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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-08-12 · 32 (12.8.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 537 König Georg an eine 101 jährige. In London feierte vorige Woche Frau S. W. Cohen ihren 101. Geburtstag. Die hochbetagte Dame wohnt feit 74 Jahre in einem und demselben Hause, 32 Broadway, Westminster. Unter den zahlreichen Glückwünschen, die der Greisin zu ihrem seltenen Geburtstagsfeste zukamen, erregte ihre Freude in besonderem Maße ein Gratulationsschreiben des Königs Georg von England, gegeben auf der königlichen Aacht Toroay. Das königliche Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Der König hat mit Interesse erfahren, daß Sie Ihren 101. Geburtstag begehen. Se. Majestät entbietet Ihnen Seine Glückwünsche und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Sie sich in guter Gesundheit befinden und in der Lage find, sich des denkwürdigen Tages zu freuen." Anläßlich ihres 100. Geburtstages erhielt Frau Cohen ein Gratulationsschreiben des Königs Eduard. Der Hofmaler des Gaikawar von Indien. Die Londoner „Times" berichten: Vorigen Sonntag gab der bekannte Porträtmaler S. Rahamin Samuel im Hotel Ritz ein Diner zu Ehren Sr. Hoheit des Gaikawar von Baroda in Indien, an welchem außer dem Gastgeber und dem fürstlichen Gaste noch teilnahmen: Die Gemahlin des Fürsten, Prinzessin Indira, die Prinzen Shivagiro und Jasingrav, Prinzessin Sitabai, Generalpostmeister Herbert Samuel, Herr und Frau Spielmann, Lucien Wolf u. a. Den Anlaß zu diesem Diner gab die Fertigstellung des lebensgroßen Bildes des indischen Fürsten durch den Maler S. R. Samuel. Das Bild, das gegenwärtig in der königlichen: Akademie in London zu sehen ist, wird allgemein bewundert. Der Künstler, der seine Studien in der Londoner königlichen Akademie absolvierte, hat die Porträts fast aller Mitglieder der Gaikawar-Familie gemalt. Die russische Regierung und die Auslassung des Ansiedlungs- Ray ons. In Verbindung mit den von den progressiven Duma- Abgeordneten eingebrachten Antrag auf Aufhebung des Anfiedlungsgebietes für Juden, läßt die Regierung gegenwärtig, wie russische Blätter berichten, alle auf die gesetzliche Stellung der Juden in Rußland bezüglichen Materialien Zusammentragen und übersichtlich aufarbeiten, um für die zu erwartende Debatte vorbereitet zu sein. Wie verlautet, sei die Regierung bereit, einer Ausdehnung des Anfiedlungsgebietes in dem Sinne zuzustimmen, daß den Juden in allen größeren und kleineren Städten ein Wohnrecht eingeräumt, ihnen der Aufenthalt in den Dörfern nach wie vor verboten bleibe. Die Verfolgung eines jüdische» Gelehrten. Am 22. d. M. wird beim Jekaterinodarer (Rußland) Kriegsgericht ein sogenannter Anarchistenprozeß durchgeführt werden. Angeklagt sind 68 Personen. Unter diesen Angeklagten befindet sich auch der in medizinischen Kreisen Rußlands hochangesehene Gelehrte Dr. Maierowitsch, Verfasser einer Anzahl grundlegender wissenschaftlicher Werke. Dr. Maierowitsch ist seit 26 Jahren Leiter des städtischen Spitales in Jekaterinodar und genoß die ganze Zeit hindurch das größte Ansehen. Der Gelehrte, der heute im 58. Lebensjahre steht, wurde für seine hervorragenden Dienste im russisch-japanischen Kriege mit einem hohen Orden ausgezeichnet und anläßlich der Wahlen in die erste und zweite Duma zum Wahlmann gewählt. Ganz unerwartet wurde nun Dr. Maierowitsch unter dem Verdachte, daß er mehrere der Angeklagten in dem unter seiner Aufsicht stehenden Spital verborgen gehalten hätte und daß er einer anarchistisch-kommunistischen Organisation angehöre, in den Prozeß verwickelt. Ursprünglich wurde er infolge dieser Beschuldigung trotz mangels jeden Beweises auf administrativem Wege zur Verschickung nach Sibirien auf drei Jahre verurteilt, doch wurde damals das Urteil vom Ministerium des Innern aufgehoben. Trotzdem wurde der allgemein geschätzte Gelehrte jetzt vor das Kriegsgericht gestellt. Seine Verteidigung hat der berühmte Petersburger Advokat N. D. Sokolow übernommen. Eine interessante Statistik. In der letzten Session der ruffischen Duma wurden 87 Reden gegen die Juden gehalten, u. zw. von 70 Rechten, 7 Nationalisten, 2 rechten Oktobristen und 8 gewöhnlichen Oktobristen. Für die Juden wurden 106 Reden gehalten. Die zwei jüdischen Deputierten haben Vierzehnmal das Wort ergriffen. Die Sozialdemokraten 25 mal, Mitglieder der Arbeiterpartei 10 mal, Kadetten 21 mal und die übrigen Gruppen je 2 mal. Judenvertreibung in Turkestan. Wie bereits einmal gemeldet, erließ der Generalgouverueur von Turkestan eine Aufforderung an alle ihm unterstehenden Behörden, wonach die Bucharischen Juden auS Turkestan ausgewiesen werden sollen. Der Polizeichef des hinterkaspischen Bezirkes wandte sich hierauf an den Generalgouverneur mit einer Vorlage, im Sinne welcher nicht nur die persischen und die Juden aus Afghanistan, aus Turkestan vertrieben werden sollten, sondern auch die sogenannten „Dschediden", das find solche Juden, welche schon vor Jahren die mohammedanische Religion angenommen hatten. Die Vorlage des Polizeichefs fand nunmehr die Zustimmung des Generalgouverneurs und Elfterer erhielt den Auftrag, die Liste der auszuweisenden jüdischen Familien beider Kategorien so rasch als möglich anzufertigen. Nach den nunmehr fertiggestellten Daten dürfte es sich um ungefähr 600 Familien handeln, die zur Vertreibung verurteilt find. Zur Liquidierung ihrer Geschäfte ist den von Maßregeln Betroffenen eine Frist von einem Monat gewährt worden, nach deren Ablauf die Vertreibung unwiderruflich erfolgen wird. Cholera und Pest in Rußland. Rußland wird jetzt von den mörderischen Epidemien heimgesucht, die in manchen Städten die Bevölkerung dezimiert. Die Juden, die in der letzten Zeit von den Vertreibungen, den Brandstiftungen der Verbändler und anderen Verfolgungen zu leiden hatten, find jetzt den Schrecken der Seuche ausgesetzt, die eine Folge der rückständigen sanitären Zustände und der Verdummung des Volkes durch die Pogromhelden ist. Trotz aller Unterdrückungen und trotz dem Umstande, daß, wie ruffische Blätter melden, russische Aerzte vor einer Behandlung der Kranken Angst haben, melden sich jüdische Aerzte in großen Mafien, ihr Leben zur Rettung ihrer Mitmenschen aufs Spiel zu setzen. Aber die russische Bureaukratie bleibt in ihrem Judenhaffe fest, sie lehnt alle Anträge jüdischer Aerzte ab. Lieber sollen noch Hunderte oder Tausende der Epidemie zum Opfer fallen, als daß die Kranken von Juden gerettet werden. Andererseits werden Juden, die unter Beobachtung wegen Choleraverdachtes stehen, nicht einmal die kleinsten Wünsche erfüllt. So wurde in Odeffa die Bitte einer Anzahl choleraverdächtiger Juden, rituell speisen zu dürfen, rundweg abgelehnt. Zerstörte russische Kolonien in Beßarabieu. Die jüdischen Ackerbaukolonien wurden vorige Woche von einem verheerenden Gewitter heimgesucht und fast vollständig vernichtet. Ein schrecklicher Hagel ging über die Felder nieder und verursachte ungeheueren Schaden. Die jüdischen Kolonisten, die selbst in guten Erntejahren unter Mangel an genügendem Boden leiden, befinden sich jetzt in der trostlosesten Lage, so daß die Auswanderung aus den jüdischen Kolonien wieder größere Dimensionen annehmen wird. Die Inden in Rhodesten. In Rhodesien gibt es wohl nicht viel Juden, aber die wenigen, die sich daselbst befinden, haben dem Lande große Pionierdienste geleistet, indem sie verschiedene neue Industrien einführten. Vor einiger Zeit fand in Livingstone, Nordwest- Rhodefien, die erste jüdische Trauung statt. Unter den Gästen befanden sich mehrere jüdische Persönlichkeiten, denen das Land vieles zu danken hat. So hat z. B. Robert Gordon, ein Jude, im Jahre 1899 an den Ufern des Zambefi-Fluffes mit großem Erfolge eine großangelegte moderne Viehzucht eingeführt, die

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