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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-11-18 · 46 (18.11.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»■« Qr> Bloch’s '*"m" Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -□=□- Wim, 18. November 1910 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Hilfe für die persischen Juden. — Die Stellung der Zionisten in Wahlkämpfen gegen die Antisemiten und Taufjuden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die galizische Landtagswahlreform und die Juden. Französische Hetze gegen den Hilfsverein der deutschen Juden. Statistik der Juden in Ruffisch-Polen. Das Schicksal der russischen Druckerei in Pisa. Eingesendet. Der Brief aus der Fremde. — Korrespondenzen: Wien. Senatspräsident Dr. Sigmund Decsey. Ableben einer U7jahrigen Frau. Adrianopel. Jüdische Finanz-Generalinfpektoren in der Türkei. Verfolgung minderjähriger Kinder in Rußland. Große Spende. Eine Klinik für jüdische Einwanderer in Paris. Auszeichnung für heldenmütiges Verhalten. Dankesadreffe von Indianern an einen Juden. Der samaritische Hohepriester in Cambridge. Generalmajor Daniel Mocatta. — Vermischtes. —•Feuilleton: Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. * Ä. kr. postspark aflTenatttt G l ea rt n g De t fc e b r Hr. 810.976. Redaktion und Administration: Wir« XS.fi, Hahngaffe Nr. 15. ») Telefon Nr. 14.847. nO ■ ■■■■■■ Oo oo - - =DO? Bezugspreis für Destrrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Helle:. Für'« Businnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig -0 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal» 2 tene Petttzeile 24 Heller. £ nO "-Oo Hilfe für die perfischen Inden. Damit auch sie von den herrschenden Unruhen etwas abbekämen, erinnerten sich die Einwohner von Schiras in Persien kürzlich ihrer Juden und veranstalteten in ihrem Ghetto einen großen Pogrom mit allen greulichen Schrekkensszenen von einer Schlachtbank der Menschen. Die in allen orientalischen Märchen und von den Dichtern des Orients so gerühmte Stadt wurde ein Schauplatz des Elends und Jammers, während vollkommen unbehelligte Mörder ihren Raub höhnisch in Sicherheit trugen. Es ist leider nicht das erstemal, daß persischen Juden ein so grausames Schicksal bereitet wurde. Wie in Marokko, leben auch im erotischen Persien die jüdischen Einwohner weit ab vom gesetzlichen Schutze oder auch nur dem Einflüsse der Kultur, gelten den Behörden und der Majorität der Bevölkerung als rechtlose unreine Sklaven, dürfen nur die niedrigsten Gewerbe betreiben, müssen sich schmähliche Ausnahmszustände in Tracht und Wohnsitz gefallen lassen und sind durchaus abhängig von einer feigen und gewalttätigen Willkür, welche mit ihnen oft ärger umgeht als mit Tieren. Diesem Mittelalter war bis jetzt in keiner Weise beizukommen. Nur Bitten hochgestellter Persönlichkeiten bei den jeweiligen Regierungen und Regenten vermochten jeweils eine Linderung herbeizuführen, welche immer nur zu bald ihr Ende fand. Aber sonst war eine Einwirkung zu gunsten der persischen Juden um so weniger . zu erzielen, als wir ja nicht einmal imstande sind, ähnliche Barbareien in Europa, in dem brutalen, aber immer noch für Kultur- und Rechtsstaaten allianzfähigen Rußland hintanzuhalten. Jetzt aber wird gerade die Brücke geschlagen, auf welcher europäischer Einfluß in Persien eindringen und bei einigem, guten Willen der Machthaber die dortigen Juden von den allerärgsten Zuständen befreien kann. England und Rußland suchen ihren Einfluß im Reiche des ^Schahs zu . verstärken und bedrängen die Regierung und die. Medschidli, das persische Parlament, um ihre Truppen über die Grenze marschieren lassen zu können. Wie immer, wenn eine derartige Politik von europäischen Großmächten betrieben werden soll, dient die Kultur und Zivilisation als Vorwand.. Die Unruhen und Gewalttätigkeiten im Süden des Reiches haben so überhandgenommen, daß der Handel bedroht wird und England genötigt wäre, zum Schutze seiner Interessen eine Militärmacht aufzustellen. Wenn nun England tatsächlich darauf bedacht ist, die allgemeine Ordnung in Persien wiederherzustellen. so sollte es doch nicht an die Juden vergessen, an welchen sich die rohen Instinkte des Pöbels immer wieder üben. Von Rußland ist dieses Vorgehen wohl niemals zu erwarten. Aber bei den englischen Staatsmännern verbinden sich diesmal sehr glücklich traditionell-liberale und rechtliche Anschauungen mit einem politischen Vorteil, nämlich mit der Vermehrung der Anklagepunkte gegen die persische Regierung. So wäre es denn wohl nur nötig, in der Foreign office in London einen entsprechenden Anstoß zu geben und unter Berufung auf die Greuel in Schiras in einem historisch wichtigen und seltenen Momente eine wirksame Hilfsaktion für die Juden in Persien zu veranlassen. Der Erfolg dürfte ohne jeden Zweifel erreicht werden. Denn wenn die persische Regierung auch mit der Unterstützung durch Deutschland stark genug bleiben dürfte, um eine Teilung des Reiches durch Rußland und England zu verhindern, so wird ihr dies doch nicht gelingen. wenn sie den berechtigten Forderungen ihrer politischen Gegner nicht nachgibt. Die Ruhe im Staate zu schaffen ist sie nun stark genug. Trotz allen Kämpfen und Aufständen wird es immer deutlicher, daß die vom Russen- und Engländerhaß unterstützte Zentralbehörde in Teheran ihre Macht immer weiter ausbreitet, die Bergstämme und Kurden schrittweise pazifiziert und in den Städten eine Autorität einsetzt. Sie könnte auch die Juden aus ihrer Sklaverei entlassen, wenn sie wollte und wenn eine überlegene Macht das von ihr verlangen würde. Diesmal wäre auch die Erleichterung keine vorübergehende, da sie nicht von der Laune eines absolutistischen Herrschers abhangt. Denn Persien ist parlamentarisch geworden und eine Verbesserung des jüdischen Loses würde durch grundlegende Gesetze gelegt, müßte als der Wille des Staates von allen Hilfsorganen durchgeführt und beschützt werden. Dahin könnte es durch die

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