Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. SS Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 597 Presse als auch nicht minder die ausländische Diplomatie diesen durch und durch korrupten und faulen Bojareustaat mit viel zu viel Nachsicht behandelt. Da liest man nur Phrasen, wie die vom „zivilisatorischen Werk eines edlen deutschen Fürstenpaares", „von einem Bollwerk der Kultur an der unteren Donau", „von einem zweiten Paris an der Dimbovitza", „von dem Belgien des Ostens" und andere bezahlte und unbezahlte Schönfärbereien. Aber diesmal waren dem „Matin" diese Phrasen nicht mehr genügend ausreichend für seine Lobhudelei. In seinem letzten Reklame- Artikel über Rumänien berauschte sich der „Matin" immer mehr in seinen Lügen über dieses Land, bis er schließlich den Gipfel der Fälschung erlangte und die dreiste Impertinenz aufbrachte, von „Rumäniens unwandelbarer Treue in der Einhaltung der eingegangeuen Verpflichtungen" zu sprechen! . . . Die Vertragsbrüchige und verlogene regierende Oligarchie in Rumänien wird selbst in ein homerisches Hohngelächter ausbrechen, wenn sie diese neueste Lobeshymne des Pariser „Matin" schwarz auf weiß zu Gesicht bekommt, welche sämtliche Bukarester Tagesblätter an auffallender Stelle in durchschossenem Druck bereits reproduzieren. Auf die bekannte Ausrede: dous. üäos, die für gewöhnlich allüberall, wo es nicht anders geht, herhalten muß, kann sich der „Matin" unter keinen Umständen berufen; in diesem Falle ist bona fides absolut ausgeschlossen. Wir fragen: „Hat keiner der Redakteure des „Matin" davon gehört, daß das furchtbare Schauspiel, welches der Auszug von Scharen rechtloser, mißhandelter, hungernder Juden aus Rumänien in jüngster Zeit bot und heute noch bietet, nur die Folge der dort herrschenden barbarischen Rechtszustände und die Reprise einer gräßlichen Tragödie ist, welche das zivilisierte Europa schon wiederholt mit Entsetzen und Empörung erfüllte? Ist es dem „Matin" völlig verborgen geblieben, daß der Berliner Kongreß bereits diesen Schändlichkeiten dadurch ein Ende machen wollte, daß er deren Beseitigung als eine Bedingung für die Erklärung der Unabhängigkeit Rumäniens aussprach?! Und weiß in der Redaktion des „Matin" wirklich niemand was davon, daß die Behandlung der Juden in Rumänien — trotz der im Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen — heute, wie vor Jahrzehnten, nichts als eine schamlose Verhöhnung von Recht und Menschlichkeit bedeutet?! Kennt der „Matin" nicht die „Rechtszustände" in diesem „Kulturftaat", wo aus „gesetzlichem" Wege tausende und abertausende Einwohner dieses Landes, das die G r ä b e r ihrer Eltern birgt und wo die Wiege ihrer Kindheit st and, durch eine F i k t i o n zu „Fremden" gestempelt werden?! Die von der rumänischen Regierung geübte dreiste Verleugnung der übernommenen Verpflichtung im Berliner Vertrag raubte den Juden des Landes nicht nur das Brot, verruchte Politiker dieses „Kulturstaates" wollten sie auch dem geistigen Tode preisgeben. Man erschwerte ihnen den Besuch der öffentlichen Schulen, hinderte sie aber auch an der Errichtung von Schulen aus eigenen Mitteln! Und um dem „Matin" den „Geist" der rumänischen Judengesetze recht anschaulich zu demonstrieren, berufen wir uns auf einen rumänischen Staatsmann selbst, auf den ehemaligen D o m ä n e n m i n i st e r Peter Carp, einen der wenigen rumänischen Staatsmänner, denen die Wahrheit höher als der Judenhaß gilt, der, von flammendem Rechtsgefühl beseelt, cs gewagt hat, seinen Landsleuten in öffentlicher Parlamentssitzung ein Sündenregister vorzuhalten. Im Jahre 1893 — nach einer der vielen rumänischen Judenhetzen — rief er der Kammer zu: „Ich sage, d i e Nation wird in Gefahr sein, wenn Sie nicht so arbeiten wollen, wie die Juden. Hierin liegt die Lösung der Judenfrage ... Die Erfahrung des Vergangenen belehrt Sie in Nichts. „Sie haben die Juden in der Donan ertränkt! Sie haben mit ihnen gemacht, was Sie nur wollten! (Zwischenruf: „Sie denunzieren das Land!") Ich habe nichts anderes getan^ als Ihnen Gesetze dieses Landes zitiert. Ich habe die Vertreibung der Juden aus den Landgemeinden erwähnt; ich habe alle von Ihnen getroffenen Maßregeln zitiert!" Und es ist in Rumänien seit dem Jahre 1893 nicht anders... nicht besser geworden! . . . Das Pariser Blatt „Le Matin" ignoriert aber mit tendenziöser Perfidie diese Tatsachen und lügt bewußt, wenn es von Rumäniens „unwandelbarer T r e u e in der Einhaltung der eingegangenen Verpflicht u n g e n" zu schreiben wagt! „Le Matin" hat damit ein f r e ch e s F ä l s ch e r st ü ck verbrochen, welches öffentlich gebrandmarkt werden muß. _ W. — Vom Jahrmarkt des Lebens. Hebräische Geheimschrift in Japan. Wiederholt haben Reisende auf den Umstand hingewiesen, daß die Japaner nicht nur in ihren Legenden, sondern in manchen Gegenden auch körperlich viele Ähnlichkeiten mit den Juden aufweisen. Ueber eine sehr interessante Beobachtung, die er in Japan gemacht haben will, berichtet jetzt H. I. Philipp im „Iewish Spectator". ..Ich habe vier Jahre in Japan gelebt", schreibt Philipp ..und hatte während dieser Zeit Gelegenheit, eine große Anzahl jener Inseln zu besuchen, die das Reich des Mikado ausmachen. Diese außerordentliche Aehnlichkeit der Eingeborenen mit dem jüdischen Xi)= pus erweckte meine Neugierde und regte mich zum Studium ihrer Sitten und Lebensgewohnheiten an. Die auffallende Eigenart aller jenen Eingeborenen, die Juden gleichen, bestand zunächst in ihrer Vorliebe für den Handelsstand. Bauern, Arbeiter oder Handwerker waren unter ihnen nicht zu finden. Sie wohnen zumeist in irgend einem Vororte einer großen Stadt. Manche von ihnen hatten große Geschäfte in der Stadt. Wo ich eine solche judenähnliche Familie fand, war ich sicher, neben ihr noch ein Dutzend solcher zu finden, mit denselben charakteristischen Gesichtsausdrücken: „Auffallende Nase, volle Lippen, kluge Augen und das Gesicht im Allgemeinen nicht so geformt, wie dasjenige, eines reinen Japaners. Männer waren schlanker als die übrigen Japaner, und ihre Frauen weißer und viel hübscher. Sie waren gute Eltern und wußten, mehr als die übrigen Japaner, die Traulichkeit des Familienheimes zu schätzen. Eines Tages ging ich durch die Hauptstraße der Stadt Kobe, die Motomachistraße und betrat eines der größten Galanterie-Geschäfte, das einem Eingeborenen gehörte. Sein Besitzer war ein Mann von prononziertem japanisch-jüdischem Typus. Ich betrachtete eine Porzellanoase, für welche er fünf Pen verlangte. Ich war nicht wenig überrascht, als ich auf dem Zettel, der auf die Vase geklebt war, zwei hebräische Buchstaben bemerkte. Der Geschäftsinhaber erklärte mir, dies seien seine Privataufzeichnungen und stellen den Kostenpreis dar. Scherzend machte ich die Bemerkung, ob es nicht zu viel fei, für einen Gegenstand, der ihm selbst 32 Cents gekostet habe, fünf Dollar zu verlangen. Der Japaner war ordentlich erschrocken, als er fein Geschäftsgeheimnis verraten sah. Lächelnd fragte er auch dann, wie es möglich sei. daß ein Fremder, noch dazu ein Ausländer, die Zeichen habe entziffern können, von denen er glaubte, daß sie sein und seines Sohnes Ge-