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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-26 · 34 (26.8.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 574 Dr. Nlochs Wochenschrift. Nr. 34 Literatur. Ursprung des Familiennamens „Wahl''. Von I. H. Wetstein, Krakau. In Nr. 28 —30. der „Oesterr. Wochenschrift" behandelt breit und weit Herr Dr. M. Balabau den Zunamen „Wahl" des bekannten Rabbi Saul Katzeneüenbogen und wie es scheint, ist ihm die darüber in r6»n VI. S. 478 und „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" 45. Jahrgang Seite 92 von mir erschienene Erklärung unbekannt. Weit auseinander gehen die Meinungen der Gelehrten über den Ursprung dieses Zunamens. C h a j e s und Edelmann wollen den Zunamen vom deutschen Worte „Wahl" herleiten. Der erstere meint, Rabbi Saul sei so genannt worden, weil er das „Wahlrecht", am polnischen Reichstage gleich den Adeligen des Landes teilzuuehmen, erhalten habe; der letztere dagegen möchte annehmen, die Bezeichnung stamme daher, weil Rabbi Saul nach der bekannten Legende eines Tages oder eines Nachts zum König von Polen gewählt worden fei.1) Prof. Kaufmann aus Budapest glaubte, das Wort „Wahl" für verderbt aus „Weil" zu halten und anzunehmen, daß Rabbi Saul Katzenellenbogen der berühmten Familie „Weil" angehört habe. Andere schlugen noch entlegenere Wege ein und wollten den Namen von dem polnischen Worte „wöl",' d. h. Ochs ableiten und meinten, daß Rabbi Saul wegen seiner Verschwägerung mit der Familie S ch o r (mv) den Namen angenommen oder erhalten habe.-) Allein alle diese Deutungen beruhen aus weit hergeholten Vermutungen, die sich als haltbar nicht erweisen. In Wahrheit ist weder an „Wah l" noch an „W e i l" noch an „Wolu zu denken, sondern bKii bedeutet einfach der „Welsche", der „Italiener". Rabbi Saul bKvi, der sich nachher in Bresc Litewsk niedergelasien hat, war bekanntlich der Sohn des Rabbi Samuel Jehuda Katzenellenbogen, Rabbiners in Padua und kam aus Italien nach Polen, zunächst zu vorübergehendem und dann zu dauerndem Aufenthalt. Nach seinem Heimatslande Italien nannte man ihn darum bnii, d. h. der „Welsche", gerade so wie wir die aus Italien stammenden Nüsse Wal nüsse, d. h. welsche Nüsse uennen. Einen schlagenden Beweis dafür habe ich im hiesigen Staatsarchiv gefunden, woselbst in einer Urkunde der Name bsn mit „Moch" d. h. der Italiener übersetzt wird. Es findet sich nämlich Hierselbst eine polnische Schuldurkunde aus dem Jahre 1623, nach welcher der Jude Markus Wloch aus Krakau von dem hiesigen christlichen Kaufmann Wojciech Chodrowicz 2500 polnische Gulden, (den Gulden zu 30 Groschen), entliehen und seinem Gläubiger sein Haus und feine übrigen beweglichen und unbeweglichen Güter verschrieben hat. Diese Urkunde unterschrieb der Jude in hebräischen Schriftzeichen wörtlich wie folgt: ."b>Kn “tkö tnpsn b'i nss1 p tkö,, Daraus ergibt sich, daß „Wtoch" die Uebersetzung von ist. Und gerade so wie Rabbi Meir bau aus Italien stammte, während seine Ahnen, offenbar ursprünglich in Deutschland ansäffig gewesen waren — wie ja seine eigenhändige Unterschrift deutlich beweist — so kam bekanntlich auch Rabbi Saul aus Italien, während sein Vater, wie nicht minder bekannt ist, aus Deutschland stammte, und zwar aus dem Flecken Katzenellenbogen in der heutigen preußischen Provinz Heffen- Naffau. So war bekanntlich auch Rabbi Meir v. Padua, der Großvater des Saul Wahl, ursprünglich ein Deutscher, wie es sich zum Ueberfluß aus einem Briefe des Rabbi Elia Kapsoli an Rabbi Joseph Karo ergibt, in welchem es von ihm heißt: '22VN -TK& mo brwm ru?a brun 2N.1 musn rvopab P'NM 3) H2HB2 ,12'V' V82 Herr Dr. Balaban irrt sich sehr mit der Behauptung (Nr. 30 S. 509), daß Saul am Leben nicht den Namen 0 Vgl. bwo nbna fol. 1 b. 14 b. 3> Vgl. nbnn my S. 16 Anm. 12 und S. 17 Anm. 14 und Bloch, in der Zeitschrift für „die Landeskunde der Provinz Posen" Bd. 4, S. 254 ff. 3) f?2n np2K Nr. 64. „Wahl" führte und dieser Name erst nach seinem Tode entstand. „Wal" bedeutet nichts anderes als „Italiener", wie ich genügend bereits motiviert habe, und wenn Saul nicht am Leben diesen Zunamen erhalten und geführt hätte, so möchten nicht seine Kinder die geborenen Polen den Namen „W a l" tragen. Von Mitgliedern der Familie „Wal", die hier in Krakau ansäffig waren, sind mir dem Namen nach bekannt Rabbi Isaak Katzenellenbogen, ein Enkel des Rabbi Saul „Wal"^) und Rabbi David ben Mose Katzenellenbogen, welcher zum Gemeindeausschuß gehörte, der die Verordnungen vom Jahre 1596 unterschrieben hat 4 5 6 * 8). Wahrscheinlich gehörte auch der Letztere zu den Seitenverwandten des Rabbi Saul Wal, dessen Vorfahren, wie bekannt, den Zunamen Katzenellenbogen trugen. Außerdem kommen in den Gemeindebüchern vergleichsweise häufig Vorsteher und angesehene Gemeindemitglieder vor, die den Familiennamen führten, und gehörten entweder zur Verwandtschaft des Rabbi Saul vnn oder trugen darum diesen Namen, weil sie, wie gesagt, aus Italien stammten. Beiläufig will ich bemerken, daß unter der erwähnten Schuldurkunde sich auch das Petschaft des Meir Wal befindet. Es steht darauf in der ersten Zeile der hebräische Buchstabe „2" und drunter in lateinischer Schrift „Me B." Ich möchte meinen, daß mit „0" und „Me" der Vorname Rabbi M e i r s, und mit „B" sein Zuname „Bloch" d. h. „Moch", der „Welsche", bezeichnet werden soll°). Rabbi Meir Wal war der Schwiegervater des bekannten Talmudisten und Kabbalisten Rabbi Chaim Büchner, Autor des "v-in -iik„ (Amsterdam, 1671) und starb hier am 23 Tischri 1644?) Gelegentlich bemerke ich, daß Isaak Nachmanowicz^) war Schwiegervater des Rabbi Mose ben Rabbi Jekeles, Vorsteher zu Krakau und der Vierländersynode, Schwiegervater des bekannten großen Talmudisten und Kabbalisten Rabbi Natan Spiro, Verfasser des bekannten Werkes rrpiöy nbaia.9) Charakterbild eines Königs. Ein Merkchen, das weitester Beachtung gewiß sein kann, ist soeben bei Karl Eurtius in Berlin erschienen, unter dem Titel: Charakterbild eines Königs von Großbritannien und Irland, von Marquis von Halifax nebst Aphorismen des Autors. Uebersetzt von Gräfin Agnes zu Reventlow, herausgegeben von Universitätsprofessor F. Tönnies in Kiel. Preis M. 1.50. Das Buch bat folgenden Inhalt: I. Seine Religion. II. Seine Verstellung. III. Seine Liebschaften und Maitressen usw. IV. Sein Verhältnis zu seinen Ministern. V. Sein Verstand und seine Unterhaltung. VI. Seine Talente. Politische Gedanken und Reflexionen. Moralische Gedanken und Reflexionen. Diese Abhandlungen, die als wahre Kabinetsstücke für alle literarischen Feinschmecker bezeichnet werden können, verdienen wegen ihres literarischen Werkes studiert zu werden. Witz ist darin, aber auch Humor, Bosheit, aber auch Güte; durchdringende Klugheit, Kraft und Frische. Wer sie kennen lernt, wird ihren Wert gewahren und immer wieder darnach greifen. Marquis von Halifax war ein Mann von großem Verstände, voll von Leben und einer glänzenden lichtvollen Beredsamkeit. Unerschöpflich fruchtbar, an Genie der Erste, einer der besten Köpfe, die je gelebt haben. Die Schriften dieses seltenen Mannes, einmal wieder lebendig geworden, werden nicht aufhören, dauerndes Interesse zu erregen und auf die Nachwelt zu wirken. Es ist darin so viel zu finden, das ewige Geltung hat. Könige stehen auf einem Platze, wo ste von allen Seiten gesehen und meistens bewundert, wenn nicht verehrt werden, ohne daß ihre persönlichen Eigenschaften dabei in Frage kommen. Der hier seinen König und Herrn schildert, besaß ein ungemein scharfes Auge und hat die Mühe eines eindringenden Studiums nicht gescheut. Ihm fehlte auch nicht die Unbefangenheit und Ueberlegenheit des Weltweisen, die zur Erkenntnis der Menschen notwendig ist. So sind auch seine Aphorismen, Gedanken und Reflexionen dem Geiste eines Denkers und Staats- 4) Erwähnt in der Einleitung zu rnrnvb n»b, vgl. ü® ■’IMK, S. 233. 6) Vgl. meine o-w' mKcpjaa nvaiönp S. 23 am Ende von Nr. 4. ®) In Gemeindebüchern zu Krakau kommt oftmal -pb2. vor, und wie es bekannt ist, bediente man sich in alten Zeiten mit „2" (ohne Punkt darin) für „W" und daraus entstand dann „Bloch" anstatt „Wloch". *) Vgl. meine brr-iv' ’bi-u nnbinb S. 25—26 Nr. 23. 8) Siehe Bloch, „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 24 S. 412. 9) Siehe O'piVVv mb S. 214 Anm. 71.

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