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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-11-25 · 47 (25.11.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 47 Sette 772 Dr. Blochs Wochenschrift. Hermann Spiegler Lederfabrikant A. H. Sporer Direktor des „Cosmos" kais. Rat N. ScheffteL Asphalt-Fabrikant Dr. Moriz Schnabl Hof- und Gerichtsadvokat Adolf Schramek k. k. Hoflieferant Adolf Schreiber Privatier XX. Bez. Dr. Adolf Stein Hof- und Gerichtsadvokat S. Steiner Tonwaren-Fabrikant S. Steiner Bauunternehmer Dr. Alfred Stern em. Hof- und Gerichtsadvokat Jakob Straßberg Hausbesitzer Dr. Bela Taufsig Realitätenbesitzer Isidor Trebitsch Kaufmann IX. Bezirk Ludwig Ullmann Kaufmann Adolf Unger Kaufmann kais. Rat Friedrich Vogel Dampsmühlenbesitzer S. A. Wasservogel Privatier kais. Rat Jonas Weil Vizepräsident der Börse für Landesprodukte Jaeob Weiß Fa. Kohn & Weiß Leopold Weiß Kaufmann k. k. Komm.-Rat Eduard Wiener Kommissionswarenhändler kais Rat Ignaz Wilhelm Herausgeber der „Korresp. Wilhelm" Dr. Ignaz Winter Arzt Julius Wolf Fabrikant Mirhleroersarnrnlurrg. Samstag den 19. November, 7 Uhr abends, fand im Saale des Restaurant G u t h, II., Stephaniestraße 14, die erste der vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde aus Anlaß der bevorstehenden Kultuswahlen, veranstalteten öffentlichen Wählerversammlungen statt, die sehr zahlreich besucht war und trotz einzelner stürmischer Szenen einen überaus würdigen Verlauf nahm. Aus dem Vorstandskollegium waren erschienen außer den zur Wiederwahl ausgelosten Vorstandsmitgliedern die Herren Salo Cohn, Max Frank, Doktor K a tz a u, Dr. Isidor S a m u e l y. Kommerzienrat Leopold Simon, Adolf Schramek, kaiserlicher Rat Jonas Weil, S. S t e i n e r. Am Vorstandstisch: Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, als Schriftführer fungierte kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben. Der Vorsitzende Präsident Dr. Alfred Stern begrüßt als Einberufer der Versammlung die zahlreich erschienenen Mitglieder der Kultusgemeinde, verweist auf den rechtzeitig versendeten Rechenschaftsbericht, welcher den Gegenstand der Diskuffion bilden soll, und schlägt vor, zunächst die Kandidaten anzuhören. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef Zipfer verlangt, daß die Diskuffion über den Bericht vor der Anhörung der Kandidaten in Angriff genommen werde. Herr Dr. Heinrich Schreiber erklärt, daß die Feststellung der Tagesordnung dem diskretionären Ermessen der Einberufer einer Versammlung anheimgegeben sei. Der Vorsitzende.bringt den Antrag Z i p s e r zur Abstimmung, welcher abgelehnt wird. Als erster Redner ergreift nunmehr das Wort, von der Versammlung mit Beifall begrüßt, kaiserlicher Rat Sigmund Kauders. Redner bemerkt: Vor acht Jahren durch das Vertrauen der Wähler in den Vorstand entsendet, habe er in konservativem Sinne gewirkt. Redner schildert seine Tätigkeit in der ersten Kommission, in dem Mikwah-Komitee und als Obmann der Friedhofskommission, und fügt hinzu: „Ich habe im Vorstand nicht einen Titel gesucht, sondern Arbeit, die Gelegenheit, für das Judentum zu wirken. Wenn Ihr Vertrauen mich wiederum auf den ehrenvollen Posten stellt, so will ich wie bisher meine Pflicht erfüllen." (Lebhafter Beifall.) Phil, und Jur.-Dr. Markus Spitzer unterstützt seine Kandidatur damit, daß er dem Programme, welches von ihm vor vierzehn Jahren aufgestellt wurde, während seiner bisherigen Wirksamkeit im Kultusvorstande treu geblieben ist und daß er auch heute nur auf dasselbe Programm um das Vertrauen seiner Wähler-wirbt, das sich in wenigen Worten zusammenfaffen läßt: „Erhaltung 'sämtlicher Institutionen der Gemeinde in echt jüdischem konservativen Geiste." Dieses Prinzip umfaffe nicht nur den Kultus und Unterricht, sondern auch die Wohlfahrtseinrichtungen, in deren Leitung die ererbten Grundsätze der Gleichheit, Liebe und Barmherzigkeit zur Verwirklichung gelangen sollen. Redner habe sich vermöge seiner allgemeinen Bildung und seines seit frühester Jugend erfolgten, intensiven Studiums des erhabenen, gewaltigen Schrifttums unseres Volkes und dessen Geschichte vorwiegend den Fragen des Kultus und Unterrichtes zugewendet. Er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß das Judentum in seinem Schrifttum fest wurzelt, daß dieses allein die Quelle der Begeisterung und steten Verjüngung bildet, daß in ihr jene unverwüstliche Kraft ruht, durch welche das jüdische Volk den Sieg über eine Welt von Vorurteilen, des Haffes und der Verfolgung errungen, und führt weiter aus, daß das Judentum sein Schrifttum durch die Jahrhunderte getragen, aber anderseits durch dieses wieder durch alle verderbendrohenden Stürme heil und unversehrt durchgeleitet wurde und daß nur ihm in den traurigsten Epochen des Verfalles eine Renaissance zu verdanken ist. (Lebh. Beifall.) Redner habe daher aus allen Kräften an den Bestrebungen Anteil genommen, welche die Verbreitung des jüdischen Wissens, insbesondere unter der Heranwachsenden Jugend zum Zwecke batten. In den letzten Jabren wurden eine ganze Reihe von Einrichtungen getroffen, die geeignet sind, die Erreichung des angestrebten Zieles zu fördern, und glaubt Redner, ohne unbescheiden zu sein, sich einen geringen Anteil an den erreichten Erfolgen vindizieren zu dürfen. Redner bemerkt anknüpfend an den Ausspruch eines alten Weisen, daß das Judentum nur so lange seine unsterbliche Seele, seine unverwüstliche, alle Zukunft verbürgende Lebenskraft besitzen werde, als das Licht der Lehre ungetrübt leuchtet und vor dem Verlöschen bewahrt wird. Schließlich bittet er die Wähler, wenn sie mit seinem Wirken und Streben zufrieden sind, ihre Stimmen auf ihn zu vereinigen. (Lebh. Beifall.) Als neuer Kandidat stellt sich der Versammlung vor Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakob Engel, der langjährige Präsident des Mariahilfer Tempeivereines. Von der Vecsammlung sympathisch begrüßt, gibt Redner der Hoffnung Ausdruck, daß er von dem entgegengesetzten Ende Wiens nach der Leopoldstadt kommend, auch hier bekannte und gute Freunde finden dürfte, welche mit seinem bisherigen Wirken wohl vertraut sind. Seit einem Vierteljahrhundert gehört er der Leitung des Mariahilfer Tempelvereines an; seit dem Heimgang des unvergeßlichen Architekten Max Fleischer an der Spitze des Vereines, war er stets bestrebt, den Gottesdienst des Tempels zu einem mustergültigen zu gestalten. Seit Jahren wirkt er als Obmann der Bezirkskommission, deren Agenden leider zu enge sind. Auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit ist er kein Neuling, als der Ehrenpräsident des Mariahilfer Frauen- Wohltätigkeitsvereines kann er darauf verweisen, daß in dem Bezirke Mariahilf die Wohltätigkeitspflege in geordnetem Zustande sich befindet und daß man sich stets bemüht, der Not und dem Elend helfend beizuspringen. Redner schlicht: „Ich soll vor Ihnen, geehrte Herren, ein Programm für meine künftige Tätigkeit als Kultusvorstand entwickeln. Da erinnere ich

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