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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-09-23 · 38 (23.9.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
38 (23.9.1910)
Date
1910-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 634 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 39 Lpbofftz Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. S. F r a n kfurter in Lobofitz a. E. hat sich mit Fräulein Amanda Js a a cs aus Breslau verlobt. Lemberg. Am 4. September l. I. fand um 11 Uhr vormittags am hiesigen israelitischen Friedhofe die Enthüllung der renovierten Grabstätte und des aus einem aus schwedischem Granit durch ein Eisengitter flankierten Obelisken bestehenden neuen Grabsteines nach dem im Jahre 1868 verstorbenen berühmten Hebraisten und jüdischen Gelehrten Abraham Mendel Mohr, Herausgeber der ersten „Jüdischen Zeitung", in würdevoller Weise statt. Dem feierlichen Alle wohnten bei: Herr Leopold Mohr aus Falkenau, Böhmen, welcher in kindlicher uud pietätvoller Weise das Andenken seines gottseligen Vaters ehrend, vorgenanntes Denkmal errichten ließ, ferner Herr und Kcau Beittel, Tochter und Schwiegersohn, Emil Mohr uud Frau, JUDr. Julius Qundratstein, Enkel, so auch die Herren Moses und Arthur Polturak, Sam. Spi eg l saull Frauen u. v. a. Der löbl. isr. Kultusgemeinde resp. der löbl. Spitalsverwaltuug sei an dieser Stelle für das humane Fördern vorgenannten Zweckes der besondere Dank zum Ausdruck gebracht, so auch dem Meister Herrn Hirsch Mandel für die exakte und kunstvolle Ausführung der ihm übertragenen Arbeit! Oderberg. (Kultusausschußwahl.) Die mittelst Erlasses des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht neukreierte Kultusgemeinde in Oderberg-Bahnhof-Schönichel hielt am 2. d. M. die Wahl des Kultusausschufses ab, in welchen die nachbenannten Herren mit großer Stimmenmehrheit gewählt wurden und in der am IS. d. M. abgehaltenen Sitzung sich folgendermaßen konstituierten : Bittor Lustig, Präses. Dr. Ferd. Goldklaug, I. Stellvertreter. Hermann Jmmerglück, II. Stellvertreter, Josef Zänker, Leopold Wiener, Emil Spitzer, Josef Schwarz. Kultusräte. Ignatz Kohu, Josef Smetaua, Jakob Glaser, Jakob Huppert, Jakob Kaßler, Richard Sonnenschein, Eduard Bernstein, Josef Tobias, Salomo» Eicheubaum Jakob Windholz, Leopold Brenner, Kultusausschüsse; Eduard Eichendaum.SalomonTramer. Jakob Brauner, Simon Kaßler, Joachim Gansl, Samuel Danach, Ersatzmänner. Wir hegen die Hoffnung, daß die junge Kultusgemeinde unter der Leitung dieser Männer, deren größerer Teil bereits beim Bethausvereine als Führer desselben in der Förderung der kultuellen und sonstigen Institutionen sich bewährt haben, erstarken und einen immer größeren Anfschwung nehmen wird." Feuilleton. Skizze« ««d Studie« zue Geschichte dee Juden i« Polen. Von Dr. Majer Balaban, Lemberg. VI. Das offizielle Protokoll der Frankisten- Drsputatiorr in Lemberg. <17. Juli -10. Sept. 1789.) (Schluß.) Noch eine Frage soll hier erörtert werden und zwar betreffs der Vertreter der Juden in der Disputation. Ueber diese Vertreter wird in der einschlägigen Literatur heftig gestritten und letztens entbrannte darüber ein heißer Kampf zwischen den Verherrlichern des Chassidismus und Schaja Horowitz, dem Redakteur des Heathid (^Berlin),16). Es handelt sich darum, ob der Gründer des Chassidismus, Israel Vescht, an dem Disput teilgenommen hat, was für seine Biographie von großer Wichtigkeit wäre: wir hätten sodann wenigstens einen historischen Punkt in seinem ganzen legendären Leben. Graetz bringt darüber einen Bericht Abrahams aus ,6) Haeschkol Bd. VI (1909) S. 64 und die Antwort G i n z i g S auf S. 58, wo Buber Salomos: Anfche Schem als Archivquelle angeführt wird. Scharygrod in Emdens: Sefer Schimusch — die er selber als „sehr vage Md ungenau" charakterisiert.^) In dem Bericht, der von allen Historikern bis herunter auf Einzig,^) Buber, Horodetzki,") Schechter, Kahana^o) wiederholt wurde, — kommen Israel Mitzdzyboz Baal-Schem mit dem Lemberger Rabbiner Chaim Kohen Rappoport und Beer aus Jazlowiec als Vertreter der Juden vor. Unser offizielles Protokoll kennt Rappoport und zwei andere Rabbiner: den aus Bohorodczany und den aus Stauislau. Die parallele christliche Quelle (Awedyk bringt die Namen dieser Rabb. Nutka M o s i e k (Natan Mosche) aus Bohorodczany, D a w i d ben Abraham aus Stauislau; den Vornamen Rappoports verdreht die Quelle. Wenn wir den Bericht Abrahams aus Szarygrod mit dem offiziellen Bericht Awedyk's und Pikulski's zusammenstellen, so müssen wir ohne Zweifel der zweiten Quelle Glaubien schenken. Denn die beiden Patres waren bei der Disputation anwesend und halten die schriftlichen Eingaben der streitenden Parteien in den Händen gehabt. Beide tragen den Juden großen Haß nach, sind aber anbei genug Ehrlich, um die Eingaben wortgetreu in ihren Werken wiederzugeben. An den Namen der Rabbiner und an ihren Trägern lag den beiden geistlichen Herren wenig daran, obwohl sie auch dieselben gut kennen mußten, da sie bei zwölf Sitzungen immer auf die drei Redner gurückkommen. Anders Abraham aus Scharygrod. Er wohnte nicht in Lemberg, war nicht in der Kathedrale, hatte zu den Sitzungen keinen Zutritt und berichtete an Emden nur das, was er vom Hören-Sagen aufgefangen hat. Auch mutz hier die Fraae der Authentizität des ganzen Berichtes, wie auch die Identität der Person Baal-Schems im allgemeinen in Erwägung gezogen werden. Denn er wird im Berichte Abrahams als Rabbiner von Rözdot bezeichnet, wogegen der .Gründer des Chassidismus niemals offizieller Rabbiner gewesen ist.^y ' i; :' i i Zwei Möglichkeiten müssen noch in Erwägung gezogen werden. a) Vor der Lemberger Disputation war eine Disputation in Kamieniec-Podolski, wo der wahre Vaal-Schem eher gewesen sein konnte, da er, in Po doli en geboren, dort die meisten Anhänger fand. b) Bei der Disputation in Lemberg waren 40 Rabbiner erschienen, somit konnte er einer der 40 gewesen sein, was später von seinen Anhängern ausgenützt wurde, um seine Verdienste auszuposaunen.^) Änd doch spricht gegen seine Anwesenheit der Umstand, daß er kein Rabbiner gewesen und von den offiziellen Rabbinern sogar mißachtet und verfolgt wurde. Chaim Kohn Rappoport der Lemberger Rabbiner war in seiner Zeit der größte Misnaged (Gegner). lleberdies weiß ja die offizielle Legende (Schwa- 17) Frank und Frankisten S. 6 und*50 Anmerkung 1. r») Rabbi Israel Baal Schem, der7Stifter des Chassidismus (Brünn 1903) S. 41. ") Rabbi Israel Baal Schem, sein Leben und seine Lehre (Berlin 1909) S. 18 ff. (bebr.) a0) Rabbi Israel Bescht, Chajow, Schitato u' P'ulato (Schitomir 1902) S. 118 ss. 21) Das Werk erschien anonym mtb fiei&t: Opisonie wszystkich dworniejszych okolicznosei nawröcenia do -wiary swie tej contratalinudystöw usw. Lembera in der Jesuitendruckerei 1760. (Offolinski'sche Bibliothek Nr. 20792.) **) Auch kennt die Tradition in Rozdo'l keinen Rabbiner dieses Namens, was um so eher gegen Baal Schem zeugt, da die ganze Judengemeinde in der Stadt chassidisch ist. **) So kam nach Lemberg zur Disputation der Rabbiner aus Opatow, denn wir finden im Pinax der Stadt eine Kassaposttion aus dem Jahre 1759: „Für den Rabbiner, der zur Disputation nach Lemberg zog. 10 Fl." Siehe S u l i m a: Historya Frank« i Frankistow. Krakau 1893) S. 110 Anmerkung 4.

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