Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVII Zentralorsan für die gesamten Interessen des Judentums. -- Wien, 19. August 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie». IX/i, Hahugaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OO ■ -L?0? V-rugspreis Kr Drstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die 4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. G OQ ■- ——Do Q ÖO o TS. ft. Poflsxarftassensmt ClearlnflslDerft ebr Vir. §10.976. Redaktion und Administration: ß>itn K/if Hahugaffe Nr. 15. _ Telefon Nr. 14.847. o P . .O n Inhalt: Leitartikel: Der achtzigste Geburtstag des Monarchen. — Schlimmer als Plehwe. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Christlichsoziale Volksbeglücker. Das Judentum auf dem Berliner Weltkongreß für religiösen Fortschritt. Eine Millionenspende für Deutschland und England. Arischer Blutaberglaube. Juden als Weltreisende. Paul Ehrlich. Alfred Kirchhoff. Eugen Dühring. Katharina Wejgiel. — Die Symbolik im alten Israel. — Korrespondenzen: Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Die jüdischen Mittelschüler in Czernowitz. Ein jüdisches Gymnasium in Budapest. Die ungarische Grenzpolizei an der Arbeit. Die Grundlagcn des Friedensschlusses in Jerusalem. Ein folgenschwerer Erlaß in der Türkei. Spanien rechnet auf die türkischen Juden. Die Entwicklung der Warschauer Judengemeinde. Massenimmigration aus Rußland. Was in Rußland Militärdienst genannt wird. Der Begründer des Handelskammersystems in Persien. — Vermischtes. — Feuilleton: Verfolgung jüdischer Aerzte in Rußland. Juda Israel Löwy in Budapest. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der achtzigste Geburtstag des Monarchen Ein altes, fast schon versunkenes Dichterwort wurde gestern zur herrlichen Wahrheit: „In Deinem Lager ist Oesterreich!" Der Kaiser hat es an seinem achtzigsten Geburtstage wieder in unzähligen Tönen gehört, die in eine S»nphonie der Liebe sich vereinten und bis an die Grenzen de?Welt gehört wurden. Kein rauschender Lärm hat sich erhoben — es waren die unnachahmlichen, innigen Klänge eines echten Volksliedes, gesungen an einem von innerem Lichte strahlenden Festtage, den Kinder ihrem Vater bereiteten. Das ist der Lohn für zweiundsechzig Jahre, in denen Kaiser Franz Joseph zeigte, daß er sich wirklich als ein Gottgesalbter fühle. Denn kein zweiter Mensch im Staate, der imstande wäre, so viel niemals wankenden Edelsinn, so viel nie verzagende Geduld, so viel rastlose Pflicht mit der Kraft eines unbeschreiblich großen Herzens zu entfalten. Jedes Leid vermehrte die Hoheit unseres Kaisers durch die Art, wie es getragen wurde, und jede Minute dieses gesegneten und noch recht langen Lebens war ein Schritt zu unseren Herzen. Auch der Juden. Kein Schatten einer Betrübnis in unserer Seele, nur Rührung, Dank und Liebe, wenn auch wir unsere Segenswünsche an die Stufen des Thrones tragen, voll innerster' Hoffnung, daß ihnen reichste Erfüllung wird. Mag auch noch so viel im Staate durch die Ungerechtigkeit und Mißgunst der Massen geschehen sein, der edle Kaiser war es nie, der das gebilligt oder gefördert hat. Er hat uns im Gegenteil durch sein Beispiel, seine Anerkennung und seine Gerechtigkeit stets den Mut dazu eiugeflößt, der Bedrängnis standzuhallen und eine bessere Zukunft mit dem Vertrauen eines ehrlichen Arbeiters zu erwarten. Voll heißer Dankbarkeit erinnern wir uns daran, daß der Kaiser stets des Wappenspruches eingedenk war, den fein Ahne am äußeren Burgtor hat anbringen lassen, daß stets das Recht das stählerne Fundament in seinem Reiche war. . Zu einer Zeit, wo die nach ihm Mächtigsten im Staate im Sturm, der antisemitischen Agitation zu wanken begannen, durchdrang die^Stimme unseres geliebten Monarchen hell und scharf das Tosen der Feindschaft gegen uns, gab er allen Bürgern der Monarchie einen Moment der Besinnung mit den Worten, daß sein Herz keine größeren oder kleineren Distanzen kenne. Stets ein Mann der Tat, immer ein Herrscher, der durch das Beispiel wirkte, hat er nie direkt zu jener Politik das Wort ergriffen, an welcher wir vor allem beteiligt sind. Aber er gab genug, als er unseren Würdenträgern offen vor aller Welt seine Huld bewies, den Gebräuchen unserer Religion seine Achtung bezeugte, die verdienten Juden mit seinen Auszeichnungen schmückte und soweit sie in seinem Kreis allein und vor seinen Augen waren, die Tüchtigsten von uns an ihren Platz hat gelangen lassen. Von den Sorgen um so viele Millionen seiner Untertanen beschäftigt, hat er wohl nicht immer die Gelegenheit verhindern können, die manche seiner Mitarbeiter gegen uns ergriffen Aber wenn es auf ihm allein ankam, er selbst unbeirrt seine Entscheidung fällte, da war er auch uns ein gütiger Vater, dem alle Kinder gleich sind. Die Erfahrungen seines von höchster Weisheit geführten Lebens haben ihm ja gezeigt, daß nur ein unbegründeter Haß uns verfolgt, daß wir mit allen unseren Tugenden und Schwächen jedem anderen Stamm auf jedem Gebiete gleich sind, allen Völkern vielleicht voraus durch unsere niemals auch nur leise flackernde Treue einen Ausdruck unseres historischen Nationalcharakters. Auf dem Schlachtfelde und in der Werkstatt sind wir überallhin getreulich mitgegangen, nicht in der Hoffnung auf Belohnungen. sondern unsere Pflicht erfüllend. Von unseren Mitbürgern wurde uns das übel vergolten. Desto höher war unsere Freude über die Bestätigung, daß wir dem Besten seiner Zeit genug getan, dem Kaiser selbst. Noch klingen seine Worte in unserem Herzen weiter, die er au die Deputation der Juden anläßlich seines sechzigjährigen Regierungsjubiläums gehalten hat, diese tiefen Worte, mit der er gerade gegenüber der jetzt herrschenden Strömung unsere in Wohltätigkeit und Familiensinn betätigte Menschlichkeit hervorgehoben hat. Das war ein neues zu den vielen und großen Schulddokumenten unserer ergebenen Dankbarkeit für den ritterlichen Monarchen. Das größte aber waren die Gesetze, durch welche er uns die Neuzeit mit ihrem Segen an Freiheit, freie Bildung, freie Arbeit, freie Bewegung eröffnet hat. Das war nicht etwa die leichte Unterschrift unter ein vom Parlamente verlangtes Gesetz,