Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 Seite 539 Dr. Blochs Wochenschrift. in Vorschlag gebracht wurde. Dieser Antrag des OrtSschulrateS erhielt durch ein einstimmiges Votum der Gemeindevertretung und einer Petition, gefertigt von sämtlichen Eltern schulbesuchender Kinder, die kräftigste Unterstützung. Außerdem sprach eine Deputation, bestehend aus drei Mitgliedern des Ortsschulrates, bei den maßgebendsten Bezirksschulräten, ja selbst bei Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Schmied!, der damals als Vertreter der Judenschaft des Bezirkes Sechshaus Sitz und Stimme im Bezirksschulräte hatte, vor, um auch mündlich den erwähnten Einzelvorschlag zu befürworten. Wenn dessenungeachtet die Oberlehrerstelle an einen katholischen Bewerber verliehen wurde, so war dies nur der Einflußnahme höchster Kreise zuzuschreiben; ein Präjudiz mußte um jeden Preis verhindert werden. Auch war es kein bloßer Zufall, daß bereits im nächsten Jahre, 1882, dem Abgeordnetenhause eine Schulnovelle zur Annahme unterbreitet wurde, deren wichtigste Bestimmu.ig dahin lautete, der Oberlehrer müsse seiner Konfession nach der Majorität der Kinder angehören. Diese Novelle erlangte bekanntlich nach hartem Kampfe mit einfacher Majorität von vier Stimmen Gesetzeskraft. Es ist daher das Verdienst dieses tüchtigen und pfl chttreuen SchulveteranS, wenn heute trotz des antisemitischen Regimes jüdische Lehrkräfte in leitender Stellung Verwendung finden. „Hasomix", Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst. Der rührige Verein, der eine Reibe von Darbietungen ostjüdischer Literatur und Kunst dem Wiener Publikum bescherte, beschloß seine Sommertätigkeit mit einem im Cafe Neptun, XX., Matbildwplab, abgehaltenen, gutbesuchten jüdischen Abend. Herr Redakteur Jakob Kraß sprach über das Thema: „Der ethische Wert der jüdischen Literatur" und fand für seine geistvollen Ausführungen lebhaften Beifall. Lebendig gestaltete sich die jüdische Literatur in den Schöpfungen des Herrn Kantor Grob, die dieser meisterhaft vortrug. Nach dieser Saat will der Verein ernten und nachdem er dem jüdischen Publikum die regsame, schaffende jüdische Seele gezeigt hat, ruft er die Juden Wiens zu tätiger Mitarbeit auf. Nicht durch den Dolmetsch, nicht durch die Brille des Kritikers soll der Wiener Jude Kenntnis vom ostjüdischen Kulturleben erlangen, unmittelbar auf ihn soll es wirken und alles Jüdische, das in seiner Seele schlummert, zum Leben wecken. Unmittelbare Berührung mit der Sprache und ihren Bildungen verleiht das nötige Verständnis, die selbstverständliche Voraussetzung zum Zusammentun von Ost und West. Und dem Träger unserer Sprache, dem feinsten Gebilde unserer Seele, dem Gesänge, soll ein Heim in Wien geschaffen werden. Wir laden alle Musikfreunde ein, der geplanten G esangssektion beizutreten. Die erste Zusammenkunft zur Besprechung der Interessenten findet Dienstag den 16. August 1910 um 8 Uhr abends im Restaurant Hirschbein, II., Schiffamtsgasse 20, statt. Wien. Der Ausschuß der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler hat in seiner letzten Ausschußsitzung beschlossen, in Galizien während der Ferien jüdisch-literarische Abende zu veranstalten und hat den Seminarleiter, Herrn cand. phil. Max Präger mit der Ausführung dieses Planes betraut. Die Liebenswürdigkeit und das Entgegenkommen des zionistischen Zentralkomitees in Galzien bat es Herrn Präger ermöglicht, Vorträge in allen größeren Städten Galiziens zu veranstalten; unter anderem einen Herzl-Abend, einen Perez-Abend, einen Beda-Abend, einen jung-jüdischen Abend und andere Vorträge jüdisch-wissenschaftlichen Inhaltes. Die Lese- und Redehalle erhofft durch diese Vorträge das Interesse für jüdisch wissenschaftliche Arbeit in der jüdischen Bevölkerung Galiziens zu erhalten und zu fördern. Im kommenden Wintersemester werden die im letzten Semester mit gutem Erfolge geleiteten Seminare ihre Arbeit wieder aufnehmen und werden auch größere Vorträge an der Universität stattfinden. Das Lokal der Lesehalle, IX., Hahngasse 15, bleibt während der Ferien für Mitglieder geöffnet und werden auch daselbst in Studienangelegenheiten in der Zeit von 10—12 Uhr vormittags bereitwilligst Auskünfte erteilt. Die Ferialleitung besieht a> s den Herrn J.U.C. Max Körner, Herrn J.U.C. Ignatz Berl und Herrn phil. Chaim Wasser. Aastritte aas dem Judentum Vom 31. Juli bis 6. August 1910. Bäräny Ernst, geb. 14. Juli 1891, XVII., Pointengasse 38. Defries Adolf, Privat, geb. 27. April 1878, Jägerndorf, VII. Bezirk, Hermanngasse 83. Epstein Paul, Kuratoriums-Sekretär der Neuen Handelsakademie, geb. 26. Dezember 1880, Karlsbad, XVII., Kulmgasse 38. Hacker Rudolf, geb. 28. September 1869, Wien, X., Eugeng. 40. Koritschoner Alois, geb. 23. Dezember 1873, Wien, XIX., Iglaseegasse 14. Rauch Dionis, Student, geb. 24. September 1895, Wien, IV. Bezirk, Schaumburggasse 32. Reichner Albin, geb. 2. Juli 1882, Lomnitz, XVI., Grundsteing. 10. Rothziegel Leo, Buchdruckereiarbeiter, geb. 5. Dezember 1882, Wien, II., Blumauergasse 18. Schultheis Elsa, geb. 8. Jänner 1888, Wien, wohnhaft in Budapest Wollner Egon, Ledergalanteriearbeiter, geb. 2. Februar 1886, Prag, IX., Pramergasse 9. Das Rabbinat und Matrikenführung der Israel. Kultus* gemeinde in Aussig a. E. teilt mit d. a. Zuschrift Z. 71 vom 6. Juli 1. J. mit, dass Arthur Singer, Bahnbeamter der k. k. Staatsbahn in Aussig, geboren am 11. Dezember 1882 in Mistelbach, Niederösterr., zuständig nach Mistelbach, ledigen Standes, bisher mosaischer Konfession seinen Austritt aus derselben und Eintritt in die römisch-katholische Kirche bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Aussig a. E. angemeldet hat. Jungbunzlau. Am 17. August d. I. feiert Herr Heinrich F. Eisenschimmel, Großkaufmann in Jungbunzlau seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar genießt wegen seines Charakters und wegen seines humanitären Wirkens allgemeine Wertschätzung. Ec wirkte Jahrzehnte hindurch als Kultusrat, als welcher er der Gemeinde vielfache Dienste leistete, und als Vorsteher der Chewra-Kadischa, von deffen ersprießlicher Tätigkeit der Jungbunzlauer Friedhof Zeugnis ablegt. Herr Eisenschimmel hatte mehrere Jahre hindurch dem Stadtrate angehört, er ist Direktor der städtischen Sparkaffe und Ausschußmitglied vieler Vereine und seine gemeinnützige Tätigkeit erweist sich segensreich auf vielen Gebieten. An der Seite einer ausgezeichneten Gattin, der Tochter einer vornehmen Prager jüdischen Familie, welcher auch kais. Rat Sigmund H o r i tz in Prag und Handelskammerpräfident und Herrenhausmitglied Alois Neumann in Reichenberg angehören, war ihm vor vier Jahren das Glück zuteil, das goldene Ho'chjeitsfest zu feiern. Die zahlreichen Freunde und Verehrer des Herrn Eisenschimmel rüsten sich, seinen 80. Geburtstag wiederum festlich zu begehen. Lassee (Niederösterreich). (Todesfall.) Am 4. d. M. verschied hier der allgemein geachtete Kaufmann Leopold Alt mann im Alter von 64 Jahren. Tags darauf fand im nahen Gänserndorf auf dem israelitischen Friedhofe bei zahlreicher Beteiligung von Verwandten und Bekannten die Trauerfeier statt. - n— Deutsch-Brod. Am Sonntag den 7. August 1910 wurde hier Herr Josef Stiaßny. Begründer und Seniorchef der Tuchfabriksfirma Brüder Stiaßny, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Außer vielen Ortsansäßigen waren ans den Nachbarstädten Deputationen erschienen, aus Nah und Fern Verwandte zusammengeströmt» um dem Verblichenen, der ein Mensch im edelsten und schönsten Sinne des Wortes war, das letzte Geleite zu geben. Aus kleinen Anfängen hatte er sich emporgearbeitet und wenn er sich auch durch eigenen Fleiß, eigener Hände Arbeit alles erworben, so gedachte er immer seiner Mitmenschen. Für iedes einzelne Glied seiner großen Verwandtschaft sorgte er wie ein Vater für sein Kind. Doch nicht allein Verwandte, sondern auch Fremde bedachte er mit seinen Wohltaten, überall wirkte er als Menschenfreund im Stillen. Er war der Vater der Familie, der Vater der Armen, der Vater seiner Arbeiter. Und wenn Hunderte Menschen dem Sarge folgten, sie alle trugen damit bloß einen kleine» Zoll des Dankes ab, den sie für ihn empfinden. Außer der großen Schar von Leidtragenden, den Arbeitern der Fabrik, bemerkte man noch Deputationen verschiedener Vereine, die hiesige Stadtvertretung, die Kultus-Vorsteher, den Vorsteher der Chewra-Kadischa, Deputationen aus allen Nachbarstädten. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Singer schöne Worte. Er erinnerte daran, was leider jeder einzelne erkennen mußte: Welch' große Lücke der Tod dieses Edlen in unseren Reihen gerissen. Namens der Verwandten nahm ein Neffe. Herr Rabbiner Schrecker aus Neubidschov, ergreifend Abschied. Alle standen an dem offenen Grabe jenes Biedermannes vom Schmerze übermannt, weil sich jeder deffen bewußt geworden, daß weder der Familie noch der Oeffentlichkeit ein zweiter Josef Stiaßny erstehen wird. M. L. Leichenbegängnis des Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel in Lemberg. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Das Donnerstag den 4. August stattgefnndene Leichenbegängnis des im blühenden Alter von 37 Jahren jäh verschiedenen Reichsratsabgeordneten Dr. Gäbet gestaltete sich zu einer Manifestation, wie man deren seit vielen Jahren auch nicht annäherd Zeuge war« Die anwesenden Polizeifunktionäre schätzen die Zahl der Trauergäste aus 10—15.000, von denen nicht zu sprechen, die längs des ausgedehnten Weges vom Brodyer Bahnhofe bis auf den jüdischen Friedhof Spalier bildeten. Schon eine Stunde vor Beginn der Leichenfeier war der Bahnhof von einer großen Menschenmenge besetzt. Nach einer kurzen religiösen Zeremonie setzte sich der endlose Zug in Bewegung. Die Mitglieder sämtlicher biefiger und einiger auswärtiger jüdischer Studentenvereine bildeten das Ehrenspalier.