Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite bS9 artig überhand genommen haben, daß sie als eine soziale Gefahr erkannt worden sind, gegen deren Verbreitung man jetzt mit aller Energie vorgeht, ist es mit Genugtuung zu begrüßen, daß sich einer der geachtetsten Gerichtsberichterstatter, der nahezu vierzig Jahre seines mühevollen Amtes waltet, auf das Drangen seiner juristischen Freunde entschlossen hat, nach eigenen Erlebnissen eine schlichte, wahrheitsgetreue, durch keine Reporterphantasie gefälschte Darstellung jener großen Kriminalprozesse herauszugeben, deren kulturhistorische Bedeutung fast die gesamte zivilisierte Welt empfand, als sie seinerzeit durch die Zeitungsberichte in geradezu fieberhafter Aufregung erhalten wurde. In mehr als einer Beziehung ist es von weittragendster Bedeutung, daß alle diese kulturhistorisch wichtigen Kriminalprozeffe der heutigen und späteren Generation in unverfälschter, historischer Treue erhalten bleiben! Denn wie das Strafrecht selbst gewissermaßen alle Phasen der Staats- und Menschheitsentwicklung mitgemacht hat. so bildet auch jeder große Strafprozeß zugleich ein ziemlich getreues Abbild des jeweiligen sittlichen Niveaus eines Volkes! Die Berufenen sollen zum Finden neuer Grundsätze angeregt werden- und dem großen Publikum wird — unter Rechnungtragung seiner Vorliebe für alles „Kriminalistische" — mit dieser Sammlung interessanter Kriminalprozesse eine gesunde Lektüre geboten, die außerdem jener oben geschilderten, Herz und Gemüt vergiftenden und verrohenden Schundliteratur einen wirksamen Damm entgegensetzt. Von dieser auf mehrere Bände berechneten Sammlung, deren jeder in sich abgeschlossen und einzeln käuflich ist, liegt nunmehr der erste vor. und schon der Umstand, daß einer der bedeutendsten Verteidiger Deutschlands, Herr Justizrat Dr. Sello (Berlin), denselben mit einem empfehlenden Vorwort versehen hat, dürfte nicht nur für seinen hohen sittengeschichtlichen Wert, sondern auch dafür sprechen, daß es sich hier um eine durchaus gesunde, ja, man möchte sagen, lehrreiche Lektüre für das große Publikum handelt. Aber auch der Jurist von Fach, der Arzt, der Psychologe, der Polizeibeamte und der Volkswirtschaftler werden darin gern und mit Nutzen blättern. Keine Romanphantasse kann Spannenderes, Ungeheuerlicheres ersinnen, als das wirkliche Leben in seinen Auswüchsen zutage fördert und das sich in allen großen Kriminalprozessen wiederspiegelt. Hiefür bietet schon der vorliegende Band von Friedlaenders Interessanten Kriminalprozessen den gültigsten Beweis, der uns folgende Prozesse vor Augen führt: Die Ermordung des Altonaer Zahnarztes Claus im Eisenbahncoupee. Den Kindesunterschiebungsprozeß Kwilecki. Den Hannoverschen Spieler- und Wucherprozeß (Olle ehrliche Seemann). Die Leiche im Koffer. Den Prozeß wider den Raubmörder Hennig, Den Xantener Knabenmordprozeß. Den Prozeß wider die Brüder des Alexianer Klosters Mariaberg in Aachen. Wider den falschen Hauptmann von Köpenik (Wilh. Voigt), Den Judenflinten-Prozeß. Gegen die Engelmacherin Wiese in Hamburg. Den Prozeß Erbe-Buntrock (Ermordung zweier „Reisebegleiterinnen" im Walde). Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk in der Reitbahn zu Gumbinnen. Den Prozeß gegen das Spiritisten-Medium Anna Rothe. Die Ausstattung des hübschen Bandes ist eine in jeder Weise gediegene und sorgfältige. „Bühne und Sport", die bekannte Berliner Zeitschrift, läßt in den nächsten Tagen eine Spezialttummer „Wien" erscheinen, die textlich und illustrativ ganz außergewöhnlich gehalten ist. Die bekanntesten Autoren und Zeichner haben an dieser zur Feier des 80. Geburtstages Kaiser Franz Joseph I. erscheinenden Festnummer mitgearbeitet. Sie enthält unter Anderen Beiträge von Freiherrn von Appel, Raoul, Auernheimer, Rudolf Hans Bartsch, Alfred Freiherrn von Berger, Paul Busson, Adolf Gelber, Hugo von Hoffmannsthal, Hans Müller, Ed. Pötzl, Roda Roda, Max Schacherl, Karl Schönherr. Otto Treßler, Paul Wilhelm, Stephan Zweig u. a. m., sowie illustrative Beiträge von Fritz Schönpflug. Hans Schließmann, Erich Schmal. Die Nummer wird in allen Buchhandlungen und bei allen Zeitungsverkäufern zu haben sein. „Die Hilfe." Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Aus Nummer 32 vom 14. August 1910: Heinz Potthoff, M. d. R. Ein Schulfall. — Wilhelm Cohnstaedt: Im Zeichen Roosevelts. — Ernst Grünfeld: Der deutsche Schulverein. — Ludwig Arnold: Das deutsche Hausgewerbe. — Gottfried Traub: Die Operation. — Karl König: Ersatzkünste. III. — Gustav H e i ck: Der Bauerngarten verschwindet. — Ernst Schur: Großstadt. Krirfkastr«. Lehrer M. L. Das darf Sie nicht wundern. Die Ch. rakteristik der Antisemiten durch den großen Physiologen Dr. Jakob Moleschott, einen arisch-germanischen Christen, vor etwa zwei Jahrzehnten, gilt leider noch heutzutage: „Die Antisemiten kümmern sich nicht um die Gewissen, nicht um fremde, nicht um das eigene, sie beneiden und verfolgen ihren Mitmenschen, wenn er sie an Geist und Glück überstrahlt. Die Schmach ist um so größer, weil Staatsmänner und Machthaber mitmachen. Lehrer des Rechts und der Bildung verleugnen, daß wir den Juden wie den Griechen die reichsten Quellen unserer Menschlichkeit, den eigentlichen Menschenadel verdanken. ES ist geradezu schrecklich, wie die Antisemiten mit ihrer neidischen Wut sogar einen Teil der sonst so edelmütigen Jugend vergiftet haben. ... Ist eS denn die Schuld der Juden, daß sie durchschnittlich begabter, edler, gemütswärmer sind als Ihr? Mußte es nicht so kommen, daß jene begabten, unermüdlich strebenden, aufopfernd liebenden Menschen (Menschen wie Ihr), nachdem man sie jahrhundertelang aus der Menschengemeinschaft, aus dem Schutze der Liebe und der freien Bewerbung verdrängt, verhöhnt, verpönt, verfolgt und mißhandelt hat, all ihre Kraft, ihre Lust und Liebe zusammennahmen, um sich dennoch den Boden zu erwerben, den der Mensch unter den Füßen haben muß, um ein menschenwürdiges Daseiu zu leben und zu geben? . . . Der Antisemitismus ist Undank, ist Neid, ist der rohe Ausbruch einer irregeleiteten kommunistischen Gesinnung, die sich mit StammeShaß, mit Glaubenseifer, mit Vaterlandsliebe bemäntelt, aber man muß ausharren im Kampfe, aber wenn man ausdauert, so wird der Gedanke siegen, wie er gesiegt hat über die weltliche Macht der Kirche und über diejenigen, die dem Volke Unmündigkeit bereiten, um eS in Feffeln zu schlagen." Ungewiß. Sowohl der Aviatiker Otto Lilienthal als auch der Biologe Mendeljef entstammen ehemals jüdischen Familien, find zweifellos semitischen Blutes. Kaph. Der berühmte jüdische Forschungsreisende Dr. Aurel Stein ist nach der Rückkehr von seiner zweiten asiatischen Reise zum Doktor der Universität Cambridge ernannt worden. Gelegentlich der Ueberreichung des hierüber ausgestellten Ehrendiploms richtete der Festredner an Dr. Stein eine lateinische Ansprache, in der er in ungemein schmeichelhaften Ausdrücken die wissenschaftlichen Verdienste Dr. Steins pries. Er hob insbesondere die Werke Dr. Steins über das Gebirgsgebiet des Indus und seine hochbedeutsamen Entdeckungen im Wüstensand begrabener Städte hervor, seine Forschungen im chinesischen Reiche» die von ihm aufgefundenen alten Bücher, ganz besonders aber die Bildnisse von Herkules, Minerva und Amor, die das British Museum Stein verdankt, dem „unermüdlichen, hochbegabten und überaus gelehrten Asienforscher." Zur gefälligen Beachtung! Wirersuehen diejenigen nnserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhebnng derselben von tms versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zu wollen. Die Administration. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. "w Ordination von 9—6. Telephon 18399. Bürgerschuldirektor a. D. (Israelit), nimmt Schiller in volle Pension Gewissenhafte Aufsicht and Nachhilfe. Sessler, Wien, II. Bezirk, Untere Angartenatrasse Nr. 31. 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