Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 624 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 31 Postulate, .die zu kreierende Staatsgcwerbeschule in Buczacz noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werde. Zu bemerken bleibt uns noch, daß Herr Bernhard Stern seit dem Jahre 1876 bei der ersten Wahl als Bürgermeister gleichzeitig auch in den hiesigen Bezirksrat und Bezirksratsausschuß wie auch in den k. k. Bezirksschulrat gewählt wurde und diese Ehrcnstellen bis heute ununterbrochen bekleidet. Als Präsident des hiesigen wohltätigen Vereines „Humanitas" wird Herr Bernhard Stern im Jahre 1911 das 40. Vorstandsjubiläumtzjabr feiern. Als charakteristisch bleibt uns noch zu bemerken, daß während der letzten achtmaligen durchgeführten Gemeinderatswahlen kein einziger Protest eingebracht wurde und der Bürgermeister immer im dritten Wahlkörper auch einstimmig als Gemeinderat gewählt wurde. Bei den Reichsratswahlen im Jahre 1907 für das neue Volkrhaus hat das hiesige städtische Komitee, bestehend aus Polen, Ruthenen und Juden einstimmig den Bürgermeister Stern als Kandidaten aufgestellt,. derselbe ist aber infolge der^Zerfahrenbeit im Wahlbezirke, nämlich in den mitbeteiligten Städten 8niatyn, Zaleszczki, Tlumacz, Borszczow und infolge des speziellen Wunsches des gottseligen Statthalters Grafen Andreas Potocki zu Gunsten des Abgeordneten Stephan Moysa von Nosochacki zurückgetreten. Die Stadt Buczacz, welche immer durch 35 Jahre einen jüdischen Abgeordneten, unter anderen waren Dr. Höuigsmanu, Rabbiner Schreiber. Dr. I. S. Bloch. Redakteur der „Oeiterrelchischen Wochenschrift", zusammen mit Kolomea, Zniatyn, gewählt hatte, hat bei der letzten Wahl infolge der Aeuderung des Wahlbezirkes und hauptsächlich infolge der Uneinigkeit in den benachbarten Städten unter den jüdischen Wählern das jüdische Mandat verloren. Buczacz ist der Hauptwahlort im städtischen Wahlkreis Buczacz, Lniatyn, ZaleSzczyki, Tk-macz. Aus Innsbruck wird uns geschrieben: Anfangs voriger Woche wurde hier Herr Hugo Schwarz, Seniorckef der geachteten Firma Bauer Schwarz, unter einem zahlreichen Geleite aus allen Kreisen der Bevölkerung zu Grabe getragen. Derselbe war ein langjähriges, verdientes Ausschußmitglied der israelitischen Vereinigung Innsbrucks, sowie der „Chewra Kadischa" und betäigte sich in diesen Stellungen mit einem seltenen, Pflichteifer. Hugo Schwarz hat stets gezeigt, daß er ein warmfühlendes Herz fürs Judentum besaß, was jetzt neuerdings die von ihm testierten wohltätigen Legate beweisen. Statt unseres auf Urlaub befindlichen Herrn Rabbiners wurde Herr Dr. Tänzer zur Trauerfunktion berufen, der dem Dahingeschiedenen eine formvollendete, ergreifende Grabrede hielt. In Abwesenheit unseres Herrn Obmannes sprach deffen Stellvertreter Herr Louis Bauer Worte des Dankes und der Anerkennung für das langjähige verdienstvolle Wirken des edlen Verstorbenen. Wir verlieren in Hugo Schwarz eine imminente Arbeitskraft, die nur schwer zu ersetzen sein wird, ein hochachtbares Mitglied unserer Gemeinde; er war nicht nur ein treuer, fürsorglicher Gatte, Vater und Bruder, er war überhaupt rin guter Jude und Menschenfreund. Möge der zu früh Dahingegangene in Frieden ruhen, wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Cseszte (Schattmaunsdorf). Am 30. Juli wurde hier der Gutsherr Exzellenz Graf Stefan Palffy zu Grabe getragen. Der Gesamtvorstand der israelitischen Kultvsgemeinde beteiligte sich an dem Leichenbegängniffe. In der Synagoge widmete Herr Rabbiner Frankl, der allverehrte, seit mehr als vier Dezennien hier wirkende Seelenhirte, dem im 82. Lebensjahre verblichenen Gutsherren einen warmen Nachruf, der in den Herzen der zahlreichen Anwesenden, darunter viele Wiener, die die herrliche Luft clljährlich hieherzieht, lebhafte Teilnahme wachrief. In gewohnt eloquenter Weise schilderte Redner die hohen Tugenden Stefan Palffys, dessen Milde, Wohltätigkeit und Bescheidenheit, deffen warmes Herz auä für die jüdische Gemeinde, die es nur der Fürsorge der gräflichen Familie dankte, daß sie im Sturmjahre 1848 vor Plünderung verschont blieb. Mit dem erhebenden Gefühl, einer Pflicht der Pietät und Dankbarkeit genügt zu haben, verließen die Hörer das Bethaus. Das antisemitische Restaurant im „Elisabethhof" in Karlsbad. Wir erhalten folgende Mitteilung: Die Firma Markus Königsteins Söhne in Bisenz sandte an den Restaurateur Reinhold Wenzel Thomas in Karlsbad ein Preisblatt, welches der Genannte übernommen, mit einer das Judentum schmähenden Stampiglie versehen und in dem Briefkasten geworfen hat. Das Preisblatt bekam die Firma Königstein durch die Post zurück und übersende Ihnen dasselbe zu Ihrer Verfügung ein. Krakau. Am 30. v. M. verschied nach schwerem Leiden der beliebte, geachtete und streng religiöse Kaufmann A. Jnfeld, dessen ältester Sohn Max aus London, zurzeit Reichenhall, noch rechtzeitig zur Beerdigung kommen konnte, während die anderen Kinder alle in Krakau anwesend waren. Es ist ein großer Trost sür alle Mitglieder der Familie, daß der älteste Sohn des Herrn A. Jnfeld an der Cambridger Universität „Wrangler" im B. A., also mit der höchsten Auszeichnung (Bachelor of Art.) die Prüfungen bestanden und von der Universität zu weiterer Ausbildung nach dem Auslande geschickt wurde. So wie Brodetzki auf dem Gebiete der Astronomie die Aufmerksamkeit aller Gelehrten auf sich gelenkt, so verspricht auch Louis Jnfeld, dessen Biographie sämtliche Fachzeitschriften nach der letzten Prüfung gebracht haben, auf dem Gebiete der Mathematik Hervorragendes zu leisten. Adelsverleihung an einen orthodoxen Gemeindepräsidenten. Dem Präsidenten der Klausenburger (Siebenbürgen) orthodoxen Kultusgemeinde, Moritz Tischler, und seinen gesetzlichen Nachkommen wurde vom Kaiser in Anerkennung der Verdienste, die er sich auf volkswirtschaftlichem Gebiete erwarb, taxfrei der ungarische Adel mit dem Prädikate „de Nagy-Iklod" verliehen. Moritz von Tischler ist Großgrundbesitzer und Mitglied des Munizipalausschusses des Klausenburger Komitates. In derselben Nummer des Amtsblattes wird auch mitgeteilt, daß einem anderen Glaubensgenossen, dem Mitglieds des Munizipalausschusses des Komitates Bars, - Großgrundbesitzer Eduard Frankl und seinen gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung seiner Verdienste in öffentlichen Angelegenheiten taxfrei der ungarische Adel verliehen wurde. Eine Falascha-Schule in Erythrea. Das „Pro - Falascha - Komitee" in Florenz beschloß in seiner jüngsten Sitzung, in der italienischen Kolonie in Erythrea (Abessinien) eine Schule für Falascha-Kinder zu errichten. Der Gouverneur der Kolonie hat seine tatkräftige Unterstützung zugesagt. Hiermit ist der erste Schritt getan um diesen im Aussterben befindlichen jüdischen Volksstamm der modernen Kultur näherzubringen und zu erhalten. Stratzburg. Dieser Tage starb zu Paris der von hier stammende Herr Dr. Edouard Bamberger. Geboren im Jahre 1825, ließ sich der Verblichene im Jahre 1858 zu Metz nieder, wo er sich mit Fräulein Terquem vermählte. Während des Krieges nahm er sich in der hingebungsvollsten Weise der Verwundeten an und wurde aus Erkenntlichkeit dafür im Jahre 1871 vom Departement Moselle in die Nationalversammlung gewählt. Dort spielte er eine hervorragende Rolle. Er protestierte gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen, und auf sein Eingreifen ist sowohl die Absetzung Navoleons wie auch der Prozeß gegen Bazaine zurückzuführen. Später wurde er von Neuilly zum Mitglieds der Deputiertenkammer gewählt, in welcher er von 1876 bis 1881 verblieb. Obschon er in religiöser Beziehung durchaus freien Anschauungen huldigte, nahm er sich doch häufig seiner Glaubensgenossen an. So beantragte er am 16. Mai 1874, den jüdischen Zöglingen der staatlichen Manufakturen zu erlauben, am Sonntag statt am Samstag zu arbeiten, wahrlich ein schönes Zeichen religiöser Toleranz. Man kann ruhig behaupten, daß mit» Dr. Bamberger einer der Begründer der dritten Republik dahingegangen ist. gaffst. Das Gesetz der Sonntagsruhe, das mit aroßer Strenge durckaeführt wird, ist für die zahlreichen jüdischen Handwerker, welche Sabbatrube halten, ein Unglück. Während das Gesetz der Kammer vorlag, haben die Rabbiner Dr. Beck, Tauber, Schorr-Bukarest und Dr. Niemirower-Jasty dem Minister Bratianu eine Petition zukommen lösten. Die Judenheit aber rührte sich nicht. Jetzt, nachdem das Gesetz in Kraft getreten, herrscht, besonders in der Moldau, große Aufregung. In Jassy fand eine Maslenvers ammlung statt; die Rabbiner waren anwesend, mit Dr. Niemirower an der Spitze, der eine flammende Rede hielt. Es wird ein Gesuch dem Minister überreicht behufs einer Interpretation des Gesetzes zugunsten der Schoumlei Schabbos. Doktor Niemirower, Präsident der hiesigen Loge, erklärte, daß nach der Vakanz die Bnei Brith energische Schritte bei Regierung und Parlalament machen werden.