Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 52 (30.12.1910)
- Date
- 1910-12-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 83 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 887 Theodor Herzl, Lcholem äsch und Scholem alechem. Herr Oberkantor Neumann holte sich zum Schluffe durch den Vortrag weltlicher Lieder rauschende Ovationen. * * * Samstag den 31. Dezember, halb 8 Uhr abends. 1. Vorlesung moderner Dichtungen. 2. Vortrag: Rabbiner Dr. Feuchtwang: »Skizzen aus dem jüdischen Leben." 3. Musikalische Unterhaltung. Wien-Floridsdorf. Sonntag den 35. d. M. fand im hiesigen Tempel unter sehr reger Beteiligung der Gemeindemitglieder die Trauung des Fraulein Klara Grünwald, Nichte des Herrn Kultusvorstehers Emanuel Grünwald, mit Herrn Fabrikanten Emil Neurath aus Tyrnau statt. Herr Rabbiner Dr. Rosenmaun wies in seiner eindrucksvollen.Ansprache auf die Verdienste hin, welche die Familie Grünwald und namentlich Herr Knltusvorsteher Emanuel Grünwald um das religiöse Leben des Bezirkes sich erwarben. Wien XXI. Wie alljährlich fand auch Heuer Montag den 26. Dezember l. I. im Floridsdorfer Gemeindetempel die Chanukafeier des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines Floridsdorf in erhebender Weise statt. Nach Vornahme des Anzündens der Chanukakerzen durch' den Kantor Roseuberg unter Chorbegleitung hielt Rabbiner Dr. Rosenmanu die Festpredigt, in welcher er der aufopfernden Tätigkeit des Frauenvereines, speziell seiner Vorstandsdamen, mit der Präsidentin Frau Henriette Grünwald an der Spitze, rühmend gedachte. Den Abschluß des schönen Festes bildeten von Schulkindern sehr gut vorgetragene Deklamationen. Anschließend an diese -Tempelfeier fand nach einer von der Vereinspräsidentin den Kindern gespendeten Jause die Beteilung von 43 Schulkindern mit Kleidern, Schuhen rc. statt. Um die Mittel zur Bekleidung einer so großen Anzahl von Kindern zu erlangen, war die Vereinsleitung in dankenswertester Weise bemüht, durch Sammlungen die Kosten aufzubringen. Namentlich die seit mehr als 15 Jahren an der Spitze des Vereines stehende Präsidentin, Frau Henriette Grünwald, verdient für ihre rührige Tätigkeit im Interesse deS Vereines Lob und Anerkennung. Es sei bei diesem Anlasse hervorgehoben, daß der Floridsdorfer Frauenverein seit 13 Jahren seine Fürsorge den im Bezirke untergebrachten verlassenen Kindern angedeihen läßt, indem er den Pflegeparteien monatliche Prämien zuwendet, die Kinder häufig inspiziert, sie bekleidet und auch für ihr Fortkommen nach dem Austritte aus der Schule sorgt. Es wäre nur zu wünschen, daß auch andere Frauenvereine — beim Hietzinger Frauenverein ist dies bereits der Fall — diesem so edlen Beispiele folgen. V. Austritte aus dem Judentum Vom 18. bis inkl. 24. Dezember 1910. Berdach Rudolf, Bürgerschüler, IX., Rotheu Löwengasse 19. Dernau Ludwig geb. 24. Okt. 1869 in Budapest, XVI., Wurlitzergasse 66. Eberwein Rosa geb. 16. Dezember 1853 in Ofen, XVII., Geblergasse 69. Fuchs Willibald, Priv.-Beamter, geb. 6. März 1886 in Ung.-Ostra, IV., Schönbrunnerstrasse 48. Hechter Alexander, Techniker, geb. 10. Februar 1887 Wien, XVII, Parhammerplatz 6. Heller Isidor, Schneidergehilfe, XVII., Mayssengasse 17. Katz Paula, Private, 19. Jänner 1887 Wien, III., Siegelgasse 1. Krüger Rudolf, Buchhalter, 21. September 1881 Beneschau, Böhmen. Munk Eugen, Ingenieur, 2. Februar 1879 Wien, III., Ob. Viaduktgasse 20. Oestreich Paul, Kaufmann, geb. 10. April 1869, Berlin, I., Hotel Bristol 3. Pokorny Hermine, Verkäuferin, geb. 5. April 1885 in Priesnek bei Iglau, XXI., Schweizergasse 21. Rosenberg Fini Fani, Kartenmacherin, XX., Klosterneuburgerstrasse 52. Stern Charlotte geh. 14. November 1890 Wien, XVI, Veronikagasse 1. Türkei Flora geb. 31. Dezember 1885 Pressburg, VIII, Wickenburggasse 24. Unger Franziska, Bedienerin, geb. 1. Jänner 1884 Andrichau, Galizien, III., Schlosshausgasse 25. Waldek Dr. Carl, Inspektor der k. k. Staatsbahn, geb. 23. März 1871 Stahletz in Böhmen, VI., Kasernengasse 6. * * * Wien, 21. Dezember 1910. Verehrliche Redaktion der »Oesterr. Wochenschrift"! Wien, IX., Hahngaffe Nr. 15. Vor wenigen Monaten brachten Sie die überraschende Mitteilung, daß sich ein Herr Dr. Granichstädten dem Judentum abgewendet habe und getauft wurde. In einer Ihrer letzten Nummern bringe» Sie wieder die Nachricht, daß der 26 jährige, jüngere Bruder diese- Herrn, nämlich.. Herr Hans Granichstädten (zwischen 6. und 12. November) ebenfalls getauft wurde. Hier handelt es sich um die 2 Söhne deS Herrn Julius Granichstädten, eines reichen ManneS, dessen Kinder sozusagen durch das Geld deS Vaters versorgt find, um 2 junge Leute, die nicht aus Not, nur aus reinem U e ber m ut Verrat üben, um junge Leute, auf welche der Vater einen bestimmenden Einfluß hat, weil dieselben ohne daS Geld deS Vaters eigentlich gar nichts wären. Darin bilden diese lieber» tritte eigentlich nach Außen eine Art Skandal und erregen öffentliches Aergernis, nachdem der Vater der beiden jungen Leute Vorstandsmitglied der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" ist und auch sonstige Ehrenstellen in der jüdische« Gemeinde und Gesellschaft besitzt und anstrebt. Was sollen jüdische Beamte und sonst Abhängige erst tun, wenn die Söhne eines ganz unabhängigen reichen Kaufmannes, die selbst unabhängig und reich find, mit solchen Beispielen vorangehen? Was soll es erst für Wirkung haben, wenn Söhne von jüdischen Funktionären derart vorangehen? Schweigend dürfen Sie über derlei jedes sittliche Empfinden ausrüttelnde Vorgänge nicht vorübergehen. Hochachtungsvoll: Dr. K. Mödling. Am 1. Jänner 1911, 7 Uhr abends, veranstaltet der „Jüdische Bildungs- und Grselligkeitsverein" im Hotel «Stadt Mödling" eine Makkabäerfeier, bei der Herr Kantor Falk, Herr Kantor Grob und Finke aus Wien Mitwirken werden. Die Festrede hält Herr Dr. Hugo Zuckermann aus Wien und darauf folgen Rezitationen des Schriftstellers Friedrich PorgeS. Bruck a.L. Am 3. Jänner 1911 feiert das Ehepaar Hermann und Helene Stern in Bruck a. L. in aller Stille im Kreise feiner Angehörigen das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Stern ist Mitglied des Bethausvorstandes. Ausschußmitglied der politischen Gemeinde und genießt diele Sympathien. Brünn. (Kinderbekleidung im israelitischen Frauenverein.) Die Opferwilligkeit edler Brünner Spender hat es ermöglicht. 133 Kinder mit Kleidern, Schuhen und anderem zu versehen. Aus diesem Anlaffe erlaubt sich der Vereinsvorstand allen Wohltätern namens der armen Kinder den innigsten Dank auszusprechen. Die Verteilung der Kleidungsstücke erfolgte, wie seit lange, einzeln, snicht bei einer öffentlichen Feier. Die Verein-Verwaltung glaubt die erstere Form beibehalten zu sollen, weil sie den leitenden Grundgedanken des Vereines, würdige Arme und verschämte Dürftige in geeigneter Weise zu unterstützen, als Zweck und Pflicht erachtet, getreu dem Bibelsprüche: «Die Gabe im Stillen und Geheimen versöhnt den Groll" der Besitzlosen gegen die Besitzenden, welcher in bedauerlicher Weise zunimmt. Durch diese unauffällige, still beglückende Form des Wohltuns, wie sie dem Zartgefühl milder Frauen Herzen besonders angemeffen erscheint und dem bekannten Goethe-Worte: „Willst du wissen^ was sich ziemt, frag' bei edlen Frauen an* wird auch das Scham- und Ehrgefühl der Unterstützten geschont, so dast einmal, wie es vorzukommen pflegt, aus den Nehmenden die Gebenden werden. Anderswo mögen die Verhältniffe anderliegen und abweichende Anschauungen und Veranstaltungen erforderlich machen. Frau Henriette Gomperz, eine seelenvolle, vornehme Frauengestalt, hat Kr 48 Jahren bei der Konstüuierung des israelitischen Frauenvereines. deren allgemein verehrte Präsidentin die Verewigte war, in einer Adresse an den Begründer Plaezek deS Vereines der oben entwickelten Auffaffung humanitären Wirkens lichtvollen Ausdruck verliehen. Chrrrdim. (Verlobung.) Fräulein Berla Reich hat sich mit Herrn Theodor Weißbarth, Sohn des Her.« I. Weißbarth aus Hermamnestec, verlobt. Ungarisch-Hradisch. Auf Anregung unserer verehrte» Rabbinerin, Frau Dr. Olga Zwick, trat ein Damenkomitee zusammen mit den Frauen kais. Rat Flora Brau». StadtphyfikuS Dr. Johaa»w Mannaberg und k. k. Finanzkommiffär Gisela Löwtz zur Veranstaltung eines Kinder-Chanukafestes, welches den Zweck habe» sollte, ein Gegengewicht gegen die Christbaumfeier zu bilden. DaS Fest fand Montag am zweiten Chanukaabend im städtischen Redoutenfaale statt und wird durch das vortreffliche Arrangement der verehrte« Fra« Rabbinerin der ganzen Gemeinde lange in dankbarer Erinnerung bleiben. Als erster Programmpuntt wurde eine vom Herrn Rabbiner verfaßte BegrüßungS- und Festrede von der Bürgerschülerin Irma Löff vorgetragen. Sodann wurden die Chanukalichter von Vem Bolksschüler Heinrich Meuse augezündet mit Kinderchor und Harmonium» begleitung. Hernach wurde eine Reihe von ergötzlichen lebenden Bildern von Kindern dargestellt. Bei einem derselben, das mit einem Gedichtchen verbunden war, zeichnete sich die Volksschülerin Alice Löwtz