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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-12-30 · 52 (30.12.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 856 Nr. 58 Dr. Vlochs WochenfchM. dem Vorschriften sogar für die Art der Anpflanzung machte und dadurch viel Reibereien hervorrief, welche sich nach einem landwirtschaftlichen Mißerfolg zu völligem Verbniß verdichteten und eine Arheitslähmung heröorrieftzm Der /Zionismus hatte erst wieder praktische Erfolge,' als er Mit dem System der Verwalter bei jeder Gelegenheit brach. Aber noch immer wurde bei der Einzelwirtschaft nicht das gewünschte Ziel erreicht, weil jeder über seinen Nachbar emporzukommen trachtete und nicht die nötige Energie in der ungewohnten Beschäftigung entfaltete. Allen diesen Mängeln geht nun das Oppenheimersche Projekt großartig aus dem Wege. Unter dem Namen einer „genossenschaftlichen Siedelung" stützt es sich auf berühmte historische und moderne Beispiele. Der Boden wird nach seinem Projekt von mehreren Familien gemeinsam in Besitz genommen und bearbeitet. Eigenbesitz gibt es nicht. Die Erträgnisse werden gemeinsam verteilt. Nachwuchs an Kindern schafft keine Enge, sondern man geht von der Feld- und Weidewirtschaft einfach zur Gartenwirtschaft über. Einige Mitglieder der Genossenschaft arbeiten als Handwerker für die betreffenden Bedürfnisse. Maschinen und Rohmaterial werden von der Genossenschaftskasse eingekauft, an derselben Stelle bringt man die Ernte zum Verkauf. Die Arbeit wird in der Weise erledigt, daß jeder auf einem gleich großen Stück Feld Rüben baut, wenn Rüben zu bauen sind, und Flachs rauft, wenn dieser reif geworden ist. Auf diese Weise haben bekanntlich die Mormonen aus der Salzsteppe ein Paradies gemacht, irische Bauern ein ihnen gemeinsam in Pacht gegebenes, herabgekommenes Landgut zur Musterwirtschaft. Der Uebergang vom Getreidebau zum Gartenbau hat den französischen Bauern bekanntlich reichen Wohlstand gebracht. Der gemeinsame Besitz und die gemeinsame Arbeit schalten bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften einen gefährlichen Faktor aus, den Vorgesetzten. Die Natur ist es, die befiehlt, und der Lehrer aus der Mustersarm ist nicht ein Vorgesetzter. sondern ein Ratgeber für kurze Zeit. Während industrielle Arbeitergenossenschaften keinen Bestand haben, weil einer der Vorarbeiter und Kommandant sein muß, was sich die Gleichgestellten nicht gefallen lassen, und weil bei der verschiedenen Arbeit niemand die geringere machen wollte, haben sich die landwirtschaftlichen Genossenschaften bis jetzt alle glänzend erhalten. - Man sieht die hervorragenden Vorzüge der Projekte Dr. Oppenheimers, welche dieser Gelehrte noch von Jahr zu Jahr modernisierte und mit welchen er seinen Zionismus auch praktisch mit opferwilliger persönlicher Betätigung dokumentieren wollte und will. Jetzt ist er an eine umfassende Agitation geschritten, um seine Pläne in Palästina zur Verwirklichung zu bringen. Dabei ist er auch nach Wien gekommen, hat sich aber nicht an seine offiziellen Gesinnungsgenossen gewendet, welche für seine Arbeit schon seit Jahren nichts haben als lauten und momentanen Applaus. Sein begeisterter Helfer, Herr Direktor Kremenezky, der seine Wege ebnete, hat auch gar keinen.Versuch weiter gemacht, in diesen Kreisen ein wie immer geartetes positives Ergebnis, zu finden. Cr hat sich an jene Kreise gewendet, deren Judentum zwar mit großem Lärm verketzert wurde, welche sich aber ihre Gefühle trotz allen schrankenlosen und unbedingten Feindseligkeiten .erhielten und eine große jüdische Idee Mit Macht unterstützten, als man ihnen in positiver Form kam. Der von den offiziellen Zionisten bekämpfte jüdische. Ko!onisationsv?r< in ging unbeirrt seinen Weg und schuf, die Plattform, auf welcher sich jüdische Kapazitäten zu einer großen Aktion für Palästina vereinigten. Die EiüeHen Parteikreise nahmen davon offiziell fast keine Notiz, privat waren sie erstaunt, weil eine zionistische Idee eine großartige Förderung erfuhr, ohne daß man die Leute auch nur beachtete. Das aber ist der Weg der hohen Gedanken, .daß sie über kleines Gezänke ohne Aufenthalt hinwegschreiten. Der offiziell bekämpfte Gedanke Oppenheimers wird weiter nach Kräften unterstützt werden. Wir sprechen die bestimmte Erwartung aus, daß jeder Jude nach bestem Vermögen sofort einen Beitrag an Doktd? Oppenheimers Sachwalter, Direktor Johann Kremenezky, Wien, Dresdenerstraße 57, einsendet. Er schafft damit Land und Saat für eine Heimstätte jüdischer Bauern, in welcher das Elend mit dem lang ersehnten Pfluge begraben und die alte historische Größe unseres Volkes als Ernte erstehen soll. Aufhebung des Kchiichluerbotes in Sachsen. Eine der unscheinbarsten Nachrichten der lchten Woche hat eine der größten politischen Sensationen für die Juden enthalten. Das Königreich Sachsen hat das seinerzeit erlassene Verbot des rituellen Schächteus ohne jeden Anstoß von Außen widerrufen. Bei einer Revision des Tierseuchengesttzes ist dieser Paragraph ohne Sang und Klang wieder aufgehoben worden, um welchen die Juden vor einem Jahrzehnt wahre Schlachten in der öffentlichen Meinung geschlagen haben. In Dresden soll im Frühjahr die internationale hygienische Ausstellung ihren Anfang nehmen und für diese Ausstellung ist eine besondere Gruppe „Hygiene der Juden" geplant. Alle Vorbereitungen waren unter den Augen der sächsischen Behörden getroffen, um den hohen Wert der jüdischen Schächtgesetze und der jüdischen Schächtmethode für die Hygiene vor aller Welt zu dokumentieren. Jetzt, wenige Monate vor Beginn der Ausstellung, ist die Regierung Sachsens zur Erkenntnis gelangt, daß die Aüfrechthaltung des Schächtverbotes weder moralisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen ist. Der nun in Frieden entschlafene Hirsch Hildesheimer war einer der besten Führer auf jüdischer Seite in diesem Kampfe gegen mittelalterliche Anschauungen und Praxis in der Gesetzgebung. Ein tragisches Schicksal wollte es, daß er wenige Tage vor seinem Triumphe aus dem Leben abberufen wurde. Gutachten über Gutachten wurden damals über den sachlichen Inhalt der Frage erstattet und Gelehrte ersten Ranges haben wissenschaftlich bewiesen, was eigentlich niemals zu beweisen war : daß nämlich die Religion der Juden den Begriff der Menschlichkeit in die Welt gebracht. hat und daß sie auch die Schonung des fühlenden Tieres eindringlich gepredigt hat; daß schon aus diesem Grunde die von ihr vorgeschriebene Art der Tötung die möglichst humanste sein mußte. Daß ferner, erfahrungsgemäß die Vorschriften der Bibel die bewährten Forderungen der Hygiene in der Schechitha aufstellten. Dieser Standpunkt wurde auch von den modernsten Gelehrten mit der größten, wissenschaftlichen Schärfe vertreten und nur das leere, aber laute Geschrei der antisemitischen Hetzpresse und Agitation stand ihnen gegenüber. Die sächsische Regierung und ihr Parlament haben sich auf die Seite der antisemitischen Hetzer gestellt und ihren Juden, so weit sie. religiös sind, die schwersten Gewiffensskrupel zugefügt und ihnen auf gesetzlichem Wege ganz unnötige Plackereien gemacht. Aber nicht darum handelte es sich in erster Linie, nicht um die persönlichen Momente einzelner Leute und Familien. Das Treffen wurde vielmehr darum geführt, ob tatsächlich die jüdische Religion, auf deren Reinheit und Schönheit die Juden mit dem größten Stolz und mit allem Rechte pochen, von staatswegen als minderwertig erklärt werde und ein ganzes Land sich samt seiner Regierung als antisemitisch

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