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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-30 · 39 (30.9.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
39 (30.9.1910)
Date
1910-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9 Nr. sh Qpa Bloches I-lhrgmlgxrv» Zenttalorsan kür die gesamten Interessen des Zudentums. -□- Wien, 30. September 1910 Erscheint jeden Lreltag. Brief-Adresse: Wien, ex/i, Hahngasse 15. * Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O (j— ■■■ ==DO P Vrrugsprris für Vesterrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Hellei?. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. C O P . " —.—Q O o Göo Q A. K. Postsparkassrnamt Slearing-Verkebr Mr. 810.97 6. RedaNion und Administration: KMrn rx/i, Hahngasse Nr. 15. V3 Telefon Nr. 14.847. o P...Qö Inhalt: Leitartikel: Die Landtagswahlen in der Leopoldstadt. — Gesinnung. — Korrespondenzen: Das Geschenk eines jüdischen Arbeiters an Kaiser Franz Joseph. Komitee in Angelegenheit des jüdischen Emigrationskongreffes. Koscherfleisch aus Argentinien. Franzensbad. Vor der galizischen Enquete. Baron Rothschild über sein Familienwappen. Tod einer Hundertzwölfjährigen. Eine Erbschaft von 180 Millionen. Die offizielle Meldung über das jüngste Blutmärchen in Ungarn. Adelsverleihung. Israelitischer Landeslehrerverein in Böhmen. Abkehr der preußischen Konservativen vom Antisemitismus. Brüskierung des Botschafters Strauß. Demonstration hungernder Familien in Odessa. Jüdische Köche werden gesucht. Die Lage der finnischen Juden auf dem Kopenhagener Sozialistenkongreß. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen. — Literatur. — Notiz. — Briefkasten. — Inserate. Den geehrten Lesern, Gönnern und Freunden wünschen wir aus Anlass des Jahreswechsels n&'Tim nn-ni Die Redaktion der „ Oesterreichischen Wochenschriftu Dr. JOS. S. BLOCH. Die Kandtagswahlen in der Keopoldstadt. Indem ich es der geehrten Redaktion überlasse, meinen folgenden Betrachtungen und Aeußerungen den ihr gutdünkenden Platz in der nächsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" einzuräumen, unterbreite ich getreu dem von mir in meiner öffentlichen Laufbahn allezeit betätigten Grundsätze klarer Offenheit, allen,, die es angeht, das folgende: In vollster Uebereinstimmung befinde ich mich mit jenem Teile des in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift erschienenen „Appells an die jüdische Wählerschaft", daß der einzige und ausschließliche Zweck des bevorstehenden Wahlkampfes die Wiedergewinnung des bisher von Dr. Karl Lueger innegehabten Mandates durch die freiheitlichen Parteien bildet und daß alle anderen persönlichen und Gruppeninteressen hinter diesen Kampfzweck zu treten haben. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, habe ich von allem Anfänge meine Kandidatur für den niederösterreichischen Landtag nur für insolange und für den Fall aufgestellt, als nicht ein von allen fortschrittlichen Gruppen auf den Schild erhobener gemeinsamer Kandidat gefunden sei. Ich habe mit der Erklärung der Annahme der Kandidatur trotz Drängens meiner Freunde bis zu dem Zeitpunkte gezögert, in welchem eine von beiden fortschrittlichen Gruppen der Leopoldstadt beschickte Vertrauensmännerkonferenz in der Lage gewesen sein konnte, einen Ausweg aus dem durch die Aufstellung meiner und der Kandidatur Dr. Schwarz-Hiller geschaffenen Zwiespalt zu finden. Ich habe erklärt, mich der Entscheidung dieser Vertrauensmännerkonferenz bedingungslos zu unterwerfen, wofern auch das gleiche von der anderen Seite geschehe. Die am 14. d. M. abgehaltene, einverständlich eiuberufene Konferenz wurde aber dadurch geradezu vereitelt, daß Herr Dr. Ofner gleich anfangs der Beratungen in der dezidiertesten Weise erklärte, daß von seiner Gruppe an der Kandidatur Dr. Schwarz-Hiller unter allen Umständen, und welche Beschlüsse immer die Konferenz fassen möge, festgehalten werde. Erst nach diesem negativen Resultate des zur Einigung der widerstreitenden Bestrebungen berufenen Areopags habe ich die Kandidatur anzunehmen erklärt, nicht ohne neuerlich in der unzweideutigsten Weise auszusprechen, daß ich in jedem Stadium des Wahlkampfes auf meine Kandidatur zugunsten desjenigen dritten Kandidaten, den die beiden in Betracht kommenden fortschrittlichen Gruppen der Leopoldstädter Wähler finden, verzichten wolle. Ich tat dies in dem Bewußtsein, daß eher die Ernsthaftigkeit meiner Kandidatur als meine Parteitreue in Frage kommen dürfe. In der am 22. d. M. stattgehabten großen Wählerversammlung in der Leopoldstadl habe ich auch noch öffentlich das Versprechen hinzugefügt, für den Fall, als es zur Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatur komme, derselben meine ganze agitatorische Kraft so zur Verfügung zu stellen, wie wenn ich für mich selbst zu kämpfen hätte. An meiner vollkommensten und tadellosesten Loyalität hat es daher niemals gefehlt und fehlt es heute nicht. Allein Niemand, der nicht geradezu verblendet ist, kann mir zumuten, daß ich mir selbst und meinen politischen Freunden die Demütigung auferlege, die in einem meinerseitigen Verzichte zugunsten des Herrn Dr. Schwarz-Hiller liegen müßte. Wer, wie ich, ohne Ruhmredigkeit von sich sagen kann, daß er ein ganzes Menschenalter hindurch an keinem Punkte gefehlt, wo eines Freisinnigen Wort oder Tat notwendig war, wer, wie ich, in seinen politischen Ueberzeugungen nie geschwankt und gewankt hat und allerorten in Rede und Schrift für die freiheitlichen Interessen seiner Mitbürger und die Ehre seiner Glaubensbrüder eingetreten ist, wer, wie ich, auch seine ärgsten politischen Gegner zu einer gewissen Anerkennung gezwungen hat, der hat nicht nötig, den

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