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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-10-14 · 41 (14.10.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
41 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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"41 Dr. Bloch’s ”iwwDn Zentraloroan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. -n—.-n- Wien, 14. Oktober 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie». IX/i, Hahngasse 15. h Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Oü - ~0 Q? Vrjugsprri» fiir Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare Sv Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgefpal- O tene Petttzeils 24 Heller. C nO . —O n Redattion und Administration: » wirn IX,i. Hahngaffe Nr. 15. l) Telefon Nr. 14.847. A. st. Postsxsrkastrnamt Slearlng-VerNebr Inhalt: Leitartikel: Hrabas Anklage erneuert und verschärft. — Republik Portugal. — Institut für israelitische Musik in Jerusalem. — Fünfzehn Tage in Rußland. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes unter dem Vorsitze des .Präsidenten Dr. Alfred Stern vom 9. Oktober 1910. Der erste jüdische Ehrenbürger Brünns. Eine peinliche Affäre in Czernowitz. Mödling. Mährisch-Budwitz. Mißglückte Bodenspekulation in der Türkei. Staatssekretär von Kiderlen-Wächter über die Fremdenpolitik Rumäniens. Eine Agitation gegen die jüdische Einwanderung in Paris. Juden in Irland. Die Einwanderung nach Kanada. Jüdische Auswanderung im Monate August. Studienpreise für die Auswanderungswissenschaft. Tolmatschews Sorge um den Frieden der Odessaer Juden. Ein Dokument der Zeit. Wohnrechtstragödien. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Hrabas Anklage erneuert «nd verschärft. Der Stadtrat Hraba hat das Vernünftigste befolgt, das in seinem Falle zu tun war. Er ist nicht persönlich vor der Untersuchungskommission des Gemeinderates erschienen. Man hatte ihn vor diese zitiert, damit er für seine Hietzinger Rede sich verantworte, die wie ein Gewitter über die christliche soziale Herrschaft niederging und die üppigen Halme einer giftigen Saat in den Boden schlug. Was wäre denn gekommen, wenn Hraba vor dem Untersuchungsausschuß erschienen wäre? Man kennt die Taktik der Christlich-Sozialen in Versammlungen und Sitzungen, einen Gegner niederzuschreien, ihn zu verhöhnen und zu beirren, seine Worte zu verdrehen und alle Arten von Gewalt gegen die Wahrheit und Meinungsfreiheit anzuwendeu. Diese Taktik hätten sie sicherlich mit größter Schärfe gegen einen Mann angewendet, gegen den sie aufs äußerste erbittert sind, weil er der Bevölkerung ein Licht über sie angezündet hat. Hraba setzte sich jedoch dieser Art von Polemik gar nicht aus. Aber das war gebotene Vorsicht, keine Feigheit, kein Zurückweichen. Seinen Angriff wiederholte er nicht nur, sondern erneuerte und verschärfte ihn durch einen umfangreichen Brief, in welchem er alle Anschuldigungen präzise formulierte. Die Antwort vom Untersuchungsausschuß war geradezu klassisch. Er erklärte seine Tätigkeit für beendet und überläßt alle weiteren Schritte der Gemeinde. Das heißt nichts anderes, als daß man die Tatsachen vor dem politischen Forum mit einigen nichtssagenden, aber dröhnenden Phrasen vor der Oeffentlichkeit abtun wird. Hätte aber der zur genauen Untersuchung eingesetzte Ausschuß seine Pflicht gegen die Bevölkerung wirklich erfüllen wollen, dann hätte er Punkt für Punkt über die Anklage sein Gutachten abgeben sollen, die von den schwersten Vorwürfen gegen die Verwaltung der Stadt und des Landes und eine ganze Reihe von öffentlichen Funktionären geradezu strotzt. Es ist unerhört und ein frevelhafter Raub an Steuergeldern, wenn es wahr ist, daß die Länderbank den Parteifond der Christlich - Sozialen fütterte, um desto bessere Geschäfte mit der Stadt zu machen, welche aber die Kommune hätte selbst besorgen und bei denen sie hätte Millionen verdienen können. Von der Partei zum derzeitigen Führer übergehend, zählt Hraba ein derart schweres und langes Sündenregister Geßmanns auf, daß dieser Mann im öffentlichen Leben jeder anderen Stadt als Wien ganz unmöglich wäre. Rach Hraba hat der ehemalige kleine Beamte der Universitätsbibliothek folgende Verdienste für die ihm verliehenen großen Würden aufzuweisen: Er hat aus der geplanten humanitären Beamtenentschuldungsbank eine Erwerbsbank für sich und seinen Sohn gemacht, der als Landesbeamter und Parteisekretär gut versorgt war. Er hat mit der Gefolgschaft Bielohlaweks, Axmanns, Steiners, Silberers und Kunfchaks, welche zum Teile ihre Belohnung für persönliche Treue erhielten, die Steuergelder Wiens in kontrolloser Gebarung für das flache Land nur so hinausgeworfen. Unglaublich ist die Art des Bewerbes um den Bürgermeisterstuhl durch Geßmann. Ein einfacher Kuhhandel, den zum Teil die Regierung, zum weitaus schwereren die Bevölkerung hätte tragen müssen. Entschädigungsorden und Entschädigungsstellen für die Mitkonkurrenten, vermehrte Vizebürgermeisterstellen mit verdoppeltem Gehalt und um ein Drittel vermehrte Stadtratsstellen mit verdoppeltem Gehalt für die Getreuen waren die teueren Preise, mit welchen Geßmann bereits bei den moralischen Rettern aus der Judennot, den antisemitischen Gemeinderäten, achtzig Unterschriften für seine Wahl zum Bürgermeister eiuhandelte. Daß man ihn dann doch fallen ließ, zeigt von der Beliebtheit des Mannes, der in seinen Organen fortwährend Vertrauenskundgebungen für sich berichten läßt. Eine Viertelmillion Kronen jährlich hätte nach Hrabas Aufstellungen die Wiener das Vergnügen gekostet, den Minister a. D. Geßmann zum Bürgermeister zu bekommen. Aus Furcht aber, daß es nach dem Muster vom Landesausschuffe noch viel mehr kosten könne, wo eine wütende Aufregung gegen die beabsichtigte Kontrolle Luegers entstand, hielt dann Hraba seine berühmt gewordene Hietzinger Rede. Er hat in dieser auch Axmann und Bielohlawek tüchtig den Pelz gewaschen und wiederholt diese Prozedur in seinem Anklagebrief. Daß Axmann schweres Geld defraudierte, das auf seinen Fußfall die Parteikasie ersetzte, könnte man ihm schließlich verzeihen. Aber daß er sich dann nicht zurückziehen mußte, sondern im Gegenteil eine Reihe glänzend bezahlter Würden und Lieferungen erhielt, ist echteste Moral der Christlich-Sozialen.

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