Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021910--19555-3044545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 36 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVII Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums, A. kr. Pofisparkrakfrnarnk Q Lleartng-VerK ebr Mr. S10.976. Redaktion und Administration: 0» Wim IX/if Hahngasse Nr. 15. lz Telefon Nr. 14.847. <1 nO ■ Oo -n n- Wien, 9. September 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngasse 15. * Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«, oo - —~o o Vr;ugspreis für Vesterrrich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle? . Für's Au»l«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. C, n O —Q o Inhalt: Leitartikel: Prof. Salamon Reinach in Paris und Schriftsteller M. A. Klausner in Berlin. — Die Sprache der Inden. — Ein Fälscherstlick des „Le Matin". — Vom Jahrmarkt des Lebens: Hebräische Geheimschrift in Japan. Der Gynäkologen- Kongreß in Petersburg und die jüdischen Aerzte. — Korrespondenzen: Rabbiner Dr. Elieser David. Rabbiner-Installation in Altofen. Dr. Ludwig Bendiener. Karlsbad. Triest. Oberrabbiner Moses Grünwald s. A. Das Ritualmordmärchen in Kovesd. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Der König von Bulgarien ia Sarajewo. Der Moskauer Gruß an Prof. Ehrlich. — Vermischtes. — Feuilleton: Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Polen. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Prof. Salamon Hrinach in Paris und Schriftsteller M. A. Klausner in Kerlin Prof. Salamon Reinach, Vizepräsident des Zentralkomitees der „Alliance Israelite Universelle“ in Paris, Mitglied der Jewish Coloniziation Association, ist einer der ersten und angesehensten Philologen und Archäologen Frankreichs — eine hervorragende Autorität auf dem Gebiete der griechischen Altertumskunde. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Werte werden von den Fachgenossen hoch eingeschätzt. Auf dem Gebiete der jüdischen Altertumskunde ist er jedoch wenig zu Hause. Das zeigt namentlich eines seiner letzten Werke, welches in Frankreich viel gepriesen wird und auch dem deutschen Publikum durch eine genaue und fachkundige, vom österreichischen Reichsratsabgeordneten Dozenten Dr. , Arthur Mahler besorgte Uebersttznng zugänglich gemacht worden ist. Das Werk führt den Titel: „Orpheus. Allgemeine' Geschichte der Religionen. Deutsche, vom Verfasser durchgesehene Ausgabe von A. Mahler, Wien und Leipzig 1910, I. Eisenstein u. Co." In unserem Literaturbericht Nr. 31 war in einem objektiven Referat über dieses Buch als „auffallend" vermerkt:? ' »Für clie Gescliichte der Hebräer und Juden werden, von einem gelegentlichen Hinweis auf die „Revue des Etudes juives“ abgesehen, die wichtigen,. auch von christlichen Autoritäten beachteten Arbeiten jüdischer Forscher nicht berücksichtigt. Die Ausführungen halten sich in den bekannten Bahnen, der extremsten Bibelkritik und der „Geschichte Israels“ von christlichen Autoren mit unzureichender Quellenkenntnis und einseitigem Urteil. „Hexateuch“, heißt es 8. 161, von „hex sechs, teuche Bücher“ statt teuchos. „Die Gesetzgebung und Moral des Pentateuch (also hier so!) ist noch ganz von Tabus durchsetzt“ (168) und auf das Zehngebot und andere, sittlich hochbedeutsame Gesetze wird Sogleich exemplifiziert, wobei der Sabbath wieder als „dies nefastus“ herhalten muß. Die Prophetin Deborah war „zweifellos die Hierodule eines totemistischen Kultes“ (171). Der große „Philosoph von Cordova“ (8. 192) heißt nicht Josef, sondern Moses Maimonides. „Im 17. Jahrhundert mordete man die Juden in Spanien und Polen“ (8. 191), aber Spanien hatten sie ja 1492 verlassen. . Die ersten judenfreundlichen „Maßnahmen stammen von Friedrich dem Großen“ (149). Welche? „Chassidim“ bedeutet nicht „Ergebene“ (196). Die Sehnsucht nach Palästina wird 8. 137 als „alte Chimäre“ bezeichnet. 8. 216 werden Verzüge des Christentums, „des mächtigsten, geistigen Aufschwunges, der je die Seelen ergriffen und sie noch heute gefangen hält“, vor dem Judentum aufgezählt.« Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt" indeß widmete diesem Werke einen Leitartikel (gezeichnet Ben Koyeleth) der sich zu nachstehender Auslastung über Salamon Reinach verflieg: „Was jüdisch ist, haßt er und bereitet ihm innere Beiden: wenn man ihm die hebräische Sprache erwähnt, gerät er in Zorn, wenn man ihm von jüdischer Renaissance spricht, ist er außer sich, und wenn er vom Zionismus hört, kennt seine Wut keine Grenzen. Was Wunder, wenn sein ganzes Streben nur darauf gerichtet ist, alles Jüdische zu vernichten, alles Jüdische aufzugeben und zu assimilieren. Und ein solcher Mann ist V ersitzender der Alliance, Mitglied der „Ica“ und schreibt die Geschichte des Judentums!“ Prof. Salamon Reinach sandte Hierauf der genannten Redaktion nachstehendes Schreiben: Paris, August 1910. Empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank für die wohltuenden Spalten, die ihr werter Mitarbeiter Ben-Koheleth in Ihrem Blatte vom 29. Juli meiner Wenigkeit zu widmen geruhte. So eine Schimpfrede hat mir den höchsten Genuß bereitet! Es wäre ja jammerschade, wenn nur dumme Mönche und beschränkte chauvinistische Theologen gegen mein Buch »Orpheus« als Verteidiger der Religionen auftreten sollten. Ein fanatischer Jude gehörte in diese Gesellschaft; auch ist jüngst ein Mameluk gegen mich ins Feld gezogen. Wie ich mich schon freute, vor anderthalb Jahren, da die französische Ausgabe des »Orpheus« allein erschienen war, als ich eine recht boshafte Rezension von American Hebrew zu lesen bekam! Ich dachte: „Also, das wirkt!“ Was kann ein Freisinniger eifriger wünschen, wenn er zur Feder greift, als daß die Dunkelmänner jeden Rockes sich gefährdet fühlen? Nun sind die jüdischen Dunkelmänner wohl am leichtesten zu erregen, und wenn die Herren einmal schimpfen, so tun sie es bekanntlich ohne jede Rücksicht auf Anstand. Wie Schiller schrieb, — oder doch hätte schreiben können: Gefährlich ist’s, den Gol zu wecken, Verderblich ist des Pfaffen Zahn, Jedoch der schrecklichste der Schrecken, Das ist der Jud’ in seinem Wahn! Doch, warum soll es so sein? Judentum heißt heute weder eine Religion, noch eine Rasse, noch ein Volk, noch