, welches ihnen nach der bereits früher vorgenommenen, reichlichen Winterbescherung mit Kleidern, Wäsche und Schuhen neuerliche Festesfreude brachte, ein Fest ihrer Eltern, die sich neuerdings von den erfreulichen Fortschritten ihrer Kinder überzeugten und das schönste Fest der Lehrer und aller edlen Wohltäter des Hortes, die hier wieder eine geradezu rührende Genugtuung für ihre Aufopferung und liebevolle Mühewaltung im Dienste edelster Menschlichkeit fanden. In den festlich geschmückten (Räumen) Lehrsälen hatte sich ein überaus zahlreiches Auditorium eingefunden, darunter Herr Dr. I. Samuely, Präsident des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder", Herr Karl Freund, Herr Bürgerschullehrer Kühner, Frau Wilh. Steiner, Präsidentin des „Schutzdamen-Comitees", Frau Paula Singer, Vizepräsidentin, Frau Winterstein, Frau Gisela Ziruer- Zwieback, Frau Dozent Rott, Frau Dr. Samuely, Frau Dr. Friedländer. Frau Schmidt. Frau Frendenberg. Frau Mühlhofer, Frau Jda Berliner, Frau Fischel, Frau Dr. Fischmaun und :Ö. 81. m. Herr Lehrer Huschak entzündete die Ehanukalichter, wobei die Zöglinge das Gebet sprachen und das »No-uus Lurzeseüuosi« sangen; sodann erläuterte er in der Festrede denjenigen Anwesenden, die Heuer zum ersten Male dieser Feier beiwohnten, den Zweck und die große, erzieherische Aufgabe der Kinderhorte, welche gerade den am härtesten kämpfenden, armen Eltern die wichtigste Sorge, nämlich die Ueberwachung und Erziehung ihrer schulpflichtigen Kinder, abnehmen, um ihnen die wohltätige Aufsicht und Pflege des Elternhauses zu ersetzen. Den Kindern erklärte der Vortragende die Bedeutung des Chanuka, als dessen beherzigenswerteste Lehre er namentlich jenen Zöglingen, die Heuer nach erreichtem 14. Lebensjahre den Hort verlassen, treue. Liebe für ihre angestammte Religion, Fleiß, unermüdliche Arbeitsamkeit und wohltätige Kindes- und Menschenliebe nachdrücklichst fürs ganze Leben zur heiligsten Pflicht machte. Das Festprogramm bildeten Vortrage und Lieder und zum Schluß ein besonders gelungenes, reizendes Märchensviel unter der Leitung der Lehrerin Fräulein Lina Sachs. Die Darbietungen der kleinen Festkünstler ernteten vielen Beifall, besonders die Gedichte: „Der Kleine und der Große", „Michel auf der Eisenbahn" und eine humoristische Widmung des Lehrers Herrn Huschak: „Nicht klopfen!" Alle unterstützenden Vortrags- und Tanzkünstler im Märchenspiele: „Drei Wünsche" wurden durch reichlichsten Beifall für-ihre überraschenden Leistungen ausgezeichnet. Im Namen des Hortvereines dankte Dr. Samuely den Lehrkräften Fräulein Lina Sachs und Herrn Lehrer Dav. Huschak für ihre unermüdliche Geduld und liebevolle Arbeit, welchem Danke sich die Komiteedamen höchst befriedigt anschloffen. Sodann bewirteten die Vertreterinnen des Schutzkomirees und die Präsidentin des „Ausspeiiungs-Vereines", Frau Reg. Landeis. die Kinder reichlich. Die trefflichen Leistungen der Hortkinder beweisen ihre gediegene Erziehung und werben dem Vereine stets neue Freunde und Gönner, denn wem es seine Mittel irgend gestatten, der kann reiches Wohltun nicht besser anwenden, als für die rettende Erziehung armer Kinder. Jüdische Toynbeehalle. XX., Othmargaffe 46. (Haltestelle der Elektrischen: Jägerstraße.) Mit demonstrativer Begeisterung wurde der Vortrag „Eine P a l ä st i n a r e i s e" Sonntag den 4. v. M., 7 Uhr abends, von Frau MMer-Rosenzweig in der jüdischen Toynbeehalle des XX. Bezirkes, Othmargaffe 46, ausgenommen. Mit besonderer Spannung und Teilnahme lauschte das Publikum in dem überfüllten, großen Saale dem überaus interessanten und fesselnden Vortrag. Frau Müller-Rosenzweig, Tochter des in Humanitären Kreisen wohlbekannten Herrn Kommerzialrates Rosenzweig, hat nach der Hochzeit statt nach dem Garda ee oder der Riviera mit dem Gemahl Herrn Arnold Müller es vorgezogen, die Reise nach Kairo. Alexandrien, Jaffa und Jerusalem zu machen. Die gewählte Vortragsweise dieser sehr intelligenten Dame wirkte wohltuend aufs Herz und Gemüt Aller. Bei der Lichtbilder-Demonstrierung fühlte man fich im Kananlande und der. historischen Stätte unserer Vorfahren im Heiligen Abwechselnd waren diese Ueberreste mächtiger Berühmtheit vor den Augen des dankbaren Publikums im Bilde vorübergezogen. Möge dieser herrliche und wahrhaft genußreiche Vortragsabend zu den allerschönsten Erwartungen berechtigen, das Bewußtsein wachrufen im Herzen unseres Volkes. Imposanter Beifall lohnte die liebevolle Leistung dieser wackeren und vom Geiste des echten und rechten Judentumes durchdrungenen Frau. Albert Löw. T as Wochenprogramm ist wie folgt festgesetzt: Samstag den 7. Jänner: Trio Bettelheim: Kammermufikabend. — Sonntag den 8. Jänner: Eduard Jouas-Schachiitz Das Münzwesen im Altertum. — Montag den 9. Jänner: Hofu. Gerichts-Advokat Dr. Carl Lifeis: Thema Vorbehalten. — Dienstag den 10. Jänner: Dr. K. Kupfer: Geschichte der Juden in Oesterreich (Zyklus). — Mittwoch den I I. Jänner: Dr. Max Eisenstädter: Ueber erste Hilfe (Zyklus II). — Donnerstag den 12. Jänner: Hofu. Gerichts-Advokat Dr. Wolfg Pollaezek: Aus der Mappe eines Verteidigers. — Freitag den 13. Jänner: Religionslehrer Josef Pick: Bibelvortrag. Beginn an Wochentagen um halb 8 Uhr. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten an den Obmann Doktor I. Samuely. I., Fischerstiege 6, erbeten. Jüdische Toynbeehalle XVII.. Hormayrgaffe 7a. SamStag den 7. Jänner: Vortrag des Reichsratsabgeordneten Universitäts-Dozenten Dr. Arthur Mahler: Versunkene Welten. Bilder aus der semitischen Vorzeit. Samstag den 31. Dezember 1910 las Herr Rabbiner Doktor Feuchtwaug seine „Skizzen aus dem jüdischen Leben", deren Inhalt und Vortrag gleicherweise das retcHid} herbeigeströmte Publikum erfreuten. Herr Dr. Feuchtwang's Skizzen find rein belletristische Arbeiten von besonderem Wert, da sie mit viel künstlenschem Behagen und augenfälliger Treuein treues Bild des Ghettos geben, wie es noch vor etwa zwanzig Jahren in Mähren und den angrenzenden Ländern bestanden hat und zum Teile noch besteht.